5. Mai 2010

Eiszeit in Deutschland – Auszeit auf La Gomera (Februar/März 2010)

Reisebericht von Ingo Ehring (hikingo at web.de )
FROSCH Reiseziel La Gomera – aktiv & fun

Motivation
Ausgestattet mit genügend Resturlaub und entsprechenden finanziellen Mitteln, hatte ich das große Glück, dem endlosen Winter in der Heimat für 2 Wochen entkommen zu können.
Bisher immer dem Individualtourismus verhaftet, entschloss ich mich eine Gruppenreise zu buchen und kam relativ schnell zu Frosch. Es sollte eine Wanderreise sein und so liebäugelte ich anfangs mit einer Trekkingtour. Ich befürchtete jedoch, dass diese Form der Reise eine totale Auslieferung an eine Gruppe Menschen bedeutet, die ich nicht kenne und vielleicht überhaupt nicht mag. So entschied ich mich zu einer abgemilderten Form und buchte „activ und fun“ auf La Gomera.

Da dies auch meine erste Flugreise seit langer Zeit war und ich keinen Koffer besaß, ging ich erst einmal los, ein möglichst robustes Behältnis zu erwerben. Meine Wahl fiel auf einen froschgrünen (!) Hartschalenkoffer und dies sei erwähnt, da die grelle Farbe unschätzbare Dienste am Gepäckband geleistet hat.

La Gomera
La Gomera ist eine Insel vulkanischen Ursprungs und hat die Form eines Kegels, mit einer höchsten Erhebung von knapp 1500 Metern, dem Garajonay. Im Laufe der Jahrmillionen wurde dieser Kegel gefurcht, sodass Täler die Insel wie Speichen überziehen. Dieses erschwert natürlich die Wegeführung und hat zur Folge, dass egal ob zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto, man immer mehr oder weniger steil bergauf oder bergab muss und es kaum ebene Flächen gibt.
Diese Tatsache macht die Insel zu einem anspruchsvollen bis mühsamen Ort was Fortbewegung und Transport angeht, verschont sie aber auch vor dem Einfall von Massentourismus, was in meinen Augen der größte Pluspunkt von Gomera ist und mit der paradiesischen Schönheit der Natur hier in Einklang steht.
Also: wer hier wandern oder Rad fahren möchte, kann dies in einer wundervollen Umgebung tun ohne stundenlang jemandem zu begegnen, muss sich jedoch im Klaren sein, dass es keine Sparziergänge werden.

La Gomera liegt ca. 300 KM westlich der marokkanischen Küste mitten im Atlantik.
Das erfordert Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor und häufiges Nachcremen, da selbst wasserfeste Produkte bei schweißtreibender Tätigkeit weg geschwemmt werden.
Die Lage im Atlantik (mit starken Strömungen) erschwert auch das Fortkommen im Wasser, egal ob schwimmend oder per Boot. Das erkennt man allein daran, dass vor der Küste eigentlich keine Boote zu sehen sind außer der Fähren von Fred Ohlsen, welche aber auch den Naturgewalten untergeordnet sind und entsprechende Verbindungen aus Sicherheitsgründen schon mal gecancelt werden.
Das Baden ist nur in geschützten Bereichen ratsam und die wenigen Stände der Insel, machen diese nicht zum bevorzugten Ziel für einen Badeurlaub.

Anreise
Die eben beschriebenen Eigenarten von La Gomera bedingen, dass man einen kompletten Tag zur An- und Abreise rechnen muss.
Meine Flug ging um 6 Uhr 30 ab Düsseldorf, also verließ ich kurz vor 4 Uhr in der Früh das Haus. Nach einem verhältnismäßig turbulenten Flug hielt ich gegen 11 Uhr Ortszeit (minus eine Stunde) meinen Koffer auf dem Flughafen Teneriffa-Süd wieder in der Hand und traf auf eine Handvoll Mitreisender.
Dann Transfer mit dem Kleinbus nach Los Christianos, um dort zu erfahren, dass die Mittagsfähre nach La Gomera ausfällt (siehe oben) und wir uns bis 20 Uhr gedulden müssen, um die große Autofähre zu nehmen. Nach 8 Stunden Erduldung von Los Christianos endlich auf die Fähre, die dann während der Fahrt trotz ihrer Größe erheblich schwankte, jedoch sicher gegen 21 Uhr 30 in San Sebastian landete.
Jetzt noch energisch einen Platz im Reisebus ergattern, um mit Kamikaze-Karl durch 1001 Serpentinen zu schleudern.
Um 23 Uhr 30 konnte ich dann endlich meinen Koffer im Hotel abstellen.
Fazit: 20,5 Stunden Anreise, um festzustellen, dass ich einen robusten Magen habe (wir haben dann auch noch ein Abendessen bekommen).

Das Hotel „La Jardin Concha“ und das Restaurant “El Palmar”
Das Hotel stellt sich so dar, wie im Internet beschrieben, ich empfand es als sehr charmant und habe mich dort echt wohl gefühlt.
Absolut hervor zu heben ist das El Palmar. An 10 Abenden wurden wir dort von Javier`s Küche verwöhnt. Das 3gängige Menu war immer hervorragend, wie überhaupt die gomerianische Küche voll meinem Geschmack entspricht. Man sollte sich jedoch auf diese konzentrieren, so ist z.B. Rinderfilet keine Spezialität dort (wohl weil es auf Gomera auch keine Rinder gibt) und somit allenfalls durchschnittlich – aber „ is nich schlimm“.
Nach dem Essen habe ich fast immer den einheimischen Musikern gelauscht und so den Abend ausklingen lassen um dann entspannt ins Bett zu sinken.

Wandern
Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets und somit eher Flachland gewohnt (von Abraumhalden abgesehen). Auf Gomera geht es entweder rauf oder runter und zwar oft auf Wegen, die absolut festes Schuhwerk erfordern und wo man sich auf jeden Schritt konzentrieren muss. Bergauf sind Beine und Kreislauf gefordert, bergab werden die Knie stark beansprucht neben der Gefahr umzuknicken.
Wenn man seine Leistungsfähigkeit richtig einschätzen kann, wird man dafür aber belohnt mit herrlichen Ausblicken, duftenden Kräutern und Büschen, Geckos, die den Weg kreuzen und das Alles auch im Winter.
Ich persönlich genieße eine solche Atmosphäre am liebsten in Ruhe und da kommen wir zum Aspekt des Herdentriebs mit Leitkuh (nicht böse gemeint). Mit einer Gruppe nebst Wanderführerin unterwegs zu sein, bedeutet permanentes Gequatsche und alle 500m anhalten, um wieder ein endemisches Gestrüpp zu preisen. Zu schweigen von schwülstigen Sagen von Gara und Jornay und ähnlichem unnützem Wissen. Wie gesagt, da spreche ich nur für mich und ich habe dem Rechnung getragen, indem ich entweder vorausgegangen bin oder auch mal eine Wanderung einfach nicht mitgemacht habe. Stattdessen habe ich zwei wundervolle Wanderungen mit einer Bekanntschaft aus dem Hotel organisiert. Sie hatte einen Rother Wanderführer und ein Mietwagen (140€ pro Woche), ich hatte mein GPS-Gerät, so ergänzten wir uns prima, auch was die Gesellschaft anging. Wir haben geredet und geschwiegen, sind gelaufen und haben uns im Schatten ausgeruht. Wenn man sich nur zu zweit abstimmen muss, ist es natürlich auch viel einfacher, zumal man sich ja nicht freiwillig einen Wanderpartner aussucht, der einem voll auf den Keks geht.
Beispielhaft die Daten und ein paar Impressionen meiner Lieblingswanderung von Alojera über Tazo nach Epina durch die Palmendörfer des Nordwestens:

14KM Länge; 800 Höhenmeter; 5 Stunden Gehzeit; 2 Stunden Pause, Wege teilweise anspruchsvoll, überwiegend gut begehbar. (siehe: www.gps-tour.info/)

Radfahren
Wir haben zwei Radtouren gemacht. Nach Auswahl und Einstellung der voll intakten Räder wurden wir von Taxifahrer Carlos mitsamt der Räder zu unserem Startpunkt auf ca. 1300 Meter Höhe gebracht. Das ist natürlich Luxus pur.
Beide Touren liefen nach dem gleichen Schema: erst ein bisschen bergab und bergauf um doch ein paar Höhenmeter zu erarbeiten (ca. 400) und dann war nur noch der wohldosierte Einsatz der Bremsen gefragt, als es hieß: Schussfahrt durch die Serpentinen ins Tal.
Tour 1 ging runter ins Valle Gran Rey, wo mir die letzte gerade Abfahrt 60 km/h bescherte ohne das ich das Geringste dafür tun mußte.
Tour 2 ging ins Tal von Santiago, wo wir als Besonderheit durch die Wolken rollten, die auf 700 – 1000 Meter hingen, was eine faszinierende wenn auch recht feuchte und kalte Erfahrung war. Die Sicht in den Wolken betrug nur etwa 15m und unter ihnen regnete es dann auch noch. Im Tal angekommen schien aber wieder die Sonne, meine Radlerhose hatte sich allerdings wie ein Schwamm vollgesogen. Schnell umgezogen gab es dann zur Stärkung ein geniales Menü direkt am Meer mit frischem Tunfisch, organisiert von unserem sympathischen Radguide Mirco.

Tauchen/Wale watching /Entdeckertour
Diese Programmpunkte lassen sich recht schnell abhandeln.
Am Schnuppertauchen habe ich nicht teilgenommen mangels Interesse.
Die Bootsfahrt war schön. Leider keine Sichtung, außer einem Briten, der dicke Backen machte und uns zu einem Spurt über das schwankende Deck nötigte.
Die Entdeckertour habe ich nur mitgemacht, um meinen Beinen eine Pause zu gönnen. Wir wurden mit dem VW-Bus über die Insel gefahren, um an „tollen“ Aussichtspunkten zu halten. Es wurden Photos gemacht. Nicht zu vergessen das Besucherzentrum der Insel. Endlich doch mal ein Anlaufpunkt, wo Reisebusse Touristen erbrechen. Zum Abschluss gab es noch eine kleine Wanderung. Bräuchte ich kein zweites Mal.
Fazit
Die Reise war absolut phantastisch.
Der Faktor Mensch ist schlecht planbar. Man hat immer Leute, die man mag und welche, die Einen aggressiv machen. Je kleiner die Gruppe, desto stärker ist man dem Zufall ausgesetzt. Meine Strategie gegen zukünftigen Gruppenkoller oder Teamer-Überdruss ist es den Zufallsfaktor abzuschwächen, indem die Gruppengröße erhöht wird.
Als nächstes probiere ich einen Sportclub/- hotel aus und zwar in Cefalu/Sizilien Anfang Juni.
Bis denn, Ingo

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