29. September 2007

Schweden 2007 – Reisetagebuch

Reisebericht von Marcus Venzke (mail at MarcusVenzke.de)
FROSCH Reiseziel Värmland – Erlebnisreise ins Naturreservat, Schweden

Nach meiner Reise nach Polen fahre ich dieses Jahr noch für zwei Wochen nach Schweden zum Wandern und Kanufahren. Ich habe die Reise bei Frosch Sportreisen gebucht, veranstaltet wird sie aber von Rucksack Reisen. Es geht in das Dorf Stömne im Westen von Schweden etwa auf der Höhe von Oslo, gleich östlich vom Naturschutzgebiet Glaskogen. Für die erste Woche habe ich die „Waldläuferwoche“ gebucht mit Wandern, Kanufahren und Zelten im Naturschutzgebiet. In der zweiten Woche bin ich im Ort für Tagestouren im Gruppenhaus des Reiseveranstalters untergebracht.

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Marcus Venzke

Freitag, 17.8.07 – In die Reise eingeschlossen ist der Bustransfer von Deutschland nach Schweden. Als ich gegen 17 Uhr am Hamburger ZOB ankomme, warten dort schon andere Reiseteilnehmer. Der Bus kommt mit leichter Verspätung mit Gästen, die schon in Münster und Bremen eingesammelt wurden. Nach kurzem Aufenthalt bringt er uns über Nacht mit zwei Fährüberfahrten (Vogelfluglinie) nach Stömne. Wir kommen gegen 7 Uhr an und uns erwartet erst einmal ein abwechslungsreiches Frühstück.

Samstag, 18.8.07 – Nach dem Frühstück packen wir alles für die Waldläuferwoche zusammen und wandern zu unserem ersten Übernachtungsplatz. Die Gruppe umfasst 12 Personen einschließlich unserer Tourenbegleiterin. Wir packen unsere Privatsachen für die dreitägige Wanderung und getrennt zusätzliche Dinge für die danach folgende dreitägige Kanutour. Dann wählen wir gemeinsam aus, was wir bei der Wanderung essen wollen und verteilen die Lebensmittel auf die Rucksäcke der Gruppenmitglieder.

Mittags laufen wir los. Der schmale Wanderweg beginnt fast direkt beim Gruppenhaus. Vier Stunden geht es leicht auf und ab, meist durch Wald und vorbei an idyllischen Seen in das Naturschutzgebiet. Unsere Zelte schlagen wir an einem schmalen Verbindungskanal zwischen den Seen Tongjärn und Notflagan auf. Dort gibt es mitten im Wald einen hölzernen Windschutz mit Lagerfeuerstelle. Auf dem knisternden Feuer kochen wir auch unser Abendessen und viel Tee und fallen abends noch von der Busfahrt erschöpft in unsere Schlafsäcke.

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Gruppe beim Auswählen der Lebensmittel

Sonntag, 19.8.07 – Nach dem Frühstück wandern wir weiter, Baden im See und singen abends am Lagerfeuer. Beim Frühstück essen wir, was unsere Rucksäcke hergeben. Neben Brot mit süßen und herzhaften Belegen sind das Müsli mit selbstgesammelten Blaubeeren und Tee und Kaffee vom Lagerfeuer. Dann bauen wir die Zelte ab, packen die Rucksäcke und laufen den Tag über durch eine ähnlich Landschaft wie am Vortag. Die Mittagspause verbringen wir am See Altjärn. Die meisten der Gruppe gehen trotz mäßiger Temperaturen baden – das ist notwendig, weil wir die Woche über keine Gelegenheit zum Duschen haben. Der Lagerplatz für die Nacht hat wieder einen Windschutz mit Lagerfeuerstelle. Er liegt leicht erhöht über dem idyllischen See Svarthägstjärn mit schönem Blick auf den weit unterhalb liegenden See Örvattnet. Am Lagerplatz sind schon drei andere Deutsche, die eine Gitarre dabei haben, mit denen wir zusammensitzen und abends am Lagerfeuer Lieder singen.

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Kochen auf dem Lagerfeuer

Montag, 20.8.07 – Wir laufen weiter zum See Stora Gla, dem südlichen der beiden großen Seen im Naturschutzgebiet Glaskogen. Wie schon an den Vortagen ist der Weg z. T. sehr nass. Gelegentlich sind Holzbohlen gelegt, damit man überhaupt trocknen Fußes passieren kann. Heute steht das Wasser an einer Stelle aber so hoch, dass es trotz der Bohlen nur gerade eben nicht in die Stiefel läuft. Unser Lager schlagen wir zwischen dem Stora Gla und dem kleinen See Manjatjärn auf. Der Blick auf den Stora Gla mit einigen Inselchen ist recht spektakulär. Von dort unternehme ich am Nachmittag alleine eine kurze Wanderung. Ohne Gepäck bin ich beeindruckend viel schneller als bei der Wanderung am Tage. Leider ist uns der Zucker für Tee und Kaffee ausgegangen, aber morgen gibt es neuen.

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Holzbohlen durch Wasser

Dienstag, 21.8.07 – An einer Straße bekommen wir mittags Kanus und fahren die erste Kanuetappe. Zur Straße im Weiler Dammarna ist es nur eine kurze Wanderung. Neben den Kanus bekommen wir Lebensmittel und das Gepäck, dass wir am Samstag für die Kanutour aussortiert hatten. Alles wird in wasserdichte Tonnen und Säcke umgeladen; Rucksäcke und nicht mehr benötigte Utensilien schicken wir per Auto ins Gruppenhaus in Stömne zurück. Nachdem unser Guide erklärt hat, wie man paddelt und wir ein wenig geübt haben, geht es auf die erste Kanuetappe. Wir fahren über den See Stora Gla zum Lagerplatz für die nächste Nacht. Dieser liegt auf einer Halbinsel an der Südküste des Sees nahe der Insel Ö Kalvudden. Beim Umsortieren der Lebensmittel bemerken wir, dass uns eine Tonne mit Lebensmitteln fehlt. Sie war bei der Lieferung am Mittag nicht dabei. Unser Guide organisiert per Handy, dass sie uns morgen von zwei Kanuten gebracht wird.

Mittwoch, 22.8.07 – Bei der zweiten Kanuetappe müssen wir zweimal die Boote über Land transportieren; dafür gibt es abends Pfannkuchen und Popcorn vom Lagerfeuer. Wir fahren zuerst zurück zur Stelle, an der wir am Vortag die Boote bekommen hatten. Dort schieben wir die voll bepackten Kanus einfach gut einen Kilometer mit Kanuwagen eine Straße entlang zum nächsten See Glaakern. Nach dessen Überquerung müssen wir Boote und Gepäck etwa 200 Meter über einen schmalen, steinigen Pfad tragen. Am Ende des Pfades liegt der See Kolsjön, an dem wir unser Nachtlager auf der Spitze einer lang gestreckten Halbinsel aufbauen. Hier sind wir bereits außerhalb des Naturschutzgebietes und zelten wild. Es gibt nichts außer einer Feuerstelle. Leider gibt es in der nahen Umgebung auch nur sehr wenig Brennholz, so dass ich mit einem anderen Gruppenmitglied per Kanu Holz hole. Als wir zurück kommen, haben die anderen bereits begonnen auf dem Lagerfeuer Pfannkuchen mit selbst gesammelten Blaubeeren bzw. geröstetem Speck zu backen. Abends gibt es außerdem Popcorn vom Lagerfeuer.

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Gruppe bei der Mittagspause auf kleiner Insel

Donnerstag, 23.8.07 – Die dritte Kanuetappe führt über drei Seen mit zwei Transporten über Land und einer Mittagspause auf dem Wasser. Nach der Überquerung des Sees, an dem wir gezeltet hatten, geht es 4,5 Kilometer über Land, meist auf Straße. Nur das letzte Stück ist ein schmaler Pfad, der z. T. mit Holzbohlen gesichert ist, die aber nur gerade so breit wie die Kanuwagen sind. Wir setzen die Boote in den See Stora Lesjön ein, und machen auf dem Wasser unsere gemeinsame Mittagspause. Auf der anderen Seite des Sees ist ein Campingplatz mit Kiosk, in dem wir uns ein Eis kaufen. Während der gesamten Waldläuferwoche ist das die einzige Möglichkeit überhaupt Geld auszugeben. Eine zweite Umtragestrecke über Straße bringt uns zum lang gestreckten See Glafsfjorden, an dem südlich der Ort Stömne mit dem Gruppenhaus liegt. Wir paddeln nach Norden, um am Westufer bei Näbbtorp unser Lager aufzuschlagen. Die meisten Gruppenmitglieder sind nach dieser Etappe recht geschafft.

Freitag, 24.8.07 – Wir paddeln zurück zum Gruppenhaus nach Stömne und kehren in die Zivilisation zurück. Auf dem Weg dorthin segeln wir ein Stück. Je drei Boote nehmen bei Rückenwind eine Plane als Segel. Leider sind wir beim schwachen Rückenwind nur langsam und nehmen daher wieder die Paddel auf dem Weg nach Stömne. Dort angekommen reinigen wir gemeinsam Boote und geliehene Ausrüstung und geben sie zurück. Alle wollen nach der Woche endlich wieder duschen, so dass Schlangen entstehen und das warme Wasser nicht für alle reicht. Zum Abendessen wird gegrillt und wir sitzen noch lange vor dem Haus mit der Gruppe zusammen. Danach verbringen wir die letzte Nacht in Zelten, bevor wir am nächsten Tag in Zimmer wechseln, bzw. die Hälfte der Gruppenmitglieder nach Hause fährt.

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Letzte Pause an einem Sandstrand

Samstag, 25.8.07 – Am Wechseltag lasse ich es ruhig angehen und schaue mir den Ort an. Beim Gruppenhaus ist viel los. Neue Gäste gehen auf Touren, alte warten auf die Abfahrt ihres Busses am Abend. Erst nach der Abfahrt kehrt Ruhe ein. Mittags laufe ich eine ausgiebige Runde durch den Ort. Das Dorf Stömne liegt an einem Dreieck aus drei Straßen, ist sehr aufgelockert bebaut und von Wald umgeben. Direkt beim Ort liegt das kleine Naturreservat Stömne, eine alte Kulturlandschaft am Unterlauf des Bachs Styggbäcken mit einem der größten nördlichen Eichenvorkommen Schwedens. Am frühen Abend beziehe ich im Gruppenhaus ein Viernettzimmer. Endlich wieder ein richtiges Bett.

Sonntag, 26.8.07 – Der Tag besteht aus mehreren kleinen Programmpunkten. Nach dem Frühstück bekommen wir eine Einweisung in die Fahrräder und Kanus, die wir uns den Rest der Woche ausleihen können. In einer zweistündigen Führung werden uns der Ort Stömne und ein paar Wege in der Nähe gezeigt; die meisten hatten sich das aber schon am Vortag selbst angeschaut. Am Nachmittag musiziere ich (Keyboard) ein wenig mit dem Camp-Chef (Banjo / Gitarre). Danach laufe ich einen kurzen Rundweg durch den Wald, meist auf einem Traktorpfad. Am Abend wird uns das Touren-Programm für die Woche vorgestellt und wir sitzen gemeinsam am Lagerfeuer vor dem Gruppenhaus.

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Blick aus Fenster meines Zimmers auf See

Montag, 27.8.07 – Ich unternehme eine vom Veranstalter organisierte kombinierte Rad- und Wandertour. Per Fahrrad geht es zwei Stunden ins Dorf Gängene, von wo wir eine gut dreistündige Rundwanderung machen. Gängene liegt 150 Meter höher als Stömne, so dass die Hinfahrt viel anstrengender ist als sie Rückfahrt, bei der man sich oft einfach rollen lassen kann. Die Fahrradstrecke führt über die lange Umtragestrecke der Waldläuferwoche am Donnerstag und vorbei am Campingplatz mit Kiosk, an dem wir bei der Rückfahrt wieder jeder ein Eis kaufen. Wir konnten auch noch einmal die Halbinsel sehen, auf der wir die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag verbracht hatten. Die Wanderung bei Gängene führt bergauf und -ab durch Wälder, vorbei an Seen gelegentlich mit einem schönen Ausblick. Nach der Rückkehr bei Sonnenuntergang suchen wir mit einem Kleinbus auf waldnahen Wiesen nach Elchen. Und tatsächlich sehen wir neben Rehen eine Elchkuh mit ihrem Kalb aus etwa 100 Metern Entfernung.

Dienstag, 28.8.07 – Zu dritt machen wir eine selbst organisierte Rundwanderung nordwestlich von Stömne. Die meisten Gäste haben einen Kleinbus organisiert und sind nach Oslo gefahren, zwei andere üben Kajak fahren. Unsere Wanderung führt zunächst quer durch den Wald wieder zum Campingplatz mit Kiosk, der Eis verkauft. Weiter laufen wir ein kurzes Stück Schotterpiste zum Weiler Ängen, von dem ein Fußweg nach Süden verläuft. Leider fängt dieser aber nicht an, wo er auf der Karte eingezeichnet ist, und wir finden ihn erst nachdem wir Ortsansässige fragen. Danach führt der Weg vorbei an schönen Seen mit kleinen Inseln. Das letzte Stück ist ein Teil der ersten Etappe der Waldläuferwoche in umgekehrter Richtung. Abends werden im Rahmen einer Geburtstagsfeier Waffeln auf dem Lagerfeuer gebacken.

Mittwoch, 29.8.07 – Für eine kombinierte Rad- und Kanutour teilen wir uns in zwei Gruppen, die die Tour in umgekehrter Richtung fahren. Ich fahre zuerst per Rad zur Stelle nahe dem Ort Blixbol, an der Räder und Kanus getauscht werden. Dort machen wir ein gemeinsames Picknick mit Lagerfeuer, Tee und Kaffee. Die Kanutour geht danach den Fluss Lilläven flussabwärts, der wenig Strömung aber viele Hindernisse hat. Schließlich fahren wir ein Stück den breiten, ruhigen Fluss Byälven bis zu einer Fähre flussaufwärts. Von dort bringt ein Kleinbus uns und die Boote zurück nach Stömne.

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Hindernis im Fluss Lilläven

Donnerstag, 30.8.07 – Ich fahre per Bus ins Städtchen Arvika und gehe in einen Hochseilgarten. Arvika ist mit 14000 Einwohnern und vielen Geschäften direkt an einem See der zentrale Ort der Region. Touristisch gibt er nicht viel her. In der Nähe befindet sich ein Hochseilgarten auf fünf bis sieben Metern Höhe zwischen Bäumen, den ich mit einem Teil der Gruppe besuche. Es ist mein erster Hochseilgarten und er erfordert bei einigen Stationen viel Überwindung, auch wenn das gleiche am Boden ganz leicht wäre. Wieder mit dem Bus fahren wir weiter ins Örtchen Klässbol. Wir besuchen eine Leinenweberei, in der man frei zwischen den durch Lochstreifen gesteuerten Webstühlen hindurch laufen kann. Danach isst die gesamte Gruppe in einer Pizzeria, da der Koch im Gruppenhaus seinen freien Tag hat. Die zwölf Kilometer zurück nach Stömne gehe ich mit einem anderen Gruppenteilnehmer zu Fuß.

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Im Hochseilgarten bei Arvika

Freitag, 31.8.07 – Von Stömne mache ich eine selbst organisierte Wanderung über Schotterstraßen, kleine Wege und querfeldein. Leider gibt es bei Stömne nur wenige Wanderwege. Daher laufe ich über eine wenig befahrene Schotterstraße und ein kurzes Stück Wanderweg zum ersten Übernachtungsplatz der Waldläuferwoche. Von dort geht es 1,5 km Richtung Stömne und rechts in einen kleinen Pfad nach Südwesten. Der Pfad ist interessant, weil er mit viel Vegetation offensichtlich nur sehr selten gelaufen wird. Leider ist er in meiner Karte zu ungenau eingezeichnet und die weiß-blaue Wegemarkierung fehlt gelegentlich. Daher verliere ich den Weg und muss querfeldein durch den z. T. dichten und steilen Wald zur Schotterstraße laufen. Ich komme gerade rechtzeitig zum Abendessen zurück; wie in der Vorwoche wird gegrillt. Abends sitzen wir noch bis Mitternacht am Lagerfeuer und singen Lieder begleitet mit Gitarre und durch mich mit Keyboard.

Samstag, 1.9.07 – Am Rückreisetag gehen wir noch mal Kanu fahren, der Bus fährt erst am Abend. Mit Schwimmwesten und Paddel laufen wir die drei Kilometer zum See Stömnesjön, an dem zwei Kanus des Veranstalters liegen. Wir paddeln weitere drei Kilometer zum Ende des gestreckten, vom Wald umgebenen Sees und auf den Rückweg durch eine schmale Durchfahrt in den See Holmtjärn. Zurück im Gruppenhaus essen wir Abendbrot und warten auf die Abfahrt des Busses. Er fährt um kurz nach sechs, nimmt noch im eine Stunde entfernten Krokfors Gäste auf und fährt in einer Nachtfahrt über die Vogelfluglinie nach Hamburg.

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Für Abfahrt bereitgestelltes Gepäck

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