4. März 2012

Die Streif in Sichtweite: Skiurlaub in Kitzbühel 14. – 21.01.2012

Reisebericht von Juergen Baur (jbaur at web.de)
FROSCH Reiseziel Sportclub Tyrol in Kitzbühel, Österreich

Frau Holle hatte den Saisonstart 2011/2012 wohl verschlafen: Anfang Dezember war Schnee in den meisten Wintersportgebieten absolute Mangelware und bei herbstlich-warmen Temperaturen brachten auch Beschneiungsanlagen keine weiße Pracht auch die Pisten. So wurde aus meinem geplanten Jahresendurlaub ein Jahresanfangsurlaub, schließlich sollte es doch in den Schnee gehen.

Als ein neues Frosch Haus fiel mir der Sportclub Tyrol auf, der zentral in Kitzbühel sein sollte. Leider brachten die ersten Google-Treffer keine prickelnden Aussichten: Unter anderem bei Tripadvisor fanden sich englischsprachige Berichte, die durchaus kritisch bzgl. des Hauses waren. Nachdem Frosch das Haus jedoch als „weitgehend renoviert“ beschreibt, hielten die Berichte mich nicht von einer Buchung ab.

Anreise

Kitzbühel kann sowohl mit dem Flugzeug über Salzburg, mit der Bahn (Schnee-Express), mit dem Bus und mit dem eigenen Auto erreicht werden und dürfte daher auch für viele Frösche aus dem Norden Deutschlands in Betracht kommen.

Ich wählte die Busanreise ab Köln und wie üblich ging es Freitagabend gegen 22:15Uhr ab Köln Deutz in die Berge. Überrascht war ich, dass der Bus neben Gäste für den Sportclub Tyrol auch Zubringer für die Häuser in Westendorf und Saalbach-Hinterglemm war – das scheint jedoch nicht die Regel zu sein (bei der Rückfahrt traf dies auch nicht zu).

Nach einem Stopp am Sportclub „Wilder Kaiser“ erreichte der Bus gegen 08:30Uhr die Bushaltestelle Hornweg in Kitzbühel , die rund 100 Meter vom Sportclub Tyrol entfernt liegt (an dieser Haltestelle halten auch die Skibusse). Mit dem Bus lässt sich der Sportclub aufgrund der schmalen Einbahn-Straßen wohl nicht unmittelbar anfahren.  An der Haltestelle wurden wir bereits von Hausleiter Christian erwartet, der uns, jeder mit seinem  Gepäck bestückt, über einen Hintereingang ins Haus leitete.
Es folgten die ersten kurzen Infos an der Rezeption bei Ulli und Caro (Skipässe, Skiverleih, Skikeller, Zimmerbezug, etc) und ein ausgiebiges Frühstück im großzügigen Speiseraum.


Erster Blick auf die Rückseite des SC Tyrol

Gegen 09:30 Uhr trafen die (zahlenmäßig größere) Gruppe der Bahn-Anreisenden via Taxi vom Bahnhof ein, deren Zug anscheinend ca 45min Verspätung hatte.

Die frühe Anreise und der Rundum-Service machen es möglich, den ersten Tag auch als vollen Skitag zu nutzen: Gegen 10 Uhr kann man schon auf dem Berg stehen! Ok, bei mir war es etwas später, doch ich nutzte den Tag als Snowboard-Tag.

Der Sportclub Tyrol

Bei dem Sportclub handelt es sich um ein – für Frosch – relativ großes Haus. Erkennbar wurde das Haus außen – zumindest ggü dem Katalog 2012 – neu gestrichen und innen renoviert. Unverkennbar bleibt jedoch, dass die Bausubstanz einige Jahre auf dem Buckel hat: Hierzu gehören unter anderem die Doppelfenster.

Rezeption, Speiseraum, holzvertäfelte Bar und zwei Stuben (mit Kicker und TV; auch als Gepäckzimmer für An-/abreise genutzt) befinden sich im Erdgeschoss. Gästezimmer verteilen sich zwischen Erdgeschoss und dem vierten Stock. Ein Aufzug bringt Gäste vom (Ski-)keller bis in den 3. Stock. Die Gästezimmer der Kategorie B sind mit den 13-15qm für zwei Personen doch ziemlich klein. Überrascht war ich, als mein Badezimmer mit WC komplett mit Teppich und nicht mit Fliesen ausgelegt war – wie ich von anderen Gästen erfahren habe, scheint dies jedoch eher eine Ausnahme gewesen zu sein.  Der Skikeller, der von außen zu Fuß und innen für Gäste nur über den Fahrstuhl zu erreichen ist, ist geräumig und es sich ausreichend Skischuhtrockner vorhanden.

In den Treppenaufgängen finden sich WLAN-Router über die man Zugang ins Internet hat.

In einem sind jedoch die Tripadvisor Berichte zutreffend: Das Haus ist hellhörig. Wenngleich der Teppich im Treppenhaus und den Räumen sicherlich einiges internes schlucken dürfte, kann man externe (unter anderem früh morgens) Räumdienste, Müllabfuhr, die „Große Glocke“ von Miller u.ä. gefühlt hautnah miterleben. Die Teamer belegen anscheinend die Zimmer über der Bar auch nicht aufgrund der Geräuschbelästigung von unten.

Sehr bedauernswert – und für manche Gäste zudem völlig überraschend – ist die Tatsache, dass der Sportclub keine Sauna hat. Eigentlich ist dies bei Frosch-Häusern Standard und die Aussagen über Saunatücher und Bademäntel bzw. die Leistungsbeschreibung bei den Familienreisen im Katalog 2012 suggerieren auch, dass eine Sauna selbstverständlich vorhanden ist. Zwar besteht die Möglichkeit eine Sauna gegen Entgelt in der öffentlichen Aquarena (ca 500m entfernt) zu nutzen, doch ein Ersatz stellt dies aus nach meiner Ansicht keinesfalls dar.

Im Sportclub befindet sich keine Skistation. Der Verleih findet über Skischule und –verleih element3 (Sport Noichl) statt, der rund 600m vom Haus entfernt ist.


Die Dächer von Kitzbühel mit Hahnenkamm und Streif vom SC Tyrol

Ein paar Worte zum näheren Umfeld des Sportclubs:

  • Geht man vom Sportclub die Straße bergaufwärts, gelang man zur Fußgängerzone – besser verkehrsberuhigter Bereich – von Kitzbühel. Hier sind einige Hotels angesiedelt, es gibt ein Kino, McDonalds, Kneipen und auch mal Geschäfte von Bogner etc.
    Über diese Straße gelangt man auch zum Skiverleih, zur Aquarena und Hahnenkammbahn.
  • Geht man vom Sportclub Richtung der oben genannten Bushaltstelle, finden sich Banken, Elektrogeschäft, Cafe etc. und wenn man über die Haltestelle hinaus die Bahnlinie passiert, gelangt man zur Hornbahn.

Skigebiet KitzSki

Mit angegebenen 170 Postenkilometer gehört das KitzSki-Gebiet sicherlich nicht zu den größten Skigebieten. Prinzipiell lassen sich von Kitzbühel aus zwei/drei  Einstiegsbereiche unterscheiden:

  • Zum einen die rund 400m vom Club entfernte Hornbahn zum Kitzbühler Horn:
    Wenngleich dieser der höchste Punkt des Gebietes ist, sind die wenigen eher kurzen Pisten nicht gerade prickelnd. Die Piste ins Raintal mag dabei noch die interessanteste sein, doch die lange Fahrt im zugigen Doppel-Sessel trübt den Spaß. Eine (blaue) Talabfahrt führt zum Ausgangspunkt der Hornbahn.
  • Zum anderen die rund 800m entfernte Hahnenkammbahn, die den Einstieg in das größere Skigebiet um Hahnenkamm und Pengelstein und damit auch die Hausberge von Kitzbühel, Kirchberg erschließt. Blaue und rote Talabfahrten enden in der Umgebung der Talstation
  • Letztendlich noch der Einstieg bei Jochberg in die Gebiete um die Resterhöhe, Bärenbadkogel, Wurzhöhe (Hausberge von Mittersill, Hollersbach und Jochberg).

Die Gebiete um die letzten beiden Punkte sind mit einer Gondel 3S zwischen Pengelstein und Wurzhöhe verbunden. Man kann also von Kitzbühel aus auch auf Ski zwischen den Gebieten wechseln.


3S Bahn von Wurzhöhe zum Pengelstein (rechter oberer Bildrand)

Nachdem ich zunächst zwei Tage mit dem Snowboard unterwegs war, wechselte ich freiwillig auf Ski: Für Border erscheinen das KitzSki-Gebiet nicht gemacht! Lange Ziehwege, über die sogar Skifahrer verstärkt jammern, finden sich überall verstreut. Im Gebiet um den Bärenbadkogel und Wurzhöhe finden sich auch noch Schlepplifte, die man nicht umgehen kann. Die Pisten um den Hahnenkamm und Pengelstein sind häufiger auch mal recht schmal. Daher bevorzugten einige Gäste – insbesondere die leidenschaftlichen Carving-Skifahrer – die Pisten um die Resterhöhe, Zweitausender und fuhren morgens lieber gleich mit dem Bus bis zum Einstieg in Jochberg.


Auf dem Baerenbadkogel

Innerhalb von Kitzbühel verkehrt zum einen ein Ringbus, der Hornbahn und Hahnenkammbahn miteinander verbindet. Aufgrund der Einbahnstraßen im Ort führt jedoch beispielsweise die Rückfahrt vom Hahnenkamm zunächst über die Hornbahn zur bekannten Haltestelle in der Nähe des Sportclubs. In der Zeit kann man auch locker zu Fuß laufen – trotz Skistiefel! Manche nutzen den Fußweg zum Apres oder einem McDonalds Besuch.

Zum anderen kann man auf dem Weg zur Hahnenkammbahn ab der hausnahen Haltestelle jedoch auch jeden anderen als Skibus gekennzeichneten Bus benutzen, da diese idR  alle an der Hahnenkammbahn halten.

Skigebiet Wilder Kaiser / Brixental

Ambitionierte Snowboard-/Skifahrer sollten gleich ein paar Euro mehr ausgeben, und statt des KitzSki-Skipasses die Alpen AllstarCard wählen – bei 7 Tagen machte dies 11 Euro aus. Dieser Skipass gilt dann auch für das Skigebiet Wilder Kaiser / Brixental (450 Pistenkilometer). Erreichbar ist dieses Gebiet entweder mit dem Skibus zur Gondelstation in Brixen, leider fährt der Bus nicht sehr häufig (PDF-Fahrplan im Netz oder Aushang Sportclub), oder über die Abfahrt vom Pengelstein oder Steinbergkogel zur Talstation von Skirast. Von dieser Station verkehrt alle 10-20min ein Bus, der einen in 5min zur Talstation Ki-West bringt. Die dortige Kabinenbahn bringt einen auf den Gampenkogel: Jetzt geht’s wieder auf Ski weiter (Hinweis: Nehmt an der Ki-West Talstation einen Pistenplan Wilder Kaiser/Brixental mit; oben gab‘s keinen!). In dem KitzSki-Pistenplan ist die Ki-West Bahn zwar eingezeichnet, jedoch nicht die dort verlaufende blaue Talabfahrt, so dass man auf Ski auch wieder zur Station zurück kommt.


Hütte auf einer Abfahrt im Söll-Gebiet

In dem „Österreichs größtem zusammenhängenden Skigebiet“ dürften dann viele Herzen noch höher schlagen: Die verbunden Gebiete von Söll, Hopfgarten (Hohe Salve), Brixen, Scheffau und Elmau bieten auch für Snowboarder angenehmere Bedingungen. Fährt man mit dem Skibus ab Brixen zurück, lässt sich ein toller Skitag an einer der beiden (Schnee-)bars an der  roten Talabfahrt 1b nach Brixen ausklingen: Herrliche Aussicht über das Brixental und die hinter den Bergen verschwindende Sonne.  Alternativ finden sich auch ein paar Kneipen an der Talstation – gegenüber der Bushaltestelle nach Kitzbühel.

Skikurse

An einer funktionierenden Kooperation zu einer Ski- und Snowboardschule scheint es in Kitzbühl noch zu mangeln. Zwar scheint es mit element3 eine Vereinbarung zu geben, doch mangels ausreichender Teilnehmehrzahl fanden Kurse nicht statt. Mitreisende wichen daher in Eigeninitiative auf Einzelunterricht oder die roten Teufel, eine andere örtliche Skischule, aus.

Die Verpflegung

So wie es sein sollte: Der Skitag beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück!  Hierzu gehören neben Brötchen auch unterschiedliche Brotsorten – auch mal Croissants -, Käse, Wurst, Marmeladen und Nutella, Müsli/Cornflakes, Obst, Joghurt, Säften, Kaffee/Tee  am Buffet angeboten. Tüten für die Pistenbrote lagen bereit. Nicht zu vergessen die wechselnden Specials, also mal Rührei usw.

Zum Abendessen zauberte Kim leckere 4-gängige Gerichte auf den Tisch: Klassischerweise eine Suppe, Salate mit höchst unterschiedlichen Dressings, Haupt- und Nachspeise . Auf Vegetarier oder Unverträglichkeiten wurde selbstverständlich Rücksicht genommen.
Kims Leidenschaft scheint den Salatdressings zu gehören und das konnte man täglich neu erleben. Erwähnenswert auch die Flambiereinlage in der Küche.

Am freien Tag ging es zu Fuß zur Ganslern Alm, die vielen von uns von der roten Hahnenkamm-Talabfahrt – zumindest von außen – bekannt war. Überraschenderweise scheint die Hütte unter niederländischer Leitung zu sein: Die Aussprache erinnert doch immer mal wieder an den bekannten Entertainer. Nach deftigem Essen und Party ging es unter Fackelbeleuchtung zurück ins Tal.


Uriger Alpengasthof Schroll an der Abfahrt nach Skirast

Das Programmangebot

Wie in den Frosch-Clubs üblich, hängt das Wochenprogramm an einer Tafel aus. Dort findet sich unter anderem:

  • verschiedene Skigebietsführungen: Hahnenkamm, Kitzbüheler Horn und Brixen
  • Apres-Ski mit Glühwein auf der Terrasse
  • Kaffee & Kuchen an der Bar
  • frische Waffeln
  • Welcome-, Fare Well Party und Kicker- und Nagel-Turnier

Wenngleich Österreich wohl das Apres Ski-Land ist, fiel es mir in Kitzbühel nicht so extreme ins Auge wie beispielsweise in St. Anton. Im Laufe der Woche fanden sich dann einige Kneipen im Ort, zB gegenüber von „The Londoner“.

Das Hahnenkamm-Rennen

Nein, gewusst hatte ich es nicht: Jedes 3. Wochenende im Januar findet das Hahnenkamm-Rennen statt. Kitzbühel erfährt dabei einen Wandel: Die Fußgängerzone wird zu einer Partymeile, rote Talabfahrten werden eingeschränkt oder gesperrt, die Anzahl der (lärmenden und später betrunkenen)Menschen in dem Dorf steigt massiv an etc.

Aufgrund der Witterungsverhältnisse wurden im Januar 2012 bis auf das Samstags-Rennen die Training-Durchgänge abgesagt. Die Rennstrecke wurde aufgrund Schneefalls und der schlechten Sicht verkürzt. Die Streif wurde schon tagelang zuvor präpariert und war unzugänglich. Am Tag des Rennens schaffte ein weiterer Zaun größere Distanz zwischen Streif und etwaigen Zuschauern, die für rund 25 Euro mal in Sichtweite der Piste herantreten durften – der gleiche Preis galt auch im Zieleinlauf!

Das Drum-Herum hat geradezu karnevalistische Züge:  Geschminkte und verkleidete Fangruppen ziehen mit Musik und Lärm durch den Ort und die Anzahl der alkoholbedingten Ausfälle – inklusive deren Hinterlassenschaften – steigt rapide an. Das eigentliche Rennen scheint lediglich als Aufhänger zu dienen, einmal im Jahr ausrasten zu dürfen.
Wer mit Karneval etwas anfangen kann, dürfte auch dies mögen – andere hingegen weniger!


Am Renntag: Die Grönbachgusler musizierend durch die Fußgängerzone

Abfahrtstag und die Rückreise

Am Samstagmorgen sollte das Zimmer bis 9:30 Uhr geräumt werden. Das Gepäck konnte in einer der eingangs genannten Stuben abgestellt werden. Zum Duschen gab es nach dem Skitag die Möglichkeit, das Bad eines EG-Zimmers oder einen Duschraum im 3. Obergeschoss zu benutzen.  Das Abreisesüppchen gab’s gegen 16 Uhr in der Bar.

Die Rückreise in einem sehr angenehmen Bus von Bröskamp verlief absolut ruhig und angenehm.

Zusammenfassend …

Kitzbühel  kann sicherlich nicht mit Nobelskiorten wie beispielsweise St. Moritz mithalten. Auch das eher kleine KitzSki-Gebiet kann aufgrund von Größe und Pisten bei mir nicht gerade Jubelschreie auslösen.

Die Lage des Sportclubs in Kitzbühel und der Einsatz der Teamer sind indessen wirklich toll! Diesbezüglich auch positiv zu erwähnen sind die vielen Kleinigkeiten im Haus, wie beispielsweise die wechselnde Deko im Speiseraum beim Abendessen. Allerdings stört den in dieser Hinsicht positiven Gesamteindruck das Fehlen einer Sauna erheblich.


Blick von der Ehrbachhöhe Richtung Reith; rechts hinten das Kitzbuehler Horn

Ein Gedanke zu „Die Streif in Sichtweite: Skiurlaub in Kitzbühel 14. – 21.01.2012

  1. Axel

    Kitzbühel ist immer wieder ein Erlebnis!

    Auf der Facebook Seite der Bergbahn habe ich ein paar Videos aus den Skigebiet gefunden. Teils von der Bergbahn selbst, aber auch von Urlaubern. Die Bilder haben meine Vorfreude auf den Urlaub auf alle Fälle gesteigert.

    http://www.facebook.com/bergbahn.kitzbuehel

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