27. Juli 2011

Boot & Hike – Gemütliches Erleben von Kroatien

Reisebericht von Andreas Bermel (w58453 at o2online.de)
FROSCH Reiseziel Süddalmatien – Unterwegs per Boot & Hike

Da ich kein Freund anstrengender MTB-Touren bin, hatte ich mich darüber gefreut, dass endlich auch  kombinierte Boot- & Wanderreisen unter der schönen neudeutschen Bezeichnung ‚Boot&Hike‘ angeboten werden. Ich buchte also eine Woche in Kroatien / Süddalmatien und begab mich mit Vorfreude auf diese, für mich erste Reise mit Frosch-Sportreisen. Wie so häufig entsprach die Anreise keinen erholsamen Ansprüchen. Da war sicher die Autofahrt zum Kölner Flughafen, nachts um 4 Uhr über die völlig freie Autobahn noch das kleinste Übel. Nach der Landung in Dubrovnik standen 2 Stunden Kleinbustransfer in den Hafen von Trstenik, 3 Stunden quälende Wartezeit auf das Transferschiff und 1,5 Stunden Überfahrt nach Pomena auf der Insel Mjlet an. Wenigstens musste man von der, in der Reisebeschreibung aufgeführten warmen Kleidung für die Überfahrt keinen Gebrauch machen! Ziemlich geschafft, aber mit Vorfreude auf die nun kommende Urlaubswoche erreichte unsere ‚Kölner‘ Reisegruppe die Marina von Pomena um ca. 16:30 Uhr. Alle anderen Teilnehmer waren bereits seit Stunden vor Ort (die Transfers erfolgten hier ohne die Wartezeiten) und hatten den Tag schon ausgiebig zum schwimmen und sonnenbaden genutzt.

Unser Schiff ‚Novi Dan‘ im Hafen von Orebic

Der nächste Schock ließ auch nicht lange auf sich warten. Nach der kurzen und freundlichen Begrüßung durch die Teamer Birgit und Bea wurden wir sogleich auf unsere Kabinen verteilt. Zwar hatte ich dazu keine großen Erwartungen gehabt, aber nun erschienen sie mir doch wesentlich kleiner als befürchtet. Vor allem das Bad, maximal 1×1 Meter mit Toilette, Waschbecken und Handbrause in einem und nur durch einen Duschvorhang von der sonstigen Kabine getrennt, hinterließ nicht nur bei mir manch fragenden Eindruck. Hier stimmte jedoch die Reisebeschreibung, die von sperrigen Hartschalenkoffern abriet. So richteten wir (Timo, mein Mitbewohner und ich) es uns wohnlich ein, in dem wir die zwei Wandhaken gerecht aufteilten und auch die 6 (!!!) Bügel in dem kleinen Wandschrank deren Türen aber nicht zugingen, wenn alle Bügel belegt waren. Der Rest musste halt in den Reisetaschen verbleiben welche unter dem Bett Platz fanden.

Blick übers Sonnendeck bei der Ausfahrt aus Pomena

Um 19 Uhr trafen sich dann alle Mitreisenden zum ersten gemeinsamen Programmpunkt der Reise, dem Abendessen. In dem gemütlichen Salon auf der oberen Etage unseres Schiffes ‚Novi Dan‘ wurde uns jeden Abend ein einfaches, aber dennoch schmackhaftes und abwechslungsreiches Essen serviert. Dazu standen von Seiten der Besatzung ein Koch, ein Ober und ein ‚Schiffsjunge‘ zur Verfügung. Die Getränke konnten zu günstigen Preisen erworben werden (z.B. ein großes Bier für 18 Kuna, ca. 2,50 €). Gegen das Essen am Abend fiel das Frühstück leider qualitativ etwas ab. Neben Weißbrot, Müsli, abgepackten Brotaufstrichen und Tee / Kaffee gab es jeden Tag ein anderes Highlight, z.B. ein Joghurt, eine Bockwurst  oder ein Omelette pro Person.

Gemütliche Fahrt entlang der Küste von Hvar

Nach dem Frühstück startete dann, wie an jedem Morgen in dieser Woche, unsere erste Wanderung. Zu den einzelnen Wanderungen will ich hier gar nicht viel schreiben. Sie waren jedenfalls nur wenig anstrengend, dauerten zwischen 2 und 5 Stunden inkl. Pausen und waren trotzdem abwechslungsreich. Zu beachten ist auch, dass die gesamte, relativ große Gruppe immer zusammen wandert und schon deshalb eine eher gemütliche Geschwindigkeit entsteht. Ob über bewaldete Berge und an Salzseen entlang wie im Nationalpark auf Mjlet oder durch Buschwerk entlang der Küste mit Badestop in der malerischen ‚Robinson Bucht‘ wie auf der Insel Hvar. Ob beim Marsch über einen kilometerlangen, schnurgeraden Weg durch eine landwirtschaftlich genutzte Ebene wie vor Stari Grad auf der Insel Hvar oder bei einer ‚Bergtour‘ auf der Insel Korcula mit Pause in einem Bergdorf, wo der Sonnenschirm in der dortigen Konoba (landesübliche kleinere Gaststätte) trotz sengender Hitze zunächst nicht geöffnet werden durfte, weil der Mann nicht zu Hause war. Immer wieder gab es herrliche Ausblicke auf die Inseln und das Meer, viel zu viele Möglichkeiten zum Fotografieren und kleine Konobas zur Stärkung bzw. Möglichkeiten um im Meer zu baden. Auch haben wir mal ein Kloster besichtigt, an einer Weinprobe teilgenommen oder die Ortschaften am Wegesrand erkundet. Für weitere Abwechslung und ein bisschen Expeditionscharakter sorgten die Ein- bzw. Ausschiffungen mit dem kleinen Beiboot, wenn es in einer Bucht keine Möglichkeit für das große Schiff gab, an einem Anleger festzumachen.

Ausschiffung mit dem Beiboot

Wanderung auf Peljesac

Nach der Rückkehr zum Schiff und der häufig noch anstehenden Überfahrt zum nächsten Hafen war dann die Erkundung der besuchten Hafenstädte ein weiteres Highlight der Reise. Im Laufe der Woche haben wir so erkannt, dass es in Jelsa die besten Cocktails und größten Eisbecher gibt, und das sogar zu den fast günstigsten Preisen. In Orebic dagegen benötigt man Ohropax, weil die Autofähre nach Korcula alle paar Stunden mit ohrenbetäubendem Lärm neben dem eigenen Schiff anlegt. Touristisch besonders gut erschlossen ist die Stadt Hvar. Mit seiner großen Altstadt und den vielen Geschäften, Restaurants und Bars sowie der spanischen Festung auf dem Hausberg, von wo aus man einen herrlichen Blick auf die vorgelagerten Hölleninseln hat. Hier gibt es hier sicher für jeden Geschmack etwas. Auch Korcula hat uns am Abend sehr gut gefallen. Leider gab es keine Möglichkeit die Gassen der Altstadt auch bei Tag zu besuchen.
An einem Abend steuerten wir keinen Hafen, sondern eine ‚einsame‘ Bucht an. Einsam war sie nicht ganz, weil wir die ganze Nacht von 2 Marineschiffen ‚bewacht‘ wurden. Nach einem (aufpreispflichtigen) Barbecue mit mehreren gegrillten Fleischsorten, Gemüse, Kartoffeln, Saucen und Brot fand anschließend die große Schiffsparty statt. Immer wenn die Stimmung abzuflachen drohte, wurde sie vom Kapitän wieder richtig angeheizt der diese Abwechslung von seinem ansonsten wohl recht eintönigen Alltag sichtlich genoss. Begleitet wurde die Party von einem stundenlangen ‚Naturfeuerwerk‘ aus Blitzen und Wetterleuchten. Auch der Sprung vom Sonnendeck ins Meer war für einige von uns ein herrlicher Spaß.

Jelsa

Auf der spanischen Festung in Hvar

Fazit:
All die genannten Widrigkeiten wurden von den Vorteilen der Boot&Hike-Tour mehr als ausgeglichen. Dabei hat die ganze Reise eher einen ‚Eventcharacter‘ mit vielen verschiedenen Programmpunkten wobei das eigentliche Wandern nicht den Hauptzweck darstellt. Das sollte man bei einer Buchung berücksichtigen. Man sieht jedoch in kurzer Zeit viele verschiedene Inseln und Orte und benötigt für die Wanderungen keine Transfers im eigentlichen Sinne. Die Wanderungen selbst sind nicht allzu lang, da tägliche Schifffahrten zur Erreichung des nächsten Zielorts berücksichtigt werden müssen. Das langsame Umherreisen per Schiff von einem Ort zum nächsten, mit grandiosen Ausblicken direkt von den Liegestühlen des Sonnendecks aus, empfand ich jedoch als besonders entspannend. Der Erfolg der Reise hängt jedoch auch maßgeblich von allen Reisegruppenmitgliedern ab, die eine gewisse Toleranz gegenüber den Anderen aufbringen und eben irgendwie zusammen passen zusammen müssen. Durch den begrenzten Raum und das dauernde Zusammensein entstehen so jedoch engere und direktere Beziehungen zwischen den einzelnen Mitreisenden als bei einem Hotelurlaub. In unserer Gruppe hat dies jedenfalls bestens geklappt. Auch stellte sich das Bad, trotz seiner Größe, letztlich als funktional völlig ausreichend dar und mit der Zeit fanden sich auch genügend Möglichkeiten, seine Kleidung geschickt in der Kabine und auf dem gesamten Schiff zu verteilen, was insgesamt zu einer ungezwungenen und locken Atmosphäre beigetragen hat.
Die Reise hat mir bestens gefallen, und ich würde sie auf anderer Route nochmals buchen.

Ein Gedanke zu „Boot & Hike – Gemütliches Erleben von Kroatien

  1. Sonja

    Hi Andreas,
    klingt ja richtig gut. Wann – also in welchem Monat – warst Du unterwegs???
    Danke und Grüße

    Sonja

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