7. Dezember 2012

Barcelona – Pyrenäen – Bilbao = Kultur, wandern und das dazwischen

Reisebericht Pyrenäenwanderung 26.9. bis 7.10.2012 von Katrin Schiller (tanteatschi at web.de)
FROSCH Reiseziel Nordspanien Wandern

Nach 4 Urlauben auf griechischen Inseln entscheide ich mich diesen Herbst für alpines Wandern in Spanien. Die Pyrenäen kenne ich nicht, Kondition habe ich, man braucht keinen riesigen Rucksack zu schleppen, also wird gebucht.

Um 19 h nähert sich der Flieger mit einiger Verspätung Barcelona und über den Hügeln leuchtet ein intensiv oranger Abendhimmel. Zur Einstimmung schon mal nicht schlecht. Nach einer 20 minütigen Taxifahrt bin ich am Hotel und werde von Reiseleiterin Monika abgeholt. In der nahe gelegenen Tapasbar treffe ich meine Mitreisenden. Wir verstehen uns gut und ich werde prompt neidisch, weil die meisten früher angekommen sind und sich schon bei bestem Wetter den Stadtberg Montjuic angesehen haben. Unser Hotel gehört zur Abba-Kette und liegt im Ortsteil Raval. Mein Zimmer ist gross, ruhig und sauber. Am nächsten Morgen startet unsere 13-köpfige Gruppe zu Fuss auf den Spuren Antoni Gaudìs. Das war der Typ mit der Kirche, die nie fertig wird. Ein Teil von Monikas interessanten Erläuterungen geht im allgemeinen Lärm unter, aber bei Großstädten ist das wohl unvermeidlich. Im Parque Güell bummeln wir gemächlich an Mosaikwerken und skurril geformten Säulen vorbei. Von hier oben kann man die Stadt bis zum Meer überblicken. Trotz der späten Jahreszeit sind jede Menge Touristen unterwegs. Das highlight  ist für mich besagte Kirche Sagrada Familia. Solcher Art verzweigte Säulen in gigantischer Höhe habe ich noch nie gesehen. Meine Nackenstarre erholt sich bei einer Verschnaufspause mit lecker café con leche. Zugegeben auch ein Grund, mal wieder nach Spanien zu reisen. Nach Ende des offiziellen Stadtrundgangs haben wir noch Zeit für individuelles Sightseeing.

Der nächste Tag bringt die erste Wanderung mit Start am Kloster Montserrat. Die Klosteranlage selbst besteht aus diversen optisch leider nicht harmonierenden Gebäuden und wirkt sehr kommerziell mit Souvenirladen, Restaurant etc.

Nach Besichtigung der Kirche erklimmen wir fleissig 200 Treppenstufen und sind mittendrin in den kegelförmigen Bergen. Auf 1200 m Höhe belästigt uns längere Zeit Nieselregen. Die von Nebenfetzen durchwallte Landschaft finde ich trotzdem schön. Das letzte Stück abwärts legen wir mit der Zahnradbahn zurück, trocknen beim café con leche und landen nach 3,5 Stunden Busfahrt gen Nordwesten im Bergdorf Espot. Das Hotel Roya ist schnuckelig und das Abendessen sensationell lecker.

Am nächsten Morgen kaufen wir im kleinen Supermarkt die Tagesverpflegung, also Obst, Baguette und – ganz wichtig für die Motivation bei Regen-  Schoko-Doppelkeks, und wandern vom Hotel zum Parc National d’Aigüestortes. Das kann bis auf Monika keiner fehlerfrei aussprechen. Macht nichts, einfach wandern und geniessen. Monika ist sowieso in Sprach- und Landeskenntnissen nicht zu toppen. Stellenweise ist es extrem windig und regnet, aber das Drumherum ist einfach zu schön, um sich daran zu stören. Wirklich nerven tut der Regen nur beim Fotografieren. Mitten im Nichts steht in einer Kurve eine Fata Morgana in Form eines hölzernes WC-Häuschen. Die Nationalparkverwaltung hat mitgedacht. Zurück im Hotel gönne ich mir ein heisses Wannenbad zwecks Regeneration und einen Rotwein für die Bettschwere. Wanderurlaub mit Luxusfaktor!

Für den Amitges-Sattel (3. Wanderung) sind extremer Nebel und Kälte vorausgesagt, also ändert Monika das Programm. Zuerst bin ich ein wenig enttäuscht, aber die Alternative entpuppt sich als durchaus anspruchsvolle Tour entlang zahlreicher Seen und der Kleinigkeit von 1000 HM. Nach 2 Stunden bricht die Sonne durch und wir in Jubel aus. Die Gegend ist wunderbar: Es plätschert und gurgelt aus zahlreichen teils unsichtbaren Wasserfällen, ein glasklarer (und eiskalter) See folgt dem nächsten. Bei Nr. 5 höre ich auf zu zählen. Der Estany Colomers liegt sehr idyllisch auf 2.300 m.

Wir umrunden ihn und kehren im Refugi ein. Es ist letzter Tag der Saison. Der Wirt freut sich über unerwarteten Umsatz (ausser uns sind fast keine anderen Wanderer unterwegs) und zaubert zahlreiche coffeinhaltige Heissgetränke. Unser mitgebrachtes Essen dürfen wir drinnen am warm bullernden Ofen verzehren. Die Busfahrt ins Arantal dauert zwar 3 Stunden, aber die schöne Landschaft anzusehen wird nicht langweilig.

Das Hotel Mauberme in Salardu ist so gemütlich, dass ich am nächsten Morgen bei 6 Grad Aussentemperatur gar nicht mein Zimmer verlassen möchte (Fussbodenheizung, Sitzecke mit Wasserkocher nebst Kaffee/Tee). Aber es wartet ein Transfer zum Nationalpark und ausserdem strahlt die Sonne. Der Weg ist tlw. überspült von kleinen Wasserläufen und windet sich über Wurzeln und Steine bis auf 2.600 m. Das Wetter, die Aussicht, die Luft – heute ist einfach todo bien.

Deswegen vereinbart Monika mit dem Busfahrer einen späteren Treffpunkt und wir wandern noch zwei weitere Stunden bergab. Im ganzen Ort haben nur noch zwei Restaurants geöffnet, das erleichtert bei zweimal Abendessen die Auswahl ungemein.

Die 5. Wanderung ist verglichen mit den bisherigen ein lockerer Spaziergang über die Dörfer. Die Dorfhunde scheinen ihre Reviere genau aufgeteilt zu haben. Alle 100 Meter beäugt uns neugierig ein anderes Exemplar und traut sich mal mehr, mal weniger heran. Ein grosser freundlicher Zottel ist besonders anhänglich und begleitet uns fast 2 km. Nach zwei Kirchenbesichtigungen wird das Asphaltwandern doch ein wenig anstrengend und zufällig ist Zeit für die Kaffeepause. Gefühlt der  bislang wärmste Tag (logo, wir sind ja auch nur in 600 m Höhe), lümmeln wir entspannt in den Stühlen und tun einfach mal nichts.  Auf dem Weg nach Torla machen wir Zwischenstopp in Ainsa, einem hübschen ebenfalls knapp 600 m hoch gelegenem Dorf mit mittelalterlicher Festung. Das werde ich mir merken für einen nächsten Urlaub, denn drumherum gibt es ein ganzes Netz von Wanderwegen.

Die nächsten beiden Übernachtungen sind in Torla im Hotel Edelweiss. Kurz nach 8 h gibt es am Morgen des 6. Wandertages einen Mordskrach. Ich stürze zum Fenster. Eine Kuhherde trottet muhend und glockebimmelnd in aller Ruhe durchs Dorf und legt erstmal den Verkehr lahm. Im Ordesa-Tal erwartet uns 660 m Steigung. Aber „viel rauf =  viele schöne Fotos“. Wegen der kühlen Morgentemperatur auf der Nordseite muss man anfangs alles übereinander ziehen und später schichtweise wieder ausziehen. Mütze und Handschuhe sind auch nicht schlecht. Die Steigung ist gut machbar, zieht sich aber in die Länge durch zahlreiche Fotostopps. Für den Ausblick auf die Dreitausender um den Monte Perdido fehlen mir die Adjektive. Sensationell-grandios trifft es am besten. Nach ausgiebiger Pause mit Picknick im warmen Sonnenschein wandern wir divere Meter abwärts und kommen nach 6,5 Stunden Gehzeit passend zum Rückweg der Kühe wieder ins Hotel.

Die letzte Wanderung startet vom gleichen Parkplatz, nur gehen wir dieses Mal die andere Talseite hinauf. Entgegen der alpinen Atmosphäre der bisherigen Wanderungen duftet es hier südeuropäisch nach Harz und die Felsen sind von der Sonne angewärmt. Zurück steigen wir 2 Stunden ab und folgen dem Fluss, der über zahlreiche Treppenstufen hinabtost. Wer noch nicht müde ist kann auch den restlichen Weg ins Dorf gehen, die anderen lassen sich abholen. Vorm Abendessen bleibt so noch Zeit für einen Gang durch den Ort (3 Trekkingläden ;-)).

Zum vorletzten Mal heisst es Tasche packen und auf nach Pamplona. Ein Teil des Jakobswegs führt an der Schnellstraße vorbei und tatsächlich sind auch jetzt im Oktober Pilger unterwegs. In Pamplona ist es schön warm und nach der langen  Zeit im Bus tut der Stadtrundgang gut. Das Hotel in Bilbao ist wieder von der schwedischen Popgruppe mit erreicht allerdings nicht das Niveau aus Barcelona. Auf Anhieb mag ich Bilbao. Es hat zwar 350000 Einwohner, die Innenstadt ist aber recht übersichtlich und nett. Auf dem Weg vom Hotel ins Zentrum macht der weibliche Teil der Reisegruppe eine Vollbremsung: Ein Schaufenster voller  Törtchen, Pralinen, Macarons und ähnlichen Herrlichkeiten. Schnell die Öffnungszeiten auswendig lernen und weiter zum Guggenheim Museum. Gezeigt werde u.a. Bilder von Egon Schiele und Skulpturen von Richard Serra. Zum Abschlussessen  treffen wir uns in einer Tapasbar. Leider ist sie proppevoll, so dass wir kuschelig gedrängt sitzen. Der Lärm ist enorm, aber das verbuche ich unter authentisch – sprich landestypisch. Tapas heissen hier Pintxos und bestehen aus Weißbrotscheiben mit kunstvoll verzierter mehrschichtiger Auflage. Ernährungsphysiologisch  vermutlich nicht optimal, aber auf jeden Fall lecker, was fürs Auge und es gibt diverse in vegetarischer Ausführung.

Sonntag löst sich unsere Reisegruppe langsam auf. Einige müssen schon am frühen Morgen zum Flughafen. Mit den Verbliebenen nutze ich den Vormittag für einen Ausflug zur ältesten Schwebfähre der Welt. Besser gesagt: Minifähre, denn mehr als 6 Autos passen nicht drauf. Man kann mit einem Fahrstuhl im Brückenpfeiler hochfahren und zur anderen Seite gehen. Der Boden der Brücke rumpelt alle paar Minuten wenn die Fähre „rüberschwebt“. Diese Wanderung ist also auch nur für Höhenfeste. Auf dem Rückweg hat – so ein Zufall – der Törtchenladen geöffnet, so dass wir uns die Heimreise versüssen.

Bewertung:

Wandern Die Touren haben es manchmal wegen der Länge und der Bodenbeschaffenheit (nasser Rasen, Wasserrinnen, Wurzeln, loses Gestein) in sich, aber Monika hat das Tempo optimal gestaltet. Gut eingelaufene knöchelhohe Wanderschuhe sind absolutes Muss. Durch die Temperaturunterschiede ist man (zumindest im Herbst) mehrmals am Tag klamottentechnisch beschäftigt. Mein 30 l Tagesrucksack fand ich grössentechnisch genau richtig.  Den Ausflug zum Kloster Montserrat könnte man vielleicht zugunsten eines weiteren Tages in Barcelona einsparen. Bei später Ankuft bleibt für die Stadt nicht viel Zeit.

Essen Es schwankte zwischen super und geht gerade. Es gab häufig 3 Gänge (Salat oder Suppe vorweg), wobei das Dessert mehrfach aus Supermarkteis bestand. Die Restaurants waren öfter nicht auf Vegetarier eingestellt und haben dann nach etlichen Rücksprachen mit der Küche was „zusammengewurschtelt“. Dementsprechend zog sich die Bestellung in die Länge. Hervorzuheben ist das Frühstück: Buffet mit grosser Auswahl.  Körnerbrötchen gibt es weniger, aber erstens ist das meistens so in Spanien und zweitens war Müsli mit frischem Joghurt und Obst ein super Sattmacher. Wer es morgens ganz süss mag hat zahlreiche Kuchen zur Auswahl.

Hotels Die Stadthotels hatten durch grosszügige Lobbys und Zimmer einen mondänen Touch, die Berghotels punkteten dafür mit klein-aber-urig-gemütlich. Tlw. konnte man kostenfrei das internet nutzen.

Transfers Alles hat problemlos geklappt. Die gepackten Koffer haben wir morgens bereit gestellt und abends in Empfang genommen.

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