21. August 2006

Cuba libre

Zum Frosch Reiseziel Cuba aktiv

Mit Frosch-Partner Aventoura auf Kuba unterwegs
Reisebericht von Brigitte  (21. März bis 5. April 2006)

Salsa, Sonne, Sozialismus –Kuba stand immer schon ganz oben auf meiner Reiseliste. Und weil das Lebensalter des „Commandante“ schon recht fortgeschritten ist, hieß es, sich zu beeilen, bevor am Ende die Amis mit Fast Food Ketten auf Kuba einfallen. So haben ich – schon Frosch-erfahren und damit Aktivurlaub-erprobt, kurzentschlossen gebucht.
Im Unterschied zu meinen sonstigen Frosch-Urlauben war der Veranstalter bei „Cuba Aktiv“ nicht Frosch, sondern der Kuba-Marktführer „Aventoura“, der neben dieser auch noch viele andere Cuba-Reisen im Programm hat. Dies ist auch der Grund, warum die aus 16 Personen bestehende Reisegruppe sehr heterogen war: Im Alter zwischen Ende 20 und Ende 50, Singles und Ehepaare. Aber, und das ist auch typisch für Frosch, wenn man auch zunächst erschrickt, ob man denn wohl mit „denen“ Spaß haben kann, so wächst die Gruppe doch sehr gut zusammen und der Abschied fällt letztlich schwer…

RUNDREISE & HOTELS
Wohl damit alle Reisenden gleichzeitig ankommen (und weil’s für den Veranstalter billiger sein wird), werden alle Flüge über Madrid geführt. Das heißt die Urlauber werden von unterschiedlichsten Flughäfen in Deutschland nach Madrid geflogen, wo es da mit Iberia (Achtung: schlechter Service, wenig Beinfreiheit) weiter nach Havanna geht. Das macht die Anreise nicht gerade zu einem Erholungstrip, aber gut, dazu fliegen wir ja auch nicht nach Kuba. Tipp: Vor der Buchung nach den Hinflügen nach Madrid erkundigen – ein mehrstündiger Aufenthalt auf dem Flughafen macht wenig Sinn (der Ausflug in die Stadt lohnt sich erst ab fünf Stunden, aber vielleicht plant Ihr ja einen Zwischenstopp mit Übernachtung ein?).

Am Flughafen wurden wir von unserem Reiseführer Leo in Empfang genommen und nach Havana gebracht. Statt wie angekündigt im Inglaterra in Havana haben wir im ebenso traditionsreichen Hotel Plaza übernachtet. An dieser Stelle ein Wort zu den Hotels: Diese waren alle einen deutlich besseren Standard, als ich das von einem sozialistischen Land erwartet hätte. Dabei war das Plaza wohl von allen Hotels das „schlechteste“ (wegen des Miefs in den engen Zimmern und des Geräuschpegels) aber immer noch gut erträglich. Von besseren Zeiten erzählt die Fassade des Plaza und die große Empfangshalle im Art-Deco-Stil.

Nach dem ersten Mojito auf der Terrasse des Inglaterra stand am nächsten Tag die Havana-Besichtigung auf dem Programm. Teil der Besichtigung war der zweistündige lustige Salsa-Einführungskurs – ohne den hätten wir ganz schön alt ausgesehen, denn natürlich wird getanzt, immer und überall – so ein Kuba-Urlaub ganz ohne Tanzen dürfte echt schwierig sein.

Cuba

Havana hat einen ganz eigenen, morbiden Charme. Wunderschöne Fassaden, aber oft völlig runtergekommen. Da findet man in Innenhöfen neben der architektonisch wertvollen freischwingenden Treppe, die tatsächlich inzwischen frei schwingt, weil nicht mehr richtig befestigt, wunderschöne Fliesenmuster auf Fliesen, die gerade von der Wand fallen oder schon den Boden „schmücken“, und neben dem rostigen Oldtimer steht ein Karren mit einem klapprigen Esel davor. Von den verfallenen Balkonen strahlen uns weiße Wäsche und fröhliche Kinder an. Aber die Altstadt von Havana ist Unesco-Welterbe, hier wurde viel Geld investiert – viele Straßenzüge sind schon mit viel Aufwand restauriert.

Cuba

CubaFür Havana, nein, für ganz Kuba bezeichnend: Musik. Überall und immer wieder. Viele musizierende Opas (ich habe ein Faible für Opas) à la Buena Vista Social Club – schmacht!
Nach unserem Havana-Tag ging’s am nächsten Tag weiter nach Pinar del Rio, wo wir zunächst in einer Höhle rumgekraxelt sind und dann eine Tabakfinca besichtigt haben. Beeindruckend fand ich die wunderschönen blauen Augen und die von der harten Feldarbeit geschundenen Hände des Tabakpflückers, der trotz aller Mühsal gutgelaunt seiner Arbeit nachging. Es ist toll zu sehen, mit welcher Einfachheit Menschen hier glücklich sein können. Leo erzählte uns, dass der Tabakpflücker viele Jahre im Knast verbracht hat, weil er verbotenerweise einen Ochsen geschlachtet hat…
Übernachtet haben wir in niedlichen kleinen Bungalows beim Hotel Los Jasmines, das wunderschön oberhalb des Valle de Viñales liegt. Der Ausblick aufs Tal ist traumhaft. Aber: Man ist am Abend im Hotel „gefangen“ und muss, um nicht mit leerem Magen ins Bett zu gehen, das überteuerte Buffet essen. Schön wäre es daher, wenn der Bus auch für Abendausflüge eingesetzt würde. Wir haben mit viel Mühe und zweistündiger Verspätung gerade noch ein Taxi ins Städtchen Viñales ergattert, wo es wie überall viel Party und Live-Musik gab – nachts mussten wir dafür per „Anhalter“ fahren (was kein Problem ist, jeder Kubaner wird wohl für den üblichen Taxipreis die Touristen gerne ins Hotel zurückfahren).
Von Viñales startete die Fahrrad-Tour nach San Diego de Los Banos. Leider erwischte uns der Regen, weshalb wir von den im Reiseverlauf beschriebenen Schönheiten der Landschaft kein Auge hatten – wohl aber für die vielen Rußwolken, die die russischen LKWs bergauf – trotz Regens – über uns gepestet haben. Praktischerweise war der Bus ständig hinter uns, so dass wir irgendwann alle völlig durchnässt und verfroren eingestiegen sind. Da tat der von Leo gespendete Rum Wunder, der uns von innen wärmte.
Tipp für San Diego de Los Banos: Unbedingt mit dem Hotelchef Pedro Antonio eine Tour durchs Dorf machen! Besichtigt wird dabei auch die kleine Zigarrendreherwerkstatt von Pedro. Bei Pedro könnt Ihr getrost Zigarren kaufen, denn mein Zigarrenfachmann hat mir bestätigt, dass seine Zigarren sensationell gut sind (die gefälschten Zigarren haben oft eine schlechte Qualität. Eigentlich darf man nur offizielle Zigarren mit Banderole und Siegel exportieren, also lasst Euch nicht erwischen!). Das Hotel in San Diego de Los Banos ist unspektakulär, dafür ist der Grillabend mit „einem der besten Bands Kubas“ wirklich spaßig.

Cuba

Cuba Am zweiten Tag unserer Biketour hat uns das Wetter wieder belohnt. Richtig sportlich wird die Tour aber erst beim letzten Anstieg nach Soroa, bei dem viele aus- und in den Bus eingestiegen sind. Ein Wort zur Radtour: So spektakulär wie diese Radtour beschrieben war, fand ich sie ehrlich gesagt nicht. Ich hatte große Befürchtungen, als zwar durchschnittlich fitte, aber wenig geübte Bikerin auf wenig befahrenen holprigen Wegen durch die Tabakfelder mit der Gruppe nicht mithalten zu können und sah mich in Gedanken schon vor Erschöpfung vom Fahrrad fallen. Die Sorge hätte ich mir sparen können. Die Biketour führt zwar durch die Tabakgegend, nicht jedoch durch die Felder, man fährt vielmehr ausschließlich auf asphaltierten Straßen (was nicht immer angenehm ist, insbesondere nicht, wenn man Berg hoch von einem Oldie-Diesel-Truck überholt wird, der einen extrem zusmokt). Das Tempo ist dabei recht gemächlich, denn zum einen ist die Gruppe sehr heterogen, zum anderen fährt ständig der Bus hinterher, so dass man jederzeit einsteigen kann.
Die Anlage in Soroa, in der wir dann zwei Tage blieben („Ruhetag“ – aber weswegen eigentlich?) ist zwar traumhaft schön und dschungel-like (vor allem, wenn man wie wir eines der süßen reetbedachten Bungalows erwischt), aber recht touristisch, und ansonsten ist rund um Soroa wenig zu tun. Der vielgepriesene Wasserfall ist viel unspektakulärer als der, den wir später in der Sierra del Escambray sehen sollten. Kurzum: Den Aufenthalt hätte man um einen Tag abkürzen können. Einen wunderschönen Ausblick hat man allerdings, wenn man den Berg bei Soroa besteigt – unbedingt Kamera mitnehmen!
Von Soroa ging es weiter nach Santa Clara. Spätestens jetzt wird jedem klar, wie wichtig Che Guevara den Kubanern immer noch ist – Che ist omnipräsent und wird verehrt wie eine Mischung aus Papst und Pop-Ikone! Che ist außerdem fehlerfrei, zumindest vermitteln das die Fotos in seinem Museum: Che beim Tabakpflanzenpflücken, Che beim Zuckerrohrschneiden, Che, wie er Santa Clara einnimmt und befreit… Man muss sich vor Augen führen: Che Guevara hat 1965 das Land verlassen – vor mehr als 40 Jahren, und ist schon 30 Jahre tot, aber in den Herzen der Kubaner lebt er immer noch. Wir glaubten sogar, in Ches Mausoleum in den Augen von Reiseführer Leo ein Tränchen gesehen zu haben, und das, obwohl er doch jede zweite Woche dort ist. Naja, abseits des politischen: Gut aussehen tut Che ja schon 😉

Cuba

Von Santa Clara quälte unser Busfahrer den Bus in die Höhen der Sierra del Escambray, einer wunderschönen Gebirgslandschaft. An einem sehr hässlichen Riesen-Bau, der aber angeblich ein „Luxussanatorium“ ist (in das man als Nicht-Kubaner aber nicht reinkommt), wurden wir „umgeladen“ auf ein „Russisches Cabrio“ (Zitat Leo). Die Fahrt auf dem Teil ist abenteuerlich und macht eigentlich sauviel Spaß, aber da mich bei der ganzen Schüttelei über Buckelpisten starke Bauchkrämpfe quälten, bin ich dabei fast gestorben. (Kleine persönliche Anmerkung: alle empfehlen für diese Reise immer reichlich Immodium gegen Durchfall – ich hatte jedoch bei dem vielen sehr weichen Weißbrot eher das gegenteilige ProblemJ)

Cuba

Auch für die zweitägige Wanderung hatte ich schlimmstes befürchtet, dachte ich doch, dass man das komplette Gepäck für die zwei Tage mitschleppen müsste. Aber stattdessen wird man mit den russischen Pick-Up-Trucks in ein Naturcamp gebracht, das sozusagen als Basislager dient. Von dort geht man dann kleinere Touren und benötigt nichts weiter als Schwimmsachen und ein bisschen Wasser. Alles also total easy, feste Schuhe sind empfehlenswert, aber der Einkauf im Outdoor-Laden wirklich nicht erforderlich. Im Naturcamp kann man übrigens wunderbar nachts feiern und abstürzen, und die Zeltnacht zum Tage machen! Was auch sinnvoll ist, denn dort oben in den Bergen war es sehr kalt – am besten alle Klamotten übereinander tragen! Noch ein Tipp für Zartbesaitete: Die zur Verfügung gestellten Schlafsäcke sind, wenn man überhaupt einen bekommt, wirklich nicht jedermanns Sache. Da lohnt sich das Mit-schleppen eines Innenschlafsacks.
Die Wanderungen sind wunderschön, grüne, abwechslungsreiche Landschaft, tropische Wälder, Wasserfälle, in denen man baden kann, frisch gepflückte Früchte und ein toller Wanderführer – wenn Samuel Euch auch führt, grüßt ihn schön von mir!
Von den Bergen ging es, zunächst mit Pick-Up-Truck, dann weiter mit unserem Bus zur Küste – nach Trinidad del Mar. Das Hotel Trinidad del Mar ist sicherlich schön, aber so all inclusive, wie man sich solche Anlagen eben vorstellt. Der Essensraum ist eine Massen-Fütterungsanlage, das Animationsprogramm für unseren Geschmack grauselig und wir waren uns alle einig: schnell raus hier! Guter Tipp: Statt des schlimmen „Fress-Saals“ gibt es in der Anlage in Richtung Strand ein schönes Restaurant unter Reetdach, außerdem ein „a la carte“ Restaurant – in beiden kann man nach Voranmeldung kostenfrei essen – in jedem Fall eine gute Wahl!

Cuba

Die Abende haben wir meist im wunderschönen Kolonialstädtchen Trinidad verbracht. Trinidad ist voller Leben, voller Farben, voller Musik – einfach toll. Auf keinen Fall im Hotel bleiben und an der all-inclusive Cocktailbar abhängen, sondern raus da! Auf einer großen Freitreppe gibt’s jeden Abend Live-Musik mit Tanzprofis (und Anfängern wie uns). In Trinidad gibt es außerdem eine Höhlendisco, die wirklich sensationell ist und unbedingt besucht werden sollte. Allein schon der Höhle wegen! Neben dieser gibt es noch viel mehr Nachtprogramm – wie die Open Air Disco „Fresa y chocolate“ – da wird die Nacht schnell zum Tag! Zurück zum Hotel geht es dann mit illegalen Taxis, die schon bereitstehen – uralte Opas fahren die turistas zurück ins Hotel – wohl polizeilich geduldet – ich bin ein Opa-Freak, und die Opas auf Cuba sind sensationell, soviel Charme, soviel Lebensfreude, so blaue Augen. Also bitte vergesst das Trinkgeld nicht!
Der zum Hotel gehörende Strandabschnitt ist sehr schön, das Meer türkisblau und warm – man kann dort sehr gut abhängen. Aber fünf Tage all inclusive ist für meinen Geschmack zu lange, und wir fühlten uns, da sowohl unser Reiseleiter wie auch unser Bus uns verlassen haben, etwas alleingelassen. Niemand von uns hat das Animationsprogramm im Hotel genutzt, die Fahrräder sind so schlecht, dass man damit nicht mal um die Anlage kommt (Platter Reifen!). Man kann am Strand Boote ausleihen und vermutlich gibt es auch Aqua-Aerobic oder so – so richtig „Cuba aktiv“ ist das aber nicht.
Einzige offizielle Programmpunkte waren der Ausflug zu der ehemaligen Zuckerrohr-plantage Managa Iznaga und der sehr gute Katamaran-Ausflug zu einer namenlosen Insel (oder habe ich den Namen bloß vergessen?): Palmen, türkisgrünes Meer, Sandstrand – Karibik pur. Für das Mittagessen auf der Insel haben unsere Skipper gesorgt, indem sie nach mehreren frischen Langusten tauchten, die quasi noch lebend in den Topf geworfen wurden – frischer geht es nicht.

Cuba

Nach einer Korallen-Schnorcheltour wurden wir auf der Insel von vielen Leguanen empfangen. So einem Urviech gegenüber zu stehen, ist schon ein einschneidendes Erlebnis – vor allem, wenn einem die Viecher dann beim Mittagessen über die Füße latschen – nix für empfindliche Mägen (Schuhe anziehen empfohlen!). Gesellschaft bekamen die Leguane von Baumratten, die so ähnlich aussehen, wie ich mir Murmeltiere vorstellen (nicht, dass ich jemals eines gesehen hätte ;-), und beruhigenderweise mit den Ratten nur entfernt verwandt sind.
Von Trinidad del Mar ging es wieder zurück nach Havana. Eine Touristenfalle war der Besuch bei einer Krokodilfarm. Ein mehrstündiger Umweg über kurvige Landstraßen, überteuerte Eintrittspreise und auf engstem Raum in fast ausge-trockneten Tümpeln lebende Krokodile – wenn Leo beim Weg von Trinidad zurück nach Havana abstimmen lässt, wer diese Farm besuchen möchte, hört genau hin (er stellte die Frage so, dass man eigentlich nicht nein sagen konnte). Das kann man sich schenken!

Cuba

Eigentlich hatte ich nicht mehr so richtig Lust auf Havana, nach der ganzen Erholung in Trinidad war mir Havana zu laut. Aber gut, ein leckeres Essen, ein gemeinsamer Absacker, und am nächsten Tag der obligatorische Besuch in der Tabakfabrik (viele Menschen an klitzekleinen Pulten, alle ganz fröhlich singend bei der lauten Beschallung) und bei Havana Club – den Tag kriegt man gut rum, bevor es dann abends – über Madrid – zurück nach Deutschland geht.

IN THE MOOD
Für mich hatte Kuba immer schon eine besondere Faszination – nicht erst seit „Buena Vista Social Club“. Meine Erwartungen wurden an jeder Ecke bestätigt: Überall Zerfall, aber auch sehr viel Schönheit. Schöne Farben, alte Kolonialstilhäuser, deren Fassaden abbröckeln, die vielen rostigen Oldtimer (die gepflegten sind Taxis für die turistas), Eselskarren – all das könnte man mit „morbidem Charme“ umschreiben, und gerade darin liegt die Schönheit und besondere Atmosphäre des Landes begründet.

Cuba

Dazu die Musik! Die vielen guten Bands, die alten Männer, die mit ihren meist leuchtend blauen Augen trotz des vorgerückten Alters soviel Lebensgefühl, soviel Vitalität ausstrahlen, dass unsereins sich darin ein Beispiel nehmen könnte.
Werbetafeln für Coca Cola findet man nirgends, aber dafür Durchhalteparolen. Der Sozialismus hat dem Land seinen Stempel aufgedrückt. Fidel ist allgegenwärtig. Und mehr noch als Fidel Che Guevara, Kubas Nationalheld, obwohl seit fast vierzig Jahren tot. Er wird verehrt wie eine Mischung aus Gott und Rockstar. Überall findet man auch „Volveran“-Plakate – fünf politische Gefangene in den USA werden zu Nationalhelden. Bei mir entstand der Eindruck, dass mit den vielen Durchhalteparolen dem Volk der Nationalstolz geradezu eingeredet wird.

Cuba

Cuba Aber wenngleich wir Westler oftmals nur den Kopf schütteln ob der Schilderungen sozialistischer Maßnahmen, und erschreckt sind, in einem offiziellen Lebensmittelladen nur drei Säcke Mehl zu finden, weil es sonst einfach nichts gibt für normale Pesos (die Supermärkte, die die Touristenwährung „peso convertible“ akzeptieren, sehen unseren dagegen recht ähnlich) scheinen die Kubaner, zumindest nach außen, an ihr System zu glauben. Obwohl doch die Realität in Form eines versteckten Kapitalismus längst Einzug gehalten hat. Ein Beispiel: Das offizielle Einkommen eines Polizisten (das sei laut Leo der bestbezahlte Beruf) beträgt umgerechnet 36 € im Monat. Das unseres Reiseleiters Leo gerade mal 20 €. Aber: Leo arbeitet im Tourismus und ist damit der King! Jeder aus unserer Gruppe hat ihm (verdientes!) Trinkgeld gegeben, er hat kaum Kosten für Speisen und wird auch noch die eine oder andere Nebenerwerbsquelle auftun. Was aber macht der Fabrikarbeiter, der nicht an die turistas kommt?
Da es offiziell keine Arbeitslosigkeit gibt, werden alle Menschen irgendwie beschäftigt. Ob Straßenkehrer, Zeitungs- oder Erdnussverkäufer: Obwohl man diesen Menschen ansieht, dass sie am unteren Ende der Gesellschaft stehen, spürt man kaum Unzufriedenheit – fast alle erledigen ihren Job mit Begeisterung. Angesichts der hohen Diskrepanz zwischen staatlichem Einkommen und Touristen-Pesos, ist die Zunahme an Bettlern wenig verwunderlich. Frauen arbeiten mit dem Trick, ihre Kinder auf dem Arm mitzuschleppen, um Mitleid zu erzeugen. Sie fragen nach „saboa“. Gibt man ihnen Seife, fragen Sie nach „biro“. Wenn sie dann mit Kugelschreibern ausgestattet wurden, wollen sie noch Geld. Der übliche Tipp in Reiseführern, den Bewohnern Seife mitzubringen, mag zwar auf dem Land sinnvoll sein, aber in den Touristen-Städten scheint mit Seife geradezu gehandelt zu werden, da die Touristen natürlich die Seifen aus den all-inclusive-Clubs verteilen. Ich persönlich denke, dass Geld letztendlich mehr hilft als Seife. Fragt mal Leo dazu! Auch die Prostitution auf Kuba blüht, obwohl offiziell verboten: Männer berichten von mehr als eindeutigen Angeboten in Bars und Nightclubs.
Von der vielfach beschriebenen Mangelwirtschaft haben wir dank der Professionalität der Reiseagentur wenig gespürt, diese haben wir allenfalls bemerkt, als unser “Russischer Cabrio” auf dem Weg vom Camp zurück zum Nationalpark-Infozentrum wegen Spritmangel liegen blieb, und wir an einer Bushaltestelle ausharrten, bis unser Führer Samuel mit viel persönlichem Einsatz einen Schulbus überzeugen konnte, uns (verbotenerweise) mitzunehmen.
Was bei einer solchen Rundreise wohl unvermeidlich ist: Gelegentlich wurden wir zu Stopps in Kneipen geführt, die überteuert waren – das ganze war natürlich abgesprochen und wenig spontan. Der Charme Kubas, die Sonne, das Lachen, die Musik – das alles entschädigt für die eine oder andere Kleinigkeit. Ich kann Euch deshalb nur empfehlen, so schnell wie möglich auch dorthin zu reisen. Viel Spaß!

Cuba

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