5. März 2008

Günstiger Urlaub mit den Schönen und Reichen

Reisebericht von Stephan Scholz (phscholli at gmx.de)
FROSCH Reiseziel Sportclub Arlberger Hof, Klösterle – Arlberg

„Wieso wollt ihr denn an den Arlberg?“, fragte mich vor meinem Winterurlaub ein Froschfreund. Er war selbst noch auf der Suche nach einem Ziel. Die Antwort fiel mir nicht schwer, war ich mir eines perfekten Urlaubes schon vor der Buchung sicher: „Jutta aus der Toskana soll auch im Arlberger Hof kochen. Das Haus ist renoviert und es hat eine neue große Sauna. Das Skigebiet soll auch klasse sein.“

Doch ganz so sollte es nicht kommen. Jutta, die mich mit ihren Kochkünsten in Italien wahrlich beeindruckt hat, hatte einmal im Arlberger Hof gekocht. Inzwischen gibt ein anderer Koch in der Küche den Ton an. Und das macht er, wie wir bereits am ersten Abend feststellen konnten, genauso gut wie Jutta. Einzig die wohl nicht selbst gemachten Nachtische wie Marillenknödel mit Nougatcreme anstatt Marillen waren nicht ganz so perfekt.

Das Frühstück war unschlagbar und das für Froschreisen so typische Angebot (Brot und Brötchen, Gurken-, Tomatenscheiben, diverse Sorten Käse und Wurst, Müsli in allerlei Variationen, Marmelade, Quark, Joghurt etc.) wurde jeden Morgen um eine Besonderheit ergänzt. Dieses Extra sollte uns einen Vorgeschmack auf das Abendessen geben. Was nur wollten uns die Küchenfrösche mit Balisto-Schokoriegeln sagen?

Das Skigebiet (St. Anton mit Stuben, Lech und Zürs) punktet laut einschlägiger Ski-Atlanten mehrfach in Sachen Schneesicherheit und soll sowohl für Könner als auch für Anfänger viele verschiedene Pisten anbieten. Knapp 300 Pistenkilometer sind es wohl insgesamt. Der Schnee war in der Tat fast überall klasse. Wann war ich zuletzt auf echtem Schnee unterwegs?

Arlberg
Mit dem Landbus von der Post oder mit dem von Frosch organisierten Reisebus geht es von Klösterle nach Lech, Zürs und St. Anton. Die Bushaltestelle liegt fast direkt vor der Tür.

Doch allzu lang soll der Genuss nicht dauern, denn immer wieder werden die durchaus schönen Abfahrten durch Ziehwege unterbrochen. Also nix mit genussvollen Carving-Schwüngen. Schade…
Freerider, die abseits der präparierten Abfahrten den Nervenkitzel suchen, kommen dagegen in diesem Gebiet voll auf ihre Kosten. Entsprechende Freeride-Wochen gibt es auch im Frosch-Programm. Eine Ausrüstung mit Lawinenpieper und Schaufel kann man sich aber auch außerhalb der Aktionswochen vor Ort leihen.
In den Hauptorten wurde in den vergangenen Jahren in moderne Liftanlagen investiert (schnelle Vierer- und Sechser-Sessellifte mit Hauben). Doch noch nicht überall. Und so muss man mitunter sehr lange warten, wenn man beispielsweise in Zürs nach den schnellen Liften aus dem Tal von der Mittelstation weiter nach ganz oben möchte. Als bekennender Saalbach-Hinterglemm-Fan wusste ich nicht mehr, wie lang man in unbequemen Doppel-Sesselliften sitzen (und vorher warten) und wie sehr es beim Einsteigen in der Wade schmerzen kann. Für gut 210 Euro, die der Skipass für eine Woche kostet, hätten wir uns auch noch besser präparierte Pisten gewünscht. Aber das Skigebiet ist ziemlich groß und die Schneeraupen können ja nicht überall gleichzeitig sein.

Arlberg
Immer gut drauf und immer auf dem richtigen Weg: Teamerin Beate, auch wenn sie hier dem Fotografen die Zunge herausstreckt.

Pluspunkte hat das Gebiet von mir für das beeindruckende Panorama bekommen. Zwar liegen die höchsten Punkte noch unter der Gletschergrenze aber bereits oberhalb der Baumgrenze doch sieht es an manchen Stellen schon ganz schön gletscherhaft aus. Hier türmen sich gewaltige Felsformationen auf, die bei schönem Wetter zahlreiche Fotomotive hergeben.
Fernab vom Trubel der bekannten Orte liegt das kleine Skigebiet Sonnenkopf, das zwar auch nicht direkt neben dem Frosch-Hotel liegt, aber in wenigen Minuten mit dem Auto oder dem Postbus zu erreichen ist. Für Anfänger und leicht Fortgeschrittene ist der Berg klasse.Die Frosch-Unterkunft liegt in dem kleinen Örtchen Klösterle. Hier geht es noch ganz beschaulich zu. Man könnte auch sagen, die Gemeinde hat es verschlafen, im Tourismusgeschäft mitzuwirtschaften. Vielleicht war das auch eine ganz bewusste Entscheidung. Wie dem auch sei. Außer einem Supermarkt und einem Bankautomaten gibt es für Wintersportler in Klösterle nicht viel. Muss es auch nicht. Das Rahmenprogramm (Aprés-Ski mit super leckerem Glühwein für ein Euro, Wellness in der renovierten Großraumsauna, Kickerturnier, Hüttenabend) ist super. Und Party gibt es in der ebenfalls neuen Almrauschbar auch genug. Super war auch der gemeinsame Einkehrschwung beim legendären Moserwirt in St. Anton.

Arlberg
So schön kann Nebel sein!

Der Urlaub ist in Klösterle im Vergleich zu den astronomischen Preisen in den Nobelorten Lech und Zürs und St. Anton sehr günstig.
Den niedrigen Preis erkauft man sich allerdings mit der allmorgendlichen und allabendlichen Fahrt mit dem Skibus. Da der öffentliche Skifahrerpersonennahverkehr noch nicht ganz so gut ausgebaut ist, bietet das Frosch-Team fast jeden Tag einen eigenen Bustransfer an. Doch der fährt verständlicherweise auch nur einmal hin- und wieder zurück. Wer es im Urlaub also eher gemütlich mag und ganz individuell in den Tag starten möchte, sollte sich dann doch lieber eine Unterkunft direkt an der Piste suchen (wie zum Beispiel den Zwölferkogel-Club oder den Thuiner in Saalbach-Hinterglemm).
An fast allen Tagen stand ein erstklassiges Skiguiding in einem der Gebiete auf dem Stundenplan, allen Fröschen (besonders Beate) sei hier noch einmal dafür gedankt.
Wer auf eigene Faust mit dem Postbus in eins der Skigebiete fährt, kann dies von Langen (der nächste Ort von Klösterle) auch mit dem Zug machen (nach St. Anton). Im Gegensatz zu der Busfahrt nach Lech oder Zürs (mit Umstieg in Langen und drei Euro pro Person und Fahrt) soll die Anreise mit dem Zug für Wintersportler sogar umsonst sein. Ausprobiert haben wir das allerdings nicht.

Arlberg
Schneesicher, schönes Wetter und ein tolles Panorama, was will man mehr? Einen etwas schnelleren und komfortableren Lift vielleicht…

Apropos Zug. Wären wir noch kurz beim Thema Anreise. Da es zum nächsten Bahnhof (Langen am Arlberg) nicht weit ist, empfiehlt sich für den Frosch-Urlaub am Arlberg die Anreise mit dem Zug. Ich habe das zwar nicht gemacht, aber beim nächsten Mal würde ich die Zugfahrt sogar vor der gewählten Eigenanreise mit dem Auto vorziehen. Bei der Busanreise kann es aufgrund der guten Anbindung passieren, dass sich mehrere Gruppenreisen-Anbieter zusammentun und der Bus nicht auf direktem Weg den Arlberg ansteuert.

Arlberg
Dass hinter dem Arlberger Hof eine Autobahn verläuft, sieht man im Frosch-Prospekt nicht. Das ist aber gar nicht schlimm, denn von der Schnellstraße bekommt man nichts mit.

Fazit: Ein Urlaub im Arlberger Hof ist auf jeden Fall zu empfehlen. Ich selbst hatte ein kleines Doppelzimmer ohne Balkon. Beim nächsten Mal würde ich auf diesen und ein etwas größeres Badezimmer nicht verzichten wollen. Die Zimmer sind renoviert und bieten den typischen Froschstandard. Das Frosch-Team mit Hausleiterin Katrin ist superklasse und jedem gebührt ein dickes Lob für den aufopferungsvollen Dienst am Urlauber. Direkt neben dem Hotel gibt es einen Ski- und Snowboardverleih mit Service.
Den Arlberg selbst kann ich dagegen nur eingeschränkt empfehlen. Freerider werden ihren Spaß finden, klassische Snow- und Skifahrer werden dagegen in anderen Skigebieten (okay, ich mag halt Saalbach-Hinterglemm) mehr Spaß haben.
Die Preise für Apfelstrudel, Wiener Schnitzel, Aprés-Ski-Bier und Co. sind auf den Bergen schon hoch und erinnern einen allzu schnell wieder daran, dass man hier mit den Schönen und Reichen Urlaub macht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere