1. Oktober 2009

Samos im Juli 2009 – Schweiß verbindet

Reisebericht von Marion und Jürgen (wonschi1 at freenet.de)
FROSCH Reiseziel Sportclub Helen Yolanda auf Samos

„Samos, der Name ist eine schwere Frucht, deren Saft in die Zähne schießt. Ihre Süße wäre zu süß, wenn nicht über den Tälern die spröde Anmut der Berge schiene: so aber bleibt man in Griechenland.“ (Erich Kästner)

Das Zitat zum Dumont-Reiseführer können wir noch nicht ganz nachvollziehen, sind aber davon angeregt, über unseren Eindruck von Samos nachzudenken.
Samos ist in unserem Vergleich die grünste griechische Insel; der Norden grüner, mit beträchtlichen, durchaus anmutigen Hügeln, die üppig bewaldet sind; da und dort Zypressen, ein Olivenhain oder ein Weinberg (fast wie Toscana), niedliche Bergdörfer und malerische Hafenstädtchen, herrliche Strände und zum Glück keine hässlichen Hotellandschaften – es war ein Anblick, den wir täglich genossen.

Samos hielt, was Frosch versprach. Unsere zwei Wochen flogen dahin wie der samesische Nordwind – So schön war es. Wiedereinmal versuchen wir noch eine Weile mit unseren Fotos und mit diesem Bericht die schönen Erinnerungen frisch zu halten an die Teamer, an Gäste, an Orte und eindrückliche Erlebnisse…
Uns ging Natur vor Kultur. Kultur gibt’s sicherlich genug auf Samos. Museen und Ruinen haben viel Altertümliches zu bieten und allerorten stehen Kirchen und Kapellen. Viel lieber waren wir jedoch draußen in den Bergen oder am Strand. Und sind Strände nicht ebenso Kultur wie Kathedralen, wo man die Sonne und das Meer anbetet ?
Wir fuhren meist mit dem Bike, um die Insel zu sehen und jeweils nach- oder während einer Tour ausgiebig zu beachen.

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Biken ziehen wir dem Wandern vor. Wandern ist auch schön, nur anstrengender – da kann man sich nicht rollen lassen. Wir wollten nicht gleich nach zwei Stunden von einer Tour zurückkehren, wollten jedoch auch kein Trainingslager machen, vor allem damit wir nicht nach dem Abendessen gleich gähnend ins Bett fielen, sondern stattdessen noch durch unser Hafenstädtchen Kokkari flanieren konnten. Zur rechten Balance war es dazu wichtig, auf seinen Körper sowie Kleidung, Sonnenschutz und Ernährung zu achten, denn die Berge im Verbund mit der Sonne können den Körper regelrecht gar kochen.
Samos verwöhnte uns mit Strecken aller Art wie in keinem Froschurlaub zuvor. Wir kamen dabei auf mindestens 400 Kilometer in 11 Biketagen. Wieviele Höhenmeter? Keine Ahnung, bestimmt ein paar Tausend.

Simone und Mario bildeten das hochgradig engagierte Zweiergespann der Reiseleitung. Mario war für die Räder, die Jeeptouren und die Musik bei den Parties in den Tavernen von Kokkari zuständig. Simone leitete die Wanderungen, und bot Fitness und Wellness an. Die beiden ergänzten sich gut, da Simone einen ruhenden Pol zur flippig-sympathischen Art von Mario darstellte. Mario zeichnete sich als Bikeguide durch seine Kompetenz und seine permanente Hilfsbereitschaft aus. Bei ihm steht Sicherheit und Spaß vor Risiko und Wettkampf. Das ist gut so. Wir können gar nicht ermessen, wie viel Verantwortung so ein Gruppenguide bei jeder Tour auf sich nimmt. Er ist in erster Linie bemüht, Anfängern das Mountainbiken näher zu bringen und spart dabei nicht mit ausführlichen Hinweisen und lehrreichen Rückmeldungen zu Fahrstil und Fahrtaktik. Sehr nützlich ist seine Idee, Flaschenhalter für große Wasserflaschen und einen zusätzlichen Halter für ein Reparaturset (Pumpe, Schlauch und Werkzeug in einer abgeschnittenen Plastikflasche) anzubringen. Jederzeit war er bereit, uns bilderreich Strecken aufzuschreiben für längere Touren, die über seine Angebote hinausgingen. Zudem wartet er wöchentlich die Räder tiptop. Mario wird uns nicht zuletzt wegen seiner langen blonden Locken und seines witzig-lebhaften Auftretens in Erinnerung bleiben. Dabei wissend, dass er seit Jahren Sommers wie Winters für Frosch arbeitet, wirkte er auf uns wie ein unbekümmerter Lebenskünstler, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Seine Ansprachen waren stets flott, indem er lustige Anekdoten zum Besten gab und lockere Sprüche bei den Touren so lange wiederholte, bis sie für uns zu geflügelten Worten wurden. Einmal vor einem steilen Anstieg machte er in seiner Ansprache eine so makaber-witzige Bemerkung, dass wir trotz Rampe noch kichernd strampelten. Bei den Zwischenstopps predigte er: „Trinkwasser ist kein Tragewasser !“, im Losfahren appellierte er an die Gruppe: “Die Schnellen nach vorn, die Schönen nach hinten !“ und an langen Abfahrten warnte er vor den schlechten Fahrern der Mietautos, die sich auf der „Marco-Polo-Gedächtnistour“ befinden. Den Gruppengeist und das Ende der Touren unterstrich er immer wieder mit dem Wahlspruch „Schweiß verbindet.“ Es gab noch einige schöne Sprüche mehr, und Mario wird sicherlich weitere erfinden. Während längerer Fahrpausen in Tavernen empfahl er uns jeweils eine Spezialität des jeweiligen Lokals. So kamen wir in Loucas schwalbennestartiger Taverne abseits des Bergdorfes Manolates in den Genuss von gefüllten Zucchiniblüten. Im Anschluss an den Fünfkilometeranstieg zum Bergdorf Vourliotis gaben wir uns mit einer Fruchtbombe (frisch gepresster Mix aus Orangen, Äpfeln und Karotten) eine Vitaminspritze, in der Archodissa bei den Potamiwasserfällen probierten wir ein Omelett-Spezial mit Pommes, Paprika und Zwiebeln und fast obligatorisch gönnten wir uns vor jedem Heimweg in der Gelateria bei Agios Konstantinos herausragend köstliches italienisches Eis.

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Nach Möglichkeit fuhren wir bei Marios Touren mit. Weil uns die Samos-Stadt-Tour zu kurz war, machten wir mit Marios Handzetteln von da aus jeweils zusätzliche Wege und unternahmen an Tagen ohne Bikeangebot komplett eigene Touren.

Die erste Tour ins Hinterland führte Mario nach Anstieg bis Ambelos u.a. über die knackige Ouzo-Rampe nach Manolates. Auf der Nachtigallentaltour mit einer wahrhaft spritzigen Abfahrt ins Nachtigallental machte er Actionfotos von allen Fahrern, wie sie einen der vielen auf der Schotterstrecke verteilten Bachläufe durchfuhren. Die weiteste Fahrt ins Hinterland geleitete er uns vorbei an Mytillini. Diese Strecke brachte es auf 800 Höhenmetern, da es nach langem Anstieg bis jenseits von Vourliotes noch viele Ups und Downs auf staubiger Schotterstrecke zurück nach Kokkari gab.

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Die Samos-Stadt-Tour verlängerten wir jeweils mit einer kleinen Gruppe eifriger Fahrer zu einer Nord- und einer Südschleife, um an schöne Strände zu gelangen. Die Nordschleife machten wir zu siebt (Bettina, Kerstin, Bernd, Axel, Inga, Marion und Jürgen). Der Livadakia-Beach, das Ziel an der Nordspitze, erwies sich wie angekündigt als kleine karibikartige Sandstrandbucht, wo wir in Begleitung von Chill-out-Musik Beachball spielten oder uns auf Plastikliegen im niedrigen Uferwasser ausstrecken konnten. Die Strecke dorthin fanden wir ohne Umwege, weil am Vortag Axel die Strecke zufällig mit einer Enduro abgefahren war. Seine Frau Inga, eine ehemalige Fußballerin, beeindruckte auf dieser Fahrt mit erstaunlicher Spritzigkeit am Berg, obwohl sie angeblich ganz selten radelte. Die Südschleife machten wir zu viert mit Björn und Kerstin. Björn kam als MTB-Fahrer aus dem flachen Niedersachsen endlich mal auf seine Kosten, während die nimmermüde Kerstin, Rennradfahrerin aus Hannover, auf den Geschmack des Kletterns kam. Zum Psili-Ammoz-Strand im Süd-Osten gelangten wir dabei von Samos-Stadt über herrliche Küstenstraßen, z.B. vorbei an der schönen Hafenbucht Posidonio. Von diesem wunderschönen Sandstrand Psili-Ammoz hat Samos zur Türkei eine Entfernung von nicht mehr als 1200 Metern. Ich (Jürgen) hatte mir vorgenommen, von dort zu jener kleinen unbewohnten türkischen Insel zu schwimmen, kraulte aber nur bis zu dem kleineren, dem Strand vorgelagerten Eiland, weil ich Respekt vor der Strömung bekam und mich in dieser Meerenge allein irgendwie unwillkommen fühlte unter der Beobachtung von türkischen und griechischen Militärposten.

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Ein Highlight war der Ausflug zu den Wasserfällen von Potami. Wir hatten uns dieses Ziel für die Gruppenfahrt aufgehoben. Recht so, denn wir hätten es alleine nicht besser organisieren können, und in der Gruppe machte das Abenteuer garantiert mehr Spaß. Hierzu führte Mario die Radler über 30 km Küstenstraße jenseits von Karlovassi. Bis zum Einstieg waren es nach der entsprechenden Abzweigung noch einige hundert Meter Wanderweg. Sodann erreichten wir über eine steile, sehr urige Holztreppe das Restaurant Archodissa, wo der Wirt vor lauter Freude über unser Kommen süßen Samoswein, Kuchen und später als Nachtisch riesige Melonenstücke spendierte. In der Taverne zogen wir unsere Badesachen für die Wasserfälle an. Wasserschuhe waren unerlässlich. Die Wanderung durch den felsigen Bachlauf war fast wie Canyoning, denn wir mussten uns gegenseitig helfen, während wir den Weg teilweise schwimmend oder kletternd zum Wasserfall zurücklegten. Die erfrischende Belohnung am Ziel war eine kühle Flut aus hundert Eimern Bergwasser – wow ! –wie eine große Taufe. Bis zur Rückfahrt blieben wir dann noch ein paar Stunden am Potami-Beach nahe der Hippiebar, wo wir uns bei fetziger Musik auf einem Himmelbett ausstrecken konnten.

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Unsere anstrengendste Radtour unternahmen wir zu zweit zum Berg Karvouni (1153 Meter), der höchsten Stelle der Insel, die mit dem Fahrrad zu erreichen ist. Der Anstieg begann wieder von der Abzweigung der Küstenstraße zum Bergdorf Vourliotis. Es folgten ein paar Rampen bis zum Kloster Mona Vronta, das gerade mit EU-Geldern renoviert wird, nachdem die Arbeit eines eifrigen Abtes bei dem großen Brand im Jahr 2000 jäh zerstört worden war. Kurz nach dem Übergang von der Asphaltstraße zur Schotterstrecke sahen wir mit Staunen und Bedauern am Wegesrand Wrackteile eines Helikopters, der in den 80ern abgestürzt sein soll. Stellvertretend für die zwei Verunglückten waren die Pilotensitze neben einer kleinen Kapelle am Boden befestigt. Die Schotterstrecke war in recht gutem Zustand, weil sie für das oben anstehende Patronatsfest präpariert worden war. In der unwirtlicher werdenden Landschaft begegnete uns ein braungebrannter Ziegenhirte mit seiner bimmelnden Herde. Er lächelte verwundert, als wir nach dem weiteren Weg durch die Einöde zur Profitis Ilias, der höchsten Erhebung, fragten, während sein Hund uns freundlich beschnupperte. Weiter oben fuhren wir an zwei älteren Ehepaaren vorbei, die mit ihrem Geländewagen Halt machten, um Kräuter zu sammeln. Ihre einzige Reaktion bei unserem Anblick war: “Are you okay ?“. Später trafen wir sie unten in der Taverne am Brunnen in Vourliotis wieder, wo sie mit dem Finger auf uns zeigten, um dem Wirt glaubhaft zu machen, dass wir tatsächlich ganz oben waren. Drei Stunden Kletterei und vier Liter Wasser für jeden brauchte es – puh !- dann standen wir oben glücklich an der kleinen Kapelle auf der Profitis Ilias. In der Nähe waren zwei große Tafeln befestigt, wie wir es von Autokinoleinwänden kennen. Von unten hatten wir vermutet, es seien Vorrichtungen für ein Basketballfeld. Tatsächlich wurden sie als Zielscheiben für Kampfjets genutzt. Eigentlich egal – auf der windgeschützten Terrasse der Kapelle vertilgten wir zur Linderung des Kohldampfs unseren kompletten Proviant, streckten uns ein wenig aus, zündeten eine Kerze vor dem Altar an und reparierten umständlich einen Plattfuss, bevor wir auf die lange holprige Abfahrt gingen.

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Es gab natürlich mehr als Biken bei Frosch. Die ganztägige Jeeptour auf Trails in Berg und Tal begeisterte alle Mitfahrer. Wir verzichteten darauf, weil sie uns zu lang und gefährlich erschien. Der Tag im Mietauto für eine kleine Inselrundfahrt in den Westen und Süden reichte uns.

Die vielen guten Surfern bei dem meist kräftigen Wind an unserer Surfstation zu beobachten machte stets Lust, mal wieder auf das Brett zu steigen. Doch um meine Technik (Jürgen) zu verbessern, hätte es unter den Bedingungen sicherlich mehr als nur hin und wieder eine Übungsstunde gebraucht.

Klar war, dass es auf den wenig geräumigen Steinstränden kaum Platz für Beachvolleyball geben konnte. Jedoch erwies sich das im Katalog ausgeschriebene Feld als Rasenfläche und Ablageplatz für Surfbretter, wo Wässerungsschläuche aus dem Boden ragten.

Hin und wieder starteten wir morgens eine Joggingrunde zum Leuchtturm von Kokkari, um danach noch vor dem Frühstück ein Bad am Long Beach von Kokkari zu nehmen. Abends ging ich (Jürgen) laufen, während ich (Marion) mir eine Joghurt-Gurkenmaske von Simone verabreichen ließ. Gute Laufstrecken sind rar. Die Küstenstraße ist zwar relativ eben, hat aber Asphalt und zuviel Verkehr. Daher zog ich die Crosstrecke über den Wandersingletrail im Hinterland vor.

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Das Abendessen nahmen wir an fünf Tagen in der Woche draußen an der Taverne in der Nähe des Hotels ein. Na ja, Mario hatte uns da vorab um Verständnis gebeten. Vielleicht können wir die griechische Gelassenheit nicht nachfühlen. Aber uns dauerte das Abendessen viel zu lang. Das heißt, bis zum Hauptgang waren wir schon fast verhungert und hatten zudem einiges mehr an dem Abendessen auszusetzen. Das war ärgerlich und schade, konnte jedoch unseren guten Eindruck von diesem Urlaub nicht kaputtmachen, denn das war das einzige , was unserer Meinung nach nachzubessern ist. Ausgleichend war, dass wir an vier Abenden selbst für unser Wohl in Kokkari sorgen mussten. So speisten wir dann ganz romantisch in kleinen Restaurants direkt am Meeresufer auf dem Strand von Kokkari.

An diesem Froschziel war außerdem sympathisch, dass die Gruppe nicht zu groß war. Nur wenige Gäste blieben uns gänzlich unbekannt, und bei den unterschiedlichen Gelegenheiten war es interessant, mit den anderen ins Gespräch zu kommen. Es gab so viele Typen, die wir in Erinnerung halten, aber wahrscheinlich nie mehr wieder sehen werden, außer vielleicht in einem Froschurlaub: Da waren z.B. der alles andere als trockene Mathematiker Jürgen mit seiner ebenso humorvollen Gefährtin Annette auf den Spuren von Pythagoras`. Mit seiner lustigen Art, er konnte nie ernst bleiben, sorgte Jürgen immer wieder für gute Laune. Beim Abendessen begegneten wir dem freundlichen Familienvater Günter, der schwärmend über seine Segelwoche berichtete und erzählte, dass gleichzeitig seine Frau im Alleingang den Jakobsweg macht. In Kokkari aßen wir mit den netten Frosch-Freundinnen Birgit und Katja zu Abend. Später teilte Katja unser Leid, als wir in Stuttgart feststellen mussten, dass unsere Koffer beim Zwischenstopp in München geblieben waren.

Und wie erging es den Singles ? Verschoss Amor vielleicht ein paar Pfeile ? Wir konnten nur ahnen: Hatte Bettina Bernd nicht schöne Augen gemacht, als sie zum zweiten Mal die Nordschleife fuhren? War da vielleicht nicht doch mehr zwischen Björn und Kerstin bei ihrer gemeinsamen Inselrundfahrt mit dem Fahrrad (Hut ab!) ? Und freute sich Tom, der Schwimmer mit der sanften Art, wirklich auf das Segeln, als er sich nach einer Woche von der charmanten Katja verabschieden musste ? Wir wissen es nicht. Die Antwort kennt nur der Meltemi.
Sicher ist nur die Erinnerung, die uns bleibt.

Nochmal vielen Dank Simone und Mario für alles. Eure Idee mit dem Abschiedsfoto und der Foto-CD war echt klasse.

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