26. August 2008

Reisebericht Kreta

Reisebericht von Lothar Nestler (lothar.nestler at web.de)
FROSCH Reiseziel Sporthotel Hotel Dimitra, Almirida – Kreta

Donnerstag Morgen – 07.45: Als ich die Augen öffne, höre ich Regentropfen auf das Dachfenster fallen – ganz klasse, man merkt wieder in Deutschland zu sein. Als der erste Kaffee 20min später in die Tasse läuft, schaue ich mir die Wolken draußen an.
Wolken – in der letzten Woche habe ich so grade mal 4 Stück gesehen. Eine wirklich schöne Woche auf Kreta – vor meinem geistigen Auge spult der innere Film zurück:

Donnerstag Morgen – ca. 8 Uhr: Noch etwas schlaftrunken bewege ich mich nach einer heißen Nacht – zumindest was die Temperaturen angeht – zum Frühstück. Die Anreise von Chania gestern Abend war problemlos (ca. 35min Fahrt) und ich habe die ersten Frösche getroffen, die mit mir diese Woche im Hotel Dimitra verbringen werden – jetzt treffe ich den Rest der Truppe. Ein Teil sitzt schon am Frühstück, es ist angenehm warm und die Stimmung ist sehr entspannt. Der Blick auf den Pool und der herrlich blaue Himmel lassen das Frühstück noch besser schmecken und erhöhen die Lust auf kommende Touren.

Klaus – unser Guide – erklärt die heutige Einführungstour.
Keine 30min später sitzen alle auf den Bikes und radeln los zum nahe gelegenen Leuchtturm der Insel.
Eine schöne, moderate Radeltour, die auf dem Rückweg in einer kleinen, abgelegenen Bucht Halt macht um sich im Meer abzukühlen. Herrlich – das wird ein klasse Urlaub.

Auf dem Rückweg wird in einer kleinen Taverne in Plaka pausiert und Mittag gemacht. Mittagessen für 5€! Die Salate schmecken super und sind wirklich frisch, nur der Kaffee ist etwas anders als man das in Deutschland so kennt.

Nach der Rückkehr ins Hotel verschwindet ein Teil der Gruppe an den Strand – dieser liegt in einer wunderbaren kleinen Bucht, in der auch die Surfschule liegt. Rechts in der Bucht läuft der Strand ohne Steine seicht ins Meer und lädt zum Baden ein. Das Wasser ist wunderbar warm und am Strand selber hat es auch einige schattige Plätze, in denen man es länger bequem aushalten kann. Ideal zum chillen! Wenn man Durst oder Hunger hat, braucht man nur ein paar Schritte um zu den luftigen Strandbars zu gehen, an denen man alles bekommt, was das Herz begehrt – zu sehr humanen Preisen.

Aber am Strand chillen kann man in der Woche noch genug – also schnappe ich mir eins der 14 GHOST Bikes, die in einem absolut neuwertigen und extrem gut gepflegten Zustand sind. Das hatte ich nicht erwartet. Da merkt man, hier ist ein Bike-Profi am Werk, der sonst jede Menge Alpenüberquerungen fährt. Jetzt fängt der Urlaub an RICHTIG Spass zu machen.

Ich schwinge mich also mit jeder Menge Wasser Reserven auf das Radel und fahre einfach drauf los – Achtung: Unterschätzt die Hitze beim Biken nicht – nehmt ausreichend Wasser mit!!
Die Ortsbezeichnung und Beschilderung auf Kreta machen das Biken OHNE Karte etwas zum Abenteuer, aber Verfahren ist kaum möglich. Es gibt viele markante Punkte zum orientieren.

Die Landschaft gleitet an einem vorbei und die vielen Olivenbäume und Blumen lassen die Fahrt kurzweilig werden. Untermalt wird das ganze vom unglaublichen Geräusch der Zikaden, die ständig für „Lärm“ sorgen. Gerade in den Monaten Mai und Juni ist die Insel wunderbar grün und reizvoll, was die Fauna angeht.

Wer mit dem Bike auf eigene Touren geht, sollte auf jeden Fall über Vamos in Richtung Kefalas fahren – der Friedhof ist wirklich sehenswert.

Am Abend beim Essen, welches es wieder am Pool gibt, fragt Klaus: „Wie sieht es mit einer Nachtwanderung aus?“ Zuvor wurde das Wochenprogramm vorgestellt – es gibt wirklich für jeden etwas. Wantertouren, Biketouren (auch kombiniert mit Wandern), Ausflüge und die Möglichkeiten zum Segeln und Surfen.

Toll! Hier wird wirklich was geboten…

Ein kleiner Teil der Gruppe macht sich also gegen 9Uhr Abends auf die Socken und läuft entlang am Strand, durch Olivenplantagen begleitet durch das Zirpen der Zikaden und das Gebell der Hunde – das hat was! Die 3h Wanderung führt durch eine kleine Ortschaft mit wunderschönen Häusern, die jetzt im Dunkeln noch viel mehr wirken und über allem strahlt der Sternenhimmel, das Meer rauscht dabei. Die ganze Sache wird dank der Flasche Wein zum lustigen Erlebnis – es wird viel gelacht und bei der Rückkehr ins Hotel freuen sich alle auf Ihr Bett….

Was für ein Tag!

Am nächsten Morgen geht die Gruppe zum Kajak-Fahren – 1,5h paddeln und ein gegenseitiges „Entern“. Ein Riesenspaß!
Nachmittags gibt es die Möglichkeit bei Klaus einen Grundkurs im Surfen mitzuerleben. Die Surfschule am Strand wird leider nur in Französisch geführt und es gibt keinerlei Möglichkeit zum Kiten.

Gegen einen kleinen Unkostenbeitrag geht’s dann um 18:00Uhr in Richtung Rethymnon, die Festung – die eine bewegte Geschichte hinter sich hat – ist sehenswert.

Shopper kommen hier auch voll auf Ihre Kosten, es gibt jede Menge kleine Geschäfte in denen man allerlei Souvenirs und Mitbringsel erwerben kann. Den Abschluss bildet ein tolles Abendessen in einer kleinen Taverne – hier kann man die verschiedenen regionalen Gerichte testen und sich bei einem leckeren Cocktail in der warmen Abendluft unterhalten.

Am Samstag gibt’s dann die Adlernest-Tour. Es geht steil bergauf, die Berge auf Kreta sehen nicht nur hoch aus – sie sind es auch! Bis zu 2500m – im Winter hat es hier sogar Schnee! Schwer vorstellbar bei 30 bis 35 Grad tagsüber.

Die Touren führen sehr schnell weg von den größeren Ortschaften und schlängeln sich auf angenehmen Wegen und kleinen Strassen durch alte Ortschaften die ein Bild geben vom Griechenland, wie es der Massentourist sicher nicht kennt. Dabei sieht man immer wieder Dinge, die unglaublich unwirklich aussehen. Besonders zu bewundern: Die Wasserinstallationen am Strassenrand!

Nach gut 2h ist man oben am Höhepunkt der Tour angelangt – Hunger macht sich breit und so wird der Stopp in der Taverne Adlernest zum kulinarischen Genuss – frische Speisen, handgemacht und als Abschluss etwas Süßes mit einem Ouzo, wie man ihn in Deutschland nie bekommen wird. Hmmmmm…….

An dieser Stelle noch ein kleiner Tip: Wenn Ihr alleine Biken geht, nehmt Euch grundsätzlich Luftpumpe und Flickzeug mit, welches im Bikebereich der Station verfügbar ist. Die kleinen Dornen der Büsche können Euch in unangenehme Situationen bringen.

Wenn Ihr gut auf dem Rad unterwegs seid, fahrt Abends von Almirida auf die Hochebene von Aptera – der Sonnenuntergang und der Blick von hier sind gigantisch. Zwischen den alten Ruinen des historischen Aptera bleibt die Zeit stehen und das goldene Licht macht den Aufenthalt zwischen den antiken Säulen zum echten Erlebnis.

Sonntag…nein, nicht bis um 11Uhr im Bett liegen! Um 8:30 steht Theo mit dem Anhänger für die Fahrräder schon bereit und wartet. Diktamos-Schlucht! Ich bin sehr gespannt.

Wir werden an den Eingang der Schlucht gefahren und wandern, krabbeln, klettern fast 3,5h durch eine kleine, bunte Schlucht – immer unter den Augen der vielen Ziegen, die hier ihr Zuhause haben. Das ist in der Gruppe eine lustige Angelegenheit – es ist zum Glück schattig und sehr angenehm in der Schlucht.
Am Ende dieser wartet das leckere Mittagessen – und unsere Bikes! Nachdem man sich an den regionalen Besonderheiten gestärkt hat, radelt man durch Orangen- und Zitronen Plantagen eine letzte Steigung bergauf. Der Blick auf Chania von oben wird nur durch den leichten Dunst getrübt, der über der Insel hängt.
Dann geht’s 14km nur noch bergab, mit Blick auf das Meer, Aptera, die Bucht von Almirida und Kalyves – Downhill der ersten Klasse.

Abends schmecken die Cocktails in der Poolbar (checkt die Happy Hour des Hotels) nach so einem Tag wunderbar – und wem noch zu heiss ist, der kann sich im frischen Pool schnell ein paar Grad Abkühlung holen. Der Pool ist super sauber und wird mit Leitungswasser gefüllt. Das Angenehme – da er nicht geheizt wird, ist er nach einer Tour, oder bei der Tageshitze eine fantastische Erfrischung!

Montag – nur noch 2 Tage…die Zeit fliegt – es geht früh morgens in die Samira Schlucht. Zum Glück NACH den großen Touristen-Massen. Ich finde ein absolutes Muss. Schon alleine die Fahrt dahin – und auch zurück, ist sehenswert. Theo – der schon seit über 20 Jahren auf der Insel ist, weiß jede Menge Geschichten zu erzählen und so wird die Stunde im Auto sehr kurzweilig.
Oben an der Schlucht hat man einen tollen Blick – sieht aus wie in den Alpen…was die Sache lustig macht. 5€ Eintritt sind okay – dafür liegt hier auch kein Müll rum. Die 1200hm und knapp 16km Marsch-Strecke sind wunderbar zu laufen – wenn man feste Schuhe anhat. Wasser gibt es an Quellen und die Steine laden zum pausieren ein. Die Natur hier ist schön grün – und es ist interessant zu sehen, wie sich diese beim Abstieg verändert.
Gegen Ende der Tour werden die Steinwände links und rechts immer höher und steiler – Wahnsinn, beeindruckend, man vergisst, das man auf einer Insel im Mittelmeer ist.
Am Ende der Schlucht muss man seine Eintrittskarte wieder vorzeigen – also nicht wegwerfen! Erst ganz am Ende sieht man das Meer. Naja, die Wellenbrecher sind nicht so schön, aber linker Hand gibt es versteckte Strände, an denen kaum Menschen zu finden sind.

Das kleine Örtchen Agia Roumeli, welches das Ende der Wandertour ist, hat keinerlei Strassen-Anbindung und ist nur mit dem Schiff erreichbar. Nachdem man sich die Tickets für die Fähre nach Chora Sfakion gekauft hat, sitzt es sich sehr angenehm mit dem Blick auf das Wasser auf dem Oberdeck der Fähre. Die Stunde Fahrt vergeht wie im Flug. In Chora Sfakion steigt man wieder in den Kleinbus von Theo und dieser windet sich auf einer atemberaubenden Strasse in die Berge hinauf, in Richtung Almirida.
Am Abend merkt man seine Beine schon recht ordentlich – die Tour hat es in sich.

Am vorletzten Morgen werden dann nochmals die Bikes gesattelt. Es geht durch verschiedene kleine Dörfer, über Felder und schön angelegte Oliven-Plantagen. Klaus weiss zu vielen Dingen etwas zu erzählen und so lernt man noch viel über die Insel und Ihre Bewohner dazu. Der Zwischenstop an einer kleinen und uralten Kirche bringt einem wieder das Schmunzeln ins Gesicht. Alte Wandzeichnungen und dazwischen mit Bauschaum geflickte Löcher – auch eine Möglichkeit wie man Historisches erhalten kann.

Nach dem Mittagessen geht es für die Gruppe wieder in Richtung Hotel für Wellness und Strand. Ich beschließe, mir die Insel noch mal von oben anzusehen und kurble mich nach einem Tip von Klaus zu einer kleinen Bergkirche auf gut 1200hm hinauf.
Was für ein Weg!

Von oben hat man einen unglaublichen Blick auf den West-Teil der Insel. Lohnenswert, aber nur empfohlen für Biker mit guter Kondition und ausreichend Wasservorrat.

Auf dem Rückweg gibt es noch eine kleine Einkehr in eine der vielen Tavernen – der Kaffee ist mit den süßen Kleinigkeiten ein Genuss und der Blick auf das Meer und die Berge rundet die Pause noch vollendens ab. Das war leider der letzte Tag – morgen geht es wieder heim. So ein Wetter wird es daheim sicher nicht haben. Ich schwinge mich wieder auf das Froschbike und lasse mich in Richtung Hotel rollen…

Am Abend gibt es den Farewell-Trunk am Strand. Vor meinem Auge laufen die letzten Tage nochmals vorbei. Biken, Wandern, Strand…eine Insel mit so vielen verschiedenen Gesichtern…die Gruppe, die netten Teamer…so muss Urlaub – für mich – sein!

Ich bin happy, mich für Kreta entschlossen zu haben und weiss, ich werde wiederkommen. Das Hotel ist sauber, das Personal nett. Das Abendessen ist abwechslungsreich, das Frühstück leider etwas monoton. Aber man kann ja nicht alles haben.

Als ich den letzten Schluck Bowle trinke und meine Füsse noch mal im Sand einbuddle streift mein Blick über das bunt beleuchtete Almirida. Schön hier – nicht so voll, ruhig gelegen und einfach perfekt zum entspannen.
Die Möglichkeiten zum Biken und die hervorragend gepflegten Bikes sind nicht zu toppen – so etwas in der Qualität habe ich noch nicht erlebt.

Fazit: Ich kann es nur jedem empfehlen!

Donnerstag Morgen – 07.45:
Als ich die Augen öffne, höre ich Regentropfen auf das Dachfenster fallen – ganz klasse…und ich denke an:

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