26. August 2004

„Allein“ und aktiv in Crans Montana

Reisebericht von Mario Müller
FROSCH Reiseziel Sportclub Carlton in Crans Montana, Wallis – Schweiz

Mein Wunsch war es, mal allein in den Urlaub zu fahren und dabei noch aktiv zu sein. Aber: Als Alleinreisender wollte ich am Urlaubsziel auch nicht vereinsamen. Ein Freund erzählte mir dann von Frosch Sportreisen. Long Story Short: Ich schaute ins Internet und fand dort für mich Crans Montana in der Schweiz!

Anreise
Nun musste ich für mich festlegen wie ich dorthin gelange. Das Auto viel bei mir gleich raus, weil mir – aus Braunschweig kommend – die Reise einfach zu anstrengend gewesen wäre. Zu zweit wäre es schon eher eine Alternative. Ich hatte gehofft mit dem Flugzeug bis Zürich und dann den Rest mit der Bahn zurück zu legen. Doch trotz der Billigflieger konnte ich kein brauchbares Angebot finden. Also entschied ich mich nur mit der Bahn zu fahren. Und es war keine schlechte Wahl.
So ging es gegen acht Uhr morgens los und nach ca. sechs Stunden Fahrt mit dem ICE war ich dann in Basel. Umsteigen war angesagt. Von dort wurde die Bahnreise wirklich sehenswert! Langsam ging es in die Berge bis sich die Bahn an den Bergen und durch die Berge schlängelte. Es war einfach atemberaubend, hoch in den Bergen fahrend, in die Täler zu schauen. In Brig wechselte ich noch einmal den Zug. Von dort ging es dann in ca. 30 Minuten nach Sierre. Während dieser Fahrt wurde dann die Sprachgrenze überschritten. In Sierre wollte plötzlich kaum noch jemand Deutsch verstehen. Doch am Infopunkt im Bahnhof war ich – trotz fehlender Französischkenntnisse – nicht verloren.
Nun musste noch einen Höhenunterschied von 1000m überwinden. Dafür gibt es zwei Alternativen: Erstens den Bus, der auf zwei Linien nach Crans Montana fährt. Die zweite Variante ist mit dem Bus zur Zahnradbahn und – oben angekommen – das restliche Stück ebenfalls mit dem Bus. Die Haltestelle ist Telé Crans. Der Ticketpreis beträgt in beiden Fällen: 11.40 SFR. Dort ausgestiegen schaut man einfach den Berg hoch und erkennt, versteckt hinter Bäumen, schon den Sport-Club-Carlton.
Kurz vor 19 Uhr war ich dann im Hotel. Nun mag mancher denken, dass das vielleicht etwas spät wäre. Doch die Zimmer werden eh erst ab 16 Uhr frei gegeben. Und ich kam gerade rechtzeitig zum Abendessen!

Die Woche
Zum Abendessen wurden den Gästen Angebote für den nächsten Tag gemacht. Dabei gab es noch nützliche Infos, welche die Entscheidung erleichtern sollten. So konnte jeder für sich entscheiden was am nächsten Tag auf dem Plan stehen sollte.

Am Sonntag gab es für alle Mountainbike-Interessierten eine Einweisung. Gänzlich Unerfahrene bekamen sogar die Möglichkeit, sich noch vor der Fahrt mit dem Rad vertraut zu machen. Danach ging es dann auf eine 90 minütige Schnupper-Tour rund um den Ort. Auf der Strasse und im Gelände konnte sich dann jeder mit den Höhenunterschieden vertraut machen. Bei der Schnupper-Tour waren 50 Höhenmeter. Am Nachmittag gab es dann eine Ortsbegehung mit nützlichen Informationen, die ca. zwei Stunden dauerte. Jetzt wusste jeder, der dabei war, wo das Kino, die Disco (Achtung: teuer!), die Bank, der Badesee, die Geschäfte und weitere Sportangebote zu finden sind.
Ach ja, es war Sonntag, der 1. August. An diesem Tag feiern die Schweizer Ihren Nationalfeiertag. In Crans Montana wurde zu diesem Anlass ein Feuerwerk mit Wasserspielen auf dem See veranstaltet. Mit passender Musik war dies ein tolles Ereignis, dass ich live so noch nicht erlebt habe.

Crans MontanaAm Montag ging es dann mit dem Mountain-Bike zu den Wasserfällen La Tieche. Diese Tour fand ich schon heavy. Und damit war ich nicht allein. 500 Höhenmeter galt es zu überwinden! Ein Mädel ist schon beim ersten Anstieg ausgestiegen, ein weiteres beim zweiten Anstieg. Wir haben aber immer wieder sehr willkommene Pausen gemacht. Und die phantastische Landschaft war den Schweiss wert. Als wir dann in die Nähe der Wasserfälle kamen, haben wir die Räder angeschlossen und sind zu Fuss weiter. Auch ohne Rad wurde einiges von uns verlangt. So galt es weitere Höhenmeter zu erklimmen. Das bedeutete natürlich auch, dass es irgendwann wieder nach unten geht. Dabei gab mir die Abfahrt auf asphaltierter Strasse einen richtigen Kick. Einfach das Rad laufen lassen. Aber rechtzeitig an den Kurven bremsen! Dafür empfehle ich unbedingt Fahrradhandschuhe.

Crans Montana

Crans MontanaFür Dienstag bekam ich dann ein Angebot, mit zum Matterhorn zu fahren. Die Autofahrt dauerte ca. 75 Minuten. Dann hiess es: Auto parken. Von dort ging es dann per Bergbahn nach Zermatt. Dort gibt es nur Elektroautos und Pferdekutschen. Der Ort wirkt wie eine einzige Fussgängerzone. Einmal durch den Ort marschiert und ab in die erste Gondel. Insgesamt ging es dann mit drei Gondeln bis auf den Gipfel. Oben hat es dann sogar geschneit. Wie ich erfahren habe, ist dort das grösste Sommer-Ski-Gebiet der Alpen. Und ich habe dort so einige Wintersportler gesehen!
Übrigens nur knapp unter 4000m! Das machte sich insofern bemerkbar, dass wir verdammt schnell ausser Atem kamen. Aber an die richtige Kleidung hatten wir gedacht. Auf dem Gipfel befindet sich auch noch eine Grotte, die in den Gletscher gegraben wurde. Drinnen gibt es schöne Eisskulpturen zu sehen. Und gerade pünktlich zum Abendessen waren wir dann wieder zurück im Carlton.

Crans Montana
Crans Montana

Für den Mittwoch stand bei mir eine geführte Bergwanderung an. Die MTB-Tour startete hinter dem Carlton (1500m) und ging hoch bis auf 2200m. Dann nahmen wir die Gondel und sind auf ca. 3200m hoch. War es auf dem Weg zur Gondel noch heiss, ging es oben dann – zum Teil durch Schnee – durch eine karge Landschaft. Hier verlangte dann wieder die Höhe ihre Opfer. Den eigentlichen Zielpunkt erreichten nur fünf von zwölf Leuten. Oben sahen wir noch einen Felsen, der für uns eine kleine Herausforderung darstellte. Mit dem Guide sind wir dann noch zu dritt auf diesen Fels geklettert. Dafür haben wir aber unsere Rucksäcke abgelegt. Selbst meine Kamera habe ich unten gelassen. Danach ging es wieder runter in wärmere Gefilde.

Crans MontanaDer Donnerstag hielt für mich eine besondere Probe bereit. Es sollte zum 110km entfernten Montreux gehen. Hierfür mussten wir zeitig aufstehen. Und so machten wir uns gegen sieben Uhr auf den Weg. In rasender Fahrt ging es bergab. Noch auf der Hauptstrasse unterwegs, war unsere Durchschnittsgeschwindigkeit über dem Tempolimit von 50km/h. Das war ein wahnsinniges Gefühl! Nur durch Treten komme ja niemals auf eine solche Geschwindigkeit. Dann ging es in die Weinberge. Dort waren die Strassen schmaler, die Kurven enger, aber auch fast kein Verkehr mehr. So ging es dann fast runter bis Sion. Noch in den Weinbergen, ging es dann weiter zum Genfer See. Hier war dann eine Pause angesagt. Nun war nur noch ein kurzes Stück nach Montreux zurück zu legen. Nachdem auch Montreux erkundet war, ging es dann wieder zurück. Die Rückfahrt erfolgte dann mit der Bahn. Mein Fazit zu dieser Tour: Die 110km mögen hart erscheinen. Doch es geht fast nur bergab. Das Sitzfleisch ist soweit belastbar 😉

Nun bleibt noch der Freitag. Wildwasser-Rafting stand auf dem Plan. Mit den Privat-PKW ging es runter nach Sierre. Dort wurden wir vom Veranstalter zum Start gebracht. Jeder erhielt einen Neoprenanzug, eine Einweisung und los ging es. Die Rafting-Tour dauerte etwa 45 Minuten. Aber sie hätte die doppelte Länge haben können. Diese Meinung vertraten die meisten Teilnehmer.
Der Tag war noch jung. Also ging es mit dem Auto nach Sion. Nach ca. 30 Minuten waren wir dort. Hier kann man durch die Strassen schlendern, shoppen und sich ins Cafe setzen. Einfach das Leben geniessen … ohne sich anzustrengen.

Sonnabend war dann alles vorbei. Noch einmal Frühstücken, Kontakte austauschen und vielleicht noch ein Photo. Dann ging es wieder zurück; in die fast schon vergessene Heimat.

Weitere Infos:
Gäste

Der Sport-Club-Carlton beherbergt fast das komplette Sortiment an Gästen. Dort findet man Singles, Pärchen sowie Familien mit Kindern. Rentner habe ich aber nicht gesehen ; )
Dabei geht sich niemand auf die Nerven, wie man vielleicht annehmen könnte. Es gibt eine Kinderbetreuung, die es auch den Eltern ermöglicht, ihren Urlaub voll aus zu kosten.
Beim Essen hat es sich wohl auch eingebürgert, dass die Kinder sich ihren eigenen Tisch genehmigen. Die anderen finden sich an den restlichen Tischen zusammen.

Essen
Das Essen war wirklich gut. Und es musste keiner verhungern ; )
Morgens gab es ein Frühstücksbüffet, das kaum Wünsche offen lies. Dabei wurde auch alles so vorbereitet, dass sich jeder für den Tag versorgen konnte. Das bedeutete: Lunchpakte! Den Tag über war man ja immer unterwegs.
Das Abendessen – immer 19Uhr – bestand aus vier Gängen. Eine Suppe bildete immer den Anfang. Und die Suppen waren wirklich gut. Mit einem Salat ging es dann weiter. Darauf folgte der Hauptgang. Den Abschluss bildete schliesslich das Dessert.
Wirklich toll war, dass auch jeder seine Wünsche zum Essen äussern konnte und das Frosch-Team versuchte, diesen Wünschen nach zu kommen. Sei es ein vegetarisches Menü, die eine oder andere Zutat weg zu lassen oder – für den Nimmersatt – eine weitere Portion.
Hin und wieder wurde am Nachmittag selbst gebackener Kuchen angeboten. Und an einem Abend wurde ein typisches Schweizer Käse-Raclait veranstaltet. Das passte ganz gut zum Nationalfeiertag!
Mir hat dabei gefallen, dass niemand auf einen Stammplatz bestand. So konnte sich jeden Tag eine neue bunte Mischung an einem Tisch zusammen finden. Und niemand wurde abgewiesen (mir zumindest nicht bekannt), wenn sich ein noch unbekannter Gast dazu gesellte. Dabei wurden dann die Pläne für den folgenden Tag geschmiedet.

Wetter
Während meines gesamten Aufenthaltes im Kanton Vallis war das Wetter einfach toll. Ok, es hat drei Mal geregnet. Doch – so wie es sich gehört – viel der Regen immer in der Nacht. Am nächsten Morgen war es dann etwas frisch. Es dauerte aber nicht lange und die Sonne hatte wieder alles im Griff.
Trotz des schönen Wetters sollte jedoch immer an die richtige Kleidung gedacht werden. Es kann immer sein, dass das Wetter umschlägt.

Sauna
Jedem Leser, der sich für Crans Montana interessiert, dürfte nicht entgangen sein, dass es eine Sauna im Carlton gibt. Und ich kann nach eigener Erfahrung nur bestätigen, dass sie tatsächlich ein Highlight darstellt.
Es ist schon grandios, wenn man in der Kabine schwitzt und von dort in die phantastische Alpenlandschaft schauen kann. Und nach dem Schwitzen warten Liegestühle, eine Terrasse und eine Bar. Jeden Tag von 16-19Uhr konnte man sich diesem Vergnügen ergeben.
Eine tolle Sache war auch Anna‘s Beauty-Kur in der Sauna. Es gab verschiedene Aufgüsse, ein paar Überraschungen, die ich hier nicht verrate, und zum Schluss eine Maske.

Meine Meinung
Ja, … wie soll ich das jetzt bewerten? Ich bin kaum zum Lesen gekommen, obwohl ich meine Urlaubsliteratur wirklich mochte. Nur die Zugfahrten gaben mir Gelegenheit dazu. Auch an (und in) den Badesee habe ich es nie geschafft. Es gab für mich zu viele andere Dinge…
Mir hat die Woche eine Menge Spass bereitet. Ich kann mich an keinen Moment der Langeweile erinnern. Ich bedauere es nur, dass ich nicht schön früher eine solche Reise unternommen habe.
Die anderen Gäste waren im Schnitt zwischen 25 und 35 Jahre – die Familien mal ausgenommen. Die Atmosphäre war locker und entspannt. Man konnte so einige tolle Leute kennen lernen und Spass zusammen haben.
Wer seinen Urlaub aktiv verleben möchte und dabei noch andere gleichgesinnte, nette Leute treffen möchte, dem kann ich Crans Montana nur empfehlen.

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