17. Oktober 2007
Asalam Aleikum Gunni – Reisebericht Oman
Reisebericht von Gunni Pfaff (Reiseleiterin vor Ort)
FROSCH Reiseziel Oman – Aktiv
“Asalam Aleikum Gunni”, so werde ich von Yaser begrüsst, als ich zu meinem zweitägigen Wüstentrek im “1000 Night Camp” ankomme. “Friede auch mit Dir”, “Aleikum Salam” antworte ich ihm und er lächelt mich freundlich an, als ich ihm mit meinem deutschen Akzent antworte. Durch die Wahiba Sands soll es gehen, einer Sandwüste südlich von Muscat gelegen, der Hauptstadt Omans. Yaser ist Beduine, hat eine Frau mit zwei Kindern und English in der Schule und bei der Arbeit mit den Touristen gelernt.
Wir verschnüren mein Gepäck, die Schlafdecken und die Leinensäcke mit den Lebensmitteln auf den beiden Kameldamen Sheila und Eila. “Keine Zelte?”, frage ich Yaser ungläubig ”Brauchen wir nicht“, sagt er. Und dann hält er mir ein kleines Päckchen hin, “for you, desertsocks from the Bedus”. Ich öffne es und halte ein paar nach Ziegenhaar riechende, eng gestrickte Socken in der Hand. Wir verabschieden uns vom Camp und dann geht es endlich los. Yaser geht mit seinem Dromedar an der Hand voraus. Trotz des weichen Sandes und vereinzelter trockender, dorniger Sträucher kommen wir ohne gepiekt zu werden und zu tief einzusinken wunderbar voran. Die neuen Wüstenschuhe zahlen sich schon aus.

Schon bald ist das Camp nur noch in der Ferne zu sehen und hoch auf der ersten Düne angekommen breitet sich die klare Weite der Wüste vor uns aus. Ein unendliches Meer aus feinsten, vielfarbigen Sandkörnern, die aus verschiedenen Gebirgen der arabischen Halbinsel über hunderte von Kilometern von gleichmäßigen Winden hierhin transportiert worden sind. Ich frage Yaser wohin wir gehen und er antwortet, dass wir heute Mittag zu Gast bei Beduinen sein werden. Wir gehen immer tiefer in die Wahiba Sands hinein, die Dünenformen verändern sich ständig, mal in regelmässigen Wellen, mal sichelartig, mal mit dornigen Sträuchern bestanden. Wir kommen gut voran, die Sonne steigt immer höher am Himmel. Yaser schlingt kunstvoll mein mitgebrachtes, großes Tuch zu einem bequemen Turban auf meinen Kopf. Nach ca. zwei Stunden halten wir an zur “ Qahwa-Pause”. Wir binden Sheila und Eila die Vorderbeine zusammen und mit einem klaren “Schsch”-Laut läßt Yaser die beiden niederknien. Holz für ein Feuer zu finden ist kein Problem, überall finden wir trockene Äste der vereinzelt, hüfthohen Bäume und Sträucher. Aus der gusseisernen Kaffekanne zischt es bald wohlduftend. Der warme, leicht bittere Kaffee mit Kardamon gewürzt und zuckerfrei schmeckte erstaunlich gut.

In den nächsten zwei Stunden wird es deutlich wärmer, wir reiten nun auf den Rücken der Kamele durch die Sanddünen. Das herunterhängende Stoffteil des Turbans habe ich mir längst vor mein Gesicht gebunden, ist die Luft jetzt doch auf gute 45 Grad erhitzt. Plötzlich erhöhen unsere Kamele ihren so angenehm sanften, leicht schaukelnden Schritt und traben durch den tiefen Sand. Nach der nächsten Düne ist mir auch klar warum; in 200m Entfernung sehen wir zwei Kamele stehen und eine niedrige Behausung. Es ist schon Mittag und die Beduinenfamilie erwartet uns bereits. Die drei Männer begrüßen Yaser mit dem “Nasenkuss” der Bedus, die in Schwarz gekleidete Frau mit der Burak, der traditionellen Gesichtsmaske, heißt uns mit Handschlag und dem so familiären “Asalam Aleikum” willkommen. Wir werden gebeten vor ihrem aus einfachen Palmenzweigen und Stoffbahnen gestützt von “modernen” Eisenstangen gebauten Unterschlupf die Schuhe auszuziehen, wir betreten schließlich ein arabisches Haus!
Wir setzen uns unter das schützende Dach auf einen persischen Teppich und sogleich werden aus der Küche nebenan getrocknete Datteln und Qahwa gebracht. Wir stärken uns und während des Austauschs von Neuigkeiten aus den Oasen zwischen Yaser, den drei Jungen und ihrer Mutter wird viel gelacht. Auf meine Frage, ob das die ganze Familie sei, die hier 45km von der nächsten Oase entfernt lebt, antwortet die Mutter, dass sie noch eine Tochter hat. Ich bin sehr erstaunt, hatte ich bis jetzt doch keine andere Menschenseele gesehen noch gehört. Ich bitte zu ihr gehen zu dürfen, um sie zu begrüßen.Einer der Brüder führt mich um die Ecke in die sogenannte Küche, wo zwei tiefbraune Augen umhüllt von einem Kopftuch mich fröhlich anlächeln. Rachmer hat alles von unserer Unterhaltung gehört und nun freuen wir uns beide. Ich setze mich zu ihr, wir halten uns wie alte Freundinnen an den Händen, wenn wir sie nicht gerade zur Verständigung benötigen. In einem Gemisch aus Englisch, Arabisch und Gesten erfahre ich, dass sie vierzehn ist, unverheiratet und das dies der Grund ist, warum sie sich meinem Führer Yaser, der nicht zu ihrer Familie gehört, nicht zeigen darf. Eine gewisse Zeit hat Sie schon im Mädcheninternat von Ibra verbracht und fleißig gelernt, aber der Weg war immer so weit, dass sie in die Wüste zur Familie zurückgegangen ist. Außerdem hat die Familie stolze 150 Ziegen zu hüten und Rachmer beaufsichtigt sie an ihren Weideplätzen. Eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe, denn für eine Ziege erhält man bis zu 90 €uro auf den Wochenmärkten Omans. Die anderen rufen mich und ich muss Rachmer verlassen, allerdings nicht ohne von ihr ein Foto zu machen und dem Versprechen, es ihr beim nächsten Mal mitzubringen. Als ich wieder zu den anderen zurückkomme, ist schon ein schwerer Kessel bis zur Hälfte im Sand vergraben. Darin befindet sich weicher, gut klebriger Reis und frisches Lammfleisch. Mir wird sofort klar, dass es eine große Ehre ist zu einem solchen kostspieligen Mittagessen eingeladen zu sein! Doch zunächst müssen das feine Lammfleisch und der Reis miteinander zu einer dicken, gut mit den Händen formbaren Masse vermischt werden, wozu mir ein langes Stück Holz gereicht wird. Ganz schön anstrengend ist das Verrühren und Stampfen. Auf einer großen Platte serviert, und wir im Kreis darum sitzend, formen wir Aprikosengroße Bällchen, die wir uns dann genüsslich in den Mund schieben.
Nach diesem Festmahl heißt es Abschied nehmen. Bis auf Houssin, den jüngsten Bruder, fahren alle mit dem 20 Jahre alten Pickup nach Minthirib, auch Rachmer, um am nächsten Tag auf dem Ziegenmarkt zwei Ziegen zu verkaufen. Wir wünschen uns gegenseitig „Gute Reise“, Yaser und ich nehmen unsere Kamele an die Hand und laufen wieder hinein in die endlose Weite der Wahiba Sands.

Die Sonne geht in Oman früh am nördlichen Wendekreis des Krebses unter und so bleiben uns noch zwei Stunden bis zu unserem angepeilten Nachtlager. Endlich angekommen auf dem Kamm einer hohen Düne, suchen wir uns eine windgeschützte Mulde. Ich will gerade meine „Wüstenschuhe“ ausziehen, als Yaser still den Kopf schüttelt und erklärt, in den kühlen Stunden des Tages kommen die Skorpione heraus und da sind die dicht gestrickten Socken genau das Richtige. Wir breiten die mitgebrachten Decken aus, die uns als Sättel gedient haben, zünden ein Feuer an und setzen uns an den Rand des hohen Dünenkamms, um in der uns seit Stunden einhüllenden Stille der Wüste das wechselnde Farbenspiel der untergehenden Sonne anzuschauen. Yaser drückt den starken Tabak in seine kleine Pfeife, zieht zweimal und klopft sie aus. Ich lasse meine Augen die entspannte Wirkung des milden Abendlichtes genießen. Schnell geht sie unter, und wir machen uns daran in der heruntergebrannten, heißen Asche Wasser für den Reis aufzusetzen. Ich bin schon wieder hungrig und das einfache Reisgericht mit frischen Karotten, Zwiebeln, Kardamon und Nelken schmeckt vom Holzfeuer einfach hervorragend. Mit dem Sand reinigen wir den Topf und die große Platte. Ich lege mich in den Sand und staune die Milchstraße an. Mitten in der Nacht werde ich geweckt, ich habe mehrere Tropfen abbekommen, fühle meine Decke, die schon ganz nass ist, und verkrieche mich ganz unter ihr. „Mitten in der Wüste Regen, das gibt’s doch nicht!“, denke ich und schlafe wieder ein. Am nächsten Morgen trocknen die ersten Sonnenstrahlen unsere nass gewordene Ausrüstung innerhalb einer halben Stunde. Yaser, der irgendwo bei den Kamelen geschlafen hat, hat vom Regen der Nacht nichts mitbekommen.
Ich nehme meinen Waschbeutel und eine Plastikflasche mit Wasser und gehe zu meiner Morgentoilette. Herrlich das kühle Wasser im Gesicht. Überall sind die frischen Spuren der zahlreichen nachtaktiven Tiere zu sehen und kleine, getrocknete „Einschlagkrater“ der nächtlichen Regentropfen.
Nach dem Frühstück,bestehend aus schwarzem Tee mit Zucker und Datteln, brechen wir auf und gehen auf dem hohen Dünenkamm entlang nach Norden. Einhundert Meter unter uns eines der zahlreichen Längstäler der Wahiba Sands, durch die alleine man die Wüste vollständig von Norden nach Süden durchqueren kann. Yaser dreht sich zu mir um, ich sollt mein Gewicht nach hinten verlagern: „Wir werden jetzt ´sandgliden und zwar die Dünen runter“. Zunächst probieren wir kleine Dünen auf dem Rücken der tiefeinsinkenden Kamele aus. Volles Vertrauen muss man haben, um nicht dann doch abzusteigen und lieber das ganze zu Fuß zu machen. Aber dann macht es Riesenspaß. Bald aber erreichen wir den Rand des großen Dünenkammes. Hier läßt mich Yaser nun doch absteigen, er wolle nichts riskieren, und das bedeutet, mit den Kamelen am Seil die Düne hinunter zu gleiten. Ich stelle mich oberhalb von Sheila in Position und dann laufen wir gemeinsam die große Düne hinab. Ich muss aufpassen, dass sie mich nicht überholt mit ihren langen Beinen wohlmöglich auf den Fuß tritt oder mich an die Seite drückt. Es geht alles gut, Yaser schießt von unten Photos, zeigt sie mir grinsend und gibt mir beglückwünschend die Hand. Ich habe wohl so etwas wie eine „Kamelführerinprüfung“ bestanden.

Auf dem harten, windgepressten Boden des Längstales geht es zügig weiter. Wir passieren eine von Beduinen angelegte Wasserstelle mit Dieselmotor, waschen uns die Gesichter und gehen nach einer kurzen, natürlich Qahwa-Pause, unter einem Ghaf-Baum weiter. Hunger habe ich keinen. Wir finden jetzt viele dieser Trockenheit resistenten Bäume. Ein Zeichen, dass hier in bis zu 40m Tiefe fossiles Grundwasser vorhanden ist, welches sich in feuchteren Klimaperioden vor Millionen von Jahren angesammelt hat. Aber mir wird auch klar, dass wir uns jetzt immer mehr dem Basiscamp nähern und mein zweitägiger Wüstentrek sich dem Ende neigt. Natürlich werde ich wiederkommen, „Inshallah“, aber es fällt mir schwer die Weite der Wüste zu verlassen. Wir werden schon von Binod erwartet. Er fragt mich, wie es mir gefallen hat und ich lächle einfach nur. Er sieht mich an und versteht. Nachdem wir die Sheila und Eila abgeladen haben, danken wir ihnen mit Wasser und lassen sie auf dem Campgelände frei. Ich verabschiede mich von Yaser, er kann nicht mehr zum Barbecue bleiben, sondern will nach Hause zur Familie, die er jetzt schon zwei Wochen lang nicht gesehen hat.
Ich beziehe mein festes Zelt, nehme eine noch warme Dusche und gehe mit einem sehnsüchtigen Herzen zu den anderen Campgästen.

Am 19. Oktober 2007 um 11:05 Uhr
Hallo Gunni,
das ist echt ein schöner Reisebericht
Ich wünsche Dir eine schöne Wintersaison.
Liebe Grüße von Nina
)
(die ohne Kondition aus der Schönwetterwoche im Carlton
Am 4. November 2007 um 20:42 Uhr
hey gunni, einfach nur traumhaft schoen.. dein bericht.. und es ist schoen zu lesen das es dir gut geht.. bzw dein lachen errät mir des…. ich wuensche dir weiterhin alle erdenkliches gutes… in gedanken bin ich bei dir….bis denne… drücker.. dene gebärdenenkathi
Am 8. November 2007 um 15:45 Uhr
ach du meine güte, sagte der neid
Am 14. Dezember 2007 um 16:59 Uhr
Hallo, Gunni, auf diesem Wege viele Grüße an eine echt starke Frau von Peter, Birgitta und Felix Martens aus Colonia Claudia Ara Agrippinensium (heutiges Rheinland), die dich im Sommer in der Schweiz kennengelernt haben. Salam und auch noch aleikum dazu! Viele Grüße auch an das restliche starke Team in Crans. Viel Erfolg weiterhin bei allen kosmopolitischen Bemühungen.
Am 28. April 2012 um 15:20 Uhr
Hallo Gunni
Hoffe du kannst dich an mich errinern ich bin die Patricia aus Siels-Maria.
Ich habe von deinen Eltern erfahren das du in Oman lebst mega interessant.
Meine Familie und ich haben Ferien in Oman geplant und so würde ich dich wahnsinnig gerne treffen.
Ich habe leider keine Adresse von Dir aber vielleicht mit ein wenig Glück erreicht dich dieses Mail. ganz liebe Grüsse
Patricia Westreicher-Fümm aus Siels-Maria