9. Juli 2014

Masuren – eine kleine Zeitreise!

Reisebericht von Britta Siemers (Britta.Siemers@gmx.de)
FROSCH Reiseziel Sporthotel Aktivresort Piaski, Masuren

Diesen Sommer habe ich mich Freunden angeschlossen, mit Frosch nach Masuren zu fahren. Das Programm von Frosch hörte sich interessant an und in Polen war ich bislang nicht – also gesagt, getan: Ende Juni ging es auch schon los!

Der Einstieg in die Reise verlief leider etwas holperig. Da ich nicht von meinem Heimatflughafen gestartet bin, sondern ab Düsseldorf (und das ganz früh morgens) hatte ich mich abends mit den Freunden in einem Hostel in Düsseldorf einquartiert. Die Bahntickets hatte ich selbst gebucht – aber leider war aufgrund der Sturmschäden Anfang Juni kurz vorm Zielbahnhof totaler Zugausfall – aber mit S-Bahn ging es dann glücklicherweise doch noch ans Ziel. Am Samstagmorgen, kurz nach 5 Uhr auf dem Flughafen, haben wir dann festgestellt, dass versehentlich unsere Namen nicht auf dem Flug gebucht waren, wurden aber problemlos nachgetragen und wir sind dann pünktlich Richtung Warschau gestartet und nach etwa eineinhalb Stunden waren wir schon am Zielflughafen.

SAM_7702

Wie von Frosch empfohlen, man könne sich noch die Stadt ein wenig anschauen, sofern man noch genug Zeit hat, haben wir auch gleich eine kleine Stadtbesichtigung bei herrlichem Sonnenschein in Angriff genommen. Wir haben kurz, wie angeraten, den Reiseleiter telefonisch über unser Vorhaben informiert, und sind dann für umgerechnet etwa 10 EUR vom Flughafen Warschau in die Innenstadt zum Zentralbahnhof gefahren und haben dort in Schließfächern unser Gepäck verstaut. Direkt am Bahnhof haben wir noch einen Stadtplan an der Information erhalten und haben uns auch sogleich auf den Weg gemacht.

SAM_8031

Direkt am Bahnhof befindet sich – als Schlechtwetterprogramm – ein großes Shoppingcenter, welches übrigens auch sonntags geöffnet hat. Mehr oder weniger daneben ist dann der Warschauer Kulturpalast und der Weg in die Altstadt ist auch nicht weit. Naja… zumindest der Einstieg in den schönen Weg. Und auch, wenn wir nur ca. 6 Stunden Zeit hatten – einen ersten Überblick über die Schönheit der Stadt und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten ist in dieser Zeit durchaus zu schaffen, ohne dass man sich groß stressen muss. Um 15.25 Uhr war dann am Bahnhof Treffpunkt für den Masurenexpress. Mit dem Bus werden nicht nur die Froschgäste kutschiert, sondern auch andere Gäste, die beispielsweise auf dem einzigen Kreuzfahrtschiff Masurens, einen Radurlaub gebucht haben. So war die Gruppe recht unterschiedlich. Mit etwas Verspätung ging es dann auch schon in den Bus – gerade pünktlich zu unserem ersten Regenguss in diesem Urlaub, der uns leider immer wieder besucht hat.

Nach ca. 4 Stunden Fahrt und ein wenig Aufregung, da direkt vor uns ein LKW-Unfall war und wir noch einen Umweg fahren mussten, sind wir dann langsam ein wenig erschöpft am Ziel angekommen – in Piaski direkt am Beldanysee. Die kleine Häuseransammlung ist so abgeschieden, dass nicht mal eine asphaltierte Straße direkt dorthin führt, sondern die letzten Meter über einen breiten, aber gut befahrbaren Waldweg zurückgelegt werden.

Wir werden sofort in Empfang genommen und sogleich gibt es auch Abendessen für die langsam hungrigen Froschgäste. Frühstück und Abendessen gibt es immer in dem Restauranthaus in der Mitte, von wo man einen herrlichen Blick direkt auf den See hat. Abends ist der Blick noch verschönert durch herrliche Sonnenuntergänge.

Nach dem ersten leckeren Essen – als Vorspeise Suppe, Hauptspeise etwas Landestypisches und eine leckere Nachspeise (für Vegetarier auf VORANKÜNDIGUNG auch eine Alternative zum Hauptgericht, jedoch nicht am ersten Abend) – haben wir von unserem Reiseleiter Sibi die Wochenplanung bekommen als ersten Überblick. Danach ist dann auch der erste lange Tag zu Ende gegangen – nach unserem ersten „Tollwütigen Hund“, einem sehr leckeren Wodkagetränk, welches sich aus Himbeersirup, Wodka und Tabasco zusammen setzt.

Am Sonntag, nach unserem leckeren Frühstücksbuffet, haben wir dann erst einmal die Fahrräder für die Woche erhalten. Man konnte wählen zwischen einem Ghost-Mountainbike und einem Trekkingrad. Außerdem gab es auf Wunsch auch noch eine Satteltasche für die Trekkingräder, wenn man nicht die ganze Zeit mit Rucksack fahren wollte.

Danach haben wir dann unseren ersten Ausflug gestartet und sind mit der MS Classic Lady etwa eineinhalb Stunden über den Beldanysee geschippert – dem einzigen Kreuzfahrtschiff Masurens. Danach haben wir dann noch eine herrliche Radtour von ca. 33 km Länge unternommen – an den größten See Masurens (Jezioro Sniardwy), durch viele kleine Dörfer und die Johannisburger Heide, eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Polens mit ca. 1000 Quadratkilometer. Eine herrliche Landschaft zum radeln!!!

Zum Abschluss des Abends gab es abends ein Lagerfeuer direkt am See mit rustikalem Abendessen (Suppe, Würstchen, Folienkartoffeln etc.) und ein anschließender kleiner Polnischkurs von unserem Reiseleiter Sibi. Allerdings ist sehr zu empfehlen, vorab 1-2 Wodka zu trinken, denn die Aussprache ist doch sehr ungewöhnlich und schwierig!!!

Montag stand dann eine längere Kanufahrt auf dem Programm. Diese habe ich jedoch nicht mitgemacht, da wir zu dritt einen anderen Ausflug unternommen haben in die nähere Umgebung, den wir privat organisiert haben – allerdings mit Hilfe unseres Reiseleiters Sibi. Piaski ist doch sehr abgelegen – aber Sibi hat es doch immer geschafft, die Ideen und Wünsche der einzelnen Mitreisenden irgendwie einzubauen in den Ablauf!!! Nochmal an dieser Stelle einen ganz lieben Dank dafür!!!!!

Wir sind nachmittags dann noch für einen kleinen Pfannkuchen mit Blaubeeren nach Ruciane Nida geradelt, welches mit dem Rad in ca. 15 Minuten gut zu erreichen ist – entweder an der Straße entlang oder über einen Waldweg.
Ruciane Nida ist nicht gerade groß, aber immerhin gibt es ein paar Restaurants, einen Geldautomaten und auch Supermärkte, so dass man hier auch das ein oder andere besorgen kann. Leider hat uns auf dem Nachhauseweg ein Regenschauer überrascht – genau wie unsere Kanufahrer… aber so ist das wohl in Masuren – ein bisschen von allem dabei – trotz eigentlich guter Wettervorhersage! Guter Tipp also: Regenzeug ist Pflichtprogramm!!!
Am Abend erfolgte dann nach dem Abendessen eine Wodkaprobe. Es gibt wirklich sehr unterschiedliche Geschmacksrichtungen, daher sollte man sich doch von dem ein oder anderen Geschmackserlebnis überraschen lassen 😉 Mein Favorit war jedoch bis zum Ende der „Tollwütige Hund“. Allerdings auch sehr zu empfehlen ist der Haselnusswodka!!! Man könnte glatt meinen, man nascht einen Löffel Nutella 😉

Dienstag stand dann segeln auf dem Programm. Zunächst ging es mit den Rädern ca. 7-8 km an den Niedersee, fast direkt hinter Ruciane Nida. Dort wurden wir auf die Boote aufgeteilt und hatten jeder einen Skipper dabei. Es war jedoch die ersten eineinhalb Stunden nicht besonders windig, so dass es eher eine ruhige Fahrt war. Jedoch wurde jeder mit eingebunden und musste bei den Wendungen fleißig mit an den Segeltauen ziehen. Dann gab es eine kleine Mittagspause, in der leider wieder ein kräftiger Schauer herunter kam – so dass wir auf eine weitere eineinhalbstündige Segelfahrt verzichtet haben und uns lieber trocken auf dem Heimweg gemacht haben. Man muss ja nicht jeden Tag klatschnass werden…

SAM_7735

Mittwoch stand nun ein Ausflug an für all diejenigen, die dazu Lust hatten. Für 38 EUR wurde ein Tagesausflug angeboten, der zunächst über die „Heiligelinde“ ging, in der ein kurzes Orgelkonzert stattfand. Die Orgel ist wirklich sehenswert und hat einzelne bewegliche Figuren, die sich je nach Musikstück bewegen. Von dort ging es weiter nach Rössel (Reszel), einem gut erhaltenen Ort in Masuren, wo wir eine alte Burg besichtigt haben. Von oben hat man einen herrlichen Ausblick auf diese gut erhaltene Stadt. Auf dem Weg zur Wolfsschanze haben wir noch in Rastenburg einen Stopp für eine Mittagspause eingelegt. Auch hier war wieder einmal ein kleiner Wolkenbruch, aber immerhin saßen wir warm und trocken 😉
In der Wolfsschanze angekommen hat uns Sibi einen deutschen Reiseführer organisiert – dieser hat erst kürzlich ein Buch über die besagte Zeit veröffentlicht. Bei der Führung durch das ehemalige Hauptquartier Hitlers sieht man viele alte Bunkerteile sowie den Hauptbunker. Unser Reiseführer war – wie uns vorher schon gesagt wurde, ein Original – und originell. Und das hat sich auch bewahrheitet. Er hatte sicher großes Wissen – aber war doch echt sehr speziell. Aber dennoch war die Führung interessant.
Direkt danach sind wir wieder zurück gefahren nach Piaski.
Am Abend gab es nach dem Abendessen noch ein Lagerfeuer am Strand – mit selbstgemachtem Stockbrot!!!! Lecker!!! Ein echtes Highlight – und das begleitet von einem herrlichen Sonnenuntergang!

Am Donnerstag ging es wieder per Rad durch die herrliche Landschaft der Johannisburger Heide. Erst sind wir zur „Forschungsstation für ökologische Landwirtschaft und Züchtung bewahrungswerter Tiere“ gefahren. Hier direkt gibt es eine Aufzuchtstation für Tarpanpferde, die ehemaligen Wildpferde in Polen, die hier in einer Kreuzung seit einigen Jahren wieder gezüchtet werden und in einem abgegrenzten Gebiet auch frei herumlaufen. Gesehen haben wir leider aber keine – außer im Gehege. Außerdem gibt es dort eine Aufzuchtstation für Biber und ein kleines Museum, welches wir ebenfalls besichtigt haben, und mehrere Gehege, in denen verschiedene Hirscharten gezüchtet werden sowie ein Bison. Das absolute Highlight neben der ausführlichen und recht interessanten Führung war ein kleiner Biber, gerade 10 Tage alt, der uns von dem Museumsführer gezeigt wurde. Sehr beeindruckend gegen dieses kleine Geschöpf war sein ausgewachsener Artgenosse, der gut und gerne an die 30 kg auf die Waage bringen kann.

SAM_7865
Von dort ging es weiter – begleitet mit einem kleinen Regenschauer – Richtung Nikolaiken. Eine kurze Fährfahrt und schon waren wir dort und haben die ca. 18 km lange Radtour damit beendet. Hier hatten wir leider nur ca. 1,5 Stunden Zeit, bevor wir uns schon wieder an der MS Classic Lady treffen mussten, um damit nach Piaski zurückzufahren. Daher musste man sich entscheiden, ob man die Zeit nutzt, diesen schön gestalteten Urlaubsort anzuschauen oder doch eher gemütlich ein kleines Mittagessen einzunehmen. Ich habe mich für die erste Variante entschieden, habe mir jedoch eine leckere Waffel schmecken lassen 😉
Die Rückfahrt auf der Classic Lady war dann herrlich sonnig – und hatte doch fast ein mediterranes Flair!!!
Am Abend gab es dann ein weiteres Highlight der Woche: Großes Grillen auf der Terrasse und polnische Musik. Das kann man leider nicht gut geschreiben – DAS muss man erlebt haben! Wir haben jedenfalls einen herrlichen Abend erlebt auf der Terrasse, lecker gegessen, einen herrlichen Sonnenuntergang genossen – und geschunkelt und getanzt. Toll!

SAM_7897

Freitag wurden dann die Wanderschuhe geschnürt – wobei sicher auch Turnschuhe ausreichen 😉 Die Tour war etwa 3,5 Stunden lang und führte vorbei an etlichen Seen und durch die herrliche Natur, die direkt im Wand hinter unseren Häusern lag. Im Juni/Juli stecken die Büsche voll von Heidelbeeren, die man überall naschen kann. Außerdem kann man schon Pilze sammeln und auch, wer sie findet, Walderdbeeren! Lecker! Wir sind vorbei an herrlichen Seerosenteichen, haben wieder viele Störche gesehen und die herrliche Natur auf uns wirken lassen. Die Tour endete in Ruciane Nida, wo es zum Abschluss in einem kleinen Restaurant leckere Pfannkuchen gab.
Abends war dann schon der Abschied da – das für Frosch typische Candlelightdinner. Außerdem hat Sibi noch ein herrliches Gedicht vorgetragen – welches wirklich perfekt zu diesem Ort passte und einen auch ein wenig zum Nachdenken animiert hat.
Am Samstagmorgen ging es dann pünktlich um 08:00 Uhr mit dem Masurentransfer zurück nach Warschau. Einige von uns hatten noch eine Verlängerungsnacht, insbesondere für die Gäste, die ab Düsseldorf kommen. Sofern es Euch möglich sein sollte, kann ich nur empfehlen, über Frosch eine Verlängerungsnacht zu buchen. Unser Hotel (das Novotel in der City) war herrlich! Sehr zentral, die Zimmer waren sehr schön und das Frühstücksbuffet wirklich erstklassig! Außerdem kann man bis zum 31. Stock hochfahren und von oben hat man einen herrlichen Ausblick über Warschau (ist zwar „nur“ aus dem Fitnessraum heraus, aber das ist ja für den Blick egal J), man kann sich also die Tour auf die Besucherplattform des Kulturpalastes sparen J

Wir sind am Samstag sogar 1 Stunde früher in Warschau angekommen als geplant – und uns wurde noch eine dreistündige deutschsprachige Tour durch Warschau angeboten, die einige von uns gern angenommen haben. Darius, als Warschauer der optimale Reiseleiter für diese Stadt, hat ein unglaubliches Wissen über die Geschichte der Stadt, die er sehr anschaulich an den verschiedenen Plätzen der Stadt vermittelt.

Wir haben die restliche Zeit des Tages noch genutzt und einige andere Teile der Stadt angeschaut, wie beispielsweise den Umschlagplatz und die Neustadt sowie die Treppe zur Weichsel. Am Sonntag haben wir uns dann noch die verschiedenen Parks angeschaut, wie den Lazienki-Park, in dem auch das Chopin-Denkmal steht. Eine herrliche Parkanlage, in der man die Zeit vergessen kann und einfach den herrlichen Sommertag genießen sollte.

Zum Abschluss haben wir noch in einer Polski Pierogerie unsere letzten Pierogen schmecken lassen – ein gelungener Abschluss zu der herrlichen Woche.

Der Rückflug war leider nochmal abenteuerlich – aber trotz zweistündiger Verspätung sind wir dann doch gegen kurz vor Mitternacht in Düsseldorf gelandet.

Masuren ist eine kleine Zeitreise – ich hatte ständig das Gefühl, 5-6 Jahrzehnte zurück gereist zu sein. Die Landschaft ist herrlich, die Menschen extrem nett und freundlich und man merkt die Vergangenheit an vielen Ecken, beispielsweise auch an manchen deutschen Inschriften. Sibi hat auch immer sowohl den polnischen Ortsnamen als auch den damaligen deutschen Ortsnamen gesagt, so dass einem das auch immer bewusst war und man doch mit dem einen oder anderen Ortsnamen etwas anfangen konnte.
Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass Piaski wirklich sehr abgelegen ist. Gerade in der heutigen hektischen Zeit ein kleiner Tipp: WLAN gibt es dort NICHT!

Wer also Ruhe haben möchte, ein tolles und abwechslungsreiches Programm, einen guten Einblick in das Land und die tolle Landschaft ist hier genau richtig!

SAM_7745

Ein Gedanke zu „Masuren – eine kleine Zeitreise!

  1. sonnensegel faltsonnensegel

    Ich wollte nächstes Jahr eventuell mal nach Masuren. Wie sieht es denn preismäßig so in der Stadt aus, kann man hier für „Normalpreis“ mal schick essen gehen, Touren unternehmen, etc.?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere