22. August 2008

Champéry: Wandern und Biken vom 5. bis 19. Juli 2008

Reisebericht von Sigrid Koppelmann [sigrid.koppelmann at koeln.de]
FROSCH Reiseziel Sportclub Onu, ChampĂ©ry – Schweiz

Als ich im Frühjahr diese Reise buchte, habe ich mir ein Chalet am Ortsrand von ChampĂ©ry vorgestellt. Nachdem ich kurz vor Urlaubsbeginn die Anreisebeschreibung erhielt, hätte ich beinahe alles wieder abgesagt, denn „… ihr überquert einen Bachlauf, der von großen Steinen begrenzt wird …“ hörte sich ziemlich abenteuerlich an. Ich bin aber dann doch gefahren, und so schlimm war die Strecke von ChampĂ©ry zum Chalet Onu gar nicht. Ich bin sie später noch dreimal mit dem MTB runter und sogar zweimal auch wieder rauf gefahren und habe zwei bis zweieinhalb Stunden gebraucht, kein Vergleich zum Streckenrekord von Thomas: 55 Minuten!

Als ich oben beim Chalet Onu ankam, war ich tief beeindruckt: es liegt traumhaft idyllisch umgeben von Wiesen, einigen wenigen kleineren Chalets, dem Hotel Plein Ciel. Unterhalb grasen Kühe, das Gebimmel ihrer Glocken ist sehr beruhigend. Die Seilbahnstation Croit de Culet befindet sich etwas oberhalb vom Onu und nicht in Sichtweite. Auf dem Fußweg dorthin gab es eine Schafherde und ein uriges Restaurant.

Ich hatte mir das alles nicht so einsam und ruhig vorgestellt. Man ist auf 1800 m Höhe mit Blick auf die teilweise mit Schnee bedeckten Berge in einer wunderschönen Wiesenlandschaft. Ich fühlte mich ganz nah am Himmel.

Mit der Seilbahn ist man allerdings in fünf Minuten im dörflichen Leben in ChampĂ©ry, einem hübchen Schweizer Örtchen mit Geschäften, CafĂ©s, Hotels, Banken und vielen MTBern, die mit Gondeln die Berge hoch und auf Downhillstrecken wieder hinunterfahren.

Im Chalet Onu habe ich mich sofort sehr wohl gefühlt. Mein Zimmer im zweiten Stock mit Südbalkon war zweckmäßig eingerichtet und gemütlich. Faszinierend war der Blick auf die Berge schon morgens beim Aufwachen. Diesen Blick hatte man auch vom Speisesaal mit Bar, vom Kaminzimmer mit vielen gemütlichen Sofas und einem wunderschönen Erker, vom langen Balkon vor dem Speisesaal und vom Kiesplatz vor der MTB-Station aus. Dort haben wir auch einmal gegrillt.

Das Essen, der Service und die Bar haben mir sehr gefallen. Vielen Dank an Friedhelm, Stefan, Deike, Lina, Markus und David! Da ich Friedhelm, den Koch, schon aus Crans-Montana kannte, war mir klar, wie gut das Essen sein würde, und ich wurde nicht enttäuscht.

In der ersten Woche habe ich das MTB-Programm mitgemacht. Ich bin dabei zwar einmal völlig vom Regen durchnäßt worden, kam aber immer glücklich und zufrieden von den Touren zurück. Meistens haben wir vom Chalet aus die umliegenden Berge erkundet, einmal haben wir uns erst nach ChampĂ©ry hinunter rollen lassen und von dort aus eine schöne Tour mit Kurzwanderung auf der Galeria, einem in den Fels gehauenen Weg mit Superaussicht auf das Tal, gemacht.


Unser MTB-Guide Florian hat uns sehr gut geführt. In seiner Begleitung habe ich mich immer ganz sicher gefühlt. Zu Hause fahre ich auch MTB, aber das Gelände ist einfacher und weniger steil. Daher hatte ich manchmal Angst, die ich aber mit Hilfe der Motivation durch Florian und die anderen Biker überwinden konnte. Wir waren eine sehr nette kleine Gruppe und hatten bei den Touren viel Spaß.

In der zweiten Woche bin ich gewandert, obwohl ich zu Hause fast nie wandere. Die erste Tour war ein ganz besonderes Erlebnis für mich, weil es in der Nacht geschneit hatte. Unsere Gruppe bestand aus sechs Gästen und den beiden Guides, Christof und Florian. Wir sind im Nebel Richtung Pointe des Moisettes losgewandert. Glücklicherweise hat Anja mir ihre Stöcke geliehen. Damit fühlte ich mich beim steilen Aufstieg durch den Schnee sicherer. Nach einem anstrengenden Marsch haben wir uns im Restaurant der Seilbahnstation aufgewärmt. Danach kam sogar die Sonne raus und der Nebel lichtete sich. Endlich sah man die phantastische Umgebung. Die Wanderung zum Col de Cru und zur Schweizer Wand fanden bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein statt. Wir sind häufig durch bunte Blumenwiesen, entlang rauschender Wasserfälle und durch liebliche Wälder gewandert.

Während der schwierigsten Tour, bei der man schwindelfrei sein mußte, kam wieder Nebel und Regen auf. Über den Nebel habe ich mich gefreut, denn dann sah man die tiefen Abhänge nicht, wenn man über nasse rutschige Felsen kletterte und sich an eisernen Ketten festhielt. Einmal antwortete Gernot nicht, da hatten wir Angst, er sei abgestürzt. Er hatte uns aber nur nicht gehört. Nach dieser besonders abenteuerlichen Wanderung war ich wieder völlig durchnäßt und richtig euphorisch. Am Abend vorher hatte ich aufgrund der Schilderung von anderen, die die Strecke kannten, fast schon gedacht, ich gehe nicht mit. Aber nach dem Motto „trust the guide“ habe ich mich doch dazu entschlossen und es nicht bereut.

Das Abendprogramm sollte zum Schluss auch noch erwähnt werden. Von Teamer Christof, dem Allrounder mit den Turnschuhen, der kurzen Hose und dem roten Regencape im Schnee, wird mir immer in Erinnerung bleiben, wie er es geschafft hat, mit teilweise lustlosen genervten Gästen das Handscrabble-Spiel zu einem guten Ende zu führen, wie er völlig dilettantisch versuchte, im Kamin Feuer zu machen, wie Florian dann ganz professionell mit einem Beil im Kaminzimmer das Holz klein hackte und das Kaminfeuer anzündete.

Insgesamt waren es für mich zwei supergute Wochen mit netten Mitreisenden, sportlichen Touren, grandioser Landschaft, abwechslungsreichem Wetter (Sonne, Wolken, Nebel, Regen, Schnee, Gewitter), sehr guter Unterkunft und viel Spaß. Vielen Dank an das gesamte Team, insbesondere Roger, der das Haus freundlich und unkompliziert geleitet hat, und ein besonders herzliches „Dankeschön“ an Florian, den Super-Wander-MTB-Guide, der uns mit seiner ruhigen freundlichen bayrischen Art sicher über Stock und Stein geführt hat!

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