17. Februar 2011

Ein Snowboarder auf Abwegen: Skifahren in Champéry 22. – 29.01.2011

Reisebericht von Jürgen Baur (jbaur at web.de)
FROSCH Reiseziel Sportclub Souvenir in Champéry, Schweiz

Wieder einmal sollte es mit Frosch in den Winterurlaub gehen. Dabei stieß ich auf das Skigebiet Portes de Soleil mit angeblich 650km Pistenkilometer  – klingt doch ganz interessant. Doch was lese ich da beim Sportclub Souvenir: „Skikurs inklusive“.  Ergänzend findet sich in der Beschreibung „Wir bieten 12 Std. (Anfänger 15 Std., Shortcarver und Stöcke inkl.) Skiunterricht pro Woche für alle Könnenstufen. Besonderheiten sind die Ski-Intensiv-Kurse für Anfänger mit dem Konzept der ansteigenden Skilängen.“

Als Snowboarder, der noch nie auf Abfahrt-Ski  stand, könnte eine solche Reise Einblicke in neue Welten eröffnen: Fragte ich mich doch seit Jahren, weshalb man zwei Bretter nebst Stöcke und unbequemen Skischuhen braucht, um letztendlich auch nur einen Berg hinabzufahren.

Es sollte also ein Anfänger-Skikurs sein und da sogar die Short-Carver im Preis enthalten sind, buchte ich neben der Reise gleich noch ein paar Skischuhe für diese Woche.

Anreise

Ungeachtet des bevorstehenden Skikurses packte ich mein Snowboard ein und wartete gegen 22 Uhr in Köln Deutz auf einen Schlaf-/Reisebus des Unternehmens Gindal, welches mir bislang unbekannt war – auf der Rückreise sollten sich dann die Probleme zeigen. Nachdem das Gepäck für die Gäste sowohl des SC Souvenir als auch des SC Onu verstaut war, ging es über Frankfurt-Flughafen und Karlsruhe ins grüne (!) Champéry.
Bereits gegen 08:30Uhr erreichten wir eine Haltestelle unterhalb des SC Souvenir, wurden von der Hausleiterin Diane begrüßt, suchten unser Gepäck zusammen und wankten die Straße hinauf zum Sportclub. Gäste des SC Onu blieben im Bus und fuhren zur Gondelstation weiter.

Während des anschließenden Frühstücks erläuterte Diane den weiteren Tagesablauf und organisierte bereits die Skipässe.  Die Zimmer sollten ab 15 Uhr verfügbar sein.

Die frühe Busankunft am Samstagmorgen legt es nahe, den ersten Tag als vollen Skitag zu nutzen. So packte ich mein Snowboard  und machte mich auf den Weg ins franz./schweiz. Skigebiet: Ein fantastischer Tag zur ersten Erkundung des Skigebiets!

Blick von der Gondel-Station aufs grüne Champery


Der Sportclub Souvenir

Das Chalet besteht eigentlich aus zwei Teilen, die man von außen und innen ganz gut erkennen kann:

  • In der Mitte der alte Kern (von außen holzverkleidet) in dem sich das Treppenhaus, die einfachen Zimmer (fl. Wasser), deren sanitäre Einrichtungen, Salon im ersten Obergeschoss und die Speiseräume im Gartengeschoss befinden.
  • Im äußeren Teil (neuerer Anbau) die Zimmer mit Dusche/WC, der Bar und ein angehängter Skikeller.

Ganz oben im dritten Stock findet sich eine ausreichend große neue Sauna mit Ruheraum davor, in dem sich Liegen befinden. Von dem Raum aus hat man Zugang auf einen Balkon zur Abkühlung und auch über die Dachfenster lässt sich das „Alpenglühen“ sehen, wenn man zeitig dran ist. Saunatücher und Bademantel kann man gegen Gebühr erhalten.

Bedingt durch die zeitlich weit auseinander liegenden Errichtungszeiträume der Chalet-Teile weichen die Einrichtungs-Standards erheblich voneinander ab. Allen gemein ist zum einen die Hellhörigkeit des Gebäudes und die schweizer Steckdosen: Euro-Stecker passen rein, für Schuko-Stecker bedarf es eines Adapters.

Entgegen den Frosch FAQ-Informationen vom Januar 2011 gab es WLAN im Gebäude, wenngleich sich die Abdeckung auf einen kleineren Bereich im Gebäudekern beschränkte.

Ander als der SC Onu hat der SC Souvenir keine Skistation im Haus. Skiverleih läuft über Berra Sport in der Nähe des Sportclubs (französisch oder englisch ist hilfreich).  Preislich liegt Berra Sport über den Preisen des Frosch Verleihs im Onu.

Ein paar Worte zum näheren Umfeld des Sportclubs:

  • Vom Sportclub aus geht es eine kurze steile Straße rauf und man steht auf einer verkehrsberuhigten Dorfstraße im Zentrum von Champèry: Post, Supermärkte, Banken, Apotheke, Restaurants, Kneipen und auch Berra Sport (Skiverleih des Clubs) finden sich dort.
  • Geht man vom Sportclub die Straße bergabwärts gelangt man zum Sportzentrum und nach weiteren 200m zur Gondelstation. Glücklicherweise blieb es mir erspart, das steile Straßenstück mit Skischuhen auf Schnee/Eis zu passieren, da im Ort kein Schnee lag.
    Bei der Gondelstation ist auch noch ein Supermarkt.

Skigebiet

Mit der Gondel geht es auf rund 2.000m Höhe zunächst ins schweizerische Skigebiet um Les Crosets mit rund 100 Pistenkilometer.  Leider war jedoch Ende Januar 2011 die Schneelage eher dürftig: Talabfahrten waren unmöglich und manche Pisten erstreckten sich nur noch als präpariertes grün-weißes Bahn durch die Landschaft.  Zur ersten Verwirrung kommt hinzu, dass die Pisten nicht mit Nummern o.ä. bezeichnet sind. Überdies machte die Existenz von Schleppliften (Teller- und Anker) und 2er Sessellifte nicht gerade den Eindruck eines modern erschlossenen Skigebietes. Zwei größere Sessellifte boten nur recht kurze Pisten.

schweiz. Chavanette-Gebiet mit schwarzer Buckelpiste im Hintergrund

An drei Stellen führen Sessellifte zu Übergängen (Chavanette und Mossettes) ins französische Skigebiet um Avoriaz. Dort war die Schneelage erheblich besser und die Infrastruktur entspricht franz. Skigebieten – man muss sie nicht mögen, doch zweckmäßig allemal. Für die Gäste aus dem Onu ist dies ein mit Ski erreichbarer Einkaufsort: Carrefour, Banken, Sportgeschäfte, ..
Seitens der Teamer bekamen manche Lifte Beinamen: Spannerlift, Romantiklift, …  – mal damit fahren, dann ist der Grund klar.

Blick auf Avoriaz

Les Portes du Soleil soll in 12 Skigebieten 650 Pistenkilometer umfassen. Leider existieren zwischen den Gebieten nicht in allen Fällen Ski-Übergänge, dh man muss teilweise (auch mangels Schnee) auf Skibusse umsteigen, um andere Gebiete zu erreichen. Dies ist nicht nur recht zeitaufwendig sondern raubt auch den Spaß, den man in zusammenhängenden Gebieten (zb Trois Vallées) haben kann.
Für Snowboardfahrer seien neben den Schleppliften noch längere Ziehwege erwähnt, die sich auch im französischen Teil finden.

Bars in Avoriaz

Skikurse

Mit dem Ende des ersten Snowboard-Tages endete für mich (zunächst) auch der Spaß auf der Piste, schließlich startete der Anfänger-Skikurs bereits am Sonntagmorgen:
Bewaffnet mit 120cm Carver und Skistöcken stand ich an der Gipfelstation der Gondel und wartete auf einen weiteren Skischüler vom SC Onu und dem Skilehrer.  Ein langer Tag, wie sich zeigen sollte: 10 bis 13 und 14 bis 16Uhr. Fuhr ich am Vortag noch locker diverse Pisten hinunter zeigten sich auf den Ski doch erhebliche Probleme. Am Abend des ersten Tages war mein persönliches Limit erreicht: Schmerzende Füße, Beine etc. Wäre es nicht einfacher, wieder mit dem Snowboard weiter zu fahren? Nein, ich blieb – wie sich zeigen sollte glücklicherweise – Dank Sauna und Voltaren dabei. Tatsächlich stellten sich am zweiten Tag bereits deutliche Fortschritte ein und das spornte an! Endlich  zeigten sich auch mal die Vorteile des Snowboard-Fahrens: Pflugfahren war mir unbekannt, so dass die Kante(n) immer mein bester Freund waren.
Der Anfänger-Skikurs endete – zuletzt mit fünf Personen – am Mittwoch. Tatsächlich wechselte ich anschließend auf längere Ski und meine Urlaubswoche endete mit einem Verhältnis von sieben Ski- zu einem Snowboard-Tag. Nein, das hatte ich nicht erwartet.

Die Fortgeschrittenenkurse begannen am Montagmorgen. Nach einer Einfahrrunde wurden die Teilnehmer – abhängig von deren individuellen Fähigkeiten – in drei verschiedenen Kursen eingeteilt. Soweit möglich waren die Kurse so ausgerichtet, dass sich alle zur Mittagspause auf einer Hütte trafen. Leider gab es in einem Fortgeschrittenen-Kurs jedoch zwei Verletzte, für die die Skiwoche  vorzeitig endete.

Die Verpflegung

Der Skitag beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück: Neben verschiedenen Brotsorten, Käse, Wurst, Marmeladen, Müsli/Cornflakes, Obst, Joghurt, Säften, Kaffee/Tee wurde täglich wechselnd eine andere Speise, beispielsweise Rührei, am Buffet angeboten. Tüten für die Pistenbrote lagen bereit.

Beim Abendessen zauberte der Koch des Hauses, Jerome, leckere 4-gängige Gerichte auf den Tisch. Doch auch so manche Nachspeise fand heftigen Anklang: Tiramisu mit Früchten!  An Jeromes freien Tag sorgte das Team für Schweizer Raclette im Haus.

Hungrig musste sicher niemand den Tisch verlassen, schließlich wurde ausdrücklich seitens der Teamer an jedem Tisch bzgl. eines Nachschlages gefragt.

Leere Pisten bei Les Lindarets

Das Programmangebot

Das prinzipielle Wochenprogramm hängt an einer Tafel in der Bar aus. Unter anderen finden sich:

  • Skikurse, die wohl die wichtigste Tagesbeschäftigung sind
  • Fackelwanderung
  • Apres-Ski mit Glühwein
  • Kaffee & Kuchen an der Bar
  • frische Waffeln
  • Welcome-, Fare Well Party und Kicker-Turnier etc.

Apres Ski wie man es von Österreich kennt ist in der Schweiz und insbesondere in Frankreich eher unbekannt. Wer also den Moser Wirt sucht, ist hier falsch und sollte in die entsprechenden Skigebiete nach Österreich fahren.

Abfahrt und die Rückreise

Am Samstagmorgen sollte das Zimmer möglichst bis 9 Uhr geräumt werden. Koffer können im Salon oder im Saunabereich gelagert werden. Duschen nach dem Skitag ist im dritten Obergeschoss selbstverständlich möglich.  Vor der Busabreise gab es auch noch eine Stärkung durch eine Suppe.

Leider war die anschließende Rückreise alles andere als angenehm, nachdem bei Offenburg der Anhänger, in dem Gepäck untergebracht war, ein defektes Radlager hatte. Nachdem eine Weiterfahrt mit dem Anhänger anscheinend unmöglich war, die Busfahrer sich zunächst jedoch alles andere als kommunikativ zeigten, luden wir auf einem Parkplatz nachts den Anhänger soweit möglich in den Bus, um wenigstens die Reisetaschen mitzuführen. Mit rund drei-stündiger Verspätung erreichten wir die Zielorte. Die im Anhänger zurückgelassene Skiausrüstung wurde drei Tage später frei Haus nachgeliefert.

Zusammenfassend …

Les Portes des Soleil machte seinen Namen hinsichtlich der Sonne alle Ehre: 8 Tage Sonnenschein.  Allerdings waren die Pisten ohne Neuschnee hart und teilweise eisig.

Besonderes Highlight war für mich natürlich der Anfänger-Skikurs und dessen – für mich absolut unerwartetes Ergebnis: Mein Snowboard stand im Skikeller. An der Stelle vielen Dank an Dominik! Doch auch für die anderen Frosch-Gäste sollten die Skikurse nützlich gewesen sein, zur Verbesserung deren Technik und Fähigkeiten.

Die Frosch Reise schuf mir für die Zukunft ein neues – eher angenehmes – Problem: Ski oder Snowboard. Letzteres ist mir bislang noch vertrauter, doch kann sich dies nun mal ändern …

Chavanette-Hütte unmittelbar an der Landesgrenze und Einstieg in die „Schweizer Wand“ (schwarze Buckelpiste)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere