2. August 2006

Cuba – Eine Zeitreise

Zum Frosch Reiseziel Cuba aktiv

von Bianca Lüßmann

Cuba war schon immer ein Reiseziel, das mich interessiert hat. Sehr komisch fand ich es, dass es bei Frosch keinerlei Feedback zu der Reise gab. Jedenfalls gab es vor meiner Reise nie einen Reisebericht und auf dem Chatboard hat sich scheinbar auch niemand dafür interessiert.Cuba_Trockenhaus

Ich habe den „Sprung“ trotzdem gewagt und ahne inzwischen auch, warum noch niemand einen Reisebericht geschrieben hatte. Es ist kaum möglich die Fülle der Eindrücke während dieser Reise in Worte zu fassen! Die Vielfältigkeit der Insel und die zahlreichen interessanten, kuriosen und schönen Erlebnisse haben mich jedenfalls sehr beeindruckt und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen und wo ich aufhören soll- schließlich soll es ja kein ganzes Buch werden. Dieser Bericht kann also nur ein kleiner Ausschnitt sein.

Nach einer sehr langen Anreise (aus Hannover mit Zwischenübernachtung in Madrid) war der erste Eindruck von Cuba durch Leo, unseren Reiseleiter geprägt. Fast überschwänglich hat er mich begrüßt und ein Blick in sein fröhliches Gesicht hat gereicht und mir war sofort klar: Bei DIESEM Reiseleiter kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Damit habe ich dann auch Recht behalten. Mit Begeisterung, viel Wissen auf allen Gebieten und mit einer guten Dosis Temperament hat uns Leo die schönsten und interessantesten Orte und Landschaften seiner Heimat gezeigt, erklärt und fast all unsere Fragen beantwortet. Und da hatte er einiges zu tun, denn im Verlauf dieser Reise drängen sich einem unzählige Fragen auf. Von Leo kann man sehr viel quasi aus „erster Hand“ über Land und Leute erfahren – schließlich ist er Cubaner! Das habe ich als eine unheimlich große Bereicherung empfunden. Darüber hinaus war er bei „Problemchen“ immer ansprechbar und stand mit Rat und Tat zur Verfügung. Danke noch einmal an dieser Stelle für soooo viel Engagement!

Unsere Reisegruppe bestand aus 8 Teilnehmern. Angeblich variiert das Alter der Teilnehmer bei dieser Reise zwischen 18 und 60. In meinem Fall waren die meisten Teilnehmer in den 30ern. Für die Rundreise stand uns ein komfortabler Kleinbus zur Verfügung.

Schon die Fahrt vom Flughafen nach Havanna war bemerkenswert, denn ich hatte noch nie vorher eine so in Dunkelheit gehüllte Großstadt gesehen. Kaum Autos auf der Straße, auf den Wegen einige dunkle Gestalten und Fahrräder ohne Beleuchtung waren zu sehen. Die erste Nacht verbringt man im traditionsreichen Hotel Inglaterra mitten in der Altstadt von Havanna. Die Eingangshalle hat mir schon einigermaßen imponiert. Das Inglaterra ist das älteste Hotel Havannas und man fühlt sich sofort in die Zeit von vor ca.100 Jahren versetzt. Nachdem ich am Abend nach der Ankunft nur noch todmüde ins Bett gefallen war, habe ich mich am Morgen ernsthaft gefragt, ob ich schon wach bin, als ich aus dem Hotel herausging, um neugierig vor dem Frühstück einen kurzen Blick auf die Umgebung zu werfen. Mein erster Gedanke: Das muss eine Filmkulisse sein! Oder eine Zeitreise!Trinidad_Cuba

Nachdem ich mich während des Frühstücks einigermaßen akklimatisiert hatte, haben wir Havanna während einer Stadtführung mit Besuch der wichtigsten Museen auf uns wirken lassen. Havanna ist eine Stadt, die man sich selbst anschauen muss. Sie ist voller Kontraste und daher eigentlich unbeschreiblich. Auf der einen Seite hat mich die Atmosphäre begeistert: Die amerikanischen Oldtimer, die kolonialen Fassaden, das Gewimmel auf den Straßen, überall Musik und die vielen Menschen unterschiedlichster Hautfarbe. Andererseits strahlen die morbiden Gebäude eine große Tristesse aus und man mag sich nicht vorstellen, unter welchen Lebensumständen die Menschen dort leben. Es ist erschreckend zu sehen, welche Schönheit dort verfällt. Die Stadt muss mal märchenhaft gewesen sein und an nicht wenigen Ecken kann man davon auch noch etwas spüren. Ich schwanke zwischen Nostalgie, Faszination und Betroffenheit, wenn ich an Havanna denke.

Am Nachmittag des ersten Tages hat Leo uns in der Tanzschule die passenden Tanzpartner organisiert, denn ohne Salsa ginge auf Cuba gar nichts! Relativ schell konnten wir uns Dank cubanischem Tanzpartner bzw. cubanischer Tanzpartnerin zu der Musik bewegen. Im Vergleich zu den Tanzeinlagen, die wir im Verlauf der Reise von Cubanern noch zu sehen bekamen, war das allerdings eher beschämend, was wir tänzerisch zu bieten hatten. Verständnislosigkeit herrscht bei den Cubanern darüber, wie die Deutschen überhaupt durchs Leben kommen, ohne tanzen zu können. Ehrlich! Tanzen und Musik scheint mir für Cubaner einen ähnlichen Stellenwert zu haben wie Essen und Schlafen: Lebenselixier und ein großes Vergnügen. Vom Kleinkind bis zur Urgroßmutter – alle tanzen!cuba_bananen

Ein besonderes Highlight der Reise war für mich die Fahrrad-Tour von Soroa nach San Diego de Los Banos. Die Strecke führt durch kleine cubanische Dörfer, vorbei an Bananen- und Zuckerrohrplantagen und bietet immer wieder tolle Ausblicke auf palmenbewachsene Hügel und auf die tropische Vegetation. Nach der Etappe hatte ich zunächst irgendwie den Eindruck, ich hätte einen Film gesehen. Alles schien so zeitentrückt, exotisch und so fern von dem, was einen als Mitteleuropäer im Februar für gewöhnlich so umgibt. In den Dörfern scheint die Zeit vor Hunderten von Jahren stehen geblieben zu sein. Man begegnet hauptsächlich Menschen auf uralten Fahrrädern oder zu Pferd, sieht einige Ochsenkarren und eher selten mal einen alten russischen LKW auf der Straße, der als öffentliches Verkehrsmittel genutzt wird. Die vielen Eindrücke dieser Radtour habe mich jedenfalls fast umgehauen! Einfach genial.

Ein weiterer Höhepunkt waren die Wanderungen in der Sierra del Escambray. Der Rucksack wird für zwei Tage gepackt und dann geht es über teilweise schwindelerregend steile holprige Wege zunächst motorisiert hinauf in das Gebirge. Die letzten Kilometer haben wir auf der Ladefläche eines alten russischen LKW zurück gelegt. Ein anderes Gefährt wäre den Wegen jedenfalls auch nicht gewachsen gewesen! Nach dieser abenteuerlichen Fahrt, bei der ich mir den einen oder anderen blauen Fleck zugezogen habe (Schlaglöcher!), sind wir, geführt von Wanderführer Samuel, in den Regenwald aufgebrochen.

Während der Wanderung haben wir immer wieder kleine Pausen eingelegt und Samuel hat uns auf interessante Pflanzen und Vögel aufmerksam gemacht. Überall kann man Kolibris in der üppigen Vegetation sehen und die Pflanzenvielfalt ist sicher für jeden Pflanzenliebhaber ein Paradies. Unterwegs hatten wir dann auch noch die Gelegenheit im Fluss am Wasserfall zu baden, an Lianen zu schaukeln und bei einer Hacienda von Kaffeebauern einen Kaffee zu trinken. Der Kaffee in Cuba schmeckt sehr lecker. Er ist fast so stark, dass der sprichwörtliche Löffel in der Tasse steht. Auch als Teetrinker kann man da auf den Geschmack kommen. Ehrlich gesagt, bleibt einem manchmal auch nichts anderes übrig, denn Tee gibt es eher selten im Angebot.

Die Übernachtung während der zweitägigen Wanderung findet bei einer Hacienda im 2-Personen bzw. Einzelzelt statt. Die Cuba_Camping Übernachtung im Zelt ist eine Ausnahme während dieser Reise. Insgesamt waren wir in guten Hotels mit 3 oder 4 Sternen, wobei der Standard durchaus mit Südeuropa vergleichbar ist. Fast immer ist auch ein Pool mit Sonnenliegen vorhanden, die wir natürlich kaum genutzt haben, weil wir oft erst am Abend das jeweilige Hotel erreichten. Die Lage der Hotels ist immer sehr schön, meistens inmitten toller Landschaft gelegen. Besonders schön ist die Umgebung des Hotels im Vinales-Tal. Bei Sonnenaufgang ist der Ausblick einfach überwältigend. Ich konnte mich tagsüber schon nicht daran satt sehen, aber am Morgen hat das Farbspiel bei aufgehender Sonne noch einen drauf gesetzt. Wunderschön!

Nicht selten wird man während der Reise sehr früh am Morgen durch das Krähen der Hähne aus dem Schlaf gerissen und dazu gesellt sich dann später das Gezwitscher der tropischen Vögel. Bei der Zeltübernachtung kann es aber auch passieren, dass man von herabfallenden Orangen oder von schmatzenden Schweinen geweckt wird. Ich hatte noch nie vorher Schweine Orangen fressen sehen! Matratzen und warme Schlafsäcke wurden uns beim Zelten gestellt, so dass es auch im Februar nicht ungemütlich im Zelt wurde. Wir hatten im Gebirge in der Nacht 9°C und eine Luftfeuchtigkeit von fast 90%. Warme Kleidung sollte also im Gepäck auf keinen Fall fehlen.

An dieser Stelle noch ein Hinweis zum Wetter: Leider musste ich feststellen, dass die Angaben aus dem Internet und auch in Reiseführern nicht ungedingt stimmen. Während ich dort war, war abends eigentlich immer ein Pulli, Fleece-Pulli, lange Hose und Socken angesagt. Tagsüber waren meistens Temperaturen von 18 – 20°, nur am Strand war es dann etwas wärmer. Im Sommer soll es auf Cuba bis zu 45° heiß sein. Bei dieser Aktiv-Reise würde ich den Sommer deshalb nicht unbedingt empfehlen, allerdings hätte ich mir etwas lauere Abende gewünscht. Zum Glück hatte ich auch eine dicke Jacke dabei, die eigentlich nur für die Anreise gedacht war, dann aber auch auf Cuba zum Einsatz kam.

Die frischen Temperaturen haben sich auch bei der Katamaran-Tour bemerkbar gemacht. In einer etwa 3-stündigen Fahrt geht es zu einer kleinen unbewohnten Insel. Kurz bevor man die Insel erreicht, wird an einem Korallenriff ein Stopp zum Schnorcheln eingelegt. Wir waren alle so durchgefroren vom Fahrtwind, dass zunächst niemand den Sprung ins Wasser wagen wollte, aber später hat die Neugier gesiegt. Schließlich ist man ja nicht jeden Tag in der Karibik!Blauer_Cuba_Strand

Auf der kleinen Insel leben viele Leguane und Baumratten und überall wimmelt es von Pelikanen im Wasser. Bewachsen ist die Insel fast nur mit Mangroven und Palmen. Auf mich wirkte das Eiland einfach nur paradiesisch. Während der Fahrt hat die Crew eine Paella vorbereitet. Wer mag, kann auch noch Hummer dazu bestellen (Sehr lecker!). Gegessen wir dann auf der Insel am Stand unter ständiger Beobachtung der Leguane und Baumratten, die natürlich darauf hoffen, dass für sie auch ein Teil abfällt. Viel zu schnell ging es von der Insel zurück zum Hotel. Den Strand hätte ich mir gerne noch länger gefallen lassen.

Nicht alles war perfekt auf dieser Reise. Dass Cuba ein Entwicklungsland ist, merkt man an jeder Ecke. Zusätzlich prägt natürlich auch der Sozialismus. Das bedeutet, dass Pläne nicht immer eingehalten werden können und es ist nicht immer alles überall zu bekommen. Im Restaurant muss man darauf gefasst sein, dass man ewig auf das Essen wartet, dass man meistens nicht das bekommt, was man bestellt hat und dass die Rechnung mit viel Fantasie zusammengestellt wird. Auch Ersatzteile und gutes Werkzeug sind auf Cuba nur schwer erhältlich, deshalb sind die Fahrräder für die Touren nicht alle in einem einwandfreiem Zustand. Aber die Schönheit des Landes entschädigt diese kleinen Einschränkungen und das sollte niemanden davon abhalten, dieses interessante Land zu bereisen.

Das Essen fand ich während der Rundreise manchmal etwas eintönig. Man lernt dabei aber die Gerichte kennen, die auf Cuba üblich und verfügbar sind. Kurz gesagt: Das angebotene Essen schmeckt gut, aber es sind generell keine kulinarischen Hochgenüsse, oder viel Abwechslung zu erwarten. Das Hotel Trinidad del Mar am Strand bietet dann natürlich touristischen Komfort und viel Auswahl beim Essen. Willkommene Abwechslung bot auch ein vegetarisches Restaurant, das wir in Las Terrazas auf Leos Empfehlung hin aufgesucht haben. Das war geradezu ein Erlebnis. Ich kannte wirklich nichts vom dem, was auf der umfangreichen Speisekarte stand. Wir haben dann kurzerhand für alle “von allem etwas“ bestellt und sind aus dem Staunen nicht mehr heraus gekommen.

Ein Besuch im Restaurant ist auf Cuba meistens durch sehr große Portionen und durch niedrige Preise gekennzeichnet. Wo bekommt man sonst ein Nudelgericht für 0,90 Pesos? Ein Peso entspricht dabei 1 Dollar! Insgesamt habe ich nur einen kleinen Bruchteil meiner Reisekasse auf Cuba ausgegeben. Einerseits, weil vieles schon im Reisepreis enthalten ist, z.B. Eintritte ins Museum und Essen im Restaurant. Auf der anderen Seite gibt es auch nicht sehr viel zu kaufen. Abgesehen von Zigarren, Rum und hier und da einige Musikinstrumente.

Erwähnenswert sind natürlich auch die Cocktails, die man schon mittags überall bekommt. Sehr erfrischend ist der Zuckerrohrsaft, den man bei mehreren Gelegenheiten frisch gepresst mit, oder ohne Rum trinken kann. Sehr schmackhaft! Auch das Obst übertrifft natürlich geschmacklich gesehen unser importiertes Obst um Längen!

Nach der abwechslungsreichen Rundreise mit sehr persönlicher Atmosphäre, auch in den Unterkünften, habe ich im Hotel Trinidad del Mar zunächst so eine Art Kulturschock bekommen. Die Umstellung war einfach zu krass. Plötzlich hauptsächlich von Touristen umgeben, alles mögliche im Überfluss, Shops, Bars, Animation, Buffet…. Nach einem Tag hatte ich mich aber schnell eingewöhnt. Der Strand am Hotel ist sehr schön. Nicht so überfüllt. Man kann herrlich den Stand entlang laufen und sich im türkisfarbenen Meer erfrischen, Katamaran fahren, oder im Liegestuhl faulenzen. Leider war dazu gar nicht viel Zeit. Ruck-Zuck war der Aufenthalt zu Ende.

Jeder einzelne Tag dieser Reise war voller Eindrücke, Denkanstöße und immer interessant und erlebnisreich, dass die Zeit viel zu schnell vergangen ist. Das Tagesprogramm war sehr gut organisiert. Insgesamt war es zeitlich straff geplant. Für Langschläfer und Faulenzer ist diese Reise eher nicht so geeignet. Auf Cuba gibt es aber auch so viel zu sehen, dass es auch sehr schade wäre, die Zeit nur an einem Ort zu verbringen, oder den Tag zu verschlafen. Wer Interesse an dem Land, der Geschichte und an der vielfältigen Natur hat, ist hier genau richtig. Auf dieser Reise kann man viele Facetten des Landes kennen lernen und ein Stückchen eintauchen in das typische, authentische Cuba. Das Programm bietet die richtige Mischung aus Kultur, Natur, Bewegung und Entspannung. Mir wird die Reise unvergesslich bleiben.Vinales_Tal_Cuba

Hier noch ein paar Tipps, was ihr für die Reise unbedingt mitnehmen solltet:
Immodium in ausreichender Menge (auch für die Mitreisenden, die eines der wirkungslosen Mittel mitgenommen haben. Danke noch einmal an Thilo, dessen gesamten Vorrat ich verdrückt habe).
Genug Filme oder Speicherkapazität für den Fotoapparat. Ich hätte alles, wirklich alles fotografieren können!
Geschenke! Es gab mehrere Gelegenheiten während der Reise, etwas zu verschenken. Es ist Bedarf an allen möglichen alltäglichen Dingen, die auf Cuba nicht erhältlich sind. Am besten beim Veranstalter nachfragen!

Viele Grüße
Bianka

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