31. August 2006

Schöne Momente auf Samos

Zum Frosch Reiseziel Hotel Helen Yolanda, Samos – Griechenland

Reisebericht von Jens Stumpe

Vorneweg
Meine erste Froschreise ging ’99 nach Korfu, wo ich spontan einen Windsurf-Kurs belegt habe, mit abschließendem Grundschein. Mir fiel damals auf, dass überwiegend Leute aus Norddeutschland in der Gruppe waren (wenn man von Süden guckt, fängt das irgendwo bei Bonn an). Für mich als Wuppertaler, der in Süddeutschland hängengeblieben ist, hatten deswegen die Froschreisen immer ein bischen was von ‘Heimaturlaub’ (kannste ma’ wieder so sabbeln wie früher). Nur schade, dass sich die Kontakte dann auf Grund der Entfernung schnell wieder verlieren. Inzwischen trifft man auch immer mehr Leute aus Süddeutschland (Definition, s.o.).
Für mich waren die Highlights von Samos die Bike-Touren, Abhängen in Kokkari und am Strand, Surfen (auch als Anfänger oder leicht Fortgeschrittener) und Schnorcheln. Aber nun nochmal von Anfang an…

Anreise und Ankunft
Diesmal entscheide ich mich dafür von Stuttgart zu fliegen. Man verliert zwar den ersten Tag, aber bei drei Wochen Urlaub spielt das wohl nicht so die große Rolle. Und echt angenehm, erst Mittags zum Flughafen zu müssen statt früh aufzustehen. Komisch, irgendwie sieht keiner im Flugzeug ‘nach Frosch’ aus und angekommen auf Samos zeigt sich dann auch, dass ich der letzte Ankömmling bin. Eine ältere Dame holt mich mit einem Wagen ab, die anderen sind längst alle mit einem Bus nach Kokkari verfrachtet worden. Der gefürchtete Transfer in einem griechischen Taxi fällt also aus. Meine Fahrerin, die sich ausschließlich um Transfers kümmert, ist Deutsche und wohnt schon recht lange auf Samos. Ich könne sie alles Fragen! Ob mein Zimmergenosse schnarcht, frage ich.

Am Hotel werde ich von Mario begrüßt, der noch an den Rädern arbeitet. Nach einer halben Stunde gehen wir zusammen Richtung Taverne Marina, nicht weit vom Hotel entfernt, wo die anderen schon beim Essen sitzen. Praktisch als letzter anzukommen – da kennen einen direkt alle. Ich schwatze auch kurz mit Ludger, meinem Zimmergenossen aus Paderborn.

Biken
Etwas in Sorge war ich vor der Reise schon, ob’s mir in Samos nicht zu bergig ist. Der Winter war lang und die Couch näher als die Straße – viel mehr als wöchentlich Tennis war eben nicht drin. Und die Reisebeschreibungen hörten sich nicht nach Spazierfahrten à la Sarti an.
Und so lasse ich es langsam angehen und mache erst mal…. fast nichts. Erst Samstags komme ich mir doch etwas inaktiv in meinem Aktivurlaub vor. Samstags gibt’s keine Touren, also schwinge ich mich alleine auf’s Rad.
Für mich ein Novum, auf einer Froschreise eine ‘eigene Tour’ zu fahren. Ich fahre zuerst dem Weg ins Hinterland nach, den wir mit Svenja auf der Einführungswanderung gegangen sind. Es wird dann leider etwas schottrig und ich schiebe viel. Irgendwann komme ich auf eine Anhöhe und genieße einen herrlichen Ausblick auf die Kokkari-Bucht.

Samos

Erst nehme ich den Pfad bergab, aber dann komme ich ziemlich schnell an der Kapelle heraus, an der wir in der Woche unsere „Bottle-Party“ mit griechischen Mythen hatten, nicht weit weg vom Hotel also. Erst mal Pause, bevor ich in einem Anflug von Entdeckergeist beschließe, den Berg wieder hinaufzufahren, um einen anderen Abzweig auszuprobieren. Das klappt auch mit einigen Trinkpausen im Schatten und schließlich gelange ich auf eine Serpentinenstraße. Ludger hatte mir bereits von Vourliotes erzählt und wie schön es dort sei. Die Fahrt da hoch sei auch nicht so dramatisch schwer. Und wirklich – zum einen bin ich schon etwa auf halber Höhe und zum anderen kommt mir der geteerte Weg wie eine Erholung im Vergleich zu den Wegen hinter mir vor – komme ich die Serpentinenstraße zwar langsam aber ohne große Mühe hoch. Ein tolles Gefühl, sich dann auf dem zentralen Dorfplatz einen frisch gepressten O-Saft zu gönnen (und man sollte sich am Ortsausgang nicht die Bäckerei entgehen lassen – immer der Nase nach!).Am nächsten Tag fahre ich gleich nochmal nach Vourliotes, diesmal auf der „Nachtigallen-Tour“ mit der Gruppe. Wir sparen uns zwar den Dorfplatz (wäre mit so vielen Leuten auch etwas chaotisch), dafür ist die Abfahrt durch’s Nachtigallental wirklich schön.

Samos

Das letzte Bergdorf, das man anscheinend gesehen haben muss, ist „Manolátes“. Einige Radfahrer erzählen, dass der direkte Weg da hoch mörderisch ist und so flößt mir der Name Manolátes gehörigen Respekt ein. Erst als mir Edgar bei einer gemütlichen Doppelkopfrunde von einem Weg erzählt, der quasi ‘hintenrum’ zum Ziel führt, ziehe ich in Erwägung, es doch zu versuchen. Die von Edgar beschriebene Tour bietet Mario an, nur habe ich die gerade verpasst.
Also versuche ich in der zweiten Woche mein Glück allein. Die Küstenstraße führt mich bis nach Agios Konstantinos und kurz dahinter geht es nach Ampelos hoch. Der Anstieg ist schon steiler als nach Vourliotes, aber es geht. Auf dem Weg hoch überholt mich einer dieser fliegenden Händler, die über Megaphon in Dörfern ihre Waren anbieten.
Der Weg zieht sich, aber kurz vor Ampelos höre ich schon am Ziel die begeisterte Stimme des Sportkommentators herunterschallen, von der jubelnden Menge werde ich die letzten Meter bis zur Quelle am Ortseingang getragen, wo mich ein Schluck Wasser in die Realität zurückholt und der Händler wieder an mir vorbeifährt.

Samos

Hinter Ampelos fahre ich erfrischt weiter Richtung Stavrinides, schiebe noch eine Betonrampe hoch und dann geht es fast nur noch Bergab über erdige bis schottrige Wege bis nach Manolates. Das ursprüngliche Vourliotes ist mir sympathischer als Manolates, aber Manolates ist schon ein schmuckes Bergdorf. Die Siedlung hat sich stärker auf Touristen eingestellt als Vourliotes. Ein großer Parkplatz sagt einem, dass man hier auch einfacher hätte hochkommen können. Und während ich so durch die Gassen schlappe, treffe ich auf zwei andere aus unserer Gruppe, die den direkten Weg über die Serpentinenstraße gewählt haben und ziemlich geschafft aber auch stolz aussehen.

In der dritten Woche fahre ich noch zwei Touren. Zuerst die zu den Potami-Wasserfällen. Die geht nur an der Küstenstraße entlang – dort gibt es zwar auch Anstiege zu überwinden, aber nicht so krass wie bei den Bergdöfer-Touren und Mario achtet wirklich gut darauf, dass auch die etwas langsameren zu ihrer Pause kommen. Die Tour geht eher in die Länge, nicht in die Höhe. Am Anfang der Potami-Schlucht parken wir unsere Räder und treffen später an einem gemütlichen hochgelegenen Restaurant die Wandergruppe. Der beste Teil ist dann der, wo wir alle in Badeanzügen im Gänsemarsch in die Schlucht hinuntersteigen, um dann dort hindurchzuwatscheln beziehungsweise zu schwimmen, wobei man automatisch in Gaudi-Stimmung kommt.

Als Krönung – und weil ich nach fast drei Wochen mutig geworden bin – fahre ich die ‘inoffizielle’ Tour zum Livadaki-Strand über Samos-Stadt. Mario hatte schon die Wochen davor einigen die Route erklärt, bietet die Tour aber nicht für die Gruppe an. Wirklich eine schöne Tour, zwar keine hübschen Bergdöfchen, aber teilweise Wege mit gut riechenden Kiefern. Wenn man hinter Samos die Anhöhen überwunden hat, liegt vor einem ein schöner Steilküstenweg, über den man ohne große Anstrengungen an der Küste entlangfährt. Die Chill-Out-Beachbar auf etwa der Mitte der Tour ist ideal, um Kraft für den Rückweg zu tanken. Nach den etwa 50km bin ich schon etwas platt, aber es ist ja auch mein vorletzter Tag , also was soll’s.

Samos

Surfen
Bereits vor der Reise hatte ich einen Refresher-Kurs gebucht. Die Surfstation liegt nur fünf Minuten vom Hotel entfernt und wird unabhängig von Frosch betrieben. Wenn Wind geht, ist am Surfstrand immer viel los. Deswegen ist anscheinend auch kein Surflehrer zur Vorstellung des Wochenprogramms am Hotel zu sehen. Da es in den ersten Tagen sehr stürmisch ist, mache ich mir etwas Sorgen, ob mich der Wind nicht eh vom Brett fegt (so wie in El Médano auf Teneriffa). Und so verschiebe ich meinen Refresher-Kurs auf die zweite Woche. Dem Wind zum Trotz gibt es trotzdem einige Anfänger, die sich in der in der ersten Woche auf’s Brett wagen, und glücklicherweise lässt der Wind nach ein paar Tagen nach. Später stelle ich fest, dass die Bucht im vorderen Bereich wirklich einigermaßen windgeschützt ist und es für Cracks erst interessant wird, wenn weit draußen „der Turbo anspringt“.

Mit Henning mache ich einen Tag aus, an dem der Refresher-Kurs beginnen soll. Es geht um zwei Mal 1.5 Stunden. Ich gehe zusammen mit den Anfängern raus, aber Henning erklärt mir vorher nochmal auf dem Trockenen die wesentlichen Bewegungsabläufe. Auf dem Wasser fährt Henning zwischen den Änfängern und mir hin- und her und gibt Verbesserungstipps („Hä? Was?“). Bei Windstärke 3-4 und einem kleinen Segel geht es dann am Ende der ersten Einheit wieder ganz gut. Die zweite Einheit macht dann auch noch eine Idee mehr Spaß. Während dessen ruft mir Henning zu: „Jens! Lächeln, das ist eine Fun-Sportart!“. Tue ich auch, und zwar immer dann, wenn ich ins Wasser falle.

Trotz des gefundenen Wiedereinstiegs belasse ich es bei den zwei Tagen. Die Surfstation ist etwas teuer, dafür sehr gut ausgestattet mit einer familiären Atmosphäre (letztere Formulierung werde ich zu Hause von der Webseite http://www.samoswindsurfing.gr abkupfern).

Wandern
In den drei Wochen gehe ich drei Mal wandern. Zunächst die Samos-Wanderung, dank der ich später den Weg zur Steilküste leichter finden werde. Es bleibt nach der Wanderung noch viel Zeit, um in Samos-Stadt zu schlendern, sich eine Kirche anzusehen und zu dösen. Später mache ich auch nochmal auf eigene Faust eine Städtetour nach Karlovassi, aber Samos-Stadt war zu Fuß wesentlich einfacher zu erkunden und hatte mehr für’s Auge zu bieten.

Samos

In der zweiten Woche gehen wir mit Svenja ins Hinterland von Kokkari und landen ziemlich schnell wieder an der Eisdiele. Die Nachtigallentour gehe ich in der dritten Woche mit Ute und Dirk. An mehr Wanderungen nehme ich nicht Teil, denn die Ziele der Wanderer sind meist die gleichen wie die der Biker.

Landschaftlich gesehen bietet die Insel schon mehr als ich in anderen Griechenlandurlauben gesehen habe. Aber wir sind natürlich trotzdem in Griechenland und nicht in der Schweiz.

Lemonakia-Strand und Kokkari
Bei drei Wochen nehme ich mir viel Zeit zum Chillen. Keine Tour, ohne nicht Tags drauf am Strand abzuhängen. Viel zu faul, um den optimalen Strand zu finden, freunde ich mich in der ersten Woche direkt mit dem nahegelegenen Lemonakia-Strand an. Zwei Liegen plus Schirm kosten 6 Euro, ich zahle für eine Liege folglich immer nur 3 Euro. Es ist mein erster Kieselstrand-Urlaub, doch die anfängliche Wehmut über den fehlenden Sand verfliegt schnell. Das Wasser ist schön klar und bei Wind ist es wirklich angenehm, dass hier nur Steine sind. In der letzten Woche erzählen mir zudem Matthias und Silvia vom Schnorcheln und da ich ewig nicht mehr geschnorchelt habe, versuche ich es auch einmal, ein paar Fische zu füttern. Taucher reißt die Unterwasserwert von Lemonakia wahrscheinlich nicht vom Hocker, aber für mich ist es ein tolles Erlebnis, von Fischen umgeben zu sein.

Samos
Samos

Am frühen Nachmittag gehe ich oft noch nach Kokkari, um einen Happen zu essen. Generell wird’s preislich teurer, je näher man dem Wasser und dem Hafenviertel kommt. Im „Plaisir“ (gegenüber vom „Girasole“ und Internet-Café) kostet ein halbes belegtes französisches Baguette 2 Euro. Und manchmal decke ich mich in einer anderen Bäckerei ein, bevor ich zum Strand gehe.

Ab der zweiten Woche fällt zwar auf, dass in Griechenland Ferien sind (es fahren mehr Autos durch über die Hauptstraße), aber ansonsten ist Kokkari erstaunlich leer, trotz Hauptsaison. Als ich nach einer Fototour durch die Stadt eine Pause machen will, lasse ich mich am Hafenbecken nieder. Da die Kaimauer den Wind abhält, ist das Wasser hier unwahrscheinlich ruhig. Nur ein paar kleinere Wellen kräuseln den Tavernen entgegen. (Die Stelle wird zu meinem Lieblingsplatz und an einem meiner letzten Abende gönne ich mir ein ‘gruppenloses Dinner’ beim dort gelegenen Italiener „Basilico“.)

Samos

Plötzlich fällt mir ein Schnorchler im Hafenbecken auf. Was der wohl sucht? Seine Armbanduhr? Neben mir sitzen zwei (griechische?) Angler, die schon etwas verärgert schauen, denn der Schnorchler plantscht genau da durch das Wasser, wo sie eigentlich ihre Angeln auswerfen wollen. Während sie über den Schnorchler schimpfen, steuert der immer mehr auf sie zu, bis er genau an der Mauer halt macht, wo sie sitzen. Da er nicht auf das Geschimpfe reagiert, fängt der eine Angler an, ein ins Wasser ragendes Tau direkt neben dem Hafengrundbetrachter ins Wasser platschen zu lassen. Der beschimpfte hebt kurz den Kopf, der Angler hebt die Hand (Hallo?!) und wendet sich direkt wieder der Unterwasserwelt zu. Schließlich warten die Angler leise, geduldig, aber doch etwas grimmig, bis der Schnorchler weit genug weggeschnorchelt ist.
Was sollen sie auch anderes machen.

Nachwort
Samos hat viel zu bieten. Vielleicht mehr für Leute die Sport machen und abhängen wollen. Party gab’s zwar auch, aber immer in Bars im Ort und nicht am Hotel (wegen Nachtruhe). Die Musikauswahl hätte etwas mehr variieren können. Es gab neben dem Sportangebot auch einige Ausflüge, an denen man teilnehmen konnte. In die nahegelegene Türkei wollte in den drei Wochen, in denen ich da war, niemand.

Pro Woche waren etwa 25-30 Leute da, so dass innerhalb von einer Woche ein gutes Gruppengefühl aufkam. Das Programm ist auf zwei Wochen ausgelegt; ich habe dann einfach einiges in der ersten Woche übersprungen und mir für später aufgehoben. Zugegeben, in der dritten Woche war’s anfangs etwas seltsam, wieder alles von vorne mitzumachen, trotzdem möchte ich weder die dritte Woche noch die dritte Gruppe missen. Auf diesem Weg nochmal ein schöner Gruß an alle, mit denen ich meinen Urlaub verbracht habe und die so meine Zeit auf Samos bereichert haben.

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