12. Oktober 2008

Die Küste des Lichts im Mai

Frosch-Urlaub in Conil, Andalusien, 16. bis 30. Mai 2008
Reisebericht von Brigitte

Der Ort, der Strand und das Wetter

Conil de la Frontera ist ein hübscher Ort mit typischen weißen Häusern und schnuckeligen Bars (in denen ihr unbedingt – für wenig Geld – den Vino de Jerez, kurz Sherry probieren müsst!). Der Ort liegt in einer Bucht mit einem kilometerlangen Sandstrand– bei Ebbe kann man von einem bis zum anderen Ende der Bucht durch feinsandigen Sand wandern, sicher acht Kilometer weit. Wirklich ein Traumstrand!
In Conil und Umgebung wird viel gebaut, so dass sich die Landschaft sicher nachhaltig verändern wird. Wo der Trend hingehen mag, zeigt ein Ort im Norden: das Golfer-Mekka Novo Santipetri, eine künstliche Hotellandschaft, in der sich alle namhaften Ketten und Clubs wie Aldiana und andere niedergelassen haben – meist mit hoteleigenem Golfplatz. Dennoch lohnt sich ein Abstecher dorthin mit dem Bike – denn man fährt immer auf der Abbruchkante der Steilküste durch eine schöne Dünenlandschaft.
Dummerweise war es während unseres Aufenthalts in Andalusien Mitte bis Ende Mai – wohl untypisch für die Jahreszeit, jedenfalls behaupteten das die Spanier – recht kühl, selten mehr als 25 Grad, gelegentlich auch unter 20 Grad. Kam die Sonne raus, wurde es gleich wärmer, leider gab’s aber viele Wolken und ein paar Tage waren verregnet – so war Zwiebelprinzip angesagt. Ärgerlich war das vor allem, wenn die Temperaturen währenddessen in Deutschland über die 30-Grad-Marke stiegen.
Saisoneröffnung in Conil ist Anfang Juni. Wir waren also noch recht allein am Strand und konnten während der zwei Wochen sehen, wie der Strand „wuchs“ – jeden Tag kamen Strandbuden und Klohäuschen hinzu – so hatten wir eine ungefähre Vorstellung, was dort wohl in der Hauptsaison los sein mag.
Zum Thema Strandbude sei übrigens gesagt: Die am schäbigsten aussehende Bude ist nach unserer Erfahrung die beste – viele Einheimische, was an sich ein gutes Zeichen ist, leckerer Sangria und günstige Preise. Vom Hotel kommend nehmt gleich die erste Bude links!

Das Hotel & der Sport

Das Frosch Sporthotel Diufain ist ein Sporthotel, kein Sportclub, d.h. die meisten Gäste sind Nicht-Frösche. Unsere Gruppe war mit 30 Personen wohl schon recht groß für diese Destination, die durchschnittliche Frosch-Gruppe ist nach Auskunft der Teamer nur halb so groß.
Das Hotel ist sehr schön, die Zimmer okay bis hübsch (vor allem, wenn man das Glück hat, in einem Turmzimmer zu landen), der Garten schön groß und gepflegt, mit Salzwasser-Pool und eigener Beachvolleyball-Anlage.
Das Hotel liegt am Ortsausgang, zum Strand sind es nur ca. 5 Minuten, ins Dorf läuft man ca. 15 Minuten.
Wegen der anderen Gäste gibt es keine wie in anderen Frosch-Destinationen üblichen täglichen Frosch-Partys, dennoch gab’s die obligatorische Willkommens- und Abschiedsfete an der Poolbar – hier zeigte sich unsere Teamerin Maria bei eigens ausgedachten kommunikativen Spielchen mal wieder von ihrer kreativen Seite.


Der Begriff „Frosch Sporthotel“ ist aber etwas irritierend: Insgesamt war das von den Frosch-Teamern organisierte Sportprogramm im Vergleich zu anderen Frosch-Zielen wie ich fand etwas dürftig: nur an drei Tagen gab’s eine Wanderung und zeitgleich eine MTB-Tour.
Zum Mountainbiken sei gesagt: Das bei Frosch beschriebene „hügelige Hinterland“ kann man ruhig wörtlich nehmen: Soll heißen: von Bergen ist da nix zu sehen. Die Touren sind daher sehr zahm und auch für Anfänger zu schaffen, dabei überwiegend auf Asphalt. Die ambitionierteste Tour ist wohl die rauf nach Vejer – und auch die ist gut zu bewältigen.
Wer mehr Sport will, muss sich selbst organisieren: mit eigenen Biketouren zum Beispiel oder einem Kitekurs (so er denn zustande kommt, was wegen des widrigen Wetters bei uns leider nicht gelang).

Ausflüge

Die Ausflugsziele sind auf der Frosch-Seite und in den anderen Reiseberichten schon zur Genüge beschrieben, deshalb beschränke ich mich auf ein paar Anmerkungen zu den Ausflügen, die wir gemacht haben:

Das weiße Dorf Vejer liegt wunderschön auf einem Hügel. Hin kommt man entweder im Rahmen einer Wanderung (Mietwagen!) oder mit den Bikes – keine Sorge, der Anstieg sieht schlimmer aus als er ist – wir sind alle angekommen

Sevilla – angeblich die wärmste Stadt Europas – empfing uns mit Dauerregen. Über die Kathedrale und den Alcazar will ich hier nicht weiter referieren (zumal wir wegen des anhaltenden Regens ehrlich gesagt viel Zeit in netten Bars verbracht haben). Die Doppeldecker-Omnibustour kann man sich aber getrost schenken, das ist meines Erachtens eine typische Touristenfalle. Frosch organisiert die Tour nach Sevilla mit Mietwagen. Tipp: lieber eine eigene Gruppe bilden und ein Fahrzeug mieten – so ist man unabhängiger und kann Sevilla auch am Abend genießen, statt wegen des zu erwartenden Abendessens in Conil zeitig aufbrechen zu müssen.

Der Besuch in Cadiz wurde mit einem Abstecher nach El Puerto de Santa María verbunden, wo wir die Osborne-Bodega besichtigt haben, deren Wahrzeichen, der Schwarze Stier, überall in der andalusischen Landschaft stehen darf, weil er nämlich keine Werbetafel, sondern ein Kulturgut darstellt. Natürlich haben wir auch fleißig probiert und waren nachher entsprechend angesäuselt. Tipp: Schleppt euch nicht tot mit Sherry- und Brandy-Flaschen von der Bodega – diese gibt es nämlich günstig auch am Flughafen.

Segeltrip: Sicher ein besonderes Erlebnis ist das Segeln mit Seebär Werner. Werner holt seine Gäste mit seinem Wohnmobil ab, in dem nicht genügend Sitzplätze sind, so kann’s passieren, dass man auf einem wackligen Campingstuhl zum Hafen gebracht wird. Auch ansonsten ist Werner sehr speziell, sehr gesprächig, ein bisschen radikal, was ganz unterhaltsam sein kann, wenn man nicht das Pech hat, die ganze Zeit in der Nähe von Werner zu sitzen. Die 98-prozentige Delfin-Wahrscheinlichkeit, die Werner uns ursprünglich ankündigte, gehörte wohl zum Werner’schen Seemannsgarn, denn sie schrumpfte trotz einer Zuzahlung (damit wir eine Stunde länger segeln und damit weiter reinfahren in die Delfingewässer) auf 1 Prozent. Kurzum: Es gab keine Delfine zu sehen! Denn die kommen, wie uns Werner später erklärte, bei Wassertemperaturen an der Oberfläche um die 18 Grad kaum hoch, weil’s unten wärmer ist. Najaaa… Das Segeln machte trotzdem Spaß (Windbreaker-Jacke mitnehmen), halbwegs seefest sollte man aber sein, ganz besonders, wenn man zwischendurch das (wacklige) Örtchen aufsuchen muss – sonst läuft das Gesicht ähnlich grün an wie bei unserer Mitfahrerin.

Reitausflug: Vorab: die Andalusischen Hengste sind wirklich eine Pracht! (das gilt zumindest für die Pferde 🙂 Frosch bietet Reitausflüge über den Reiterhof von Andrea und Paco an, der gleich um die Ecke vom Hotel liegt. Paco reitet alle Pferde, die am Ausflug teilnehmen, eigens ein. Allerdings sollte man für den Ausflug, der durch die Dünen am Strand entlang geht, schon Reiterfahrung mitbringen, die nicht ganz so lange zurückliegt wie bei mir – insbesondere, wenn es dann regnet, der Boden rutschig wird und die Pferde zunehmend nervöser. Ich war ehrlich gesagt erleichtert, am Ende des (wegen des Regens verkürzten) Ausflugs wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

Wandern im Korkeichenwald: Maria führte uns mit Mietwagen zu einem Korkeichenwald, dessen Namen ich leider vergessen habe – die Fahrt dorthin zog sich aber hin, über Tarifa und auch an Gibraltar vorbei, was uns einen tollen Blick auf Afrika verschaffte. Der Wald und die Wanderung war zwar sehr schön und Maria die Fachfrau im Schälen von Korkeichen, aber der weite Weg, mehr als 5 Stunden Hin- und Rückfahrt – war uns für diese zweistündige Wanderung eigentlich zu lang. Ich hätte mir gewünscht, dass wir auf dem Rückweg wenigstens noch Tarifa und/oder Gibraltar besichtigt hätten. Auch hier gilt: Wer sein eigenes Mietauto dabei hat, ist flexibler.

Fazit

Wer wegen langer Sandstrände, kultureller Highlights, der Städtebesichtigungen oder des Sherry nach Andalusien möchte, der ist bei dieser Frosch-Destination richtig aufgehoben. Wem aber der Sport bei den Sportreisen wichtig ist, der muss sich schon selbst organisieren, um auf seine Kosten zu kommen.
Unsere Teamerin Maria zeigte sich im Umgang mit ihren Gästen trotz ihrer jungen Jahre sehr souverän und als Wanderführerin professionell, während wir uns von ihrem Freund und MTB-Guide Florian einen verbindlicheren Umgangston gewünscht hätten – offensichtlich hatten da die Familienurlaube, bei denen er als Teamer tätig war, ihre Spuren hinterlassen.


Einplanen sollte man – zumal Conil ohnehin nicht gerade die günstigste Frosch-Destination ist – dass die Reisekasse wegen der drei freien Abende pro Woche, bei denen wir Frösche uns selbst im Ort verköstigen mussten, wegen der zahlreichen Ausflüge und nicht zuletzt wegen der vielen leckeren Getränke in schnellem Tempo schrumpft.
Dennoch: bei schönem Wetter in schöner Landschaft wandern, mit den schneebedeckten Bergen der Sierra Nevada im Hintergrund oder über die Steilküste am Wasser entlang radeln, sich am Strand sonnen und Sangria trinken, abends essen gehen im lässigen Örtchen Conil, hinterher ein paar Drinks bei entspanntem Nachtleben im Freien – so muss Urlaub sein. Viel Spaß dabei!

Brigitte

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