5. Juli 2008

Sonnige Tomaten und Nutella, eisgekühlt

Reisebericht von Sybille Lütje (billiebee at arcor.de)
Unterwegs mit Boot und Bike: Südtürkische Küste – Lykien

Bislang war ich ja nicht so ein Türkei-Fan. Aber was soll man machen, wenn man nach dem langen und arbeitsreichen Winter endlich Anfang Juni ne Woche Urlaub machen darf? Weiter im Norden ist’s doch zu kalt. Und für meine Kondition wollt ich doch auch mal wieder was tun, also schien mir Boot + Bike die richtige Kombi.

Nach drei Stunden Schlaf nahm ich dann Montag ganz früh den Flieger nach Dalaman. Am Airport empfingen mich Sonnenschein und ein Teil der Jungs und Mädels, mit denen ich auf’s Schiff gehen sollte. Der Transfer nach Dalyan lief zügig, doch dann war Langeweile am Pool angesagt, unterbrochen von nem Ausflug ins Dorf zum Geldautomaten (200 YTL sollten für ne Woche reichen) und lecker Pancakes-Essen.

Abends wurde es hektisch. Die neuen Bikes waren da, vormontiert im Karton; die hatten wohl so lang im Zoll fest gehangen. Vom Hunger angetrieben führten wir dann mal fix – unter fachkundiger Anleitung und Endkontrolle von Jürgen, unserem Teamer – die Endmontage durch. Dann das Gepäck in den Hotelbus und per Bike zum Binnenhafen. Die Überfahrt unterm Sternenhimmel durchs dunkle Flussdelta – außer den beleuchteten Gräbern am Berg war nur das hohe Schilf schwach zu erkennen – war für uns schon abenteuerlich, doch der Captain kannte den Weg.

Noch abenteuerlicher war dann das Rüberklettern vom Transfer-Boot auf unseren Motorsegler. Der Seegang den Abend war heftig und die ganze Woche nicht zu toppen – oder hatten wir uns etwa nur daran gewöhnt? Meine Reisetabletten kamen dann – nach dem leckeren und späten Abendessen – bei meiner Kabinengenossin zum Einsatz, so dass keine Fische gefüttert werden mussten. Ich kann mich nicht erinnern schon einmal so in den Schlaf gewiegt worden zu sein.

Früh morgens wurden wir Dienstag vom laufenden Motor geweckt, sind aufgestanden und haben dann vor dem Frühstück (leckere sonnengereifte Tomaten, 2 Sorten Oliven, weißen und gelben Käse, Ei, Butter, Marmelade, Honig und Brot) noch ein wenig an Deck weiter geschlafen. Überhaupt haben die meisten auch nachts an Deck geschlafen, besonders die, die nen Schlafsack dabei hatten. Der Sternenhimmel war schon genial anzuschauen, aber manchmal war’s eben auch kühl und klamm.

Boot & Bike

Boot & Bike

Die Einstiegs-Biketour war ganz locker und ich erstaunt, als sie nach 33 km und 150 Hm plötzlich vorbei war. Wir hatten noch genug Elan, die am Strand aufgebauten Fitness-Geräte zu testen.

In der Sarsalla-Bucht konnten wir dann unter Anleitung von Jenny Kopfsprünge von Deck üben. Für die Powerwende eignete sich der Bootsrumpf allerdings nicht so. Der Eismann kam auch noch per Motorboot vorbei, doch nur Georg konnte noch ein Magnum vertragen. Nach dem Abendessen chillten wir bei Latin Jazz und einigen Effes (Reis-Bier) und versuchten uns die Namen der anderen (wir waren 14) einzuprägen. Frank hatte sich an die Reiseinfo gehalten und gleich ne ganze CD-Sammlung dabei, meine MP3-Files mochte der CD-Player auch.

Am nächsten Morgen startete die Ugur Kaan zur Gemeler Bucht und nach dem Frühstück (sonnengereifte Tomaten, Oliven…) brachen wir per Bike auf zur Geisterstadt. Nach der üblichen Ayran-Pause hatten wir dann nach einem weiteren Anstieg eine heftige Abfahrt zu einem schönen Stand. Jürgen hatte uns leider nicht vorher gesagt, dass wir – nachdem Einige von uns Gleitschirm-Tandem-Flüge gemacht hatten – auch wieder rauf kurbeln müssen. Doch ich hab es geschafft, yep! Dann konnten wir wieder laufen lassen, runter zur Hafenstadt Fethiye (Tour insges. ca. 35 km und 600 Hm).

Abendessen an Bord im Hafen und dann ab in die Stadt. War schon gut ne Kreditkarte dabei zu haben, die musste ich dann im Quicksilver- und Billabong-Laden einsetzen. Später probierten die meisten ihre 1. Wasserpfeife, Diego (der 2. und neue Teamer) muss das noch üben. Getanzt haben wir dann im „Ottoman“ zu türkischem House, bis der DJ Feierabend gemacht hat

Mittwoch war Bike-frei, aber nicht unsportlich, auch wenn wir statt mit dem Bike mit dem Kleinbus zur Saklikent-Schlucht gefahren sind. Damit wir den Tag im kalten Wasser gut überstehen, rückte Jürgen zum Frühstück mit dem restlichen Nutella – aus der Eistruhe – der vorherigen Gruppe raus. Canyoning light trifft es am Besten: wir wanderten / kletterten / rutschten in die wasserführende Schlucht hinein, bis es ohne Sicherungsmaterial nicht mehr möglich war. Meine Wasser-Trekking-Schuhe waren genau richtig dafür, Surf-Schuhe waren auch gut geeignet. Bei denen, die sich die Plastik-Schuhe vor Ort geliehen hatten, gab es häufiger Schuh-Alarm; Diego hatte richtig Pech und nach der halben Strecke nur noch einen Schuh. Die teure Kamera sollte man besser daheim lassen, mit ner Einweg-Aqua-Kamera kann man dort mehr Spaß haben.

Boot & Bike

Nach der Tour wärmten wir unsere Eis-Füße in der Sonne wieder auf und relaxten anschließend bei gegrillter Forelle und Kebab auf den Plattformen des Restaurants am Flussufer. Zurück in Fethiye haben Elmar, Micha und ich dann noch zwei der größten Nutella-Gläser gekauft, die wir finden konnten. Eins ab in die Eistruhe, das andere in die nicht klimatisierte Kabine.

Vor dem Abendessen startete unsere Yacht noch zur Günluku Bucht. Diesen Abend gab es Power-Yoga mit Heidi und Jenny; mit dem nötigen Ernst wäre es sicher noch richtig anstrengend geworden, smile. Zum Chill-Out gab’s dann zur Abwechslung mal Raki.

Boot & Bike

Zum Frühstück am Donnerstag gab’s wie immer die leckeren sonnigen Tomaten und nun auch Nutella satt. Die Meinungen gingen extrem auseinander, was die Verzehrtemperatur vom Nutella angeht, aber wir hatten ja jetzt nicht nur eisgekühltes. Die Bike-Tour war recht entspannt und meine Kondition auch immer besser (ca. 20 km, 400 Hm durchs Hinterland, mit Strandstop zwischendurch).

Boot & Bike

Dies Mal ging es wieder in einen Hafen, den Yachthafen von Göcek. Die meisten unserer Männer gingen dort zum Barbier und ein Teil der Frauen (und auch Männer) ins Hamam. Die Cocktails in der Rokka-Bar waren nicht so doll, dafür die eisgekühlten frischen Mandeln um so leckerer. Zum Shoppen gab’s nicht so viel, aber Micha fand immerhin eine schöne geknüpfte Hängematte, groß genug für seine gut 1,90 m und mit 40 YTL echt günstig. Die Mucke in der Disse war heftigst laut und uns zu Techno-lastig, so dass wir dies Mal vor dem DJ den Abend beendet haben.

Boot & Bike

Beim nächsten Frühstück musste Heidi dann lernen, wie man korrekt Banane mit Nutella (oder Nutella mit Banane?) isst. Und Georg musste feststellen, dass eisgekühltes Nutella doch leckerer ist als 25 Grad warmes. Auch die folgende Biketour war mit ca. 35 km und 400 Hm in die kleene Boynusbükü Bucht ganz relaxed. In einem süßen Garten-Restaurant aßen wir genial zu Mittag: viele leckere Vorspeisen (und soviel wir wollten) und dann u. a. Dorade vom Grill. Ich hab’s sogar geschafft das Teil zu zerlegen, ohne großartig mit den Gräten zu kämpfen.

Boot & Bike

Nachdem wir noch einmal die Bucht gewechselt hatten, kam wie verabredet der örtliche Wasserski- und Wakeboard-Anbieter mit seinem Motorboot vorbei. Die Jungs wollten ja gern, dass die Mädels Banane fahren, doch „leider“ hatte er keine dabei.

Boot & Bike

Boot & Bike

Um nach dem – auch sehr leckeren – Abendessen dann die Kalorien wieder abzutrainieren, machten Frank und Moni mit uns einen Salsa- und Merenge-Kurs, schwitz! Claudia, Frank, Heike und Steffen lag diese Musik anscheinend im Blut, für Albert und Paul war das aber nicht so das Richtige. Irgendwann legte Frank dann doch rockigere Musik auf, so dass alle gut abfeiern konnten. Kurz nach eins war die Musik plötzlich aus. Der Captain hat sich dann aber doch noch zum Verschieben der Nachtruhe (für die Crew) um weitere 15 Minuten hinreißen lassen. Er hätte ja auch gern mit feiern können…

Boot & Bike

Nach wieder einmal etwas wenig Schlaf und der Überfahrt zur Ekinik Bucht, lobte Jürgen am Sonntag unsere Kondition und musste uns gar nicht lang zu einer Tour mit ca. 30 km und 700 Hm überreden. Der Blick auf’s Flussdelta und die anschließende Abfahrt auf schotterigen Waldwegen war’s auch wert. Elmar und Micha war das aber nicht genug, die erweiterten das Ganze noch mal um die Hälfte.

Boot & Bike

Wir kehrten beim Kölschen Hakan zu leckeren Vorspeisen (auch reichlich) und Wildschwein-Gulasch-Topf sowie (weniger leckerem) Hühner-Topf ein. Noch ein letztes Mal Schwimmen in der Bucht und Relaxen an Bord, dann mussten wieder alle zum Kölschen Hakan. Es war halt EM und Deutschland hat das Spiel auch gewonnen. Heidi und ich haben die Zeit gut verquatscht, grins, so dass auch uns nicht langweilig war.

Nach unserer letzten Nacht und dem nun üblichen Nutella mit Banane-Frühstück, was inzwischen alle beherrschten, ging’s dann ganz früh zurück Richtung Dalyan. Schade auch! Die üppigen Reste in den Nutella-Gläsern „mussten“ wir für die nächste Gruppe in der Eistruhe lassen.

War ne richtig geniale Woche und die Türkei besser als erwartet. Boot + Bike ist schon ne prima Kombi, netterweise hatte ich mir auch die komfortabelste Yacht ausgesucht. DZ mit Du/WC (auch wenn das Wasser nicht immer warm war) gibt’s eben nicht auf allen Motorseglern, die von Frosch eingesetzt werden. Jürgen als Teamer war auch wieder cool (und hat Diego gut eingearbeitet) – so wie auf Korsika vor zwei Jahren auch. Da gab’s aber statt Nutella Pain-aux-Chocolat und leider viel mehr Fussball (siehe Bericht „Achtelfinale – keine Zeit“!). Obwohl recht unterschiedlich, nicht nur vom Alter (22 – 57 Jahre), waren wir 14 eine Gruppe, die gut miteinander klar gekommen ist und viel Spaß hatte.

Vielleicht kommt ja jemand von euch Mitte September mit nach Samos oder … (ich find noch was!).

Billie aus Düsseldorf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.