2. August 2010

Paularida

Reisebericht über Kreta / Hotel Dimitra im Sommer 2010
von Susanne W.

Die Vorzeichen für den diesjährigen Urlaub standen nicht besonders günstig: die Wirtschaftskrise würde die Stimmung in Griechenland ebenso geprägt haben wie das frühe Ausscheiden der einheimischen Nationalmannschaft.
In diesem Sommer würde man uns Touristen nicht, wie 2004, in einem Meer blauweißer Otto T-Shirts empfangen. Ungewöhnlich auch, dass bei Frosch noch so viele last-minute-Angebote gerade in griechische Destinationen zu haben waren….

Ort und Unterkunft

Am kleinen Flughafen von Chania wurden wir zwar nicht überschwänglich, aber dennoch freundlich von Einheimischen empfangen. Erfreulich zügig ging es mit drei weiteren Fröschen per Taxi ins Hotel. Die relativ geringe Fahrtstrecke hat vor Ort zum Glück nicht, wie auf Teneriffa, eine nervende Geräuschkulisse ständig startender und landender Flugzeuge zur Folge. Stattdessen sah und nutzte man sie nur um wesentliche Tagesprogrammpunkte nicht zu versäumen : sahen wir z.B. von unserer Stammtaverne aus kurz nacheinander zwei Flugzeuge vom Südosten kommend die Chania-Halbinsel ansteuern, wussten wir, dass es Zeit fürs Duschen und Abendessen war.

Die Frosch-Unterkunft „Dimitra“ entpuppt sich als helles, luftiges und lichtdurchflutetes Haus in der 2. Reihe, was heißt: Meerseite, aber kein Meerblick, dafür Ruhe bei unmittelbarer Wassernähe (3 Minuten bei langsamen Gehtempo). Zentrale Lage, was heißt: Bus- und Schnellstraßen- und Radweganschluß ohne Verkehrslärm, aber Supermärkte, Bäckerei und Apotheke in unmittelbarer Nähe, um den größten Hunger und Durst zu stillen oder Aspirin für den Morgen danach zu besorgen.

Die Größe und Zweckmäßigkeit der Zimmer, Balkone und Bäder und die – von vereinzelten Stromausfällen abgesehene – regelmäßige Verfügbarkeit von reichlich warmen Wasser (wer öfter in Griechenland Urlaub macht, weiß, dass das nicht selbstverständlich ist) aus Massagebrauseköpfen in Marmorumgebung ist deutlich über dem ***Sterne-Standart. Lichtempfindliche sollten unbedingt eine Schlafbrille mitnehmen, Geräuschempfindliche wegen der frühaktiven Krähen und Hunde Ohropax, Hitzeempfindliche um ein Zimmer im Erdgeschoß bitten. Der gefühlte Temperaturunterschied zwischen oben und unten beträgt ca. 8 Grad- eine in Hochsommermonaten nicht zu unterschätzende Differenz.

Almerida ist „mehr Ort“ als Agios Georgios auf Korfu – aber deutlich weniger als Molyvos auf Lesbos. Erfreulich ist, dass sich hier in Gegensatz zum Westen Kretas keine Hotelbunker befinden.

Dennoch steht in der Hochsaison die Sandmenge und Strandbreite in keinem Verhältnis zur Zahl der Liegen und Menschen. Man muss es schon laut und eng schön finden. Liebhaber breiter und langläufiger Sandstrände sind auf Korfu besser aufgehoben. Aber Frösche finden auch auf Kreta bei Bedarf immer einen ruhigen Platz: entweder am wunderschönen Hotelpool, den man in der Außerfamiliensaisonzeit manchmal ganz für sich allein hat oder in mit kostenlos verfügbaren Kajaks innerhalb von ca. 20 Minuten erreichbaren, einsamen Buchten.

Essen und Trinken

Wunderbar ist, dass alle Mahlzeiten – im Gegensatz z.B. zu Sardinien- bei entsprechenden klimatischen Verhältnissen draußen eingenommen werden. Ebenso schön ist, dass sie dank Florian (und übrigens auch im Gegensatz zu Sardinien) so schmackhaft waren: Lamm mit Orange, Pangasiusfilet mit Zuccinigemüse, Gyros mit Kräuterreis. Unerreicht natürlich auch der wöchentliche Grillabend mit Hühnchenbrust, Suflaki und…(lasst euch überraschen).

Die köstlichen Nachspeisen wie Joghurt mit Melone und Honig, Schokokuchen mit Vanilleschaum, griechischer Walnusskuchen, Obstsalat ließen alle Hoffnungen auf Gewichterhaltung während des Urlaubs schwinden.

Getränke zu zivilen Preisen erhält der Froschgast über ein sogenanntes „Wertbonprinzip“, was den Vorteil hat, dass man statt Bargeld mit der Getränkekarte bezahlt, den Nachteil, dass Barkeeperin Corinna bestimmt wenig bis gar kein Trinkgeld bekommt.

Freizeitprogramm

Die Wanderstrecken im gebirgsreichen Hinterland von Almerida sind asphaltlastig, aber landschaftlich abwechslungsreich und wunderschön.

Die alpin anmutende Tour durch die Samaria-Schlucht mit anschließendem Bad im kristallklarem Meer und der Bootstour im Frühabendlicht sollte kein Frosch trotz des Zeit- und Kostenaufwandes verpassen.

Kürzer, sportlicher und für mich aufgrund kurzer Bein- und Armlänge deutlich schweißtreibender war die Tour durch die Diktamos-Schlucht, bei der ihr euch an Felsen entlang und hochhangelt, sie erklettert und, vom Teamer angetrieben, vor allem schneller sein wollt als alle Frösche jemals zuvor. Diese Tour wird nämlich nicht von Sarah geleitet, sondern von Schoko, der vor allem ein Ziel verfolgt: ganz schnell durch die Schlucht- und wieder aufs Fahrrad zu kommen, das am Ende der Kombitour am Ausgang auf ihn und uns wartet…

Eine Partydestination ist Kreta nicht. Liebevoll und kreativ bieten die Teamer jedoch allabendlich „Programm“ an. So galt es z.B. in Michaels Schanzes Fußstapfen zu treten und gruppenweise zu erraten, ob tatsächlich die zurückhaltende Bankkauffrau während einer USA-Reise ihren Traummann getroffen und gleich in Las Vegas geheiratet oder ob die blonde Gärtnerin für 15 Minuten ein Auto geklaut hat.

An einem andern Abend waren Kindheits- und Jugenderinnerungen angesagt: es galt anhand der Titelmelodien „Bonanza“, „Dallas“ und „Grease“ zu erkennen. Gewonnen hat übrigens die Gruppe mit dem Frosch, der von sich behauptete, nie fernzusehen.

Ansonsten wurde gekickert, Tischtennis gespielt und Entenweitwurf betrieben, was das Zeug hielt. Der von Franca angebotenen Salsakurs wurde leider (!) kaum genutzt. Getanzt wurde in unserer Anwesenheit nur einmal im kleinen, feinen Kreis und dafür sehr intensiv.

Empfohlen sei an der Stelle noch die jeden Donnerstag stattfindende Livemusik im Nachbarhotel, stattfindend z.T. auf einer Dachterrasse mit Meerblick und unter Sternenhimmel.

Wem das alles nicht reicht, setzt sich mit oder ohne Raki ans Meer, sieht der untergehenden Sonne zu oder lässt sich in der Stammtaverne die Füße vom Meer kühlen (zu unserer Anwesenheit war das nur in einer wirklich möglich: wir machen hier aber keine Schleichwerbung).

Natürlich gibt es auch ein Fitnessprogramm:

Wander- und Fitnessteamerin Sarah gab die Hoffnung nicht auf, dass sich eine® von uns mal zum morgendlichen Frühsport (z.B. Joggen um 7.30 Uhr) aufraffen würde. Nach Renates Abflug war die Resonanz aber eher gering, was keineswegs am Angebot als an der -wegen Temperatur und Tagesprogramm unvermeidbaren -frühen Zeit lag. Umso besser besucht war die Aqua- und Therabandfitness am späten Nachmittag zur Kräftigung vorher nicht bewusst vorhandener Muskelpartien.

Nicht zu vergessen natürlich das Fernsehprogramm, geprägt von der Fußball-WM. Schwarz-rot-gold geschminkt und hoch motiviert von Corinnas Ankündigung, für jedes deutsche Tor einen Raki zu spendieren, erlebten wir, dass die deutsche Mannschaft ohne und zwar nur ohne Ballack (sorry: ist aber so) modernen, schnellen, begeisternden Fußball spielt, der sogar (vereinzelte) Briten und (vereinzelte) Griechen bewog uns zu gratulieren.

Und Jogi Löw hat gelächeltJ.

Dass Corinna nach dem Sieg über England (4:1) beim Spiel gegen Argentinien ihren freien Tag hatte, fanden wir fußballinteressierten Frösche nicht ganz in Ordung (s.o.: Raki-Versprechen. Erinnere: Deutschland-Argentinien: 4:0).

Dafür hat Jogi Löw richtig gelachtJJ.

Wer mal wieder Großstadtluft schnuppern und -lärm hören wollte, konnte für 5,40€ (hin und zurück) mit dem Bus nach Chania fahren, sich dort die venezianisch anmutende Hafenkulisse und dem nicht mehr besetzten Gefängnis mit dem wohl wunderschönsten Ausblick angucken, die Markthalle besuchen um z.B. kretischen Honig oder Raki zu erwerben oder in einem der zweihundert (?) Schuh- und Schmuckläden das 20. (?) Paar Sandalen oder Ohrringe kaufen.

Wen es noch weiter gen Westen oder Osten zieht, leihe sich für 35.-€

einen Mietwagen beim benachbarten Autoverleih. Aber Vorsicht: Im Gegensatz zu den Mythos-Preisen ist das Benzin teurer geworden!

Das hat jedoch den eindeutigen Vorteil, dass Bus- wie Taxifahrer jetzt nicht mehr bei laufendem Motor Kaffee- und Zigarettenpause machen.

Wer die Ruhe und Meerluft der Großstadthektik vorzieht, der leihe sich im Hotel und kostenfrei ein Kajak um zur Vogelinsel, nach Kalives oder zur nächstgelegenen Bucht zu fahren.

Fazit

Insgesamt haben wir alle auch und gerade in diesem Kreta-Urlaub viel gelernt:.

  • die „vorher gucke ich in keine Karte, keinen Reiseführer und auch nicht genauer in die Katalogbeschreibung“- Frösche, dass Kreta keine flache, kleine Nordseeinsel, sondern ein gerade in und um Almerida gebirgiges Eiland ist.
  • die ganz jungen und mitteljungen Froschgäste und –teamer von den Älteren, wer Mick Jagger ist.
  • junge wie mittelalte und alte Frösche von eben diesen, was es mit „Schland“ auf sich hat (= generationenübergreifendes Wissen und Nichtwissen!).
  • Frösche wie Nichtfitnessteamer, dass „Thera“ wenig mit der Erde und rein gar nichts mit Al Ouaida zu tun hat und die „Poolnudel“ keine abwertende oder verniedlichende Bezeichnung für die fitnessdurchführende Teamerin ist.
  • bayerische (speziell: fränkische) Frösche, dass sie föderalistisch deutlich begünstigt sind, da sie weitaus mehr Feiertage haben als die niedersächsischen.
  • und: Jogi lacht (wieder)JLJ und „wir“ sind, trotz und wegen des 3. WM – Platzes und Lenas 1. Platz, wieder wer von den Alpen zum Meer!

PS. Wer wissen will, was es mit dem Titel des Reiseberichtes auf sich hat, muss nach Kreta reisen. Verraten sei soviel: „Paularida“ steht in engem Zusammenhang mit meinem Anliegen, zumindest einzelnen Hunden auf Kreta jahrelanges Siechtum an kurzer Leine zu ersparen.

Wer (mit wenig Aufwand!) helfen will, melde sich bei mir.

Ein Gedanke zu „Paularida

  1. Tina

    Hallo Susanne,
    ich würde gerne wissen was es mit dem Titel des Reiseberichtes auf sich hat. Wenn ich einer Hundeseele helfen kann , würde ich das gerne tun. Bitte klär mich mal auf. Danke. Gruß Tina

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