15. Januar 2010

Jassóu – Ein Wiederholungstäter auf Kreta

Reisebericht von Angela Ziemer (angelaziemer at yahoo.de )
FROSCH Reiseziel Sportclub Dimitra in Almirida auf Kreta

Das habe ich wirklich noch nie gemacht: Zweimal in derselben Saison, mit demselben Reiseveranstalter, dasselbe Reiseziel gebucht. Aber Kreta hat es mir schon im Mai angetan, warum also nicht den Saisonabschluss auch miterleben. Schon zu wissen wo man hinkommt, was einen erwartet, die sympathischen, flexiblen Teamer schon zu kennen, zu sehen wie sich Orte und Landschaft im Laufe des Sommers entwickelt haben, im Vorfeld schon eine Vorstellung zu haben, welche Touren man noch machen möchte oder auch noch einmal machen möchte –auch das hat seine Reize. „Mit dem Zweiten sieht man besser“

Also dann Koffer gepackt und ab geht es, Samstagnachmittag mit dem Flieger ab Düsseldorf. Zum Abendessen bin ich auf Kreta.

IMG_2430

Die Überraschung bei der Ankunft: ein anderes Hotel. Das Dimitra hat die Saison schon beendet. Ich wohne diesmal im Almirida Residence,  1 ½ Sterne mehr, ein für mich ungewohnter Luxus. Lassen die uns da überhaupt rein, mit unserem sportlich legeren Auftritt? Aber auch hier sind Ottonormalverbraucher zu Gast, und wir fallen gar nicht auf.

Zu zweit kommen wir gegen 21 Uhr am Hotel an. Ein weiterer Gast ist Samstagmorgen schon angekommen, 6 Gäste sind schon etwas länger da, also eine kleine überschaubare Gruppe. Sylke nimmt uns herzlich in Empfang. Beim üppigen, extra für uns zurückgestellten Abendessen bekommen wir die ersten Infos. Anschließend tausche ich schnell die klobigen Wanderstiefel gegen bequeme Flipflops und es geht zu einem Begrüßungsdrink zu „George“ in die Stammtaverne. Vor ein paar Stunden stand ich noch frierend am Düsseldorfer Flughafen – jetzt tauchen meine Füße kurz  ins warme kretische Meer. Klaus und Sylke erzählen begeistert von Veränderungen während der Saison. Die Taverne am Ende der Straße ist neu. Die Tour nach Georgioúpolis führt nun über andere Wege, usw. Glücklich falle ich später ins Bett. Ich spüre es wird mal wieder ein toller Urlaub.

IMG_2418

Nach einem ausgedehnten Frühstück und der obligatorischen Bikeeinweisung geht es Sonntagmorgen unter der Führung von Klaus auf die erste Tour. Die Räder sind, dank der guten Pflege durch Radprofi Klaus, auch am Ende der 2. Saison noch gut in Schuss. Ich lerne den Rest der kleinen Reisegruppe kennen, genieße die Landschaft und weis, warum ich hier noch einmal hin wollte.

Für nachmittags ist Wellness am Strand geplant. Das Vorhaben fällt jedoch im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Es gibt auch Regen auf Kreta, allerdings nur am Saisonende, wie uns glaubhaft versichert wurde. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

Der nächste Tag steht gewissermaßen zur freien Verfügung. Klaus und Sylke haben frei.  Ob Samariaschlucht,  oder eine mit Hilfestellung der Teamer selbst organisierte Tour mit dem Leihwagen und Bikes im Kofferraum, jeder so wie er meint. Ich verlaufe mich auf einer kleinen Wanderung in den Sackgassen der Olivenhaine und genieße den Nachmittag am Strand. Schließlich habe ich noch fast 2 Wochen Zeit für größere Touren – dachte ich jedenfalls. Beim Abendessen gibt es dann viel zu erzählen.

Dienstag ist es Zeit für eine weitere (für mich neue) Biketour. Mit Klaus geht es nach Meledóni  an den Fuß der Lefká Óri – den weißen Bergen – einem beeindruckenden Bergmassiv, das den Westen Kretas prägt. Eine tolle Tour mit reichlich Höhenmetern über ruhige Asphaltstraßen. Immer wieder genießen wir den Ausblick über weite Landschaft bis zur Küste.

IMG_2555

Nachdem Klaus 2 Gästen der Sorte „Nimmer satt“ einen Abstecher über zwei weitere Highlights und weitere Höhenmeter erklärt hat, genießen wir eine kilometerlange Abfahrt nach Kalíves. Die Kalorien, die wir zuvor abgestrampelt haben, nehmen wir jetzt bei einem Tavernen-Stopp wieder zu uns. Die vielen leckeren Vorspeisen sind auch ein Grund, weshalb ich so gerne nach Griechenland reise.

Nachmittags wird die Wellnesseinheit mit der von Sylke angerührten Joghurt-Maske nachgeholt. Allerdings findet das Programm auf dem Balkon einer Teilnehmerin statt, da eine weitere Regenwolke Zuschauer am Strand zu verhindern weis. Stattdessen vermutlich irritierte Blicke vom Nachbarbalkon. Und damit ist noch nicht genug Frosch-Programm an diesem Tag. Nach dem Abendessen starten wir auf eine Nachtwanderung, eine weitere Neuheit für mich. Dieser Programmpunkt hat im Mai mangels Interesse nicht stattgefunden. Die übrigen Mai-Gäste wissen nicht was ihnen entgangen ist.

Leider müssen wir uns am folgenden Tag von einem Großteil der Mitreisenden verabschieden. Während Klaus neue Gäste in Empfang nimmt, wandern wir zu dritt mit Sylke nach Vámos. Dabei frische ich meine Englischkenntnisse auf, denn ich vergaß bisher zu erwähnen, dass eine Engländerin unter uns ist. Auch das gibt es bei Frosch. Abends dann erneutes Kennenlernen. Mit nun 8 Fröschen wachsen wir schnell zu einer homogenen, unkomplizierten, unternehmenslustigen Gruppe zusammen, geprägt von berliner Direktheit und rheinländischem Humor.

Donnerstag radeln wir zur antiken Stadt Áptera. Im Mai wurden die Ruinen von Gräsern und Klatschmohn gesäumt, nun kommt das schroffe Gestein zur Geltung. Auch das Theater ist jetzt für Besucher zugänglich.

IMG_2002

IMG_2567

Auf dem Rückweg treffen wir in Kalíves auf die Wanderer. Die beiden haben gemeinsam mit Sylke den ebenfalls sehenswerten Steingarten von Koumos erforscht. Mit einem gemütlichen Abend bei „George“ beschließen wir den Tag. Wer im Urlaub Party und Nightlife sucht, sucht in Almirida vergeblich.

Am folgenden Tag steht ein Ausflug nach Chaniá , der zweitgrößten Stadt Kretas, auf dem Programm. Nachdem Sylke uns den Aussichtspunkt, die Ledergasse, die Markthalle und einen Treffpunkt gezeigt hat, darf ich unfreiwillig die weitere Führung übernehmen, schließlich war ich ja schon mal da. Sonst heißt es an dieser Stelle: Erkundungen nach eigenem Interesse. Wir bleiben also als Gruppe zusammen und stöbern durch die Gassen der Altstadt, in denen interessantes Kunsthandwerk angeboten wird. Im Frühjahr habe ich bei dieser Städtetour das Flair des venezianischen Hafens in der Abendsonne genossen. Auch hier: beides hat seinen Reiz. Ein einmaliges Erlebnis ist auch die kretische Organisation am Busbahnhof. Das kann man nicht in Worte fassen, man muss es erlebt haben. Gut, das wir hier wieder auf Sylkes Erfahrung bauen konnten. Ob wir sonst den richtigen Bus getroffen hätten?

Da wir uns an diesem Tag sportlich noch nicht betätigt haben, sorgt eine weitere Nachtwanderung für Ausgleich. Bowling als Alternative kommt eben bei uns nicht an.

Auch die Wanderung, oder besser gesagt Kraxeltour, in der Diktamosschlucht gehört bei diesem Kretaurlaub wieder dazu. Um Transferkosten zu sparen, radeln wir zur Schlucht, laufen bzw. klettern,  soweit uns  die Füße tragen und drehen dann nach ausgiebiger Pause einfach wieder um. Und man glaubt es kaum, aber man kann sich in der Schlucht tatsächlich verlaufen. Da stehen doch zwei von uns plötzlich vor einem Abgrund, den wir auf dem Hinweg garantiert nicht hochgeklettert sind. Das hat man nun davon, wenn man zu weit vorweg läuft. Nach den Eindrücken in der Schlucht sind wir auf dem Rückweg so in Gespräche vertieft, dass wir an den gut versteckten Bikes beinahe vorbeilaufen.

Und schon wieder ist Sonntag. So schnell vergeht eine Woche. Gemeinsam starten wir mit Sylke und Klaus in die letzte Saisonwoche. Egal ob mit Rad oder per pedes, unser heutiges Ziel ist Georgioúpolis, ein Ort mit kilometerlangem Strand. Der Weg dorthin führt vorbei an einsamen Kirchen, wie der Kirche von Kiomesis und dem Kloster Karidi mit einer alten Ölmühle. Und auch hier wieder atemberaubende Ausblicke.

IMG_2637

IMG_2646

Schließlich verbringen wir einen tollen Tag am Strand. Ob einfach nur faul in der Sonne liegen, schwimmen, die Gegend erkunden oder Frisbee-werfen, hier kommt jeder auf seine Kosten. Nicht zu vergessen, dass auch bei dieser Tour die Taverne von Sylke und Klaus mit Bedacht ausgewählt wurde. Leider genieße ich auf dem Rückweg den genialen Ausblick etwas zu sehr. Nach einem Sturz über den Lenker lass ich mich jedoch nicht unterkriegen und bringe die Tour auf dem Rad zu Ende. Meine weiteren Vorhaben  muss ich jedoch radikal über den Haufen werfen.

Anstatt mit dem  Rest der Truppe den Gingilos zu besteigen oder die Samariaschlucht zu durchqueren und sich auf weitere Biketouren zu begeben, freunde ich mich mit 2 Tagen „Powerbeachen“ an. Die Samariaschlucht ist eigentlich ein Muss bei einem Urlaub auf Kreta. Diese ca. 16 km lange Wanderung ist ein Erlebnis für jeden Naturliebhaber, wenn man sich erst nach den großen Touristenmassen in die Schlucht begibt. Ich liege also stattdessen faul am Strand und fühle die wärmenden Sonnenstrahlen auf der Haut, während in Deutschland der erste Frost eingesetzt hat. Dank super flexibler und ideenreicher Teamer wird auch der Rest der Woche für mich nicht langweilig. Eine gemeinsame längere Wanderung steht noch auf dem Programm – noch einmal ist „Gruppenzwang“ angesagt. Die letzten beiden Tage gestaltet Sylke mit mir individuelles Invalidenprogramm. Wir unternehmen kürzere Wanderungen mit ausgedehnten Frappe- oder Mountaintea-Pausen.

IMG_2700

Und bevor wir Samstagabend wieder in den Flieger steigen, um dann frierend in Düsseldorf anzukommen, erfrischen wir Samstagmorgen noch einmal unsere Haut mit Sylkes Joghurt-Maske, diesmal wirklich am Strand. Viele Zuschauer gibt es nicht mehr, denn in Almirida kehrt langsam Ruhe ein. Nach und nach schließen hier die Hotels und werden winterfest gemacht – eine eigenartige aber interessante Atmosphäre. Ein wenig von dieser Ruhe nehme ich mit als wir (die letzten beiden Frösche für dieses Jahr) bei Theo ins Auto steigen und 2 einsame Teamer zurücklassen.

Werde ich noch einmal wieder kommen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere