7. September 2010

Kletterwoche in Champéry, Sportclub Onu, im August 2010

Reisebericht von Anja Koppold [anja.koppold at gmx.de]
FROSCH Reiseziel Sportclub Onu in Champéry, Schweiz

Meine dritte Frosch-Reise führte mich wieder in die Schweiz. Ganz neu im Programm sind dort die Kletterwochen bestehend aus vier Tagen betreutem Klettern. Das wollte ich immer schon mal ausprobieren und prompt habe ich die erste jemals stattfindende Kletterwoche gebucht. Eine echte Premiere!

Das Chalet Onu liegt hoch oben gegenüber einer imposanten Bergkette. Dementsprechend ist die Anfahrt über die einspurige Schotterstraße mit dem Auto bis auf 1800 m Höhe abenteuerlich, was aber niemanden von der Anreise abhalten sollte. Die Aussicht lohnt sich wirklich. Die Einrichtung ist schlicht und modern gehalten, das große Doppelzimmer ist wirklich groß und das Bad renoviert. Das Essen war lecker, vor allem die Suppenkreationen. Beste Voraussetzungen für Urlaub also.

Gleich am ersten Abend begrüßte uns Stefan, unser Kletterguide. Das Interesse an der Kletterwoche war so groß, dass spontane Nachmeldungen der Gäste teilweise auf die Folgewoche verschoben wurden, soweit möglich. Wir bekamen Unterlagen zum Nachlesen über das Klettern und vor allem das Sichern allgemein sowie über den DAV-Kletterschein, den man am Ende der Woche erhalten kann. Entsprechend unseren Vorkenntnissen wurden wir in Dreier-Seilschaften eingeteilt, das heißt eine Person klettert, eine sichert und eine weitere hintersichert (hält also das Seil zusätzlich fest). Stefan hatte immer ein Auge auf uns, verbesserte Fehler und gab Tipps. Unterstützt wurde er dabei von Elli. Manche aus unserer Gruppe hatten schon Erfahrungen vom Hallenklettern oder vom Nachsteigen, manche hatten mal Schnupperklettern irgenwo mitgemacht, aber ansonsten keine Vorkenntnisse.

Zunächst übten wir an der nagelneuen Kletterwand an der Fassade des Chalet Onu das Einbinden ins Seil, den Partner-Check vor dem Losklettern, die korrekte Sicherungshaltung mit verschiedenen Sicherungsmitteln (zunächst mit HMS, später auch mit Tube/ATC). Zwischendrin konnte man am Speed-Kletterwettbewerb teilnehmen und die leichteste der acht Routen auf Zeit klettern. Leider taugen die Routen nicht für kleingewachsene Leute, da die Griffe sehr weit auseinander liegen („Zwergentod“). Der Tag schloss mit einem Sturztraining. Das ist wichtig, weil nur so Kletterer und Sicherer die Schwerkraft beim Fallen einschätzen lernen, kostet aber einige Überwindung auf Seiten des Kletterers, der oben ins Seil springen soll.

Am Montag ging es dann in drei Fahrgemeinschaften an den echten Fels nach Barme. Ein sehr schönes Klettergebiet, prima für Anfänger geeignet, aus löchrigem Kalkstein. Wir hatten alle viel Spass und erste Erfolge im Vorsteigen von Kletterrouten.

Für Dienstag war etwas Regen angesagt, so dass die Kletterwoche offiziell einen Tag Pause machte. Klettern bei Regen ist nicht sinnvoll, weil der Fels rutschig wird. Trotzdem fuhr der harte Kern von uns Kletterern ins weiter entfernt liegende Martigny (Dorenaz) an einen Steinbruch (Graviere). Ein völlig anderer Fels, nämlich fester Gneis, stellte uns vor Herausforderungen. Das Wetter war dann letztendlich gar nicht so schlecht und wir hatten wieder einen super Tag.

Der Mittwoch hielt eine weitere Abwechslung für uns bereit, nämlich Plattenklettern in St. Triphon. Auf einer geneigten Wand ohne nennenswerte Griffe zu stehen und seinen Füßen zu vertrauen, fand ich als bisherige Hallenkletterin besonders schwierig. Weiter haben wir an diesem Tag das Umfädeln und das Abseilen gelernt. Mit großer Geduld erklärte es Stefan jedem von uns einzeln.

Am letzten Tag der Kletterwoche ging es dann rüber nach Pas de Morgins in Frankreich. Die Kletterfelsen dort bestehen aus großen Blöcken neben der Landstraße, ultrakurzer Zustieg. Nachmittags war es sonnig heiß, was meine Aktivitäten deutlich einschränkte. Infolge der guten Absicherung mit kurzen Hakenabständen ist das Gebiet ideal zum Vorstieg üben, was die meisten mittlerweile probierten. Wenn man sich nicht traute, aber eine Route trotzdem im Nachstieg gehen wollte, so war Stefan gerne zur Stelle, um vorzusteigen und das Seil oben einzuhängen. Ach ja, Kopien von den Topos, also den Routenbeschreibungen, haben wir auch erhalten.

Am Freitag regnete es leider in Strömen. Die kurze trockene Phase mittags nutzten wir für einen Spaziergang zu einr Fromagerie, um selbstgemachten Käse zu kaufen. Nachmittags gab es leckere Waffeln im Chalet Onu. Übrigens hat das hauseigene W-Lan, das ansonsten sehr praktisch ist, wetterbedingt manchmal Ausfälle, so dass man sich an Regentagen die Zeit nicht immer im Internet vertreiben kann.

Fazit: eine sehr lohnende Woche, abwechslungsreiche Klettergebiete, viel Spass, gute Betreuung. Ich denke, uns hat jetzt alle das Kletter-Virus gepackt. Vielen Dank an Stefan für sein Engagement, uns diese Sportart näher zu bringen. Ich hoffe, dass noch mehr Klettern bei Frosch ins Programm aufgenommen wird.

Ein Gedanke zu „Kletterwoche in ChampĂ©ry, Sportclub Onu, im August 2010

  1. Stefan

    Sehr schöner Bericht einer tollen Woche, von der ich leider nur die ersten vier Tage erlebt habe.

    Viele Grüße

    Stefan (nicht der Kletterguide)

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