9. Januar 2013

Idre / Schweden Aktiv 21. – 29.12.2012

Reisebericht von Jörg
FROSCH Reiseziel Aktivcamp Idre  in Schweden

Wintersport? Trotz nun fast 20 Jahren im Norden Bayerns  hat es mich als Norddeutschen nie in weiße, kalte Regionen gezogen, geschweige denn auf Bretter oder Boards…  gerade Ende November aus Vietnam zurück, reizt mich der Kontrast dann aber doch zu sehr!

Idre, auf „halber Höhe“ in Schweden an der norwegischen Grenze im Bergland gelegen, bietet neben Alpinski genug andere Aktivitäten an: Schneeschuhwandern, Huskytouren, Langlauf… die Kombination klingt gut genug, es für eine Woche zu versuchen. Hinzu kommt der Wunsch, Weihnachten nicht zuhause in Fußgängerzonen voller grauem Schneematsch und schlecht gelaunter Last-Minute-Geschenkekäufer mit Parkplatzstreit zu verbringen… kurz: ich plane ein Weihnachtsflucht-Experiment mit optimiertem Schneevorkommen ohne Alpinski-„Pflicht“ über den Frosch-Partnerveranstalter Rucksack-Reisen.

Der Weg dahin ist nicht der einfachste: die ca. 18-stündige Busfahrt ab ZOB Hamburg ist das eine, aus dem Süden dorthin zu kommen das andere… ich komme auf ca. 22 Stunden Gesamtfahrtzeit. Start ist  um 17:00 Uhr in HH, es folgen 2 Fährüberfahrten, dann die schwedische Nacht… bequem ist anders, aber das Frühstück am nächsten Vormittag im komplett weißen Idre entschädigt für vieles. 


Die Hütten werden aufgeteilt; ich teile mir mein gebuchtes 4er-Heim mit 3 anderen, bevor es zusammen zum Langlaufski-Verleih im Ort geht. Die EInweisung auf der Hausloipe geschieht in den frühen Nachmittagsstunden, wir fahren uns ein und kommen unter Beleuchtung zurück – es wird ab 15:30 Nacht um diese Jahreszeit.

Den Abend verbringen wir im Haupthaus, wir lernen uns beim Abendessen und Bier/Wein danach kennen und sind nicht allzu spät in den Betten verschwunden.

Am nächsten Morgen geht es zum Skistadion, uns erwarten professionell gespurte (und abends beleuchtete!) Loipen, eine herrliche Landschaft und wärmende Waffelstuben. Der tiefe Winter wirkt doppelt durch die Bewölkung; die Sonne lässt sich leider noch nicht blicken. Aber unsere Anregung, abends einen Kessel Glühwein auf’s Feuer zu stellen, ist zu unserer Freude aufgegriffen worden.


Heilig Abend – daran erinnern lediglich der auf dem Campgelände stehende, dezent geschmückte Tannenbaum und das Weiß um uns herum. Die erste Schneeschuhwanderung steht auf dem Programm: 400 Höhenmeter durch Wald hinauf zum Städjan durch jungfräulichen, knietiefen Schnee. Eine beeindruckende Szenerie, bis wir irgendwann die Baumgrenze passiert haben und uns der Eiswind um die Ohren pfeift. Man kann über die Fortbewegung auf Schneeschuhen sicher erst einmal lächeln, die damit verbundene Anstrengung gerade bergan vorn in der Gruppe durch tiefen Schnee belehrt uns jedoch eines besseren…  Am Abend werden wir mit einem sehr leckeren Menü im Camp vom „Rucksack-Eventkoch“ Jörg Blankenstein verwöhnt, der nicht nur unser leibliches Wohl mit vielen schwedischen Spezialitäten in dieser Woche sehr gefördet hat!


Ich habe „Blut geleckt“ und lasse Langlauf Langlauf sein – der erste Weihnachtstag wird Schneeschuh-Wanderung Nr. 2. Wir haben satten Nebel bei Windstille, und der 12km lange Weg in kleiner Gruppe um den Städjan herum führt uns durch eine bizzare Winterlandschaft… gut ausgepowert kommen wir schließlich nach ca. 4 Stunden am Endpunkt beim  Skistadion in Idre an.


Der zweite Weihnachtstag gehört meinem Weihnachtsgeschenk für mich:  einer Ganztags-Huskytour, meinem klaren Highlight dieses Urlaubs (extra buchbar). Gleich nach dem Frühstück werden wir zu zweit zur Huskyfarm gebracht und dort zunächst in dicke Musherkleidung gesteckt, um uns dann mit Hunden und Schlitten vertraut zu machen. Kaum eingeschirrt, sind sie nicht mehr zu bändigen, über die Farm geht ein unglaubliches Geheule, sie zerren und reißen an den Leinen. Das Tor geht auf, wir folgen mit je einem eigenen Schlitten und 5 bzw. 6 Zughunden unserer Führerin mit 10-12 km/h über einen riesigen, zugefrorenen See in die hügelige, bewaldete Winterlandschaft und genießen den ersten Tag mit etwas Sonne in dieser Woche. Wenn sie laufen, sind sie still; die einzigen Geräusche sind das Knirschen der Schlittenkufen, auf denen wir hinten stehen. Bis zum Mittags-Stopp nach ca. 2.5 Stunden begegnen wir lediglich einem einzigen Schneescooter, treffen dann ausgerechnet beim Halt an einem großen zugefrorenen See aber wie verabredet auf mehrere Eisangler. Auf dem Rückweg überholt uns ein anderes Huskygespann mit 12 Hunden; dies waren die einzigen Begegnungen auf dieser 4,5 stündigen, fantastischen Tour.

Dass unserer Führerin der eigene Schlitten bei einem Zwischenstopp wegfuhr, weil er nicht ausreichend gegen den Bewegungsdrang ihrer Huskies gesichert war, und sie den Schlitten meiner Mitfahrerin zum Einholen ihres eigenen brauchte, machte uns dann doch etwas nachdenklich, zumal wir dadurch zu zweit auf meinem Schlitten fahren mussten… gewichtsbedingt war sie blitzschnell außer Sichtweite. Auf der Fahrt mutterseelenallein ohne Karten und sonstige Orientierungsmöglichkeiten in schwedischen Wäldern bei einbrechender Dunkelheit blieb uns nur unser Humor, bevor wir sie dann doch nach einiger Zeit in einem Tal mit beiden Schlitten wiedersahen… dass die Hunde den Weg zur Farm allein zurückgefunden hätten, sagte man uns erst danach 😉


Den nachweihnachtlichen Tag, der zweite Tag hier mit strahlendem Sonnenschein, nahm ich mir für mich allein; eine Wanderung über den zugefrorenen See (direkt am Camp) ins „Dorf“ und das Schlendern durch die Ansammlung von 2 Supermärkten, Skiverleih, Tankstelle und einigen wenigen Cafés/Restaurants neben Wohn- und Ferienhäusern taten nach der Dauerenge in der vollen Hütte und dem nicht-wirklich-allein-sein im Haupthaus zwischendurch sehr gut…


Vor der Abreise entschied ich mich für die 3. Schneeschuh-Wanderung  im Fullufjällets Nationalpark: noch einmal Sonne auf unserem Weg zu Schwedens größtem Wasserfall, der eingefroren in prächtigen Farben auf uns als Zwischenziel wartete. Die anschließende Wanderung über ein Hochplateau im weiten Radius um den Wasserfall herum bescherte uns eine grandiose Aussicht weit über die Grenzen des Nationalparks hinaus, und das wärmende Feuer unten in der Hütte am Ende dieses Trips rundete die Ursprünglichkeit des Ausfluges ab.

Der Abreisetag selber war eher anstrengend – durch den vorgeschriebenen 9-stündigen Stop der Busfahrer, die die neuen Anreisenden vormittags bringen, ergibt sich eine 9-stündige Doppelauslastung des Camps bis zur Abreise abends. Im Sommer sicher einfach, da man sich draußen aufhalten kann, im Winter eher stressig, auch wenn es durch Skiverleih und Langlauf-Einweisung der Neuanreisenden (siehe oben 1. Tag) sowie die Möglichkeit, noch einmal in die Stadt zu gehen, etwas entzerrt wird – die eigene Hütte muss jedoch um 10:00 Uhr gereinigt übergeben werden. Der Tag wird mit letzten Einkäufen, Smartphone-Surfen sowie dem einen oder anderen Gespräch im Haupthaus „überlebt“, die Abfahrt um 22:15 Uhr nach einem Abendessen in 2 Schichten brachte uns gegen 14:30 zum ZOB nach Hamburg etwas verquer, aber mit vielen schönen Bildern im Kopf zurück.

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