27. August 2007

Kreta – ein Reiseziel mit viel Potenzial

Reisebericht von Björn Bertram (bjoern.bertram at gmx.net)
FROSCH Reiseziel Sportclub Hotel Dimitra in Almirida auf Kreta

In diesem Jahr spiele ich also mal „Versuchsfrosch“: Die Destination auf der griechischen Insel ist neu im Programm, so dass es außer der Katalogbeschreibung vor der Buchung der Reise kaum weitere Infos gab. Neugierig mache ich mich also Ende Juli für zwei Wochen auf in den Süden – mehr zum Urlaub als Versuchsfrosch in diesem Laborbericht. An dem Versuch nahmen in der ersten Woche meines Aufenthaltes insgesamt 17 Frösche, in der zweiten Woche 12 Frösche teil, die Versuchs-/Reiseleitung hatte Jürgen inne, als MTB-Guide war Max vor Ort.

Der Versuchsort
Der Transfer vom Flughafen Chania nach Almyrida ist angenehm kurz: Nach etwa gut 30 Minuten ist das Hotel erreicht. Auf dem Weg dorthin fahren wir an dem großen NATO-Stützpunkt vorbei. Die damit verbunden Befürchtungen, die Übungsflüge könnten die Urlaubsruhe stören, bewahrheiten sich nicht. Nur sehr selten sind die Jets zu hören.

Das Hotel „Dimitra“ befindet sich etwa 100 Meter vom Strand entfernt, in dessen Sand sich zahlreiche größere und kleinere Steine mischen. Insbesondere am westlichen Ende der Bucht bieten auch zahlreiche Bäume einen guten Sonnenschutz, wenn man sich keine Liege und Sonnenschirm mieten möchte.

Die Zimmer und die gesamte Hotelanlage sind sauber und gepflegt. Während das Frühstück mit der Zeit etwas langweilig wird (verschiedene Brotsorten, Käse, Marmeladen, Kuchen, Obstsalat, Müsli, Jogurt), ist das Abendessen sehr abwechslungsreich und lecker.

Der Ort Almyrida ist übersichtlich, verfügt aber über (fast) alles, was man im Urlaub braucht. Zahlreiche Tavernen laden zum Verweilen ein, im „Nikitas Palace“ oder im „Atlantis“ kann getanzt werden, es gibt kleine Supermärkte und Souvenirshops. Bei so vielen Gelegenheit, Geld auszugeben, fehlt natürlich auch der Geldautomat nicht. Zwei- bis dreimal täglich gibt es eine Busverbindung nach Chania, besser sind die Verbindungen jedoch von Kalives aus: Von dem Nachbarort aus gibt es auch gute Verbindungen nach Rethimon und Heraklion. Kalives ist mit den Bikes oder auch zu Fuß gut zu erreichen.

Kreta

Die Versuchsaktivitäten
Froschtypisch lag der Schwerpunkt der Versuchsaktivitäten auf den Biketouren und Wanderungen, durch die relativ kleine Versuchsgruppe gab es nur selten konkurrierende Programmangebote. Die Gegend rund um Almyrida bietet tolle Möglichkeiten für Wanderungen und Biketouren der verschiedensten Schwierigkeitsgrade, die ohne Transfer möglich sind.

Zunächst zu den Biketouren: Im Frosch-Programm finden sich vor allem leichte und mittelschwere Touren (20 – 50km), die fast ausschließlich über geteerte und wenig befahrene Straßen und Wege führen und liebenswerte kleine Dörfer (mit urigen Tavernen), schöne Strände (z.B. den von Georgopoli), den größten Süßwasser-See Kretas (Kaunos Lake), einen Steingarten oder die Ruinen-Stadt Aptera zum Ziel haben. Die Anstiege sind in der Regel moderat, nur selten gibt es auf den Touren schwere „Rampen“ und sie werden durch schöne Abfahrten mit wunderschönen Panoramen belohnt.

Kreta

Doch auch für Biker, die sich lieber etwas „offroad“ fortbewegen möchten oder längere Strecken fahren wollen, können rund um Almyrida auf ihre Kosten kommen, wenn sie etwas Eigeninitiative mitbringen: Häufig gibt es anstelle der Teerstraßen auch die Möglichkeit über Feld- und Olivenhainwege zu fahren – insbesondere auf dem Plateau östlich von Almyrida sind solche Strecken zu finden. Als Tagestour eignet sich sehr gut die Strecke von Almyrida über Xirosterni – Vamos – Agii Pantes – Paidohori – Rammi – Samonas – Styllos – Megala Horafia – Kalami und Kalives zurück zum Ausgangspunkt. Diese Tour (ca. 70-80 km, 1000 hm) führt etwas weiter in das Hinterland, entlang der Dörfer, die vor den „weißen Bergen“ gelegen sind. Zwischen den Dörfern gibt es schöne Serpentinen-Strecken, steilere Anstiege und schöne Abfahrten.

Kreta

Zu dem Wander-Angebot gehört u.a. eine Küstenwanderung. Sehr schön waren vor allem aber auch die beiden bike&hike-Touren, die Jürgen angeboten hat. Bei der einen Tour ging es zunächst mit den Bikes den Hausberg hinauf, dessen Gipfel dann anschließend auf Schusters Sohlen „erklommen“ wurde. Nicht verpassen sollte man die zweite bike&hike-Tour. Nach einem kurzen Transfer wird zunächst gewandert: Die Diktamus-Schlucht in der Nähe von Styllos geht es etwa drei Stunden lang hinauf. Diese Schlucht ist touristisch kaum erschlossen, so dass man vor allem auf Ziegen und jede Menge unberührte Natur und kaum auf andere Wanderer trifft. An einigen Stellen sind leichte Kletterpassagen zu meistern – je nach Belieben und Können gibt es verschieden schwere Strecken. Am Ende der Schlucht geht es dann – nach einer kleinen Stärkung in einer Taverne – mit den Bikes weiter: Zunächst wartet noch ein längerer Anstieg auf die Gruppe, dieser Anstieg wird mit einem tollen Ausblick auf Chania und die Bucht von Souda belohnt – und natürlich mit einer super langen Abfahrt! Knapp 15 Minuten lang geht’s bergab.

Abgerundet wird das Programm durch einige Ausflüge: So gibt’s natürlich eine Fahrt durch Samaria-Schlucht, der längsten Schlucht Europas, die in gut 5 Stunden Laufzeit durchwandert werden kann. Außerdem gab’s im wöchentlichen Wechsel „Chania by night“ bzw. „Rethimon by night“. Diese Ausflüge bieten die Gelegenheit etwas Stadtluft zu schnuppern, zu shoppen, Museen zu besichtigen oder durch die Gassen der Altstädte zu schlendern. Ein kleiner Tipp für die Bike-Cracks: Wenn ihr Theo, den Transfer-Fahrer und örtlichen Travel-Agent, bittet, nimmt er eure Räder in seinem Kleinbus mit zurück. So könnt ihr tagsüber mit den Bikes z.B. nach Rethimon fahren (über die „Old Road“ ca. 55km), dort die Räder Theo übergeben und dann anschließend gemeinsam mit den anderen Fröschen die Stadt „unsicher“ machen.

Kreta

Das Abendprogramm beschränkte sich, abgesehen von den Welcome- und Wellfare-Abenden am Strand vor allem auf den gemeinsamen Besuch von Tavernen und Clubs in Almyrida, die Bar im Hotel war vor allem in der Hand der französischen Reisegruppe und auch nur bis etwa 23 Uhr geöffnet. Außerdem war einmal in der Woche bowlen angesagt.

Und was für Tierversuche warteten sonst noch auf die Frösche? Natürlich durfte auch das Relaxen am Pool und Strand nicht fehlen. Außerdem stand wöchentlich einmal Beachvolleyball und Gymnastik sowie eine Meeres-Kajak-Tour zur „Pirateninsel“ auf dem Programm. Für weitere „Frosch-Versuche“ fehlte leider das Equipment (s. Versuchsergebnis) – vielleicht wird der Materialpool ja im Laufe der Saison noch aufgestockt!

Besondere Versuchsbedingung: Franzosen im Hotel
Eine besondere Versuchsbedingung gab es aber dann doch noch: Wie bereits im Prospekt angekündigt teilt sich Frosch das Hotel mit dem französischen Anbieter UCPA. UCPA bietet für seine Reisenden vor allem ein umfangreiches Wassersport-Angebot an. Positiv: Die Surfboards, Katamarane, Trimarane und Meeres-Kajaks können auch von den Fröschen ausgeliehen werden – wenn UCPA sie nicht selber benötigt.

Etwas überrascht war ich von dem Verhältnis der deutsch/französischen Teilung: Die Franzosen sind in dem Hotel der „große Bruder“, der das Hotel schön länger nutzt und zumindest im Juli/August mit etwa 80 Gästen vor Ort ist – die Frösche sind also mit einer Gruppe von unter 20 Leuten deutlich in der Minderheit. Die Beziehung vor Ort lässt sich als „freundliches Nebeneinander“ beschreiben – nur selten kam es zu Kontakten oder zu Gesprächen mit den französischen Gästen.

Kreta

Eine Aufwertung würde das Reiseziel aus meiner Sicht erfahren, wenn es Frosch gelingen würde, in Almyrida ein kleineres Hotel zu finden, in dem Frosch dann die größte Belegungsgruppe ist. Das würde dazu beitragen, dass Hotel für die Gruppe mehr als Treffpunkt und Aktionsort (auch in den Abendstunden) zu nutzen. Denn ein „Abendprogramm“ am Pool, wie es der Froschgast aus anderen Destinationen kennt, ist im Hotel Dimitra unter den jetzigen Bedingungen nur schwer vorstellbar.

Versuchsergebnis
Almyrida ist aus meiner Sicht ein guter Ort für eine Frosch-Destination: Die Umgebung bietet vielfältige Möglichkeiten für Bike-Touren und Wanderungen in allen Schwierigkeitsstufen, sicherlich wird es den Teamern gelingen, das Tourenangebot noch etwas zu vergrößern und z.B. auch Bike-Touren ins Programm aufzunehmen, die technisch anspruchsvoller sind und nicht nur über Teerstraßen führen. Zur „Halbzeit“ der ersten Saison ist die Erkundung noch nicht abgeschlossen – da gibt’s noch einiges zu entdecken!

Auch durch zusätzliches Equipment – angefangen bei Sonnenschirmen, die man mit an den Strand nehmen kann, Schnorchel-Sets, Bälle, Pool-Nudeln, Nordic-Walking-Ausrüstung – oder ein dauerhaft installiertes Beach-Volleyball-Feld könnte die Destination zusätzlich „gepimpt“ werden!

Gut geeignet ist das Ziel auch für Frösche, die Lust auf Kultur oder, Stadtausflüge haben – auch auf eigene Faust lassen sich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder einem Leihwagen viele weitere Ziele ansteuern.

Ich habe es nicht bereut, den „Versuchsfrosch“ zu spielen und habe den Urlaub sehr genossen – das Ziel ist noch nicht perfekt, hat aber auf jeden Fall noch viel Potenzial!

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