5. November 2008

Flederschnuppen, grinsende Haie und glückliche Pferde

Reisebericht Toscana / Montaione (Aufenthalt Ende August 2008)
Reisebericht von Susanne W.

FROSCH Reiseziel Sportclub Fattoria San Antonio, Montaione – Italien

Wer auch immer diesen Teil der Erde geschaffen hat, muss dabei richtig gute Laune gehabt haben. Die aus zahlreichen Toscana – Kalendern bekannten, in Wirklichkeit jedoch unendlich
viel schöneren Motive lassen einen vom ersten Moment an unbeschwerter und fröhlicher werden.
Warum das in Deutschland nicht immer so funktioniert? Vielleicht hätten wir unsere Städte nicht Bielefeld, Darmstadt oder Braunschweig nennen sollen, sondern Certaldo, Montaione oder Castelfiorentino. Vielleicht sollten die Zimmer unserer Hotels nicht logisch nach Etagen nummeriert sein, sondern klangvolle Namen wie „Preezemolo“, „Basilico“ oder „La Casa de Nello“ haben. Vielleicht könnte aber auch einfach öfter mal die Sonne scheinen – wie in der Toscana.

Bei der nächtlichen Ankunft im Dunkeln bekamen wir davon allerdings noch nichts mit, genauso wenig wie von der zauberhaften Landschaft, die uns vom 1. Montaione-Besuch bekannt war: im Spätsommer oft im Nebel versunkene Täler zwischen Mais-, Sonnenblumenfeldern und Olivenplantagen, umrahmt von Zypressen und Oleanderbäumen.

Kleine Anhöhen, die sich bei späteren MB-Touren deutlich als gar nicht so klein herausstellten, werden im Wechsel von Castellos und Fincas aller Ocker-/Ambra-Schattierungen verziert. Ihre mehr als gebührenden Abstände lassen das Großstädterherz neidisch werden: dicht an dicht gebaute, dumpfgraue Hochhäuser oder umweltverpestende Industrie scheint es hier nicht zu geben.
Unmittelbar an Weinplantagen gelegen entpuppt sich die Froschunterkunft in Montaione als beeindruckendes Anwesen auf 100 ha Land. „Finca Felicia“ besteht aus dem staatlichen Haupthaus aus dem Jahr 1552 und dem „moderneren“ benachbarten Anbau von 1908.

Wer es stilvoll und gräfisch mag und die eine oder andere Stufe auch nach mehreren Gläsern Rotwein oder Grappa hinaufzusteigen bereit ist, buche die imposanten Zimmer in der Villa.
Wer dagegen das Rustikale bevorzugt, die Nähe zu nur anfangs fremden Fröschen nicht scheut und einen Kühlschrank sowie eine Terrasse mit Blick ins Tal zu schätzen weiß, buche das Appartement.

Angemerkt sei hier, dass sich die Kategorisierung von A, B, C nur auf die Anzahl der Badezimmer pro Reisende / Doppelzimmer bezieht. Ein Appartement Typ B kann also durchaus größer, heller und insgesamt netter sein als das von Typ A, dafür gilt es aber auch, zwei Badezimmer zu sechst zu teilen, was sich nach Auskunft der Betroffenen nie als Problem erwies. Vielmehr wurde oftmals unter Beweis gestellt, dass Frauen entgegen verbreiteter Meinungen weniger Zeit in der Nasszelle verbringen als ihre männlichen Mitbewohner. Appartements der Kategorie C sind im Vergleich zu den anderen dunkler und sehr nah an der Gemeinschaftsterrasse: wer nicht zu denen gehört, die die Nacht zum Tag machen, könnte sich in der Nachtruhe gestört fühlen.

Die weitere Erkundung des Anwesens eröffnet traumhafte Blicke in das Tal, besonders von der bereits erwähnten Terrasse und dem Swimmingpool. Hier nach den MB-Touren und Wanderungen noch eine intakte und aufstellbare Liege zu ergattern, gestaltete sich mehr als schwierig. Vielleicht könnte der Graf einige (mehrere!!) entsorgen, ein paar (mehrere!!) neu Erwerben und von der Steuer absetzen?? Ansonsten ist zu befürchten, das sich hier die nicht – frosch- übliche Urlaubermentalität der frühmorgendlichen Handtuchablegung verbreitet, die in Anfängen schon zu beobachten war… Wer keine Liege abbekam, hielt sich am besten mit dem immer freundlichen und nie gewaltbereiten Plastikhai und diversem anderem Spielzeug im Pool auf. Dank diesem gelang es tatsächlich einzelnen Fröschen, sich im Wasser aufzuhalten, ohne nass zu werden!! (Bianca und Björn, ihr nimmermüden Wasserballspieler, seid nicht natürlich nicht gemeint!)

Wem das zu langweilig wurde, schaute den Pferden zu. Spätestens bei der Weinprobe bei dem Grafen, die man nicht nur wegen des Weins auf keinen Fall versäumen sollte, erfährt man von ihren Schicksalen: der alte Furetto mit seinen kaputten Zähnen, der vormals gedopte Asso, die Allergikerin Querida und Chiara, die mit gebrochenen und falsch zusammen gewachsenen Lauf sowie etlichen offenen Wundstellen mehrere Tage auf dem Feld liegend verbracht hatte, bevor sie gefunden und in die Finca gebracht wurde. Hier schien sie die ersten beiden Tage dem Tod näher als dem Leben. Schmerzmittel, die Nähe zum gutmütigen Esel, vor allem aber die Fürsorge unserer Mitbewohnerin Constanze machten aus ihr in wenigen Tagen ein immer hungriges, schmatzendes und größtenteils stehendes (!) und vereinzelt lächelndes Pferd.

Doch nicht nur Chiara ging es kulinarisch gut. Auf der Terrasse unter blauen Himmel und mit Blick auf das Tal zu sitzen, war schon atmosphärisch ein Genuss. Nach Juttas und Alex Kochkünsten in den Vorjahren–so dachten wir –könnte es nur bergab gehen. Weit gefehlt! Auf immer wieder neu gestalteten, liebevoll geschmückten Tischen zauberte Ingo allabendlich aus mindestens drei Gängen bestehende phantastische Menüs und ließ sie – da selbst etwas wortkarg- von Isa präsentieren. (Nicht unerwähnt soll bleiben, dass Ingo durchaus seine Sprache gebrauchte um zwei besonders hungrige Gäste –netterweise- darauf hinzuweisen, dass mehr als sechs Gänge zum Büfett etwas überhöht seien und der Vorspeisenteller für alle Gäste am Tisch bestimmt sei).

Natürlich geht es bei dieser Froschreise und in der Toscana nicht nur ums Essen (wenngleich dies durchaus vorstellbar wäre…). Es gilt jede Menge Städtchen und Kultur zu entdecken, als da sind:
Certaldo, nach dreistündiger Wanderung wartet als letzte Etappe eine romantische Seilbahn
und bringt einen in ein idyllisches, noch touristenungewohntes Städtchen. Genießt die Aus- und Einblicke von der Stadtmauer und in wunderschön bepflanzte Hinterhöfe. Versäumt auf keinen Fall in der Bar Boccaccio unter schattenspendenden Geranienampeln einen Capuccino oder Latte macciatto zu trinken. Ob Sternchen, Blüten, kryptische Symbole in allen Farben: jeder ist anders dekoriert und verziert.

Sienna: ein gotischer Traum! Verpasst auf keinen Fall den schweißtreibenden und immer enger und steiler werdenden Aufstieg auf den 102 m hohen Turm vom Palazzo Publico auf dem IL Campo. Der unvergessliche Ausblick lohnt und entschädigt für die Wartezeit und die Anstrengung. Tipp: Die Warteschlange löst sich schneller als erwartet. Am besten mit einzelnen Fröschen absprechen und in der Warteschlange abwechseln!

Volterra, Versäumt keinesfalls die Acropoli im wunderschön begrünten Stadtgarten zu besuchen und selbigen ggf. für ein kleines Picknick zu nutzen. Sehenswert unbedingt auch das nördlich der Stadtmauer gelegene Teatro Romano sowie der Palazzo del Priori, eines der ältesten mittelalterlichen Bauwerke der Toscana.

Gambasi therme, ist von Montaione aus nur vier, besonders für Mountainbiker landschaftlich wie sportlich (Steigungen!) reizvolle Kilometer südöstlich gelegen. Auch die Wanderung dorthin ist reizvoll – glaubt nur auf keinen Fall eurer Teamerin, wenn sie wie Isa behauptet, sie sei „ganz easy“ und entspannend!! Und wechselt euch in der Führungsspitze ab, denn es gibt jede Menge Wildschweinnadeln zu entdecken. Spitzenreiterin unserer Gruppe war Claudia mit 16 Stück in drei Stunden!
Ein Besuch der einzigen Boutique lohnt besonders zu Schlussverkaufszeiten – Zeiten: erstaunlich, wie viele Frauen auf 12qm Platz finden. Und wer wie ich einmal die Begeisterungsstürme italienischer Frauen bei der Anprobe und natürlich anschließendem Kauf einer (preisreduzierten) Bluse erlebt hat, mag nie wieder in Deutschland einkaufen gehen…

Florenz würde ich mir im Wiederholungsfall sparen: für den Ein-Tagestripp sind der Aufwand und die langen Wartezeiten zwischen Bus- und Zugfahrten einfach zu lang, der Aufenthalt zu kurz und hektisch. Die Fülle der Sehenswürdigkeiten aber auch der Touristen erschlagen einen und ließen zumindest mich sehnsüchtig an Pool und ein gekühltes Moretti denken..

Montaione selbst (von der Finca Felicia zu Fuß in ca. 20 Minuten, per MB in 6 Minuten erreichbar) ist eine Erholung nach den meist von Touristenschwärmen überströmten, bekannten Städtchen (s.o.). Hier ist es noch ruhig und beschaulich.
Ein Spaziergang um den alten Mauerring gewährt phantastische Ausblicke, die man auf Bänken unter Olivenbäumen sitzend in Ruhe genießen kann. In der „Bar Gelateria“ gibt es den besten und günstigsten Cappucino und das leckerste Eis., nebenan bei Anna köstliche paninis.
Noch viel, viel mehr (z.b. San Gimignano) gibt es zu sehen und zu erleben, doch ich möchte die Geduld der Toscana-Interessierten Froschleser/innen nicht überstrapazieren. Nur soviel noch: wer hier einmal war, kommt bestimmt wieder!

Dank für die köstliche Verpflegung und die phantastischen Touren an Ingo, Franzi, Tobias und Isa!!

Zwei letzte Tipps:

solltet ihr am Samstag spät zurück fliegen, lohnt ein Besuch des Marktes in Castelfiorentino (sportlich: mit MB, gemütlich: mit Bus), wo sich wunderbar für ein deutsch-italienisches Frühstück am Folgetag einkaufen lässt.
Und: versäumt nicht, mindestens einmal nachts am Pool nach „Flederschnuppen“ zu suchen: die einzigartige, nur am Nachthimmel über der Finca existierende Kombination von Sternschnuppen und Fledermäusen.

Zuletzt noch ganz herzliche Grüße besonders an unsere Mitbewohnerinnen Constanze und Angelika, holla die Waldfee Bianca und den Wasserball- und Dokospieler Björn, dem ich für die Zur Verfügung – Stellung der Fotos danke!

Ein Gedanke zu „Flederschnuppen, grinsende Haie und glückliche Pferde

  1. kay

    Liebe Susanne,

    wirklich schöner Bericht. Danke auch für die vielen Infos bezüglich der „Herberge“!
    Klingt so, als ob ich da unbedingt mal hin sollte…;-))

    Viele Grüsse
    Kay

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