16. Oktober 2012

Reisebericht Boot & Bike Lykische Küste vom 16.-23. Juni 2012

Reisebericht von Marisa Hiller [marisa.hiller at web.de]
FROSCH Reiseziel Südtürkische Küste – Boot & Bike

„Boot & Bike – eine Luxusreise der ganz besonderen Art!“

Morgens um 5:30 Uhr – mein erster Morgen auf dem Schiff: Es ist kurz vor Sonnenaufgang. Es wird hell und damit sehr schnell auch recht warm. Die Wellen schlagen laut gegen den Rumpf, die Grillen auf der Nachbarinsel machen einen Höllenlärm – ich bin diese Naturgeräusche einfach nicht mehr gewohnt und liege hellwach da. Wann hatte ich zuletzt im Freien geschlafen wann ich je ohne ein Dach über dem Kopf? Ich kann mich nicht erinnern… .

Sonnenaufgang an Deck der Dinç Bu

Eigentlich hatte der Urlaub schon einen Tag früher angefangen, denn wir B&B-Teilnehmer trudelten nach und nach in Dalyan ein und konnten dann einen mehr oder weniger langen Tag im Ort und Hotel genießen.
Ein ziemlich heftiges Gewitter tauchte am Abend das Hotel und ganz Dalyan in Dunkelheit ein, als wir über das Flussdelta mit einem Transferboot zu unserem eigentlichen Boot aufbrachen – zu unserer Freude war das schlechte Wetter auf die Küste beschränkt und wir konnten trocken an Deck gehen und das späte Abendessen an Bord genießen.

Der 2. Tag begann dann für alle mit einem Frühstück an Deck, bevor sich das Boot nach Sarigerme auf den Weg machte. Unsere erste Radtour zur Sarsalla-Bucht stand auf dem Programm. Wer schon öfters bei Frosch-Sportreisen unterwegs war, dem wird der Ablauf bekannt vorkommen: Der MTB-Teamer stelt normalerweise am Abend zuvor die geplante Tour mit ihren Highlights, Spezialitäten, den Höhenmetern, ihrer Länge sowie den streckentechnischen Herausforderungen vor. Patrick machte das hier wirklich vorbildlich: Wir alle bewunderten seinen Fleiß, wenn er auf ein Whiteboard mit diversen farbigen Boardmarkern das Höhenprofil, die Eckdaten und die Schlüsselstellen der Tour jedes Mal neu aufmalte. Die aktuellen Wetterdaten, die er dazu lieferte, v.a. die Temperaturen und der verfügbare Schatten waren zudem wichtige Entscheidungskriterien für jeden Einzelnen, ob man sich die Tour zutrauen konnte.
Die erste Tour hatte einen moderaten Verlauf, so dass wir vollzählig mit dem Schlauchboot an den Strand übersetzten. Unsere Fahrräder wurden vom Kapitän Erdem und dem Bootsjungen Koray in beeindruckender Stapeltechnik in einem Rutsch vorab an Land gebracht (besser nicht nachrechnen, was da an Gegenwert ins Wasser hätte fallen können…):

(Kunstvoller Biketransfer durch die Crew)

Dass die Biketouren dieser Boot&Bike-Woche schon einen gewissen körperlichen Anspruch haben, zeigte sich trotzdem recht schnell, denn wir kamen alle ganz schön ins Schwitzen hatten auch einen kleinen Ausfall zu beklagen. Aber es gibt ja auch Taxis, die einen mit Bike in die nächste Bucht bringen… ;-).
Toll war, wie so oft in dieser Woche, der Blick von unseren höhergelegenen Wegen entlang der Küste auf unser Fahrtziel: die nächste Bucht und auf die dort, bereits vor Anker liegende, „Dinç Bu“, „unser Boot“!

(Ankunft in der Sarsalla-Bucht)

Die Weiterfahrt erfolgte dann wieder mit dem Boot zu einer sehr hübschen Bucht hinter der „Gemiler Adasi“ (Insel Gemiler). Nach einem herrlichen Bad im Meer und bei einer wunderschönen Sonnenuntergangsstimmung aßen wir zu Abend. Es gingen zwar noch andere Boote am Abend hier vor Anker, aber es war schon ein herrlich privater Moment.

Die 2. Biketour führte uns am nächsten Tag über Karaköy – einem verlassenen ehemals von Griechen bewohnten Ruinenstädtchen – nach Fethiye, denn dieses Mal wartete unser Boot dort bereits mittags im Hafen auf uns. Eine nette Gelegenheit, zunächst noch eine recht einfache Nachmittags-Biketour rund um eine Halbinsel vor Fethiye mit zahlreichen Stränden und Bademöglichkeiten zu machen, dnach shoppen zu gehen oder den Hamam zu besuchen und später den Abend in einer Bar mit Cocktails und Bier ausklingen zu lassen.

Am vierten Tag stand eine Wanderung durch die bekannte Saklikent-Schlucht auf dem Programm: Was bei uns sicher nur extrem abgesichert möglich wäre, wird hier zu einem richtigen Abenteuer. Während die Tour als ein Spaziergang auf Stegen entlang des Wassers began, wurde sie, je tiefer wir in diese Schlucht vordrangen, zunehmend zu einem echten Kraftakt, bei dem wir bis auf die Haut nass wurden, teilweise bis zu den Schultern im Wasser und knöcheltief im Schlamm standen und von der Kraft der Wassermassen fast weggespült wurden. Es war ein Ausflug, der uns als Team so richtig zusammengeschweißt hat, denn wir drangen nur mit gemeinsamer Kraft und Unterstützung tiefer in die Schlucht ein, als es Patrick bis dato je mit einer anderen Gruppe zuvor geschafft hatte:

(Wanderung durch die tosenden Wassermassen der Saklikent-Schlucht)

Eine ganz tolle Erfahrung, die wir alle erschöpft aber selig, bei Pfannkuchen und kühlen Getränken am Ausgang der Schlucht am ruhigen Wasser sitzend genossen haben!
Wir entschlossen uns, auf eine Besichtigung einer historischen Stätte am Nachmittag zu verzichten und von Fethiye gleich mit dem Boot zu unserem nächsten Ankerplatz weiterzufahren: Katrancik Adasi.


(Die Dinç Bu liegt allein in einer wunderschönen Bucht vor Anker)

Aufgrund unserer frühen Weiterfahrt blieb noch reichlich Zeit zum Baden, Schnorcheln, Kajak fahren oder einfach nur in der Sonne zu liegen. An diesem Abend übernahm Papa Erhan die Essenszubereitung und verköstigte uns mit frisch gegrilltem Fisch. Überhaupt war das Essen, das uns ansonsten immer Mutter Rabiye machte, stets vorzüglich und mehr als reichlich.
Es war ein Abend, an dem wir alle geradezu geflasht waren von dem Tageserlebnis und dem tollen Ausklang in dieser „privaten“ Bucht und der Blick auf das Meer tat sein übriges:


(„… An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit…“)

Es folgten weitere schöne Biketouren entlang der Küste, z.T. mit Verkürzungs- und Badeoption und ein weiterer Hafenaufenthalt in Göcek, welches im Unterschied zu Fethiye ein kleineres Hafenstädtchen ist, in dessen Hafen es aber immer noch reichlich kleinere und mondänere Yachten zu bestaunen gab.

(Hafenstädtchen Göcek)

Bei einer längeren Bootsfahrt wurde auf unser Bitten auch mal unter Segel gefahren und in einer weiteren einsamen Bucht ludt uns Patrick nach dem Abendessen ein, unter Zuhilfenahme eines Computerprogramms und eines Laserpointers, der dem „Darth Vader Laserschwert“ alle Ehre gemacht hätte, am klaren Sternenhimmel die Sternbilder zu deuten: ein sehr chilliger Abend! Und unseren Schlaf unter diesem Sternenhimmel genossen wir in dieser Nacht ganz besonders…. .

Nach der langen Überfahrt am vorletzten Morgen nach Ekincik stand die größte Herausforderung dieser Woche an: Patricks Tourenbild erinnerte eher an die Zeichnung einer ägyptischen Pyramide als an eine machbare Biketour: Die Tour zum Berg Ölemez mit 950 m und ca. 2,5 h reiner Anstiegsdauer flößte Respekt ein, aber reizte auch, sich genau davon nicht abschrecken zu lassen. Und es lohnte sich: Der höchste Punkt der Umgebung bescherte uns einen herrlichen Ausblick auf das Dalyan-Delta und den Köycegiz-See mit einem besonderen Naturschauspiel des türkis gefärbten Wassers aufgrund von Gasfreisetzungen der dort vorhandenen Quellen:


(Naturschauspiel auf dem Köycegiz-See)


(Die Biker haben glücklich den Ölemez bezwungen)

Die hier wohnende nette Familie freut sich immer über Besuch und servierte uns Tee. So konnten wir etwas regenerieren, bevor es wieder abwärts Richtung Ekincik-Bucht und unser Boot ging, wo wir gemeinsam die Räder schrubbten und mit Patrick kleinere Reparaturen durchführten, um die Bikes wieder fit für die kommende Gruppe zu machen.
Den letzten Nachmittag und Abend ankerte unser Boot an der gleichen, vor dem Iztuzu-Strand von Dalyan liegenden Insel Delik Ada, Zeit genug, um noch einmal zu Baden oder mit dem Kajak zur Insel überzusetzen, um dort den unzähligen Hasen – Füchse gab es wohl keine 😉 –  gute Nacht zu sagen.

Wehmütig verabschiedeten wir uns früh am nächsten Morgen von „unserem“ Boot und dankten der netten Bootsfamilie für die tolle Versorgung, bevor uns „Kaptan Ali“ mit einem kleineren Boot wieder zurück nach Dalyan brachte. Ein Teil von uns musste gleich wieder den Heimweg antreten, andere hatten noch eine Hotelwoche gebucht. Wir konnten uns anfangs gar nicht so recht vorstellen, wie wir uns wieder an einem „normalen“ Urlaub erfreuen konnten, so speziell war diese Woche. Aber dank der netten Hotelumgebung und dank der Ausflüge unter häufiger Beteiligung von Ali’s Boot verlief unser „Boot-Entzug“ dann doch recht moderat und wir konnten auch diese herrliche Woche genießen!

Fazit: Für mich war Boot & Bike eine Woche, die mir eindrücklich in Erinnerung bleiben wird: Es war dieser ganz besondere Luxus, der sich sicher nicht durch eine luxuriöse Ausstattung des Bootes in Holzbauweise oder durch die Einrichtung der Kabinen definiert, sondern vielmehr allein dadurch, dass wir als eine recht kleine Gruppe dieses Boot für eine kurze Zeit als unser persönliches Zuhause empfinden durften, welches uns flexibel immer wieder an neue Stellen führte, die uns – oft ganz allein – „gehörten“ und an denen wir diese wunderschöne Küstenregion genießen durften.

Der Luxus bestand also v.a. in dieser Freiheit und Flexibilität, die wir meist in unserem Alltag nicht haben und der auch in einem Hotel, in dem man fest während eines Urlaubes untergebracht ist, nicht so geboten werden kann – einfach grandios!

Marisa Hiller

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