11. Oktober 2004

Conil de la Frontera – Willkommen an der Küste des Lichts

Reisebericht von Stefanie Müller (muelles24 at yahoo.de)
FROSCH Reiseziel Sporthotel Diufain in Conil, Andalusien – Spanien

Dieses Jahr sollte es also Spanien sein, und da ich noch nie in Spanien war musste es dann auch Andalusien sein. Denn nur in Andalusien gibt es die wahre, die ursprüngliche spanische Lebensart. Oder?

Da mein Flieger in Hannover schon morgens um halb sechs gestartet ist und der Transfer von Jerez nach Conil keine Stunde dauerte, war ich früh genug im Hotel, um mit den Froschgästen, die schon eine Woche dort waren, zusammen zu frühstücken. Als ich erzählte, dass ich in meinem Urlaub ganz viel schlafen und mich erholen möchte, erntete ich nur schräge Blicke über der Kaffeetasse hinweg und ein trockenes „Vergiss es!“ Auweia, wo war ich denn hier gelandet?

Nach dem Frühstück ging ich gleich mit einigen Mädels an den Strand. Der Weg führt ein kurzes Stück die Straße entlang und dann über Felder zur Steilküste und dauert ca. 10 Minuten. Als wir ankommen stockt mir der Atem. Auf der rechten Seite beginnt die felsige Steilküste zu der ich später noch komme und links herunter sieht man einen ewig langen und breiten Sandstrand auf dem sich die zahlreichen Spanier um etliche Strandbars herum tummeln. Wir klettern die Steilküste herunter (festes Schuhwerk nicht vergessen!) und legen uns etwas an den Rand, was den Vorteil hat, dass wir reichlich Platz um uns herum haben, aber trotzdem sehr gut die spanischen Großfamilien beobachten können. Vor allem an Wochenenden war das sehr interessant. Da wurden ganze Zelte aufgebaut, der Grill angeschmissen und sogar ganze Schinkenkeulen in speziellen Haltern aufgebaut, von denen dann von Zeit zu Zeit eine Scheibe abgesäbelt wurde.

Andalusien

Bis jetzt fing der Urlaub ja sehr entspannt an, also wie konnte ich die Andeutung vom Frühstück verstehen? Am ersten Abend sollte ich das noch nicht herausfinden, da im Hotel gegessen und früh schlafen gegangen wurde. Aber am nächsten Abend gingen wir in den Ort hinein in die Bar „El Cojo“, wo man auf einer netten Dachterasse sitzen und sehr lecker essen kann und dabei auf die untergehende Sonne über den Atlantik hinweg schaut. Danach stürzten wir uns ins Getümmel: Conil bietet ein höchst umfangreiches Angebot an Bars in denen man den ein oder anderen Cocktail oder Tinto de verano zu günstigen Preisen erstehen kann. Und da das Nachtleben hier tatsächlich erst so richtig gegen 23 Uhr beginnt ist es ruckzuck schon früh morgens und man steht immer noch mit einem kühlen Getränk in der Hand in einer lauschigen Bar, hört spanische Pop-Musik und denkt nicht weiter als bis zu der Frage, was man als nächstes trinkt. Wenn dann aber am nächsten morgen um halb 10 eine Tour auf dem Programm steht wird die Zeit zum schlafen knapp…

Andalusien

An Touren wird so einiges angeboten. Die Steilküste habe ich gleich mit einer Wanderung und einer Mountainbiketour erforscht. Angeblich sind hier die schönsten Buchten der spanischen Atlantikküste und sie sind auch wirklich einzigartig. Oben drauf liegt roter Sand, der an der fast senkrecht abfallenden Steilküste in rötliches Gestein übergeht, das bei näherer Betrachtung aus 1000den von zusammengeklebten Muscheln zu bestehen scheint. Das Wasser schimmert dunkeltürkis und die Wellen brechen sich schäumend an den Felsen. Wenn man dann in einer dieser Buchten liegt fühlt man sich fernab von allem.

Andalusiena

Sehr schön war auch die Mountainbiketour nach Vejer de la Frontera, eine 50 km Tour über reichlich hügeliges Gelände an etlichen Stierherden vorbei und mit einem finalen 2 km Schlussspurt in den Ort hinauf. Danach war ich heilfroh das Bike erst mal in die Ecke stellen zu können um den Ort zu Fuß zu erkunden. Vejer ist ein weißes Bergdorf und hat mal einen Preis für das schönste Dorf Spanien gewonnen und hat einen sehr eigenen Charme: Nicht sehr touristisch und recht ruhig. In den schmalen Gassen stehen überall die Türen zu den privaten Patios offen und man kann hineinschauen (und gelegentlich auch mal schnell hineinlaufen und ein Foto riskieren…)

Andalusien
Andalusien
Andalusien

Am Ende der ersten Woche kam noch der Pflichtausflug für diesen Andalusienurlaub: Sevilla. Unsere Reiseleiterin Ina bestellte drei Mietwagen, mit denen wir recht schnell in Sevilla waren. Dort gab sie an der Touristeninformation anhand der dort erhältlichen Stadtpläne eine kurze Einführung wo es was zu sehen gab und dann konnten wir auf eigene Faust die Stadt erkunden. Ein Tag reicht für Sevilla bei weitem nicht aus, aber ich bekam einen guten Eindruck von dieser wirklich sehr schönen Stadt und für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten war die Zeit dann doch ausreichend : Plaza de Espana, der Alcazar mit seinen Gärten und die berühmte Kathedrale. Zwischendurch kehrten wir in einer der zahlreichen Tappasbars im Judenviertel ein.

AndalusienIn der zweiten Woche folgte dann der Ausflug nach Ronda. Wieder fuhren wir in Mietwagen los und mit 2,5 Stunden pro Strecke ist die Entfernung nicht gerade kurz. Da der Weg aber zum großen Teil durch eine sehr reizvolle Landschaft geht habe ich einfach ab und zu mal aus dem Fenster gesehen und diese Berghänge mit den Wein- und Olivenhainen bewundert (gibt es um Conil herum nicht) oder in der Sonne glitzernde Stauseen betrachtet. Dann vergeht die Zeit auch sehr schnell. Ronda selbst ist eine sehr hübsche kleine Stadt die an mehreren Stellen eine fantastische Aussicht auf die umgebende Landschaft bietet und natürlich diese spektakuläre Schlucht besitzt die Alt- von der Neustadt trennt. Sonst gibt es dort ehrlich gesagt außer der Stierkampfarena nicht viel zu sehen, aber einfach durch die ruhige Altstadt zu bummeln und die kleinen Gassen auf sich wirken zu lassen oder auf einen der vielen Aussichtspunkten in die Schlucht hinunter zu schauen ist sehr fantastisch.

Auf dem Rückweg fahren wir noch in Zahara vorbei, einem kleinem weißen Dorf mit einem altem Turm, von dem man einen atemberaubenden Blick auf die Umgebung hat. Allein dieser Ausblick lohnt den Umweg.

Andalusien

Dann sind da natürlich noch die Wanderungen. Sie sind durchweg recht einfach und ohne großes auf und ab. Landschaftlich am meisten begeistert hat mich der Barbate-Nationalpark, der etwas südlich von Conil liegt. Nach dem Taxitransfer geht der Marsch immer an der Steilküste entlang und bietet sehr oft fantastische Ausblicke auf das Meer und die Felsen bis hin zum Kap von Trafalgar. Dort erklärte Ina uns umfassend die Geschichte von der berühmten Seeschlacht in etwa 20 Sekunden, inklusive der Konservierungsmöglichkeiten, die ein Fass Rum bietet…

Andalusien
Andalusien

Der krönende Abschluss war für mich aber die Fiesta in Conil, die wir an unseren letzten Urlaubstagen noch miterleben durften: Eine riesengroße, gigantische Kirmis die alles an lauten, bunten und chaotischen überboten hat, was ich bis jetzt erlebt habe. Alleine ein Gang über den Festplatz reichte, dass es vor den Augen flimmerte vor Eindrücken. Groß und klein herausgeputzt in (Flameco-)Festkleidern zieht von Stand zu Stand und ist einfach laut. In einem Festzelt auf dem Dorfplatz gab es dann noch eine Flamencoshow die das halbe Dorf in seinen Bann zog und in der nach der Soloeinlage des Tänzers das Testosteron in der Luft greifbar war. Wahnsinn.

Andalusien

Tja, nun sitze ich wieder hier im kalten Deutschland, der Regen prasselt gegen die Fensterscheibe und ich träume von einer Finca in Spanien…

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