11. Oktober 2004

Reisebericht Dalyan – 20.09.-27.09.04

Reisebericht von Katja Picchiantano (nixe597 at gmx.de)
FROSCH Reiseziel Sportclub Holiday Calbis, Dalyan – Naturparadies in der Türkei

So, wo soll ich anfangen. Vielleicht am besten am Anfang.
Wenn man Single ist, Natur liebt, gerne hinter die Kulissen eines Landes schaut und nicht gerade im Ausland Herr Schmidt von nebenan treffen mag, wenn man nicht Wiener Schnitzel am Strand serviert bekommen möchte, sich aber nicht traut, allein zu verreisen, ja dann hat man in Sachen Urlaub schlechte Karten. Dachte ich.

Wie das Schicksal es so wollte, war ich nicht nur in der oben genannten Situation, sondern hatte zudem auch noch Urlaub und wusste nicht wohin. Tja, und dann stieß ich durch Zufall (oder wollte es das Schicksal so?) auf die Frosch-Seite. Nachdem ich in ca. 20 Reisebüros war (in denen mir die freundlichen und kompetenten Reiseverkehrskauffrauen immer wieder Hotelbunker mit all inklusive angeboten haben, obwohl ich Ihnen versicherte, dass ich so was nicht mag), sah diese Internetseite doch schon ganz vielversprechend aus.

Dalyan

Tja, und nachdem ich dann zwei Tage und Nächte um diesen Rechner herumgeschlichen war, und mir in dieser Zeit alles, was man über Dalyan finden konnte, auf Papier gezogen hatte, klickte ich mit der linken Maustaste auf „buchen“. Herrje, jetzt gab es kein zurück mehr.

Noch im Flieger war wenig von Urlaubsstimmung zu merken, eher war ich gespannt, hatte Horrorvisionen von schlechten Hotels, ekligem Essen, Langeweile und seltsamen Leuten um mich herum, mit denen ich in der nächsten Woche wohl auskommen müsse.

Und es kam alles anders!!!

Ich stieg aus dem Flieger und das erste, das ich bemerkte, war Wärme, Wärme, Wärme! Es war schon spät am Abend, die Dunkelheit war hereingebrochen, doch ich konnte schnell unsere Teamerin „Vivien“ ausfindig machen, die schon auf die letzten Anreisenden wartete, und uns freundlich begrüßte.

Dann ging es in einen kleinen Bus (der Busfahrer bot uns erst mal etwas Kühles zu trinken an, das tat gut), der uns dann zum Hotel fuhr. Noch sahen wir durch die Dunkelheit nichts von der herrlichen Natur, die uns in den nächsten Tagen erwarten sollte.
Schon im Bus schloß ich erste Freundschaften mit einer Gleichgesinnten, die sogar aus Hannover kam, und einem netten Mitreisenden, der mich auch den Rest der Woche mit begleiten sollte.

Am Hotel angekommen, luden wir das Gepäck aus, checkten ein und bekamen trotz später Stunde sogar noch Abendessen. Vorsichtig beäugte man die anderen neu angekommenen Froschler, die einen den Rest des Urlaubes über begleiten sollten.

Dalyan

Die Hotelanlage ist traumhaft schön, familiär, klein, umgeben von Palmen und der eigene Froschpool ist so groß, dass man genüsslich Bahnen schwimmen kann. Man sucht hier vergeblich nach hochgebauten Bunkern und durch Handtücher reservierte Pool-Liegen, all die Häuser sind in den Garten so angelegt, dass sie einfach ins Bild passen.
Das Frühstücksbuffet lässt zwar in Sachen Abwechslung etwas zu wünschen übrig, doch dafür ist das Abendbuffet sehr lecker, die Vorspeisen sind so genial, dass man kaum etwas anderes braucht. Nur darf man nicht auf den letzten Drücker zum Essen kommen, denn dann sehen die Platten schon etwas karger aus und man muß sich mit Resten begnügen.

DalyanAm ersten Tag ging es zu Fuß oder per Rad in das Örtchen Dalyan, um die wichtigsten Stellen zu erkunden. Nicht nur Dinge wie Bank und Post, sondern die ganz lebenswichtigen Ortschaften, wie die Anlegestelle von Alis Boot, Gerda´s Cafe (hier gibt es herrlichen Latte Macchiato) und viele traumhaft kleine, gemütliche Kneipen, in denen man in einer Hängematte chillen kann, während man einen Drink zu sich nimmt. Was mir auffiel war, dass die Einwohner Dalyans sehr sehr freundlich waren, nie aufdringlich und immer hilfsbereit. Man hatte nie das Gefühl, ein Touri zu sein, der über eine gewisse Kaufkraft verfügt. Echt beeindruckend.

So, und dann ging es mittags endlich zum ersten Mal zum Beach. Natürlich mit Alis Boot. Ali ist ein freundlicher Mann, der das Meer und vor allem sein Boot zu lieben scheint. Und er besteht darauf, dass es das schönste von allen Booten ist, die dort an der Flussanlegestelle vor sich hin schaukeln. Am Ende des Urlaubes empfand ich genauso.

Dalyan

Das Boot sollte in den nächsten Tagen unser treuer Begleiter werden, und das Schönste war es, während der Fahrt oben auf dem Dach des Bootes zu liegen. Man kam sich vor, wie einer der Abenteurer der „Langnese“-Werbung. Und ab und zu hatte man sogar die Gelegenheit, vom Boot aus direkt ins offene, wunderbare Meer zu springen. Zwar verließ einem in dem Moment, wo man springen wollte, der Mut, weil es plötzlich doch irgendwie hoch war, da oben auf dem Dach. Doch mit einer Mitfröschlerin an der Hand, „1,2,3“, und viel Kreischerei hat man es dann doch geschafft. Manchmal schwomm dann doch mal ein Bikinioberteil herrenlos im Meer, doch auch das sorgte für Freude.

Das Meer und der Strand war so einer der schönsten Dinge, die ich in Sachen „Meer und Strand“ bisher erleben durfte (ja doch, ich war schon öfter am Meer, nicht nur an der Ostsee!). Das Wasser war warm, grün-blau-klar, und oft konnte man meterweit auf den Grund schauen. Keine Algen, kein Getier, nur die Sonne und das Meer.

Dalyan

Abends dann glücklich wieder zu Hause, war die „Welcome-Party“ und man fand Gleichgesinnte, die zu einem passten und man hatte am Ende des Abends das Gefühl, als hätte man jetzt schon ewig viel Zeit miteinander verbracht. Schön wars!

Der nächste Tag sollte uns zu Fuß zu einem Wasserfall führen. Man hatte auch die Möglichkeit, mit dem Bike eine Tour zu starten. Das war auch eine sehr positive Sache, die mir gefiel. Jeden Tag hatte man die Möglichkeit zwischen mehreren Angeboten, die alle vielseitig und interessant schienen, zu wählen. Und wenn man zu all dem keine Lust hatte, war das auch in Ordnung.

Ja, die Wanderung zum Wasserfall war sehr schön, man kletterte inmitten natürlich vorhandender Felsen und kleinen Schluchten, überall umgeben von kleinen natürlichen Bächen, die das reine Felsquellwasser enthielten, aus denen man bedenkenlos trinken konnte. Und dann standen wir vor ihm, einem tollen, tosenden Wasserfall und schon waren die ersten ins Auffangbecken gesprungen. Das Wasser war sehr sehr erfrischend („sooo kalt“, wenn ihr wisst, was ich meineJ), aber wunderbar.

Zu Hause angekommen, ging es wenig später mit Alis Boot zum Flussufer, wo wir ganz lecker und ganz romantisch ein BBQ zu uns nahmen. Da wir um zehn schon wieder im Hotel waren, entschloß sich unsere Gruppe (die aus acht Leuten bestand, die in der Zeit so sehr zusammenwuchs, dass der Abschied nur unter Tränen lief), noch ins Istanbul Cafe zu gehen. Ich sage euch, das ist soooo toll da.
Im Hintergrund läuft zwar keine türkische Musik, dafür DireStraits, Bob Marley, Eric Clapton. Und wenn ihr euch jetzt fragt, wie das passen kann- es passt. Man sitzt ganz entspannt auf riesigen Matratzen, die belegt von dicken weichen Kissen sind. In der Mitte der Matratze ragt ein runder Tisch vor, auf dem sie steht: die Wasserpfeife. Man kann zwischen etlichen Aromen wählen, und der Gastgeber achtet unaufhörlich darauf, dass die Pfeife nicht ausgeht und man genüsslich ca. zwei Stunden an ihr ziehen kann, während man türkischen Tee, Kaffee oder einfach nur Bier trinkt.

Am nächsten Tag konnte man zwischen wandern, biken oder booten wählen, alles drei mit dem Endziel „Garden Eden“. Der Name ist verdient, aber dazu später.

Ich entschied ganz mutig zu sein, und die Radtour zu wählen. Naja, für die trainierten Biker ist das wahrscheinlich jetzt Kleinkram, ihr müsst ja nicht weiterlesen. Aber für die, die denken, sie wären sportlich, aber noch nicht so die Bike-Erfahrung haben: tut es euch nicht an. Ich dachte jede Sekunde daran, umzukehren, aufzugeben, oder das Bike den Abgrund runterzuschubsen, um dann mit dem Bus weiter zu dürfen (gab es da überhaupt Busse?). Der Anstieg war steil und lang, sehr lang! Nach jeder Kurve sah ich, dass es kein Ende nahm und ich überlegte, wie ich aus der Misere wieder rauskommen könnte. Teamer Sven versuchte es erst mit den Worten „nur noch hundert Meter“, die dann aber auffällig oft kamen, so dass ich langsam misstrauisch wurde. Als er merkte, dass meine Hautfarbe von rot auf dunkelrot wechselte, hatte er Erbarmen und griff beherzt hinter mich und schob. Könnt ihr euch dieses peinliche Bild vorstellen? Der Teamer links, rosig im Gesicht, im mittleren Gang den Berg rauf fahrend, die eine Hand an ein strampelndes, keuchendes Etwas, dass nun geschoben wurde und sich wünschte, nie diese Fahrt begonnen zu haben. Aber irgendwann war ich oben, es ging wieder bergab, der Fahrtwind kühlte das überhitzte Gesicht und man war ja sooo stolz, trotz Qualen nicht ein einziges Mal vom Fahrrad gestiegen zu sein, obwohl sich ausgerechnet bei diesem Bike auch noch der kleinste Gang nicht schalten ließ. (Die Bikes sind aber ansonsten super in Schuß, also keine Angst, traut euch auch),

Endlich am Ziel „Garden Eden“ angekommen, wurden wir belohnt. Reichlich belohnt. Erst in den Pool gehüpf, dann unter die reichlich vorhandenen Duschen gesprungen, um sich dann frisch geduscht mit einem Bier in eine der Hängematten zu legen, die unter einem zweihundert Jahre alten riesigen und hohen Baum pendelten. Nach einiger Zeit gab es dann noch leckeres Essen und man ging überglücklich Richtung Hotel, diesmal alle mit dem Boot. War das toll.

Der nächste Tag lud zur Entspannung ein. Wir machten eine schöne Bootsfahrt an eine tolle Bucht. Es ging volle Fahrt vorraus übers offene Meer, Eine sehr schaukelige Angelegenheit, wenn man also unter Seekrankheit leiden sollte, dann empfehle ich die Wander- oder Bikevariante, die auch angeboten wurde. Aber ich fand es superschön, das Meer in der Gegend hat wirklich eine traumhafte Farbe und man hat ständig Lust, da hinein zu hüpfen. An der Bucht angekommen, warteten wir auf die Biker und Wanderer, und dann kam auch schon ein zweites Boot, das uns mit herrlichem Mittagessen versorgte. Wir sprangen aber dann doch vorher ins blaue Naß, was herrlich erfrischend war. Am Hotel wieder angekommen, hatten wir den Abend zur freien Verfügung, so dass wir auch mal die Restaurants im Ort testen konnten, die alle sehr zu empfehlen sind. Nicht teuer, aber reichlich und sehr schmackhaft. Und vor allem direkt am Flussufer mit Blick auf die beleuchteten Felsgräber.

Freitag war „Teamer-Frei“, d.h., wir konnten auf eigene Faust Unternehmungen starten, oder aber auch die Wellness-Angebote wahrnehmen, wie z.B. im Schlammbad planschen, sich von „Golden-Hand-Ali“ massieren lassen, oder sich in das Abenteuer „Hamam“ stürzen. Wir entschieden uns für das Letztere, und es war ein Abenteuer.

Man erreicht das Hamam vom Hotel aus zu Fuß. Als wir ankamen, wurde nicht viel geredet, man zeigte uns auffordernd mit Gestiken, dass wir uns auszuziehen haben (natürlich hatten wir Badesachen unter der Kleidung). Dann schob man uns wortlos in eine Sauna und jetzt saßen wir da, ohne zu wissen, was wir eigentlich tun sollen. Nach einigen Minuten kam „Ali der Wortlose“ wieder rein, sorgte für kräftigen Aufguß (wir wagten keine Widerworte),und ging wieder. Nach mir endlos erscheinenden Minuten (ich glaube, man nennt die mir erschienenen Nebenwirkungen auch „Hirnschrumpfung durch Überhitzung“) entschieden wir, einfach aufzustehen und die Sauna zu verlassen. Hätten wir gewusst, dass das auch völlig in Ordnung so war, hätten wir wohl schon früher die Flucht ergriffen.
Jetzt führte man uns- wieder wortlos- in einen riesengroßen Raum, der völlig weiß gekachelt war, etwas modrig-feucht roch, und in dem in der Mitte eine riesengroße und sehr sehr warme Marmorplatte stand. Dort legten wir uns nebeneinander drauf und ich betete, dass das auch alles seine Richtigkeit hat. Irgendwie war dieser heiße Stein wirklich heiß. Naja, andere hatten das ja wohl auch schon überlebt- oder?

Dann ging es los! Wir wurden nacheinander mit einem Rubbelhandschuh von den Füßen hoch ins Gesicht (ja, genau, von unten nach oben und alle mit dem gleichen Handschuh) kräftig abgerubbelt, dann wurden wir neben ein Wasserbecken gesetzt und noch mal mit Wasser abgespült.

Jetzt ging es weiter. So ganz geheuer war mir ja immer noch nicht. Wir mussten uns wieder auf den Stein legen, diesmal wurden wir mit Seifenschaum eingeschäumt, so dass nur noch die Nasenlöcher frei waren. Sehr lustig.
Dann wurden uns in diesem Zustand noch mit Shampoo (sogar „Dove“) die Haare gewaschen und wir wurden wieder mit klarem Wasser abgespült (eines muß man sagen, „Wortlos-Ali“ hielt uns dabei immer fürsorglich die seine Hände schützend vor die Augen).

Völlig aufgelöst und durchgerubbelt wurden wir in ein Handtuch gewickelt, einen Turban um den Kopf und ab nach oben in den Ruheraum, der aus weichen, kuscheligen Kissen bestand, auf denen man nun doch herrlich relaxen konnte.

Also im großen und ganzen nicht unbedingt Wellness, aber Abenteuer, aus dem man sehr sauber entlassen wird.

Abends wurde noch ein Beach-Volleyball-Turnier veranstaltet, das Riesenspaß brachte, vor allem, weil sich einige als Cheerleader präsentierten. Sehr gelungen.

Dann gab es noch den Ausflug zum Asi-Beach, den man mit einer wohl sehr harten Bike-Tour erreichen kann, aber auch mit einer kleinen Wanderung dorthin gelangt. Das Wasser wie immer traumhaft, das Klettern abenteuerlich, die Aussicht grandios. Aber Leute, wenn ihr Angst vor Wespen habt, dann ist das dort ein Albtraum.
Von den Dingern gibt es dort so viele, dass man denkt, man ist in einem Horrorfilm gelandet. Und die Viecher sind auch noch so unverschämt, dass sie Dir überall hinkrabbeln wollen. Nicht nur das. Sie verfolgen Dich bis aufs offene Meer. Das Bild muß göttlich gewesen sein. Eine Gruppe von Froschköpfen erst über dem Wasser, dann nacheinander abwechselnd unter dem Wasser, bis sich die angriffslustige Wespe im Sturzflug zum nächsten Froschkopf aufmachte. Man tauchte, bis die Luft ausging und hoffte dann beim auftauchen, dass sich die Wespe inzwischen auf einen anderen Kopf konzentrierte. Manchmal war es leider nicht so und musste gleich wieder unter Wasser. Naja, aber das Wasser war trotzdem toll und ganz zu empfehlen sind hier das Brot und die Oliven. Sowas habt ihr noch nicht gegessen. Superlecker.

Dalyan

Als wir zurück kamen, sprangen wir noch mal in unseren Froschpool (diesmal ohne Wespen) und bekamen dann eine herrliche Quark-Gurken-Gesichtsmaske von den Teamern verabreicht, die der sonnengeschädigten Haut richtig gut tat.

Die Abschiedsparty war nett, aber für mich persönlich von betrübter Stimmung. Denn ich hatte leider nur eine Woche gebucht und musste am nächsten Morgen fliegen. Und das machte mir Bauchweh. Ich wünschte an diesem Abend nichts sehnlicher, als die Zeit noch mal zurückdrehen zu können. Nicht an den Anfang der Woche, sondern zu dem Tag, an dem ich gebucht hatte, Denn dann hätte ich zwei Wochen gebucht, um diese tolle Stimmung, diese tollen Menschen und das tolle Land noch eine weitere Woche genießen zu können.

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