10. Oktober 2008

Die Geheimnisse Sardiniens

Reisebericht 31.08. bis 07.09.2008 von Dirk und Manuela Pahlow (pahlow.M at t-online.de)
Sportclub Le Quattro Lune, Orosei – Sardinien

Ein toller, erlebnisreicher Aktiv-Urlaub liegt hinter uns, der so nicht vorhersehbar war.
Unsere Woche Urlaub auf Sardinien hatten wir erst 2-3 Wochen zuvor gebucht. Auswahlkriterien: Es sollte eine Froschreise sein, denn wir wollten uns sportlich aktiv betätigen beim Wandern und Radfahren. Das Wetter sollte möglichst schön sein und irgendwo mussten wir noch 2 freie Plätze finden.
So bekamen wir gerade noch eines der letzten Doppelzimmer Kategorie C in dem idyllisch gelegenen, hinter Palmen versteckten 2-stöckigem Hotel Le Quattro Lune, welches über einem blitzsauberen großzügigen Pool-Bereich mit Meerblick verfügt. In diesem sehr gepflegten, architektonisch mit den sardischen Grünanlagen verschmolzenem Hotel fühlten wir uns schnell zu Hause.
Sardinien gehört zu Italien, das wurde uns schnell klar, als wir bemerkten, dass wir den Adapter für die Steckdose vergessen hatten.
Tägliche Reinigung und Handtuchwechsel sorgten für wirklich gute Ordnung und Sauberkeit, soweit man im Zimmer überhaupt sehen konnte. Wegen fehlendem Fenster (trifft nur für Kategorie C zu) war es nämlich recht dunkel im Zimmer, aber so konnten wir uns schon mal an das Feeling der bevorstehenden Höhlenerforschung gewöhnen.

Damit wären wir auch schon bei den Aktivitäten. Wir nutzten überwiegend die Angebote vom Frosch-Kooperationspartner Keya, auf dessen Jeep die Aufschrift „The Secrets of Sardinia“ stand. Das war ein Aktions-Programm, bei dem man die Geheimnisse Sardiniens mit dem Kajak, beim Canyoning und Höhlenforschen entdecken kann. Genau in dieser Reihenfolge haben wir diese wunderschöne Insel aktiv kennen gelernt. Zum Wandern und Radfahren kamen wir kaum.
Offensichtlich hatten wir Glück, dass Anfang September mit ca. 50 in etwa die richtige Anzahl von Froschgästen im Hotel war. Laut anderer Berichte fielen angebotene Touren wegen geringem Interesse aus oder sie waren wegen großer Nachfrage ausgebucht. In der Woche nach uns wurden 80 „Frösche“ erwartet, das Gedränge kann ich mir gut vorstellen.

Die erste Wanderung zur, als Geheimtipp ausgewiesenen, Cala Luna (Mondbucht) war auch schnell ausgebucht. Es gab eben nur begrenzte Sitzplätze in den Hotel-Kleinbussen, denn diese Wanderung ist mit einem 1-stündigen Transfer verbunden. Dank der Organisation unserer Reiseleiterin Claudia und der Kooperation mit Keya konnten alle 20 interessierten „Frösche“ diese sehr angenehme 2-3-stündige Wanderung mitmachen. Belohnt wurden die Wanderer mit Relaxen am Strand in einer von Felsen umgebenen Bucht, einem Imbiß in der Strandbar und einer Bootsfahrt zurück zu den Bussen.

Die Wanderung zu einem Nurhagen-Dorf am Monte Tiscali am nächsten Tag fiel Mangels Interesse aus. Dafür wurde Kajak-Tour 2, ein ganzer Tag auf dem Meer, als Ersatz angeboten. Wir hatten uns schon für Kajak 1 (1 Stunde paddeln zu einer Strand-Oase) Ende der Woche eingetragen. Dies sollte eigentlich Voraussetzung für die Kajak-Tour 2 sein. Nach einigen Überlegungen und Diskussionen entschieden wir uns doch für Kajak 2, was sich als großes Glück herausstellte, denn diese Tour war landschaftlich viel schöner, außerdem fiel Kajak 1 wegen hohem Wellengang aus.
Unser Keya-Reiseleiter Gavino hat uns 3 Tage lang begleitet. Er ist nicht mehr der Jüngste, aber noch fit wie ein Turnschuh. Mit welcher Ruhe, Geduld, Ausstrahlung und selbstverständlichem Vertrauen in den „Frosch“ er uns hautnah die Natur seiner Insel erleben ließ, war beeindruckend. Da wir das 5. Mal mit Frosch unterwegs waren, wussten wir, dass „Frösche“ gewisse Grundvoraussetzungen an Fitness und Koordination mitbringen, sonst würden sie keine Sportreise buchen.

Ein Tag auf dem Meer: Nach kurzer Einweisung paddelten 12 Kajaks auf offenes ruhiges Meer hinaus. Glasklares, postkartentürkisfarbenes Wasser, schroffe Felsen, Sonne und die Freiheit genießen, war einfach toll. Wir waren nicht an der kurzen Leine, sondern durften paddeln, wie wir wollten. Irgendwann verschwand Gavino unter den Felsen und die Gruppe folgte ihm wie die Lemminge. Es gab eine Felsgrotte zu bestaunen, die nur vom Meer aus mit eingezogenem Kopf zugänglich war.

Nach einer ausgiebigen Rast in einer schattigen Felsenhöhle, wo wir den mitgebrachten Proviant vernichteten und Felsenkletterer beobachteten, ging es bei etwas mehr Wind und Seegang wieder zurück. Die Seekajaks sind sicher und lassen sich leicht bewegen. Sie haben eine verschließbare Luke für Sachen, die in einem wasserdichten Gummisack mitgenommen werden können. Übermäßige Kraft war für die Tour nicht erforderlich. Es ist niemand gekentert, obwohl die meisten zum ersten Mal im Boot saßen.
Der Tag auf dem Meer war für mich ein toller und glücklicher Ersatz für die ausgefallene Wanderung. Für einige war es bis dahin der schönste Tag auf Sardinien. Es sollten weitere folgen.

Canyoning und die Kunst sich Abzuseilen: Diese Bezeichnung löst Ehrfurcht aus, hat man doch schon von spektakulären Sprüngen ins Wasser und von Unglücken gelesen.
Diesmal hatte Gavino einen drahtigen, fröhlichen Muskelprotz als Helfer dabei, welcher sich als Jan-Carlo vorstellte. Beide übernahmen die Verantwortung für 12 erlebnishungrige „Frösche“. Durch ein ausgetrocknetes Flussbett mit riesigen Felsbrocken ging es abwärts von den hohen Bergen bis zum Meer. Also Entwarnung: keine gefährlichen Sprünge ins Wasser. Wir lernten eine urwüchsige Gegend kennen, wo sonst nie ein Mensch hinkommt, es sei denn, er hat ein 50 m langes Seil, entsprechende Ausrüstung (Helm, Seilhose mit Karabinerhaken) sowie professionelle Führung, um steile Schluchten und enge Kamine abzusteigen.


Einen ordentlichen Adrenalinschub bekam ich, als ich erstmals im rechten Winkel zur senkrecht abfallenden Felswand, 20 m über festem Boden, stand. Wird das Seil halten? Kraft war nicht so sehr gefragt. Eher Technik, Mut und Körperbeherrschung. Professionell oben und unten abgesichert, wurde jeder Tritt gesteuert. Ich fühlte mich sicher, mulmig war mir trotzdem.

Der Rucksack ist ständiger Begleiter, denn im Canyon gibt es keinen Supermarkt. Also alles mitnehmen, was man bei so einer Tageswanderung braucht. Einen kleinen Nachteil hatte die Seilhose, denn, solange man sie trug, waren nicht nur die Beine, sondern auch die Blase darin gefangen. Dafür bekamen wir sogar einen Kolibri zu sehen. Wir waren zunächst stolz, ein unbekanntes Tier zu entdecken. Auf den ersten Blick schaut er aus wie ein mit Fell bezogenes Insekt. Gavino meinte, es sei ein Kolibri. Hab ich mir bisher größer und bunter vorgestellt, na ja, vielleicht war es eine sardische Variante. Durch die fachkundige Führung von Gavino kenne ich nun auch den Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Wacholder. Der würzige Duft hat mich zunächst an eine Art Weihrauch erinnert.

Canyoning war eine tolle neue Lebenserfahrung. Besonders anstrengend oder kräftezehrend war es nicht. Bei den 4 Abseilaktionen gab es reichlich Zeit zum Ausruhen, denn wir mussten jeweils lange warten, bis alle 12 Kletterer einzeln durch waren. Wir hatten 2 Seile. Immer wenn einer unten war, musste er laut „Libera“ rufen,
was soviel wie „Seil frei“ heißt. In der Aufregung wurde das schon mal mit „Libero“ oder „Liberta“ verwechselt. War das Seil frei, begann man oben am Seil sich zu befestigen. Erst das Sicherungsseil an den Karabinerhaken, dann das Kletterseil in die 8-förmige Seilbremse einschlingen, ausklinken, umdrehen, einklinken, Sicherungsseil ausklinken. Das dauert schon etwas. Bei der letzten Abseilaktion hatte ich es endlich begriffen.
Der Canyon endete in einer kleinen Bucht am Meer. In der Stunde, wo für uns Zeit zum Baden war, schleppten unsere 2 Begleiter die Seile wieder auf den Berg und holten die Autos. Ein toller Service, wie ich fand.
Als sehr hilfreich stellte sich heraus, dass wir feste Bergwanderschuhe mit grobem Profil trugen, das traf auch auf die folgende Aktion zu.

Höhlenforschung: Was uns hier erwartete, war keine Wanderung, sondern eine Kombination aus Klettern und Paddeln, nur eben im Dunkeln. Ich empfand es als Steigerung dessen, was ich an den Tagen vorher erlebt hatte. Weil nicht ganz ungefährlich, hatte Gavino wieder Jan-Carlo, den Bodygard vom Canyoning als wirklich tolle Unterstützung mitgebracht.
Zunächst verbrachten wir einige Zeit bei 30°C Lufttemperatur mit der Vorbereitung der Carbid-Lampen. Diese Dinger funktionieren heute noch wie vor 50 Jahren bei den Kumpels im Bergbau. Jeder 2. bekam so eine Lampe, dessen offene Flamme am Helm helles Rundumlicht gewährleistete. Die restlichen Höhlenforscher bekamen einen Helm mit batteriebetriebenem Licht, welches punktförmig leuchtete.

Dann krochen 12 neugierige „Frösche“ in die 18°C kühle und absolut dunkle Höhle. Nach kurzen Kletterübungen an einem mit Handlauf gesichertem Fels, kam man am ersten Wasser noch gut vorbei. Dann wurden die Rucksäcke abgelegt. Das bedeutete, Essen und Trinken sowie WC waren in den folgenden 4-5 Stunden nicht mehr möglich. Nach 1/3 des Weges hinderten uns 2 kleine Seen am weiterkommen. Also wurden die 2 mitgeschleppten Ein-Mann-Schlauchboote aufgepumpt. „Frosch“ für „Frosch“ setzten wir langsam über. Das Ein- und Aussteigen in die Boote war eine Kunst für sich und es konnte schon mal Schrammen oder blaue Flecken geben. Langärmliche Kleidung wäre deshalb bei dieser Tour von Vorteil.

Auf unwegsamem Boden wie auf Eiern ging es teilweise mit Seil gesicherte Passagen mehrere Meter auf und ab. So haben wir am Ende 500 m in 2 Stunden zurückgelegt. Nachdem alle ihre Lichter aus machten, genossen wir die absolute Dunkelheit und Stille. Plötzlich hörte man die Höhle tropfen mit Echos aus unterschiedlicher Entfernung. Das hatte man vorher bei Licht nicht wahrgenommen. Bei dieser Gelegenheit erklärte Gavino, dass unsere innere biologische Uhr bei absoluter Dunkelheit eigentlich einen 30 Stunden Rhythmus hätte.

Der Rückweg war nicht minder gefährlich. Unsere 2 Begleiter halfen uns geduldig, die richtigen Tritte zu finden. Während wir im Schlauchboot zurück ruderten, schwamm Jan-Carlo, unser freundlicher, muskulöser, sardischer Begleiter mit dem Heiligenschein der Carbid-Lampe auf dem Kopf in Badehose als Letzter durch den See. Erinnerte ein wenig an „Terminator“, als er dem Wasser entstieg. Bei Tageslicht und 30-40°C Außentemperatur nahmen wir, schwer beeindruckt, vor der Höhle unser Picknick ein.
Bei allen Ausflügen konnte man schon bei der Anfahrt die vielfältige Natur der Insel bewundern. Auf jeder Rückfahrt gab es beim obligatorischen Eisstopp leckere sardische Eisspezialitäten zu genießen.
Zum Radfahren sind wir erst am letzten Tag gekommen. Es ging in den sehr schönen, nahe gelegenen Biderosa-Naturpark mit Strand und Aussichtsplattform. Wer mal kurz seine Grenzen testen will, sollte mit dem Bike den Berg zur Plattform hochfahren. Hab ich freiwillig gern getan.

Wir müssen uns bei Frosch bedanken, Sardinien war ein Urlaub der Extraklasse. Vor allem Dank der Zusammenarbeit mit Keya. Die Urlaubs-Kasse war in diese Ausflüge wirklich gut angelegt. Hoffentlich haben noch viele andere „Frösche“ das Glück, Sardinien auf diese Weise zu erleben. Wir hatten das Glück, in einer Woche mehr zu erleben, als manch anderer in 2 Wochen, da Touren auch ausfallen können. Das Wetter spielte mit und wir hatten uns für die Touren eingetragen, bevor wir durch einen Diavortrag erst erfuhren, worum es ging. Dieses Risiko hat sich gelohnt, ich habe keine Minute an die Arbeit gedacht, bin gut erholt und das ist sehr sehr viel wert.

Dirk P.

2 Gedanken zu „Die Geheimnisse Sardiniens

  1. Kathrin Müller

    Nette und ausführliche Reisebeschreibung, wäre auch komisch wenn anders. Aktivurlaub pur! Ich merke ihr habt Spass gehabt. Das Abseilen wäre nicht ganz so mein Ding (Höhenangst).
    Alles in allem hat der Reisebericht einen hohen Wiederempfehlungswert!

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