18. Januar 2007

Crans Montana im Herbst – eine Woche auspowern.

zum Frosch Reiseziel Sportclub Carlton in Crans Montana, Schweiz

Das Drumherum:
Die Anreise mit Bahn und Bus gestaltete sich aus Münster als problemlos. Der Bahnwerbung Folge leistend hatte ich mich für den Nachtzug entschieden und war dann auch schon gegen Mittag in Crans. Zweimal umsteigen war auch zu verkraften. In Sierre fuhr der Bus nach Crans direkt vorm Bahnhof ab, und nachdem ich ein paar verrostete Französisch-Kenntnisse ausgepackt hatte, setzte er mich auch an der Haltestelle direkt unterhalb des Frosch-Hotels ab.

Im Hotel angekommen erfuhr ich an der Rezeption – an der man sich übrigens alles mögliche Kartenmaterial und sonstiges ausleihen kann -, dass die Zimmer erst ab 16 Uhr zu beziehen wären, tja, mein Plan, den gewonnen halben Tag noch richtig zu nutzen, fiel damit ins Wasser. Ein bisschen Ort und Gegend erkunden war schon drin, allerdings forderte die Nachtanreise ihren Tribut… Einen Kaffee in Crans zu trinken, wäre wahnsinnig gewesen, die Preise sind astronomisch. Ab 15 Uhr hatte jedoch die hauseigene Bar auf, wie jeden Tag. Dort kam man dann schon langsam mit anderen Gästen ins Gespräch, beim Sektempfang vorm Abendessen lernte man schnell andere Leute kennen.

Zum Fahrrad: Ich hatte diesen Urlaub gebucht, um endlich mal ein paar Höhenmeter am Stück mit dem Rad abzureißen – im flachen Münster trotz Baum“berge“ und Teuto nicht möglich. Mein eigenes Rad konnte ich im Zug nicht mehr mitnehmen, die Plätze waren alle schon besetzt. Stattdessen habe ich ein Festbike gemietet, ein Bekannter meinte, dass gerade die kleinen Räder nicht unbedingt in großer Stückzahl vorhanden seien. Außerdem konnte ich dann meine Click-Pedale dranschrauben. Die Frosch-Bikes… na ja. Wobei ja verständlich ist, Verleihräder nicht gerade mit LX oder XT auszustatten. Oder hydraulischen bzw. Scheibenbremsen. Und man merkte ihnen das Ende der Saison an. Nun ja, es reichte und unser Bike-Guide Markus gab sich größte Mühe mit der Wartung.
Noch kurz zu meiner Person: ich fahre gerne, wenn auch nicht regelmäßig und übermäßig viel Rad (na ja, so 1700 km im Jahr, als Anhaltspunkt), meine Erfahrung mit Steigungen reduziert sich auf ein paar Hügel in Norwegen (allerdings mit Gepäck) und im Nordschwarzwald, Singletrails und damit verbundene technische Schwierigkeiten sind mir bisher kaum begegnet. Die sportlichen Touren, die Frosch in Crans anbietet, sind jedoch perfekt darauf zugeschnitten gewesen, ich habe mich nicht überfordert gefühlt. Richtige Cracks hätten sich in dieser Hinsicht wohl gelangweilt, aber es steht ja jedem offen, ob er an dem Angebot teilnimmt oder auf eigene Faust loszieht, das ist ja das tolle an Frosch.

Die Zimmer: günstigste Kategorie und super Aussicht, direkt auf die Berge, allerdings gab es für zwei Leute kaum die Möglichkeit, nasse Klamotten zu trocken. Und die Straße, die direkt unterhalb des Hotels liegt, war morgens ab halb sieben mit Baufahrzeugen belebt.

Das Essen und die Abende: Grandios war jedes Mal die zum Essen passende Tischdeko! Und die Möglichkeit, sich jeden Abend je nach Vorliebe aufs Neue für das vegetarische oder „normale“ Essen entscheiden zu können, gefiel mir auch gut. Lecker war’s auch.
Die Abende klangen in der Regel mit netten Gesprächen oder Party in der Bar aus, wo es eine tolle Getränkeauswahl zu humanen Preisen gab, die aber leider sehr verraucht war. Der Kicker war mit oder ohne Tournier immer stark frequentiert, viel Spaß hat auch Boule auf dem Vorplatz gemacht. Parties gab es auch zwei.

Zum Wichtigsten: der Sport: Schon am Anreisetag hingen ausführliche Beschreibungen der in der Woche geplanten Aktivitäten aus, sowie eine Liste, auf der man Wünsche wie Hochseilgarten oder Klettersteig wünschen konnte.
Am Sonntag ging es erst mal sehr gemächlich los, mit einer Einweisung in die Fahrräder und einer kleinen Runde um den Golfplatz. So konnte sich Markus einen Eindruck über unser Können verschaffen, so dass er im Laufe der Woche auch Leuten von Touren abraten konnte. Schnell fand sich ein harter Kern von Radfahrern zusammen, und wir schlossen zu viert eine weitere kleine Tour an. Alles ist super ausgeschildert, so dass man einfach drauflosfahren kann. Die Tour wurde dank Regen zur Schlammschlacht, sehr lustig!

Am Montag stand dann vormittags eine sportlichere Tour auf dem Programm, zum Point de Vue, wo wir uns mit den Wanderern treffen wollten. Wunderschönes Wetter, Wolken, Sonne – besser geht es nicht. Es war auch noch angenehm warm. Die Tour führte erst mal eine Straße hoch (insgesamt ca. 700 Höhenmeter), dann ging es ins leichte Gelände, schließlich ein Stück auf dem Wanderweg, wo die Ansage kam, man müsste schieben, nein, musste man nicht. Aber das zeigte nur, dass die Beschreibungen und Ansagen mit Absicht etwas höher gesteckt waren, um höchst motivierte, sich selbst falsch einschätzende Teilnehmer zu bremsen, das ist in Ordnung. Die Aussicht war wirklich toll!

Crans Montana

Wir waren früh zurück und wir entschlossen uns zu viert, klettern zu fahren. Eine Teamerin hatte uns schon am Abend vorher mit Tipps und Kletterführer versorgt, und da sie sowieso in die Richtung musste, fuhr sie uns vorweg und zeigte uns das Gebiet. Super Service, überhaupt war der Einsatz der Teamer groß. Der Zustieg war sehr beschwerlich (ach ja, das alte Klettererleiden), aber für die Mühen wurden wir mehr als belohnt. Was für ein perfekter Tag! An dieser Stelle Gruß zurück an Simon, Kathrin und auch Ralf! Das Gebiet hieß übrigens Bramois, sehr zu empfehlen.

Crans Montana

Dienstag machten wir uns zu sechst auf nach Montreux: 100 km durch das Rhône-Tal hin, Stadtbesichtigung, dann mit dem Zug und Funiculaire (Zahnkranzbahn) zurück nach Crans. Die ersten 20 km ging es die Serpentinen runter nach Sion, die Autofahrer hupten und drängelten nicht. Das Rhône-Tal selbst ist mit seiner Industrie nicht sehr spektakulär, allerdings sind die Berge rechts und links sehr beeindruckend und Wolken und Sonne sorgten für immer neue Eindrücke. Irgendwann machten wir in einem netten, kleinen Ort in einem Straßencafé Pause und genossen die wärmende Sonne. ‚Unglaublich, so ein Wetter im Oktober’, dachten wir noch. Nun gut, 20 km vor Montreux erwischte uns ein Gewitter mit Wolkenbruch und kräftigem Gegenwind. Das Wasser schwappte bei jedem Tritt aus den Schuhen, wären wir in die Rhône gesprungen, hätten wir genauso ausgesehen. Wir nahmen es mit Humor und genossen das Windschattenfahren in der Gruppe. Die Besichtigung von Montreux ersparten wir uns, und zum Glück mussten wir nur fünf kalte Minuten auf dem zugigen Bahnsteig warten. Im Zug schnell umziehen – tja, mein Rucksack war dann doch nicht so dicht wie gedacht, danke für die trockenen, warmen Sachen, Jörg!!! Sah bestimmt lustig aus…
Mittwoch war Klettern mit der ganzen Mannschaft angesagt, aber der Fels gefiel mir nicht. Für die Einsteiger war es aber vielleicht ganz okay. Bramois war viel schöner!

Crans Montana

Donnerstag stand die nächste Radtour auf dem Programm, die WM-Strecke von 1988. Das Wetter spielte nicht mit, es war kalt und wir hingen in den Wolken, so dass wir die Strecke so schnell wie möglich bewältigten und den Panorama-Wasserfall ausließen. Man hätte eh nichts gesehen. Zum Teil war es so matschig, dass nur Schieben übrig blieb. Zum Aufwärmen ging es dann in ein Restaurant, leckere Schweizer Schokolade trinken. Und später in die Sauna.

Crans Montana

Das Wetter war Freitag auch nicht viel wärmer, aber dafür sonnig. Zu zweit sind wir runter nach Sion gerollt, die anderen sind mit Autos runter. In Sion war Bauernmarkt, doch der interessierte uns nicht so sehr, wir wollten die 1100 Höhenmeter nach Crans in Angriff nehmen. Klappte auch ganz gut, beim nächsten Mal hätte ich nur auch lieber ein leichtes Rennrad wie mein Mitstreiter.

Abends dann Party und Samstag Abreise – die Woche ging viel zu schnell um. Zum Glück konnte man gar nicht in Versuchung geraten, zu verlängern, wir waren die letzten Sommergäste in diesem Jahr.

Fazit: in Crans und der wunderschönen Umgebung kann man sehr viel machen, man lernt nette Leute kennen, man kann sich ohne Ende auspowern oder auch mal auf der faulen Haut liegen, einfach eine tolle, abwechslungsreiche Mischung.

Anja Venjakob

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