21. August 2013

Les Deux Alpes – Skifahren wie Gott in Frankreich

Ein Reisebericht „vorab“ von Ludger Voßkamp (Luvoss at T-Online.de)
FROSCH Reiseziel Sportclub Le Pied Moutet in Les Deux Alpes, Frankreich

Kürzlich sah ich auf der Frosch-Homepage, dass es einen neuen Wintersportort im Angebot gibt. Da ich in Les Deux Alpes seit 1977 ganz regelmäßig Ski fahre und in den letzten Jahren immer im Hôtel Pied Moutet war, möchte ich einen Einblick geben, was man dort erwarten darf.

Der Ort Les Deux Alpes

Ursprünglich befanden sich auf dem in 1650m Höhe gelegenen Hochplateau zwei Almen, die Alpe de Venosc und die Alpe de Mont de Lans. Dort wurden in den fünfziger Jahren die ersten Lifte und auch Hotels gebaut und sehr schnell ist dann das gesamte Plateau erschlossen worden. Les Deux Alpes ist also keine „Retortenstation“ wie Lac de Tignes, zeichnet sich aber auch nicht gerade durch einen einheitlichen Baustil aus (will sagen, ist nicht wirklich schön…). Ansonsten bietet der Ort an Infrastruktur alles, was man von einer der ganz großen französischen Stationen erwarten darf. Nur die „Après-ski-Zelte“ mit ihrer typischen Musik („Mein lieber Peter, das sind doch keine 20 Zentimeter…“) fehlen. Dafür kann man es sich direkt am Fuß der Pisten auf diversen Terrassen beim Bier, Cocktail oder schlicht einer „Infusion“ (Kräutertee) gemütlich machen.

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Les Deux Alpes

Das Skigebiet Les Deux Alpes

Schlange stehen, was ist das?? In den letzten Jahren ist die Liftkapazität derart ausgebaut worden, dass erwähnenswerte Wartezeiten nicht mehr vorkommen. Dafür sorgen u.a. eine 20-er-Gondelbahn (ähnlich wie in St. Anton) und zahlreiche 6er- und 8er-Turbosessel sowie die Metro unter dem Gletscher. Parallel dazu sind alte Pisten verbreitert und neue erschlossen worden, so dass selbst bei voller Auslastung der Bettenkapazität immer noch Raum für richtig schnelles Carven gefunden werden kann (ganz anders als in St. Anton).

Das Skigebiet bietet alle Schwierigkeitsgrade in großer Vielfalt, zahlreiche leichte und breite Pisten, aber auch jede Menge schwarze Pisten, die aufgrund täglicher bzw. nächtlicher Präparierung jedoch nicht mehr so „tiefschwarz“ sind wie früher. Aufgrund der Höhe (3550m) und der Ausrichtung zahlreicher Pisten nach Osten und Norden sind selbst im April immer noch pulvrige Verhältnisse vorzufinden, zumindest oberhalb von 2500m. Bei guter Schneelage führt eine Piste durch den östlichen Teil von Les2Alpes bis nach Mont de Lans auf 1200m, also 2350 Höhenmeter von ganz oben bis nach ganz unten!

Für Freerider gibt es zahlreiche sehr interessante Varianten wie z.B. die „Chalance“ (vergleichbar mit Valluga Nord in St. Anton), die man als sehr guter Skifahrer auch selbst erkunden kann, ebenso wie einfache Möglichkeiten z.B. auf dem „Dôme“ des Gletschers.

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Tiefschnee auf dem „Dôme“

Die Hütten und Restaurants sind eher „französisch“, d.h. recht groß und nicht immer wirklich gemütlich. Eine Ausnahme bietet meine bevorzugte Hütte „La Fée“ mit einer schönen Terrasse und akzeptablen Preisen (anders als in der Schweiz). Im Gletscherrestaurant auf 3200m findet einmal pro Monat eine „Soirée pleine lune“ für 150 Personen statt, Ski fahren auf dem Gletscher bis zum Sonnenuntergang, anschl. Essen und richtig Party im Restaurant und dann Abfahrt bei Vollmond „im Rudel“ und ohne Beleuchtung bis in den Ort. (Ich nehme dann gern eine andere Route, was natürlich verboten ist, nicht weitersagen…)

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Blick aus 3550m auf den Nationalpark „Les Ecrins“

La Grave – Das Freeride-Mekka

Vom höchsten Lift aus kann man sich von einem Pistenbulli über den Gletscher nach La Grave ziehen lassen (leider kostet dies neuerdings 20 Euro extra), ein unvergessliches Erlebnis! Zur Linken sieht man in der Ferne den Mont Blanc und zur Rechten das wild zerklüftete „Massif des Ecrins“, mit der „Barre des Ecrins“, dem südlichsten 4000er der Alpen. In La Grave angekommen, taucht man in eine andere Skiwelt ein. Das allgegenwärtige gewaltige Bergpanorama ist unbeschreiblich. La Grave ist ein weltweit bekanntes absolutes Top-Freeridegebiet, komplett nördlich ausgerichtet mit 2150m vertical Drop (3550m – 1400m) und – abgesehen von einer kurzen blauen Piste ganz oben – ohne Pistenpräparierung!! Während sich in Les2Alpes auch schon mal Zehntausende tummeln, sind an einem Wochentag in La Grave ca. 150 Skifahrer unterwegs. Man hat immer das Gefühl allein auf weiter Flur zu sein!! Die „Routen“ beginnen mit langen leichten Gletscherabfahrten, führen dann über alpines Terrain bis auf ca. 2400m und dann folgen noch 1000 Höhenmeter Wald. Die Schwierigkeitsgrade unterhalb des Gletschers liegen zwischen „pistenschwarz“ und Harakiri (45 – 50 Grad steile Couloirs). Keinesfalls sollte man ortsunkundig schönen Spuren auf dem Gletscher folgen, denn unten braucht man möglicherweise 40m Seil nebst Klettergurt…

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Allein auf weiter Flur

Von der Mittelstation auf 2400m Höhe hat man einen unvergleichlichen Ausblick auf die Meije (knapp 4000m). Fährt man eine andere Route, so gelangt man zur Chancel-Hütte, wo sich die Freeride-Szene trifft. Jeder ist selbstverständlich mit Schaufel, Sonde und Pieps ausgestattet und die meisten tragen einen Klettergurt mit Eisschrauben etc., und zwar nicht zur Zierde! Und ab und zu riecht es leicht süßlich…

Mittelmäßige Skifahrer sollten sich auf den Gletscher beschränken, wo sie garantiert noch besseren (oder zumindest mehr) Schnee als in Les2Alpes vorfinden.

In La Grave gibt es nur eine Gondel bis auf 3200m und einen Schlepplift weiter oben. Zwischen beiden Liften fährt ein Schneequad-Shuttle.

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Schneequad-Shuttle

Das Hôtel Pied Moutet

Die Unterkunft ist ein älteres Hotel mit einer Dachterrasse, einer kleinen Sauna, Kicker- und Billardtisch und einer sehr gemütlichen Bar (mit Bitburger und Weißbier!). Seit über 10 Jahren schon wird das Hotel jährlich vom „Guide du Routard“ ausgezeichnet, was für das sehr gute Preis-Leistungsverhältnis spricht. Das Frühstücksbuffet ist reichhaltig – also nicht „französisch“, es gibt aber Croissants – und abends wird ein feines 3-Gänge-Menu serviert, wahlweise vegetarisch, bei dem auch die Spezialitäten der Region (z.B. Tartiflette) nicht zu kurz kommen. Selbst Raclette gibt es!

Hervorzuheben ist die besondere Freundlichkeit von Peter, dem Hotelier, und seiner Familie. Peter kommt aus Ungarn und spricht sehr gut deutsch.

Übrigens sind es nur gut 100m zum nächsten Turbosessel!

Fazit

Das familiäre Hotel ist ein ruhender Pol im quirligen Ort Les Deux Alpes, ein idealer Ausgangspunkt für die Erkundigung eines der ganz großen Skigebiete der Alpen.  Unbedingt hinfahren!!

Ludger Voßkamp

4 Gedanken zu „Les Deux Alpes – Skifahren wie Gott in Frankreich

  1. Günter Bootsch

    Hallo Ludger Voßkamp,

    Dein Reisebericht hat mir die Richtigkeit meiner Entscheidung für Les Deux Alpes mit Frosch vom 28.02. bis 09.03.2014 eindrucksvoll bestätigt. Dafür vielen Dank und vielleicht sehen wir uns ja dort!

    Ciao
    Günter Bootsch

  2. Ludger Voßkamp

    Hallo Günter,

    diese Entscheidung wirst Du nicht bereuen. Ich werde aber erst im April mit meiner Privatgruppe dort sein.

    Viel Spaß und vor allem Glück mit dem Wetter!

    Salut

    Ludger

  3. Günter Bootsch

    Hallo Ludger,

    schade, dass wir uns in Les Deux Alpes verpassen. Im April bin ich dann mit Frosch in Champéry.

    Ich wünsche Dir und Deiner Gruppe gute Bedingungen und viel Freude beim Skifahren:)!

    Ciao
    Günter

  4. Elke Wagner, Sandro Poltronieri

    Wir kommen gerade aus Les Deux Alpes und können nur bedingt die Begeisterung von Ludger teilen. Das Skigebiet ist fantastisch, keine Wartezeiten, viele Freeride-Möglichkeiten…alles gut, aber La Grave war eine echte Entäuschung. Zumindest wenn man in Les Deux Alpes startet. Zum einen ist aus ortspolitischen Gründen der Übergang nicht jeden Tag möglich und wenn, dann auch nur zu bestimmten Zeiten. Wir sind mit einem Guide mit der ersten Schneekatze rüber, das hat irren Spaß gemacht. Nur damit man pünktlich zurück kommt, hat man gerade Zeit für zwei Abfahrten. Diese waren gut, aber ähnliches hätte man sicher auch in Les Deux Alpes gefunden. Der Rückweg war ein Apltraum, die erste Schneekatze war defekt. Das bedeutet zu Fuß aufsteigen. Der Schlepper ist so langsam, dass man fast neben her laufen kann und oben ging es wieder zu Fuß weiter. Sage und schreibe 1 1/2 Stunden Aufstieg, 20€ pro Tag und das für zwei Abfahrten…La Grave ist landschaftlich ein Traum. Wenn jemand dort fahren möchte, sollte er dies vom Ort aus tun!
    Leider kann ich die Begeisterung für den Hotelwirt ebenfalls nicht teilen. Die Bilder der Zimmer sollten besser von dieser Seite genommen werden. Denn die Zimmer sehen nicht so aus!!! Sie sind einfach noch nicht fertig. Kein Schrank, keine Ablagemöglichkeiten, Haken fehlen um nasse Skisachen auf zu hängen. Die auf den Fotos zu sehene Duschtür existiert nicht. Es gibt einen Vorhang, der leider nicht verhindern kann, dass das Wasser bis ins Zimmer läuft.
    Das Frühstück grundsätzlich gut. Die versprochenen Pistenbrote meist nicht fertig, wenn man los wollte und die Portionen beim Abendessen einfach zu klein bemessen.
    Das Hotel ist nicht schlecht, wenn diese Dinge geändert werden würden. Ich drücke Euch die Daumen, dass es bei Eurer Reise anders ist.

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