29. August 2008

Sarti zu zweit

Reisebericht von Marion und Jürgen
FROSCH Reiseziel Sportclub Hotel Pontos, Sarti – Griechenland

Als „Frosch-Paar“ (damals in Kalabrien) entschieden wir uns ohne Zögern wieder für Frosch. Inmitten der vielen Singles war das neu für uns, wo wir doch vorher selbst stets allein mit Frosch gefahren waren. Wir zeigten uns offen für andere, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen, blieben aber beispielsweise oft beim abendlichen Buffet an unserem Vierertisch für uns. Warum ? Vielleicht erscheinen Pärchen als geschlossene Einheit. Das kann stimmen, da wir in erster Linie den Partner als Gesellschafter haben. Wir haben nicht das unbedingte Bedürfnis, uns anderen anzuschließen. Vielleicht erscheinen Pärchen auch nicht als potentielle Flirtpartner und Teilnehmer im großen Wem-schließ-ich-mich-an-Spiel ? Wer weiß? Da passieren wohl tausend Dinge in den Köpfen der Leute. Trotzdem lernten wir einige Menschen mit ihren interessanten Geschichten kennen. Zum Beispiel Martin: Wir kamen beim Klettern auf der Power-Tour mit ihm ins Gespräch. In mir (Jogi), einem Exilwestfalen im Schwabenland, wurden Heimatgefühle geweckt, da ich ihn als lustiges Ruhrpottoriginal zu schätzten lernte. Er hatte in Sarti das Biken entdeckt und erwies sich als Kämpfer am Berg. Für den langen Anstieg hatte er außer einer Wasserflasche keinen weiteren Proviant mitgebracht. Wir hofften ihn mit einer zusätzlichen Ration Wasser und Bananenstücken vor einem möglichen Hungerast zu bewahren. Martin offenbarte sich als einstmaliger Fussballprofi bei S04. Später redeten wir bei einem köstlichen Frappe mit Vanilleeis im Cafe del mar angeregt über unsere Sportarten, die Arbeit und das Suchtrisiko für Spieler von World of Warcraft. Am nächsten Abend waren er, seine beiden Söhne und ich (Jogi) die Fantastischen Vier beim Volleyballturnier – engagiert aber erfolglos – was soll`s ?


Gute Ideen für Zusammenkünfte hatten die Teamer in Hülle und Fülle. Es gab die Kennenlernpartys, die Mottoparty im Piratenlook, den griechischen Abend mit Sirtakikurs, die Poolparty mit Hawaiiflair, das Lagerfeuer am Strand mit Stockbrotessen, der Loungeabend an der Beachbar und zuletzt die Abschiedsparty mit Reden und Seglertaufe von den als griechische Götter verkleideten Teamern. Wir wurden zu Discoabenden in Sarti und an die Stranddisco der GOA-Bucht (mit Sonnenaufgang !) eingeladen. Daneben gab es Volleyballturniere (auch bei Nacht mit kargen Flutlicht), Kanutouren, Power-Hour (Action im Meer), Jogging, Gym, Olympics am Strand sowie Spiele am Pool und die Bootstour mit herrlichen Badestopps und Barbecue an einem einsamen Strand. Nicht überall machten wir mit. Man kann gar nicht alles mitmachen, und nicht alles ist umsonst. Doch vieles sprach uns an.
Die schöne Marlene machte sich sehr gut als natürlich-sympathische Reiseleiterin. Der smarte MTB-Guide Dirk erinnerte ein bisschen an den jungen Robert Redfort (als Sundance Kid in Zwei Banditen). Seine Touren waren ein Gewinn und bei Reparaturen und Streckentipps für Touren auf eigene Faust war er jederzeit hilfsbereit. Die junge Fitness- Isabelle, ein kleines Kraftbündel, war in ihren Ansprachen keck und genauso kernig leitete sie die Workouts für Bauch, Beine, Po. Der selbsternannte Lückenfüller Dirk (Dirk 2) war da sicherlich wichtig als Springer und für die zusätzliche Organisation der vielen kleinen Events.
Wegen des Sports sind wir bei Frosch und da kamen wir in Sarti voll auf unsere Kosten. Den Tag begannen wir meist mit einem Jogging in der Morgenfrische. Zunächst liefen wir zum Ende des Ortes, wo wir an der höchsten Stelle neben einer der für die Ostkirche typischen Ikonenvitrinen die Sonne begrüßten mit dem weiten Blick auf Sarti und das Meer bis hin zum Berg Athos des gegenüberliegenden Fingers. Nach Barfusslauf auf dem sandigen Meeresufer und Schwimmeinlage am Hotelstrand gingen wir wach und hungrig zum Frühstück.


Die Hitze machte besonders unter Windstille beim Biken zu schaffen. So war es uns wichtig, wenigstens vor 10 Uhr mit der Biketour zu starten, damit wir uns am frühen Nachmittag an den Strand legen konnten. Auf unseren Strecken machten wir jedes Mal Halt an irgendeinem Strand für einen Badestop und einen Frappe. Sarti und seine Umgebung bietet mit seinen vielen verschiedenen Stränden stets neue Anlaufpunkte. Die Küstenstraßen können in Verbindung mit dem vorhandenen Netz an Waldwegen im hügeligen Hinterland durchaus zu abwechslungsreichen Strecken erweitert werden.


Der Prospekt hat nicht zu viel versprochen. Hier gibt es eine Bucht nach der anderen mit diesem Türkiswasser, in das man gleich eintauchen möchte. Eine der schönsten Beachbars, das Cafe del mar, mit seinen weißen Vorhängen und gediegenen Polstersofas in Orange ließ uns an die Raffaello-Werbung denken.
In besonderer Erinnerung wird uns ein Strand bleiben, nicht nur wegen der dort in den Stein gehauenen Meerjungfrau, einem barbusigen Felsrelief und einer kleinen FKK-Schar schwul aussehender Narzissten. Aus dem anliegenden Waldstück stieg plötzlich dichter Brandrauch auf, so dass die mittägliche Ruhe im Nu dahin war. Wir hatten eigentlich nichts zu befürchten, dennoch spürten wir die Gefahr inmitten der Urlaubsidylle und waren alarmiert. In Minutenschnelle entvölkerte sich die Bucht vollständig, da die Menschen um ihre Autos und Zelte bangten. Wir stellten unsere Räder sicher und entschieden, vorerst am Strand zu bleiben Kurz darauf flogen vier Löschflugzeuge und ein Helikopter in unzähligen Schleifen über die Brandstelle, die so nah war, dass uns beim späteren Verlassen der Bucht der Brandgeruch mit Ascheresten entgegenschlug, und letzte Tropfen der Löschwasserladungen auf uns nieder regneten.
Die anspruchsvollste Bike-Tour ging ins Hinterland auf Serpentinenwegen stetig bergauf zu einem Aussichtspunkt mit Pavillon. Die staubigen Wege zogen durch die macchiabewachsene Landschaft, wo vereinzelt rosa Oleanderbüsche Farbe ins Einheitsgrün brachten. Der einzige Geräuschpegel im Gelände bildete das permanente Grillengezirp. Ab und zu erklangen die Glöckchen kreuzender Ziegen, deren Hirten uns freundlich begrüßten. Wir gaben wohl ein seltsames Bild mit unseren Bikes ab.


Das Downhill erschien für den ungeübten Biker ziemlich anspruchsvoll. Der Weg war durchsetzt mit tiefen erosionsbedingten Querfurchen. Erdiger Untergrund wechselte mit Fels, großen Steinen und bremsenden Sandpassagen. Nach unserer letzten Abfahrt von da oben vermissten wir unseren Guide, der als letzter die Gruppe absichern wollte. Schließlich kam er nach schwerem Sturz (fast in den Abgrund) mit zerdeppertem Vorderrad lässig den Weg herunterspaziert. Er blutete am Oberarm und hatte sich zum Glück lediglich das Handgelenk verstaucht.

Der Strand bot neben der Möglichkeit, sich mal genüsslich unter dem Sonnenschirm auszustrecken (ohne Schirm und Sonnencreme ging nichts), natürlich weitere schöne Beschäftigungen. Der Wind war normalerweise nie zu stark für den fortgeschrittenen Surfanfänger, so dass man in der Bucht bei permanent auflandigem Wind getrost ein Stündchen an seiner Halse feilen konnte. Am späten Nachmittag fanden sich meist genügend Beachvolleyballer, um kurz vor dem Abendessen noch ein paar Sätze im heißen Sand zu spielen.


Eine gewisse Herausforderung war vom Strand aus ständig in einiger Entfernung im Meer zu sehen. Ein Fels innerhalb der Bucht ragte in etwa tausend Meter Entfernung aus dem Wasser. Das war eine Verlockung für jeden halbwegs ambitionierten Langstreckenschwimmer. Mit Marion auf der Luftmatratze als Beiboot nahm ich (Jogi) die Strecke bei ruhiger See auf mich. Eine leichte Strömung erschwerte es, auf der Ideallinie zu bleiben, und mit zunehmender Ferne vom Strand wurde der Grund dunkler und furchteinflößender. Wer würde da nicht auch an irgendwelche Seeungeheuer denken, die einen am Bein packen, um einen in die Tiefe ziehen ? Um diese Gedanken zu vertreiben, träumte ich vergeblich von einem freundlich dahergleitenden Delfin, der mich auf seinen Rücken nahm, um mir die Strecke zu verkürzen. Der Fels schien kaum näher zu kommen, so dass die Zeit bis zum Ziel länger als erwartet wurde trotz unermüdlicher Armzüge und Beinschläge. Es machte dann schon ein wenig Stolz, den Fels zu erreichen. Allerdings wurde ich auf dem Fels mit einem Duftgemisch von totem Fisch und Vogelexkrementen belohnt, der mich nach wenigen Minuten wieder auf den Rückweg schickte.

Gefragt nach dem, was Sarti ausmacht, würden wir sagen: Natürlich die vielen karibischen Strände. Was machte unseren Urlaub in Sarti aus ? Natürlich viel an schönen Stränden sein und drumherum viele verschiedene schöne Dinge unternehmen – sportliche und abenteuerliche …

Ein Gedanke zu „Sarti zu zweit

  1. Dirk

    Hallo Marion, hallo Jogi!
    Schöner Bericht, freut mich das es euch so gefallen hat.
    Eure sportlichen Ambitionen waren eine Bereicherung und die erwähnte Powertour mit anschliessende Frappé im Cafe del Mar wirklich ein Highlight. Meinem Handegelenk geht es bestens, doch der Oberarm ist wohl auf immer von diesem Tag gezeichnet (trotz bester 1.Hilfe, danke euch nochmal!)
    Lg aus Hamburg , Dirk.

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