28. August 2008

Reisebericht Masuren

Reisebericht von Nadine Koch (nk6@gmx.de)
FROSCH Reiseziel Sporthotel Radlerresort Piaski, Masuren – Polen

Nachdem ich vor vier Jahren auf einer Rundreise durch Polen schon mal zwei Tage in Masuren verbracht hatte und auf der Krutina Kanu fahren war, war für mich klar, dass ich dort noch mal hin möchte und dann meine sportlichen Aktivitäten noch steigern möchte. Als ich dann bei Frosch diese Reise nach Masuren entdeckt habe, war für mich klar „Da fahr’ ich hin.“
Einige Leute, denen ich erzählt habe, dass ich nach Masuren fahre, haben mich nur fragend angeguckt und gefragt: „Wo ist denn das?“, während andere ganz begeistert geguckt haben.

Aber nun zum Urlaub: Nachdem ich in Warschau angekommen war, habe ich zum Glück noch an der Gepäckausgabe einen weiteren Frosch getroffen, und nachdem wir Geld umgetauscht hatten, haben wir den Fahrer gefunden, der uns nach Piaski ins Radler-Resort bringen sollte. Er machte uns auf Polnisch und mit Händen und Füßen auf drei weitere Teilnehmer aufmerksam, die auch schon auf den Transfer warteten. Als auch der letzte Flug angekommen war, haben wir acht Frösche (6 Frauen und 2 Männer) uns im Van mit Anhänger fürs Gepäck auf den Weg nach Piaski gemacht. Die Fahrt war ziemlich lang (ungefähr 4,5 Stunden bei teilweise abenteuerlichen Straßenverhältnissen), aber so hatten wir viel Zeit uns kennen zu lernen. Bei unserer Ankunft in Piaski war uns allen klar, dass wir uns nicht für die Sportlichsten halten und es ruhig angehen lassen wollten, aber trotzdem viel unternehmen wollten. Und uns war allen klar, dass wir als Gruppe eine tolle Zeit vor uns hatten, weil wir uns schon während der Fahrt super verstanden haben.

In Piaski angekommen, hat Tatjana, unsere Teamerin, uns unsere Zimmer zugeteilt. Die Einzelzimmer waren Doppelzimmer, die nur mit einer Person belegt waren. Es gab also ausreichend Platz. Jedes Zimmer hat ein kleines Badezimmer, wobei in einigen Zimmern die Boiler für die Dusche pfeifen. Aber zum Glück haben wir festgestellt, dass man die Ventile für die Boiler nachts ausdrehen kann, und damit war dieses Problem gelöst. In jedem Zimmer befinden sich ein großer Kleiderschrank mit einem Safe, ein bequemes Doppelbett, ein Schreibtisch und noch ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen. Einige haben vor den Fenstern Mückennetze angebracht – sicherlich manchmal sinnvoll.

Trotz der späten Ankunftszeit gab es im Herrenhaus noch ein leckeres Abendessen für uns. Zum Abendessen um 19.00 gab es jeden Abend eine Suppe, wobei es keine Suppe zweimal gab. Anschließend gab es für jeden drei verschiedene Salate, und anschließend ein Hauptgericht und – ganz wichtig – Nachtisch. Das Essen war immer total lecker und sehr abwechslungsreich. So gab es teilweise typisch polnisches Essen wie Pirogi, außerdem gab es während der Woche an zwei Abenden Fisch und am Freitag Abend wurde auf der Terasse vorm Herrenhaus gegrillt. Lediglich die Vegetarier sind etwas zu kurz gekommen, weil es einige Male beim Hauptgang nur die Beilage mit einer Sauce gab.

Das Radler-Resort besteht aus drei Gebäudekomplexen in einem schönen Kiefernwald: dem Herrenhaus, in dem sich der Speiseraum befindet, dem Adlerhorst (dort waren wir untergebracht) und dem Bibernest. Die Zimmer dort sollen genauso ausgestattet sein wie die im Adlerhorst, allerdings liegt dieses Gebäude direkt am See. Der Seeblick der Zimmer im Adlerhorst wurde durch die hohen Bäume etwas getrübt. Alle Zimmer mit Seeblick haben eine Terrasse, die nicht von den anderen abgetrennt ist und von außen eingesehen werden kann. Vor dem Herrenhaus befindet sich eine große Terrasse, auf der wir, sobald das Wetter es zugelassen hat, gefrühstückt und zu Abend gegessen haben. Manchmal waren die Wespen und Mücken ziemlich lästig, aber zumindest gegen die Mücken hilft Autan oder Anti-Brumm! Aber die wunderschönen Sonnenuntergänge, die man von der Terrasse während des Abendessens sehen konnte, entschädigten auch für die Mücken und Wespen.

Außerdem gibt es im Radlerresort noch einen Fitnessraum mit einigen Geräten, eine Sauna, die auf Anfrage selbst bei hohen Temperaturen angestellt wird und einen Aufenthaltsraum, wo sich ein, leider etwas unvollständiger, Kicker und eine Tischtennisplatte befinden. Weiterhin gibt es die Fahrradwerkstatt, wo die Frosch-Bikes gewartet und repariert werden und wo am ersten Morgen (und auch zwischendurch immer wieder) die Fahrräder an unsere Bedürfnisse angepasst wurden.
Das Radler-Resort liegt direkt am See, mit einem kleinen Badestrand unterhalb der Terrasse des Herrenhauses. Das Wasser ist so warm und so sauber, dass wir jeden Tag im See baden waren – einfach wunderschön. Direkt am Ufer des Sees liegen drei Kajaks und ein Tretboot, die die Gäste des Radler-Resorts jederzeit nutzen können – ein Angebot, das von einigen gerne angenommen wurde, um für die längeren Kanutouren auf der Krutina zu trainieren.

Am Sonntagmorgen haben wir acht Frösche uns mit Tatjana im Aufenthaltsraum getroffen, um das Programm für die kommenden Tage zu besprechen. Es stellte sich heraus, dass die Wanderungen, die bei Frosch im Katalog angeboten werden, vor Ort nicht durchführbar sind, weil die Distanzen für Wanderungen zu groß sind und es nur wenige Wanderwege gibt. Mit den Rädern waren wir fast immer auf Straßen oder Feldwegen, die auch von Autos befahren wurden, unterwegs. Als Entschädigung für die fehlenden Wandermöglichkeiten haben wir statt einer geplanten Kanutour zwei Kanutouren gemacht. Allerdings war der Transfer vom Radlerresort zum Start der Kanutour für die Leute, die nicht radeln wollten oder konnten (und die sich auf Wanderungen eingestellt hatten) ein ziemliches Problem, weil sie immer für einen Transfer mit dem Auto kämpfen mussten. Wenn man nach Piaski fährt, sollte man sich darauf einstellen, dass man Fahrrad fahren muss!
Anschließend haben wir die Räder getestet und an unsere Größen angepasst. Hierbei sollte erwähnt werden, dass die Festbikes auf jeden Fall Mountainbikes sind. Einige, die keine Festbikes bestellt hatten, hatten die Möglichkeit, normale Damen-Citybikes vom DNV (Deutscher Naturschutz-Verband) benutzen zu dürfen. Dies ist aber keine selbstverständliche Lösung.
Mittags sind wir mit der Classic Lady, einem Hotelschiff mit DNV-Gästen, das an dem Wochenende in Piaski anlegte, über den Beldahnsee zur Schleuse Karwik gefahren. Von dort ging es dann mit den Rädern in ca. zwei Stunden durch den Wald und entlang einer kaum befahrenen Straße zurück nach Piaski, so dass noch genügend Zeit für ein Bad im See war. Anschließend gab es einen Einführungskurs Polnisch mit Tatjana und dem Koch des Hotels. Nach anfänglichen Schwierigkeiten – wie bitte soll dieses Wort ausgesprochen werden? – haben wir es geschafft, die für unseren Aufenthalt wichtigsten Worte (dziÄkujÄ, pivo, unsere Zimmernummern – das war die größte Herausforderung) halbwegs richtig zu sagen, so dass wir von dem Zeitpunkt an zumindest einen winzigen Teil der Unterhaltungen mit den Angestellten des Radler-Resorts auf Polnisch führen konnten. Ich glaube, wir haben einige Pluspunkte, aber auf jeden Fall viele Lacher dafür geerntet!

Montags haben wir die einzige Wanderung gemacht – wir sind ca. 5 km nach Ruciane Nida gelaufen, um dort Geld umzutauschen, einige Kleinigkeiten zu kaufen und anschließend in einem Restaurant Pirogi zu essen. Leider waren die Pirogi sehr enttäuschend, aber der Käsekuchen war ein Traum. Und nach dem Mittagessen war auch klar, dass wir alle ziemliche Naschkatzen sind und von da an brauchten wir jeden Nachmittag unseren Kuchen – egal wo! Wir haben uns beim Mittagessen ziemlich verquatscht, so dass die nachmittägliche Radtour zum Bärenwinkel ausfallen musste. Ich war in der zweiten Woche noch am Bärenwinkel und kann rückblickend sagen, dass wir in der ersten Woche nichts verpasst haben.

Am Dienstag haben wir unsere erste Kanutour gemacht. Wir sind bis Ukta geradelt, haben dort die Kanus übernommen und sind auf der Krutynia bis nach Nowy Most gepaddelt. Die Strecke ist ca. 9 km lang, und wir haben knapp zwei Stunden gebraucht. Auf diesem Streckenabschnitt, der über weite Strecken durch den Wald führt, ist relativ wenig los, und er ist landschaftlich wunderschön und sehr ruhig. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten und Abstechern ins Schilf wurden wir immer sicherer mit unseren Kanus und haben eine Tour zum Genießen gemacht.

Von Nowy Most wurden wir vom Kanuverleih wieder nach Ukta gebracht, und von dort sind wir mit den Rädern noch nach Galkowo gefahren. Dort befindet sich das ehemalige Haus der Familie Lehndorf mit dem Salon Marion Donhöff. Dieses wunderschöne alte Herrenhaus beherbergt im ausgebauten Dach einen Raum, der Marion Dönhoff und ihren Aufenthalten in Masuren gewidmet ist. Unter anderem finden sich dort viele Bücher über sie und von ihr. Außerdem kann man sich eine CD (auf Deutsch) anhören, in der sie aus ihren Erinnerungen an Ostpreußen vorliest. Für den, der sich für deutsche Geschichte und für Marion Gräfin Dönhoff interessiert, ist dies ein spannender Ort. Aber auch für alle anderen ist Galkowo ein lohnender Ort, denn dort gibt es die besten Blaubeerpfannkuchen, die wir in diesem Urlaub gegessen haben. Und auch der Apfel- und Pflaumenkuchen sind ein Gedicht!

Am nächsten Tag stand unser Tagesausflug zur Wallfahrtskirche Heilige Linde, zur Burg Rößel (Reszel) und zur Wolfsschanze auf dem Programm. Unsere komplette Gruppe und einige DNV-Gäste sind mit einem Kleinbus zuerst zur Kirche Heilige Linde gefahren. Dort haben wir ein kurzes, aber bemerkenswertes Orgelkonzert gehört. Bemerkenswert war das Konzert weniger wegen der Fähigkeiten des Organisten, als vielmehr wegen der sich bewegenden Engelsfiguren auf der Orgel. Ein bisschen kitschig und touristisch, aber trotzdem etwas besonderes.

An der Wolfschanze hatten wir das Glück, eine motivierte Fremdenführerin zu erwischen, die uns auf einem Spaziergang über das Gelände des ehemaligen Führerhauptquartiers eine Menge erzählen konnte. Von den Bunkern ist erstaunlich viel stehen geblieben, so dass man sich eine gute Vorstellung machen kann, wie es dort während des Zweiten Weltkriegs ausgesehen haben muss. Nervig sind an der Wolfschanze nur die vielen Mücken – aber hier hat mal wieder Anti-Brumm geholfen!

Am Donnerstag stand eine kombinierte Rad- und Bootstour auf dem Programm. Über Popielno (einer Wildpferd- und Biberaufzuchtstation) sind wir nach Mikolaijki gefahren, haben dort unsere Räder abgestellt, einen Stadtbummel gemacht und sind anschließend mit der Classic Lady wieder nach Piaski gefahren. In der ersten Woche haben wir in Popielno leider kaum etwas gesehen, dafür hatten wir in der zweiten Woche mehr Glück und haben Wildpferde schon auf dem Weg nach Popielno gesehen. Mikolaijki fanden die meisten von uns etwas enttäuschend, weil es sehr touristisch ist. Aber es hat sich gelohnt, um Schmuck aus Bernstein zu kaufen.

Am Freitag haben wir unsere zweite Kanutour gemacht: dieses Mal sind wir nach Krutin gefahren und dann nach Ukta gepaddelt. Auf der Radtour nach Krutin sind wir über Wojnowo gefahren, wo sich ein ehemaliges Kloster der Altgläubigen befindet. Auf dem Weg dorthin haben wir ein Storchennest nach dem anderen gesehen. Die Kanustrecke von Krutin nach Ukta fand ich weniger schön, weil sie über weite Strecken durch schilfiges Gebiet und nicht durch den Wald führt, weil im Wasser viel mehr Algen und Wasserpflanzen waren, die das Paddeln streckenweise echt schwer gemacht haben, und weil es auf dieser Strecke viel voller war. Auch diese Tour haben wir wieder mit den DNV-Gästen gemacht, wobei wir Frösche uns in Ukta verabschiedet haben und nach Galkowo geradelt sind, um zum Abschied noch mal den extrem leckeren Blaubeerpfannkuchen zu essen.
Am Abend gab es dann den feucht-fröhlichen Grillabend mit Live-Musik. Die Live-Musik war nicht unbedingt typisch polnisch (allerdings hat Tatjana erzählt, dass an den Grillabenden immer andere Musiker mit unterschiedlicher Qualität spielen). Wir haben den Abend sehr genossen, vor allem die Krupniks!

Am nächsten Morgen ging es für drei von uns sehr früh los, da wir entweder den Flug nach Dortmund kriegen mussten oder einen Tag in Warschau verbringen wollten. Ich hatte zwei Wochen Piaski gebucht, alle anderen Teilnehmer der ersten Woche blieben leider nur eine Woche. Deswegen hatte ich mich entschieden, den Samstag in Warschau zu verbringen, um eine klare Trennung zwischen den Gruppen herzustellen, und bin dann Abends mit den neuen Teilnehmern wieder nach Piaski gefahren.
Das Programm in der zweiten Woche ähnelte dem der ersten Woche, wobei wir in der zweiten Woche noch besseres Wetter hatten. Das hat leider dazu geführt, dass einige Radtouren ziemlich anstrengend wurden, weil die Wege extrem sandig waren. Wir haben in der zweiten Woche nur eine Kanutour gemacht, dafür waren wir im Museum „Galindia“. Dort hat ein ehemaliger Psychotherapeut das Dorf eines Volkes nachgebaut, das niemals existiert hat. In einem kleinen Museum erzählt er die vermeintliche Geschichte dieses Dorfes – ziemlich abgedreht. Dafür gibt es im Park viele sehr schöne Holz- und Steinskulpturen, die wirklich sehenswert sind.

Insgesamt war es ein wunderschöner Urlaub, in dem es ein gutes Maß an sportlichen Aktivitäten und Erholung gab, verbunden mit wunderschöner Landschaft und kleinen Ausflügen in die deutsch-polnische Geschichte. Meine Befürchtungen, dass in der Gruppe viele Pärchen oder Freunde sein könnten, haben sich ziemlich schnell in Luft aufgelöst. Wir waren in der ersten Woche eine tolle Gruppe, und ich habe den Urlaub sehr genossen, was nicht zuletzt Tatjana zu verdanken ist, die immer flexibel auf unsere Wünsche eingegangen ist und uns mit ihrer warmherzigen Art einen tollen Urlaub beschert hat.

Ein Gedanke zu „Reisebericht Masuren

  1. Beate Steinmeyer

    Kleiner Tipp an die Teamer in Masuren: Natürlich kann man in Piaski wandern! Im Sommer 2007 ging das jedenfalls hervorragend. In der Umgebung und im Wald gibt es viele Wege – von unterschiedlicher Länge!
    Außerdem wurden wir 2007 mit dem Bus zu den Paddeltouren gefahren und am Ziel wieder abgeholt. Das war auch sehr praktisch! Wäre sicher toll, wenn man das wieder einrichten könnte.

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