29. November 2006

Samos im Oktober

Zum Frosch Reiseziel Hotel Helen Yolanda auf Samos, Griechenland

Der Sommer in Deutschland war vorbei. Ich hatte noch Lust auf Sonne und nach einigem hin und her entschloss ich mich, noch mal einen Urlaub zu buchen: Die Insel Samos sollte es sein.
Einige Bedenken hatte ich schon. Ich war noch nie am Ende der Saison in den Süden gefahren. Es war zwar Griechenland und somit die Prognose die Temperatur betreffend noch um einiges wärmer als in Deutschland, doch die Skepsis blieb – und das in vielen Bereichen: Ist wirklich alles von der Sonne verbrannt und somit landschaftlich überhaupt nicht mehr reizvoll? Konnten denn noch alle Ausflüge und Unternehmungen an den doch schon empfindlich kürzer und kühler werdenden Tagen stattfinden? Hatten viele Tavernen und Restaurants nicht doch schon ab Anfang Oktober geschlossen? Und ein ganz wesentlicher Punkt: Waren die Teamer nach einer langen Saison nicht ausgepowert und evtl. nur noch genervt von uns, ihren Gästen?

Samos

Die Neugier siegte auf all diese und noch mehr Fragen eine Antwort zu bekommen. Also ging es am 2. Oktober los. Nach einem reibungslosen Hinflug landete ich zeitig am Morgen auf Samos. Ich wurde von der Froschbeauftragten begrüßt und fing gleich an, die arme Frau mit Fragen zu löchern: Ob denn das Wetter wirklich noch gut wäre, ob die Teamer noch alle da seien usw. – und bekam postwendend den ersten Dämpfer: Svenja, der Wanderguide (und gleichzeitig Reiseleiterin) sei schon vor zwei Wochen nach Hause gefahren, Mario wäre nur noch alleine für die Gäste zuständig! Da klappte mir der Unterkiefer erst mal ziemlich nach unten. Ich wollte in diesem Urlaub hauptsächlich wandern und nun? Wie sollte Mario als Bikeguide denn gleichzeitig noch wandern? Das konnte ja was – oder eher nichts – werden …

Samos
Samos

Im Hotel angekommen, wurden wir von besagtem Mario und ja wer war denn das? … Beate! … begrüßt. Sie stellte sich als Wanderguide und Nachfolgerin von Svenja vor. Da ging bei mir doch die Sonne auf! Natürlich hätte ich alleine oder mit einigen anderen aus der Gruppe auf eigene Faust los gekonnt – aber mit einem „Insider“ machte nun mal alles mehr Spaß.

Das Wetter war mittelprächtig. Die Sonne schien, doch der Wind war recht stark! Die Surfer nutzten in weiser Vorahnung (nach zwei Tagen herrschte Flaute!) die Gelegenheit und stiegen gleich aufs Brett. Ich verstaute mein Gepäck im Zimmer, zog dünnere Klamotten über und ging erst mal los Richtung Kokkari. Vom Hotel waren es ca. 5 Minuten zu Fuß. Ich schlenderte durch die Gassen und am Strand entlang, testete das Wasser auf Temperatur und Sauberkeit (beides o.k.), ließ mir die Brise um die Nase wehen und erkundete die Lage. Touristenmäßig war es bereits ruhig, aber fast alle Shops, Bars, Tavernen und Autoverleihe hatten noch geöffnet. Also auch von dieser Seite Entwarnung.
Den Long Beach, der sich durch Kokkari zog, fand ich recht ansprechend und vor allem praktisch: Er war direkt im Ort und viele Tavernen waren mit Strandterrasse und Liegestühlen ausgestattet, sodass man einen Besuch gleichzeitig mit einem Strandaufenthalt verbinden konnte.
Am ersten Abend trafen sich alle zur offiziellen Begrüßung auf der Terrasse des Hotels, danach gingen wir zum gemeinschaftlichen Abendessen. Wir waren knapp 30 Frösche und es wurde ein unterhaltsamer Kennenlernabend.
Am nächsten Morgen stellten Mario und Beate das Wochenprogramm ausführlich vor. Für eine Woche genügend Unternehmungen!
Einige Wanderungen (z. B. zum Wasserfall) standen zwar bzgl. der Witterung nicht mehr auf dem Programm, doch auf Samos gibt es so viele Routen, Wege und Ziele, dass leicht Ersatz gefunden wurde. Das Gleiche galt für die Biketouren, ich konnte beruhigt sein.
Die Einführungswanderung, wie immer als „Schnuppertour“ angeboten, fand ich etwas kurz aber trotzdem schön. Wir spazierten durch die Olivenhaine, genossen die Aussicht bei einer der vielen kleinen Kapellen und mir wurde auf dieser Tour das erste Mal bewusst: Das Schnuppern bezieht sich nicht nur auf das Wandern, sondern vor allem auf das Riechen und Schmecken: So viele verschieden Pflanzen, Sträucher und Bäume verbreiteten herrlich intensiven (Gewürz-)duft und so viele Obstsorten – Feigen, Granatäpfel, Sharonfrüchte, Weintrauben –, die wir unterwegs kosten konnten – das war Natur pur! Das war Urlaub.

Samos
Samos

In der Woche nahm ich noch an drei weiteren Wanderungen teil, die alle ins Hinterland führten. Entweder starteten wir gleich am Hotel oder fuhren ein Stück mit dem Bus bzw. Taxi zu einem wandermäßig interessanteren Ausgangspunkt. Die Wanderungen fand ich alle sehr schön und ich möchte Beate bzgl. ihrer Teamer- bzw. Guidequalitäten noch mal ein Kompliment machen! Das einzige was ich persönlich zu bemängeln hatte – die Touren mit einer Gehzeit von max. vier Stunden waren relativ kurz. Naja, der Vorteil für viele: ein Strandbesuch danach war locker möglich.
Eine etwas anspruchsvollere „Abenteuerwanderung“, die Gruppe durfte die Route aussuchen, gab es aber doch – leider parallel zu Marios Jeeptour. Diese sollte ja auch ganz toll sein – und sie war es auch! Mario kennt die Insel wohl wirklich besser als manch Einheimischer. Die Tour führt vom frühen Morgen bis in den Abend einmal – mehr oder weniger rund – um die Insel, inklusive Mittagessen und Badestop. Hoch in die Berge, hinunter an die Küste … Wir haben wirklich viel gesehen. Auch deshalb, weil wir fast die gesamte Tour nicht in den Jeeps gesessen haben, sondern stehen konnten – außer dem Fahrer natürlich! Das ist ein ganz anderer Blickwinkel und nur zu empfehlen. Aber nicht nur bei diesem Ausflug konnte ich feststellen, dass die Insel auch um diese Jahreszeit landschaftlich reizvolles und viel Grün zu bieten hat!
Das Wetter meinte es ebenfalls meist gut mit uns. Es war zwar öfters mal bewölkt und an den letzten beide Tagen kam es ein bisschen Nass von oben, doch das ignorierten wir (das ist kein Regen!) und ließen uns auf unseren Ausflügen den Spaß bzw „Spass“ (Marios Lieblingswort) nicht nehmen.

Schon beim Ankommen hatte ich festgestellt, dass Samos recht bergig war. Trotzdem (oder deswegen?) war ich in meiner Urlaubswoche nur einmal mit dem Bike unterwegs. Samos Stadt war das Ziel. Die Stadt ist nett zum bummeln und man kann einige Museen, Kirchen usw. besichtigen. Eine nette Abwechslung zu den Wanderungen und den Bergdörfern. Landschaftlich und streckenmäßig attraktiver sind jedoch die diversen anderen von Mario angebotenen Touren, bei denen man als Biker sicherlich ausgiebiger auf seine Kosten kommt.

Samos
Samos

Für alle, die die Insel etwas bequemer erkunden wollten, gab es den Motorroller als günstige Alternative.
Eine weitere Angebot waren verschiedene Bootstouren zu den Nachbarinseln.
Als kleine Zugabe zum Aktivprogramm gab es einmal Fitness bzw. Volleyball. Dieser Faktor wäre noch gut ausbaufähig.

Das Hotel ist etwas abseits vom Ort gelegen, was ich persönlich als angenehm empfinde.
Es ist landestypisch einfach, aber ausreichend. Die Inklusivessen sind gut organisiert und die Teamer hatten auch zum Saisonende kein echtes Problem für eine doch relativ große Gruppe nette Lokalitäten zu finden.
Für den „Absacker“ wurde ebenfalls immer ein nettes Plätzchen ausgewählt, entweder in einer der zahlreichen Bars oder auch mal unter freiem Himmel beim „Sterne gucken“.

Strände gibt es zu beiden Seiten des Hotels: Rechts, im Ort, der Long Beach und am Ortsende ein kleinerer Strand (Bucht) – Name: ?
Biegt man dagegen am Hotel links ab, erreicht man nach einigen Minuten die beiden bekanntesten Strände der Gegend: den Lemonaki-Strand und ein Stückchen weiter den Tsamadou-Strand.
Allen gemeinsam ist das saubere, klare Wasser und die Tatsache – wie auch in jedem Reiseführer zu lesen – dass es Kiesstrände sind. Flip Flops o. ä. sind daher ein sinnvolles Strandutensil. Dem Bade- und Sonnenvergnügen tut das jedoch keinen Abbruch.
Ein Urteil darüber, welches nun der schönste Strand ist, sollte sich jeder selbst bilden.

Mein Fazit: Samos ist auch, vielleicht sogar gerade zu dieser Jahreszeit eine Reise wert.

Brigitte Brand

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