Samos

22. Mai 2018

Den Gang wechseln: Frosch Sportclub Helen Yolanda auf Samos

Reisebericht von Gabi – Mai 2018
FROSCH Reiseziel Sportclub Helen Yolanda auf Samos, Griechenland.

Nach einem gefühlt nicht enden wollenden Winter habe ich kurzentschlossen zwei Wochen Samos gebucht. Ziele: Auftanken in einer Woche Frosch-Aufenthalt und Griechenland besser kennenlernen in einer selbstorganisierten zweiten Woche. Mein Resümee: Beides wunderbar gelungen! Die zwei Wochen Samos haben Spaß gemacht und in vieler Hinsicht meinen Horizont erweitert. Ich kann Samos jeder und jedem nur empfehlen!

Blick von Kokkari zum Sportclub Helen Yolanda

Samos erschien mir am Anfang klein und äußerst überschaubar. Je mehr ich auf der Insel unterwegs war, umso vielfältiger wurde sie für mich. „Schuld“ war das abwechslungsreiche Programm von Mario und Anna, unsere Teamer. Ein riesengroßes Dankeschön an die beiden und, da ich jeden Tag mit ihm unterwegs war, besonders an Mario für die tolle Arbeit!
Wir waren eine kleine Gruppe von 18 Gästen, die die Saison eröffnet haben. Wir haben uns fast gleich auf die täglichen Angebote Wandern und Mountainbiken verteilt.

Mountainbiken – Ein Traum

Ab ins Gelände

Das Radeln hat so viel Spaß gemacht, dass ich keine Tour missen wollte. Also: Jeden Morgen um neun Treffen an den Rädern, Marios Überblick über die Tagestour lauschen, kurzes Verständigen, wer vorne und hinten fährt und los geht’s. Die Gruppe war – wie vermutlich jede andere auch – bezüglich ihrer Wünsche und Erfahrungen sehr heterogen. Mario, der seit 15 Jahren über die Insel führt, hat jede*n dank klarer Ansagen („2:1 – Schalten!, Nicht kämpfen!, Breit machen auf der Straße, Helme auf!“) und wunderbarer Einzelbetreuung („Die Schnellen vorne, die Schönen, die was lernen wollen, zu mir!“) bestens angeleitet. Schnell fühlten sich alle sicher, so dass die Sondierungstour zur Eisdiele um Vourliotes verlängert wurde. Damit war schon am ersten Tag klar: Alle haben Spaß, Mario geht auf fast alle Bedürfnisse ein und Samos ist schön. 🙂

Ich habe noch weitere Touren mitgemacht, z.B. die Nordschleife mit Abstecher zur Livadaki Bucht, die Runde um Mytilinii mit Abstecher zum Kloster Moni Vronta (drei Mönche leben dort!) und eine spontan geplante „Adventure-Tour“ am Samstag – mein Highlight! Nach drei gemeinsamen Touren konnte Mario die Gruppe gut einschätzen und wir hatten alle Feuer gefangen – also rauf auf’s Rad und ab in’s Gelände. In Kurzform: Kokkari – Vourliotes – Manolates – Stravenidis – Ambelos – Kokkari, ca. 37 Kilometer, Ruhe, Weitblicke, Rampen hoch und runter und größtenteils unbefestigte Wege. Ein Traum!

Mario redet jeden hoch und runter.

Weg zum Lazarus-Pass

Adventure-Tour

Was mir bei allen Tagestouren besonders gefiel: Wer nach dem offiziellen Ende noch weiter wollte, warf einen fragenden Blick zu Mario. Ein Grinsen und schon sprudelte er los mit Ideen zu lohnenswerten Abstechern und rief schnell irgendwo an, um z.B. Öffnungszeiten zu erfragen (es war Vorsaison, alles noch entspannt und teilweise noch in der Vorbereitung). Ich fühlte mich bestens betreut, sowohl in der Gruppe als auch alleine. Man merkt Mario an, dass er das Mountainbiken liebt und diese Liebe gerne weitergibt. Dafür organisiert er diese schönen Touren und schiebt für die, die es wünschen, kurze und lehrreiche Technikeinheiten im Gelände ein.

„Wie schön ist das“

Abends um halb acht saßen dann wieder alle zusammen bei Kostas, dem kleinen Gartenrestaurant am Hotel. Es gab jeden Tag ein vegetarisches und ein fleischhaltiges Essen. Das vegetarische Essen war spitze! Nicht – wie sonst so oft – die Fleischvariante ohne Fleisch, sondern ein eigenes Gericht.

Cafe Aelio in Kokkari

Kokkari

Unser Haushund

Aber damit nicht genug, Mario und Anna scheinen nie Pause zu machen. An mehreren Nachmittagen wurde ein kleines Sportprogramm geboten (z.B. Yoga, Progressive Muskelentspannung oder Zirkeltraining) und abends Unterhaltung: Candlelight-Abend an der Beachbar, Tanzen im Vagelis, Cocktails im Hafen… langweilen musste sich keiner. Wer nach dem Tag in der Natur satt und zufrieden war, schlenderte alleine, zu zweit, zu dritt… ins Dorf, schaute auf‘s Meer und seufzte leise „Wie schön ist das.“

Samos ist noch mehr

Ja, Samos ist eine wunderschöne Insel. Und Samos ist in Griechenland, d.h. die Menschen dort leiden unter einer Finanzkrise und es geht ihnen wirtschaftlich schlecht. Zudem ist Samos für viele Flüchtlinge ein Transitziel nach Europa. Seit dem Türkeiabkommen hat sich die Zahl der Geflüchteten auf Samos zwar reduziert, aber immer noch erreichen Boote die Strände an der Ostküste, die Schwimmwesten am Strand zeugen davon. Mit dieser Not will keiner im Urlaub konfrontiert werden. Die Konsequenz: Die Zahl der Tourist*innen auf Samos ist in den letzten Jahren massiv gesunken, die Bars sind leer, viele Hotels mussten schließen. Wirtschaftlicher Aufschwung ist so nicht möglich.

In meiner zweiten Woche lernte ich diese Seite von Samos kennen. Das ist weniger entspannend, aber so ist das Leben. Und wie am Berg ist es auch hier: Wenn jammern nicht hilft, muss man in einen anderen Gang wechseln. Ich bin beeindruckt, wie die Menschen auf Samos „den Gang wechseln“ und mit den Herausforderungen umgehen. Ein Beispiel: In Samos / Vathi engagieren sich durchschnittlich ca. 30 Freiwillige aus aller Welt für die aktuell ca. 2.800 Geflüchteten, die dort in einem sogenannten Hotspot (ausgelegt für 700 Personen!) untergebracht sind. Als Samos-Volunteers ermöglichen sie den Menschen, die teilweise länger als ein Jahr in dem Camp leben müssen, Bildung, Freizeit, Sport und Teilhabe. Es lohnt sich sicherlich, eine*n der Freiwilligen zu einem Bericht ins Helen Yolanda einzuladen um zu sehen, dass Lösungen möglich sind.

Fazit

Begegnungen bilden – das hat mir auch mein Frosch-Urlaub auf Samos gezeigt. Ich hab von Mario gelernt, dass ich auch bergab bergauf schauen soll, habe wunderbare Gespräche mit meinen Mitreisenden gehabt und in meiner selbstorganisierten Woche Samos unabhängig vom Moutainbike entdeckt. Ich komme sicher wieder.

Pause in der Livadaki-Bucht

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