23. Februar 2007

La dolce vita – geht’s noch süßer?

Zum Frosch Reiseziel Tenuta Luogomarchese in Madonie, Sizilien – Italien

Madonie, Sizilien 30.09. – 14.10.2006

Am Anfang, ja, da war die Idee, mit Frosch zu verreisen. Gespräche im Freundes- und Kollegenkreis brachten mich der Entscheidung näher, da gab es fast nur gute Erfahrungen. So entschied ich mich ganz spontan für die Reise zur Tenuta.

Die Abflugzeit – 4.10 Uhr – erfordert durchaus ein wenig organisatorisches Talent, aber nachdem ich entdeckt habe, dass LTU ein Web-Checkin anbietet, kann ich ein Weilchen länger schlafen. Dennoch reagiere ich angestrengt, wenn ich am Flughafen erst nicht sofort abgeholt werde und anschließend im (zugegebenermaßen sehr bequemen) Reisebus noch gut eineinhalb Stunden auf die mit einem späteren Flug Anreisenden warten muss. Den bequemen Bus gibt es bei uns übrigens nur auf der Hinreise, zurück geht es dann mit einem nahezu schrottreifen Minibus, aber dazu später…

Gegen 10.30 kommen wir auf der Tenuta an. Es herrscht traumhaftes Wetter mit sehr sommerlichen Temperaturen. Wir freuen uns am schönen Ambiente, dem tollen Blick, der all das hält, was die Website verspricht – und auf unsere Duschen. Leider ist ein Großteil unserer Zimmer noch nicht bezugsfertig, wir können erst gegen 14:00 Uhr hinein. Für einige von uns, die dann schon über 10 Stunden unterwegs sind, nicht sehr erfreulich. Alles in allem lernen wir aber, uns in den Tagen einfach etwas mehr treiben zu lassen, nicht allzu sehr auf Pünktlichkeit zu achten und alle Angaben stets schön weit auszulegen – wie unsere „Teamerin“ Bianca es uns beigebracht hat J Sie hat schon Recht, wenn sie sagt, dass man alles so nehmen muss, wie es kommt und sich nicht aufregen darf, wenn man sich hier entspannen will.

SizilienDer erste Nachmittag ist ein wenig verloren, denn zum Herumwandern sind die meisten von uns dann doch zu müde. Aber glücklicherweise lacht die Sonne und lockt der Pool, so dass wir auch ohne Bett wunderbar dösen können. In der Nacht kommen unsere letzten beiden Mitreisenden an, eine von ihnen wird meine Mitbewohnerin für die nächsten zwei Wochen werden. Unser Zimmer ist für zwei Menschen, die sich nicht kennen, schon recht klein. Aber dafür entschädigt unser großes Badezimmer – sinnigerweise befindet sich dort auch unser Balkon.

Am Sonntag gibt es dann nach dem Frühstück ein großes Hallo: unsere Teamerin Bianca begrüßt unsere nunmehr komplette Gruppe der ersten Woche, die aus 10 Teilnehmern, 7 Mädels und 3 Männern zwischen 30 und 43, besteht. Standesgemäß am Pool. Bianca erläutert uns das Programm der Woche und da wird schon klar, dass wir eher eine Wandertruppe sind denn begnadete Mountainbiker – obwohl der eine oder die andere dann doch im Laufe der Woche mal fährt, was sich allerdings als echte Herausforderung darstellt, wenn man nicht so gut trainiert ist. Und Biancas Einstellung zu Untrainierten lernen wir denn auch gleich am Nachmittag kennen, denn da machen wir unsere Erkundungswanderung auf der Tenuta. Insgesamt etwa 3 Stunden „gemütliches Spazieren“ – ähem, es ist schon was anstrengender als mein Sonntagsspaziergang. Vor allem steiler. Aber schön ist es und schöne Aussichtspunkte gab es, die über den drohenden Muskelkater hinwegtäuschten. Ja, und Feigen vom Baum zu essen ist auch ein Erlebnis! Dafür laufe ich auch schon mal bergan…

Am Abend gibt es ein wunderbares 4-Gänge-Menü gekocht und serviert von Franco – lecker, lecker, lecker… Ich kann mich allen Vorschreibern nur anschließen – wer hier Diät machen will, ist absolut verloren, man kann einfach nicht nein sagen zu den köstlichen Speisen, die Franco allabendlich zaubert. Wenn Franco doch nur Deutsch könnte, dann würde er sich sicher über all die Lobhudelei hier sehr freuen! So kann ich nur hoffen, dass ich mit meinen drei Brocken Italienisch meiner Dankbarkeit für 2 Kilo mehr Hüftspeck nach nur zwei Wochen Franco-Küche auch angemessen Ausdruck verliehen habe.

Nach der ersten Woche ist schon zu bald der erste Samstag gekommen und damit der Tag des Wechsels zwischen alten und neuen Fröschen. Da ich nach einer Woche mehr oder weniger Kopfschmerz mich das erste Mal richtig gut fühle und ich mit den Leuten aus der ersten Woche nicht so richtig warm geworden bin, nutze ich den Tag für einen Ausflug nach Palermo.

SizilienMit Palermo, der Schönen, ist es wie mit allen Großstädten der Welt – entweder man liebt sie oder eben nicht. Und ja, es stimmt: die Stadt ist groß, sie stinkt, sie ist laut und anmaßend. Und doch, ich habe mich sofort verliebt in sie! Ein Traum aus Architektur, Geschichte, Gerüchen, Farben, Geräuschen und Graffiti. Armut und Reichtum. Und so manche Seitenstraße lockt allzu sehr mit Fremdem und lässt die Zeit fast still stehen… Das Schlendern über die Märkte ist ein wahrer Traum – und manchmal auch ein Albtraum.

Sizilien
Sizilien

Und für all das lohnt es sich, den frühen Bus von der Tenuta bis nach Palermo zu nehmen, dann kann man noch ein wenig dösen und kommt richtig früh in der Stadt an. Man sollte sich allerdings vorher gut überlegen, was man wann macht, denn auch in Palermo gibt es mancherorts eine lange Siesta. Es lohnt sich, Bianca nach ihrer Karte von Palermo zu fragen, in der man leicht verloren gehen kann vor lauter Faszination. Vor lauter Begeisterung für das renovierte Teatro Massimo habe ich zum Beispiel fast meinen Zug zurück nach Cefalù verpasst!

Am Abend komme ich völlig erschöpft auf der Tenuta an und stelle schnell fest, dass die zweite Woche ganz anders beginnt. Entspannter. Vielleicht bin ich auch einfach entspannter. Jedenfalls sind meine Mitbewohnerin Sonja und ich begeistert von den neuen Fröschen. Eigentlich sagt ein Spruch von Michael alles: „ … ich kann doch meine Bezugsgruppe nicht alleine lassen“.

Tja, und damit war sie geboren, die „Bezugsgruppe“ – bestehend aus 8 Fröschen zwischen etwa 30 und 50 Jahren – und sie wird zum Synonym für wachsenden Spaß, Vertrautheit und Lachen ebenso wie ernste Gespräche!

Meine Highlights:

Doro – lebt auf der Tenuta und reißt sich ein Bein aus, um es Euch gemütlich zu machen und jeden Tag Eure Handtücher wechselt, wenn Ihr nicht aufpasst – Schlüssel abgeben bedeutet frische Handtücher und gemachtes Bett. Nachteil ist, dass sie kein Deutsch und wenig Italienisch spricht.

SizilienStella – die kleine Irre! Besser nicht füttern, sie wird sonst sauer, wenn es beim nächsten Mal nichts gibt…

Cefalù – superhübsche Städtchen, touristisch erschlossen, was aber nicht weiter stört, wenn man seinen Kaffee in einer der Bars genießt – vorausgesetzt, man hat sich den Kaffee in der Bar bestellt, ihn dann aber selber an den Tisch getragen – wer sich bedienen lässt, zahlt fast immer mehr! Leider ist Cefalù ziemlich schlecht zu erreichen, denn der Bus fährt eher sporadisch und mit dem Biken ist das so eine Sache – wer nicht richtig fit ist, wird schon eine ganze Weile unterwegs sein, jedenfalls auf dem Rückweg, wenn’s nur noch bergauf geht.

Sizilien
Sizilien

Eis im Milchbrötchen – ach, hatte ich noch nicht erwähnt: die Sünde schlechthin und eine so leckere, dass ich ganz schnell das Kalorienzählen aufgab! Je fließender man auf Italienisch das Eis bestellen kann, desto größer werden die Bällchen. Ihr werdet den Unterschied merken, glaubt mir! Und kaufen kann man es an jeder Ecke.

Castelbuono – 3 km runter, 4 km hoch, 3 km wieder runter und dann noch einmal eine Steigung und dann wartet ein leckeres Gelato und ein Latte Macchiato auf dem Dorfplatz des relativ ursprünglich gebliebenen Bergstädtchens, das mir ganz besonders gut gefallen hat und das ich jedem für einen ausführlichen Spaziergang empfehlen möchte.

Rocca di Cefalù – atemberaubender Blick nach anstrengendem Aufstieg, den Schmerz wert!

SizilienÄtna – eindrucksvoll, wenngleich atemberaubend auf eine eher unangenehme Art, aber eine wirklich tolle Erfahrung – auch wenn ich den Abstieg nicht mitmache, weil mein Knie sonst wohl auf Wochen unbrauchbar wird. So nehme ich einfach den Jeep – mit € 20 ganz schön teuer für ca. 5 Minuten Fahrt, aber wie heißt es so schön: „weil Sie es sich wert sind“ – und komme dafür in den Genuss einiger spektakulärer Explosionen, die einen kleinen Atompilz generieren.

(2.) Bootstour – dieses Mal länger mit ausgiebig Gelegenheit zum Schwimmen und Lachen, wunderbar! Eines der Fotos entsteht, von dem es später heißt: „Unsere Bezugsgruppe, was für ein Bild, das wäre doch glatt was für den Frosch-Katalog!“

Am Samstag, den 14.10., stehen wir, die wir an diesem Tag abreisen müssen, mit schwerem Herzen auf, denn wir könnten es durchaus noch ein paar Tage hier aushalten, mit Francos guter Küche und den allseits freundlichen Italienern … Aber es heißt für fünf von insgesamt acht Fröschen zurück in die Heimat und in den Job. Die anderen drei berichten später übrigens, dass es zwar weiterhin schön war auf der Tenuta, aber dass es halt nicht das Gleiche war wie mit unserer Bezugsgruppe …

Sizilien

Was in einem bequemen Reisebus begann, endet leider in einem sehr klapprigen Minibus, der durch die Landschaft und über Autobahn braust, als ob es ein Rennen zu gewinnen gäbe. Aber das Schlimmste soll an diesem Abend nicht die Busfahrt werden, sondern eine schlaflose Nacht auf einem Flughafen im Nirgendwo, von dem aus keine Flugzeuge starten – übrigens schon den ganzen Tag nicht – weil es seit vielen Stunden in Strömen regnet. Catanias Parkplätze sind überflutet, der Flughafen vollkommen überfüllt und das Bodenpersonal offensichtlich völlig überfordert mit der Situation! Wir fragen uns, warum Frosch uns überhaupt (so früh) hergebracht hat, obwohl doch der unerbittliche Regen und der erlahmende Flugverkehr laut Aussage anderer Reisender schon den ganzen Tag Thema Nummer eins in den Nachrichten ist! Auf einige Anfragen nach unserer Rückkehr (mein Taxi beispielsweise kostet mich in der Nacht € 30, aber Bahnen und Busse fahren halt schon seit Stunden nicht mehr) reagiert man jedenfalls nicht sonderlich aufmerksam.

Tja, bei so einem Ende ist die Erholung leider fast schon vor der Rückkunft wieder dahin…

Mein Fazit: Ein sehr ereignisreicher, schöner Urlaub mit netten Leuten und einer an Horror grenzenden Rückreise!

Silke Deselaers

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