12. Januar 2012

Freeriden am Arlberg (Klösterle vom 02. – 07.01.2012)

Reisebericht von Ludger Voßkamp (Luvoss at T-Online.de)
FROSCH Reiseziel Sportclub Arlberger Hof in Klösterle, Österreich

Als langjähriger und erfahrener „Geländefahrer“ habe ich vor drei Jahren erstmalig an einem Freeridecamp im Rahmen eines Froschskiurlaubs teilgenommen und dies seitdem zu einem festen Bestandteil meiner winterlichen Skiaktivitäten gemacht. Dafür gibt es gute Gründe und ich möchte zunächst aus der praktischen Erfahrung Wissenswertes über die angebotenen Camps und Kurse darlegen, um anschließend über die erste Januarwoche 2012 zu berichten.

Was ist Freeriden?

Als ich vor langer Zeit dazu angeleitet wurde, außerhalb der präparierten Pisten zu fahren, da nannten wir uns „Geländefahrer/innen“ oder „Variantenfahrer“. Nichts anderes ist Freeriden! Sieht man Fotos von Freeridern, so entsteht der Eindruck, dass immer im Tiefschnee gefahren wird. Dies ist zwar der Idealfall, aber wenn man im Gebirge unterwegs ist, muss man mit allen möglichen Schneearten rechnen, also auch mit Harsch, windverpresstem Schnee, Sulz und eben Pulverschnee in unterschiedlicher Konsistenz (vom trockenen „Champagnepowder“ bis zum feuchten, schweren Schnee). Die Tiefe von Neuschnee variiert von wenigen Zentimetern bis zum mehr als einem Meter.

Anders als beim reinen Tourenskigehen benutzt man beim Freeriden Lifte, um dann oben entweder in der Nähe der Piste abzufahren oder nach mehr oder weniger längeren Herausquerens bzw. Aufsteigens in möglichst unberührte Hänge zu gelangen.

Welche Unterschiede bestehen zwischen dem Basic-Kurs, dem Classic-Camp und dem Plus-Camp?

Alle Kurse werden am Arlberg von Bergführern geleitet. Der Basic-Kurs ist für Geländeanfänger gedacht und hier werden Tipps zum Geländefahren gegeben, während in den beiden „Camps“ Geländeerfahrung auch unter schwierigen Bedingungen (Schneeart, Steilheit) und auch eine gute konditionelle Vorbereitung vorausgesetzt werden, die auch nötig ist, da der Arlberg ein sehr anspruchsvolles Gebiet mit fantastischen Varianten ist, die, wenn sie etwas länger sind, eigentlich alle im Ein- oder Ausstieg schwierige Passagen aufweisen. In diesem Winter werden – vermutlich aus diesem Grund – keine Basic-Kurse am Arlberg angeboten und Frosch tut gut daran, es dabei zu belassen! Übrigens habe ich es bei allen vier Camps erlebt, dass zumindest ein Froschgast im Laufe des ersten Tages ausgestiegen ist.

Die Unterscheidung „Classic“ und „Plus“ ist eher theoretischer Natur, denn die Länge der Aufstiege – mit oder ohne Felle – hängt von dem Zeitpunkt des letzten Schneefalls ab. Je länger es nicht geschneit hat, desto weiter muss man gehen. In der ersten Januarwoche 2011 sind wir täglich durchschnittlich zwei Stunden aufgestiegen, dieses Jahr überhaupt nicht. Die Wahrscheinlichkeit guten Wetters und längerer Perioden ohne Schneefall ist im Frühjahr natürlich größer und daher werden dann auch mehr Plus-Camps angeboten.

Warum ist Klösterle als Ausgangspunkt für das Freeriden besonders geeignet?

Erstens ist es nicht weit mit dem Skibus nach Stuben, wo Harrys „Freeridecenter“ ansässig ist. Und um Stuben herum gibt es meist noch Möglichkeiten schöne Hänge zu finden, wenn in Lech, Zürs und vor allem in St. Anton schon alles verspurt ist.

Zweitens kann bei extremer Schlechtwetterlage schnell auf den „Sonnenkopf“ ausgewichen werden, an dem noch Lifte laufen, wenn ansonsten alles geschlossen ist.

Und drittens bietet der wunderschöne Arlbergerhof mit seinem höchst motivierten Team unter der Leitung von Saskia – hoffentlich auch noch nächstes Jahr – bei sehr schlechtem Wetter nicht nur Indooralternativen (Sauna, Massage, Spiele), sondern auch Schneeschuhwanderungen oder Schneemanncontests an.

Wie waren die Freeridetage in der ersten Januarwoche 2012?

Am ersten Tag überraschte uns der Berg mit Neuschnee (20 – 40 cm) und Sonnenschein! Alle waren begeistert und Martin, unser Bergführer, führte uns am Albonagrat in Stuben in traumhafte Varianten bis zum Talboden hinunter.

Am zweiten Tag stürmte es und Martin hatte die Idee, uns zu zeigen, wie man ein Schneeprofil erstellt. So buddelten wir ein 2 ½ Meter (!) tiefes Loch und fanden am Grund tatsächlich güldenen Schnee, wobei mir die alte Eskimoweisheit einfiel: „Don’t eat yellow snow!“ Anschließend hatten wir dann noch zwei schöne Abfahrten mit einigermaßen Sicht.

Am dritten Tag war das Wetter so schlecht, dass wir nach einer Pistenabfahrt etwa zwei Stunden Lawinensuchübungen machen durften. Danach fanden wir zu fünft trotz einer halben Stunde Suchens einen Skistock unseres Bergführers nicht wieder, den er wohl irgendwo hingelegt hatte und der zwischenzeitlich zugeschneit war. Kein Scherz!

Am vierten Tag ging gar nichts, Stuben, Lech und Zürs waren von der Außenwelt abgeschnitten. So fuhren wir zum Sonnenkopf, wo im Tal und an dem einzigen zunächst offenen Sessellift oben gewaltige Menschentrauben auf Beförderung warteten. Endlich oben angekommen habe ich dann meine Felle untergeschnallt und bin dem Gewühle entflohen. Weiter oben lernte ich dann zwei japanische Tourengeher kennen, mit denen ich dann einen fantastischen Nachmittag verbrachte, als endlich der „Obermürilift“ (oder so ähnlich) öffnete. Takashi fuhr mit seinen Telemarkskiern bei schlechter Sicht immer mit Speed vorweg in die Tiefschneehänge, bis er meist entweder hinter einer nicht gesehenen Kante verschwand oder in einer Schneewehe stecken blieb. Die Talabfahrt bei guter Sicht durch offenen Wald und unverspurtem hüfttiefem Champagnepowder ließ dann zum Abschluss eine echtes Canadafeeling bei mir aufkommen, dass sich in einem langgezogenen Yahoooo entlud.

Fazit

Ein Superausklang einer „gemischten“ Woche! Nächstes Jahr bin ich wieder dabei, denn Hausleitung, Unterkunft und vor allem das Gebiet sind erste Sahne!

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