5. Februar 2007
Gute Aussichten
Zum Frosch Reiseziel Sportclub Carlton in Crans Montana, Schweiz
Wer wie ich und meine vier Mitstreiter immer im Januar eine Woche Ski fährt, ist normalerweise Temperaturen im zweistelligen Minusbereich gewohnt. Dass es dieses Jahr etwas wärmer werden würde, zeichnete sich schon Wochen vorher ab, und ehrlich gesagt war ich als dauerfrierender Mensch nicht so böse drum. Ohne Minusgerade gibt es aber keinen Schnee und so bibberten wir eine Woche vor unserem Urlaub nicht vor Kälte, sondern vor Angst, dass nicht genügend Schnee in Crans Montana liegt. Die Busfahrt war wie immer so bequem oder unbequem, wie eine Busfahrt über Nacht halt sein kann, der Sitzplatz machte es wohl nicht besser. Dafür waren die beiden Busfahrer echte Komödianten. Kostprobe:”Heute im Angebot, unser Drei-Gänge-Menü: Bockwurst, Pappteller und Serviette!”. Als unser komfortabler Doppeldecker dann am Samstagmorgen in Crans Montana ankam, waren wir trotzdem ein wenig unruhig, denn im Tal und auch im Ort nichts als braune Hänge. Schnee? Fehlanzeige.
Ruhig, Brauner
Zum Glück beruhigte uns Hausleiter Marcel aber gleich bei der Ankunft am Sportclub Carlton: Auf dem Berg liegt Schnee, nur die Talabfahrt, die sonst fast bis zum Haus geführt hätte, ist nicht möglich. Nach einem Frühstück, bei dem wir mit den nötigsten Infos versorgt wurden, nutzen wir gleich die Gelegenheit, an diesem Tag schon Ski zu fahren. Eine gute Wahl, bei strahlendem Sonnenschein war das “anfahren” eine wahre Freude. Trotzdem sollte man es am ersten Tag nicht übertreiben, ein paar Untrainierte wie ich hatten auf fast 3.000 Meter ein wenig Probleme mit der Kondition, und leider gab es bei uns schon am ersten Tag zwei Verletzte, der eine leider so schlimm, dass er mit einem gebrochenem Arm ein paar Tage im Krankenhaus verbringen musste. An dieser Stelle noch mal gute Besserung an den Betroffenen.
Leben am Limit
Nach diesem doch recht anstrengenden ersten Tag freuten wir uns wie die Schneekönige auf die Sauna, war diese doch ein Grund, warum wir uns für das Carlton entschieden hatten. Von einzigartigem Panorama auf dem Dach des Hauses war im Katalog die Rede, und es wurde uns nicht zu viel versprochen. Auf der Holzbank schwitzen und durch die Glastür die 3000er in untergehender Sonne betrachten – das ist schon verdammt entspannend. Dazu noch einen Wellness-Cocktail, so ließ es sich gut aushalten. In nächster Zeit soll die Sonnenterrasse auf das Dach verlegt werden, die im Moment etwas knapp bemessene Ruhezone wird dadurch größer.

Alles Käse, oder was
Auch der Rest des Hauses war echt in Ordnung, von den Zimmern mit Balkon bis hin zum großen Speisesaal. Apropos Speisen, das Abendessen, das aus Suppe, Salat, Hauptgericht und Dessert bestand, war hervorragend, auch für Vegetarier wie mich. Lecker war der Raclette-Abend, für den der Saal passend mit Schweizer Fähnchen dekoriert war. Auch ein Käse-Fondue darf bei einem Urlaub in der Schweiz nicht fehlen, dies nahmen wir im nahe gelegenen Montana in einem Restaurant ein. Lecker, lecker, leider war die Bedienung ein wenig muffelig und verweigerte uns den versprochenen Zuschlag. Die Revolte blieb aber aus, denn viel Käse macht träge…
Skifahren konnte man auch
Nun aber zum Skifahren, denn dafür waren wir ja hier. Der Schnee war für diesen geradezu tropischen Winter überraschend gut. Mit einer kleinen Gondelbahn, die nur ein paar Meter hinter dem Haus liegt, kamen wir direkt ins Skigebiet. Das Skigebiet ist vergleichsweise klein. Die Pistenanzahl ist nicht allzu hoch und auch der Schwierigkeitsgrad ist eher im mittleren Bereich. Es gab nur zwei schwarze Pisten, die in anderen Skigebieten aber eher als rot durchgehen würden. Insofern ein Skigebiet, das gut für Anfänger und die mittlere Könnensstufe geeignet ist, aber auch wir Fortgeschrittene haben uns nicht gelangweilt. Zu empfehlen ist übrigens die lange Abfahrt vom Gletscher Plaine Morte oder die Carving-Piste in Aminona.
Wir hatten an mehreren Tagen schönsten Sonnenschein und Plus-Gerade, so dass wir unsere Zeit auch durch ausgedehnte Mittagspausen gut füllen konnten. Zu empfehlen ist hier die “Amadeus-Bar”, eine offene Hütte mit einem schließbaren Dach. Bei Sonnenschein kann man draußen im Liegestuhl oder sogar auf einem Plastiksofa die Aussicht genießen und nach dem Matterhorn suchen. Dies sollte angeblich gut zu sehen sein, welches der vielen Bergspitzen es nun aber war, darüber hatte jeder gefragte Teamer oder Einheimische eine andere Meinung. Eine schöne Aussicht gibt es natürlich auch von den Sonnenterassen der Hütten an den Gondelstationen, doch sind diese halt eher Massenabfertigung. Die kleinen Hütten, so auch die an der Mittelstation unserer Einstiegsgondel, haben meistens mehr Charme – die Preise sind ohnehin bei allen teuer, Schweiz halt. Clans Montana ist übrigens im französischsprachigen Teil der Schweiz und auch wenn die meisten Einheimischen Deutsch sprechen, sind sie doch um einiges hilfsbereiter, wenn man versucht, ein paar Brocken Französisch zu sprechen. Allez-y!

Die Örtlischkeitän
Wer kein Französisch spricht, aber eine gut gepolsterte Kreditkarte hat, kann in Crans oder Montana – das sind streng genommen zwei Orte – gut einkaufen gehen. Vorausgesetzt, er ist bereit, für eine Gucci-Handtasche oder ein Gürtelchen eine fünfstellige Summe auszugeben oder interessiert sich für unbezahlbare Immobilien. Zum “Windowshopping” ganz gut geeignet, ist das mondäne Crans für reales Shopping sicherlich eine Preisklasse zu hoch. Wer Skizubehör braucht, erhält zwar beim Frosch-Partner im Ort Rabatt, ansonsten sollte man eventuellen Bedarf aber lieber zuhause decken. Einen Skiservice gibt es übrigens im Carlton selbst, auch Helme und Stücke können bei den Teamern ausgeliehen werden. Montana ist etwas günstiger als Crans und enthält auch einen Laden, in dem es witzige Schweiz-T-Shirts fernab vom üblichen Touristen-Kitsch zu kaufen gibt. Für Online-Süchtige gibt es in Montana auch ein Internet-Café.

Und dann war da noch…
Da in unserer Woche das Haus mit etwa 45 Gästen nur halb gefüllt war, hatten wir ein zahlenmäßig gutes Teamer-Gast-Verhältnis. Auch die Betreuung war aus meiner Sicht gut, nach dem Abendessen gab es Angebote wie eine Fackelwanderung oder Entspannung beim hauseigenen Physiotherapeuten, bei dem man auch eine Massage buchen konnte. Leider fingen die Abendaktivitäten meist erst gegen 21:30 oder 22.00 Uhr an. Wer sich nach dem Abendessen noch mal kurz hinlegen wollte, hatte erfahrungsgemäß “verloren”. Tagsüber gab es mal Glühwein auf der Terrasse, mal einen Slalom aus der Piste inklusive Kakao und Kuchen. Auch an den zwei Tagen, an denen wir aufgrund von schlechtem Wetter nicht fahren konnten, ließ sich das Team was einfallen, es gab einen Fitnesskurs, eine Wanderung und die Sauna wurde einfach mal früher geöffnet und Kuchen organisiert. Prima.
Abends konnte man auch einfach in die Bar gehen, leider funktionierte die Lüftung zumindest an den ersten Tagen nicht besonders gut, so dass die Luft für Nichtraucher doch etwas knapp wurde. Nach dem Abschlussabend, der mit Karaoke begann und mit dem ein oder anderen Gläschen doch eher spät endete, ging’s mit wieder mit dem Wilms-Shuttle und den lustigen zwei Busfahrern zurück. Aber nächstes Mal buche ich wohl einen Liegeplatz. Man wird ja nicht jünger…
Britta Heydenbluth
