5. November 2008

Segeltörn Kampanien – Golf von Neapel

Ein Frosch gehört aufs Wasser! 6. September bis 13. September 2008

Reisebericht von D.E.

FROSCH Reiseziel Segeltörn Capri, Ischia & Amalfi

Als „Dauerfrösche“ im Sommer wie im Winter immer mal wieder reiselustig, wollten wir etwas Neues ausprobieren. Gesagt, getan und so buchten wir ganz spontan den Segeltörn im Golf von Neapel, ohne eigentlich genau zu wissen, was auf uns zukommen würde! Skeptisch waren wir schon, eine Woche auf engstem Raum mit sechs weiteren Crew-Mitgliedern zu verbringen. Ebenfalls hatten wir keine Ahnung, ob wir seefest sind und wie uns die „Camping-Atmosphäre“, in Bezug auf die sanitären Anlagen gefallen würde. Später stellten wir fest, dass sich alle unsere Befürchtungen in Luft auflösten und das wir uns gerne mit kleinen Einschränkungen arrangierten.

Samstag

Flug nach Neapel und problemloser Bustransfer (1,5 Std.) nach Agropoli, wo unser Segeltörn begann. Ankunft bei ca. 30°C und Sonnenschein!
So nach und nach trudelten die anderen Mitreisenden ein und an Bord der „Aris“ begrüßte uns Skipper Dieter. Wir inspizierten das Segelboot, eine schon in die Jahre gekommene Bavaria 44 und ergatterten die Bugkabine, die etwas mehr Platz parat hielt, als die anderen drei Kabinen.
Nach dem Füllen der Bordkasse starteten abends alle zusammen einen Großeinkauf im abenteuerlichen „Supermarkt“ von Agropoli. Schon dabei wurde klar, dass die Woche ziemlich spaßig werden würde!
Später spazierten wir oberhalb des Hafens durch das aus dem 7. Jh. stammende
Stadttor und betraten die Altstadt von Agropoli, welche hoch über dem Meer auf einer Felsnase lag, dort genossen wir unseren ersten italienischen Abend in malerischen verwinkelten Gässchen und bei sehr gutem Essen. Danach klang der Abend mit Rotwein und nettem Geplauder an Bord der „Aris“ aus, die im Hafen ruhig vor sich hin dümpelte.

Sonntag

Nach dem Frühstück und der Sicherheitseinweisung ging’s vormittags mit einer teilweise völlig segelunerfahrenen Crew voller Erwartungen los! Wir verließen den Hafen von Agropoli mit Kurs auf Amalfi und setzen die Segel, nach den zuweilen leicht knappen Erklärungen des Skippers Dieter. Erfolgte unsere Umsetzung dann manchmal etwas unbeholfen, kommentierte der Seebär dies mit einem langgezogenen „Eijeijeijeijei“, was zur allgemeinen Heiterkeit beitrug und später zu unserem Schlachtruf wurde. Bei leichtem Wind und glatter See hatten wir einen guten Einstieg und von Reisekrankheit keine Spur. Die Stimmung war bestens und wir genossen ganz relaxt den sonnigen Tag, inkl. Badestop am Nachmittag. Entlang einer der schönsten Küsten Europas, bot sich ein fantastisches Panorama auf steile Schluchten, türkisfarbenes Meer und einsame Buchten. Nach sechs Stunden Fahrtzeit war am späten Nachmittag Amalfi in Sicht. Beeindruckend der Ausblick auf die pastellfarbenen, in die steilen Felsen gebauten Häuser. Im Hafen von Amalfi angekommen, staunten wir nicht schlecht über unsere Nachbarschaft, zu sehen gab es jede Menge Prunk und Protz! Die Ankunft mit einem „Anleger“ (Zitronenlikör Limoncello) gefeiert, startete im Anschluss daran der Ausflug nach Amalfi. Wir schlenderten durch den sehr touristischen, aber schönen Ort, schauten im Dom vorbei und verweilten einige Zeit im Café am Domplatz. Abends zauberte Skipper Dieter als Smutje ein genial leckeres Essen für uns und bei lauen Temperaturen saßen wir noch lange beisammen.

Montag

Nach der morgendlichen Duschaktion auf dem Steg und dem Frühstück, waren wir unterwegs mit Kurs auf Procida. Wir verbrachten einen weiteren sonnigen Tag mit etwas mehr Wind als am Vortag. So langsam vergaßen wir die Zeit und genossen das Faulenzen und immer wieder die imposante Landschaft, sowie einen weiteren Badestop.
Am Nachmittag riss leider das Großsegel, somit kam letztlich der Motor noch zum Einsatz und nach insgesamt 8 Stunden erreichten wir den Bilderbuchhafen von Procida.
Die kleinste Insel im Golf von Neapel ist gerade mal 4 km² groß und vom Massentourismus verschont geblieben. Wir erkundeten jene Marina, an der Matt Damon als „Der talentierte Mister Ripley“ lebte und zuvor „Der Postmann“ Philippe Noiret alias Pablo Neruda Briefe zustellte. Die Requisiten die man inmitten der Fischerdorfkulisse sah, fügten sich bestens ins Bild. Im Hafen schaukelten die lackierten Fischerbötchen, Wäsche trocknete zwischen den bunt gestrichenen Häusern, hier und da schob sich ein Einheimischer im gerippten Unterhemd über den Balkon oder ein alter Fiat 500 bewältigte als einziges Vehikel den Weg durch die engen Gemäuer. Beim Sonnenuntergang leuchteten einige Bauten in einem unglaublichen Ziegelrot und Ockergelb. Procida gefiel uns wirklich sehr!

Dienstag

Gegen 12:30 Uhr startete die unplanmäßige Abfahrt nach Nisida, dort wurde das defekte Großsegel gewechselt. Die Aktion ging pünktlich und unproblematisch über die Bühne und nach nur 45 Min. konnte der Kurs Richtung Ischia aufgenommen werden. Bei leichter bis nicht vorhandener Brise war gegen 18:00 Uhr die größte und brodelnde Vulkaninsel im Golf von Neapel in Sicht, dort ankerten wir vor St. Angelo. Die engen Treppengassen des „Ortes der Engel“ erkletterten wir uns, zu entdecken gab es einen weiteren feinen Ort mit urigen Lädchen. Dem Sonnenuntergang bummelte eine zufriedene Crew entgegen! Später wirbelten wir Matrosen an Bord durch die Kombüse und fabrizierten in einem „Alle-Mann-Manöver“ ein prima Essen, welches dem Mahl unseres Skippers natürlich nicht das Wasser reichen konnte, aber trotzdem sehr lecker war. Bei bester Stimmung verging ein schöner Abend mit Vino und Limoncello.

Mittwoch

Anker auf Richtung Capri. Die Zeit verging wie im Flug, waren wir nicht mit plaudern, Blödsinn verzapfen, sonnen und dösen schwer beschäftigt, wurden Unmengen von italienischem Gebäck und frischem Obst vertilgt – eine gute Kombination, so ließ es sich leben! Ein Badestop wurde natürlich wieder eingeschoben und wenn niemand einen Quallenalarm vermeldete, stürzten sich alle in die Fluten. Das Schiff umsegelte Capri, entlang an kargen, schroffen Steilküsten, aber auch entlang an grünen Hängen. Die legendäre Blaue Grotte vom Massentourismus völlig verstopft, wurde vom Ausflugsprogramm gestrichen. Mittags ankerten wir vor der Marina Piccola und tuckerten mit dem Dingi an Land. In den Altstadtgassen von Capri gab es schicke Restaurants, Cafés und Boutiquen in denen die Reichen und Schönen flanierten. Im Herzen des Städtchens ließen wir uns auf der Piazetta Umberto nieder, welche umrahmt wurde von der großen kuppelbekrönten Kirche und den zweigeschossigen pastellfarbenen Häusern. Wir beobachteten das Treiben, hier traf sich anscheinend ganz Capri. Am Abend lief Smutje Dieter mit uns als Backschaft nochmals zur Bestform auf und es hieß „Boun appetito“!

Donnerstag

Aufbruch zur leider schon letzten Station! Nach Salerno sollte der bislang sparsam vorhandene Wind das Segelboot bringen. Gegen Mittag musste diese Aufgabe allerdings wieder der Motor übernehmen. Beim Zwischenstop zur Grottenerkundung kam das Dingi noch mal zum Einsatz. Mit Vollgas durchkreuzten wir die entdeckte Höhle. Nettes Spielzeug!
Weiter ging es und am späten Nachmittag war Ankunft im wenig einladenden Industriehafen von Salerno. Die in die Amalfiküste eingebettete größere Universitätsstadt schien touristisch ziemlich verschont geblieben zu sein, einen kleinen Einblick in die landestypische Lebensweise erhielten wir dort. Unser Weg führte uns durch stickige, uralte Gassen, entlang an kleinen Läden, bis hin zur Kathedrale San Matteo. Sehenswert war die gepflegte, historische Altstadt schon, auch wenn dieser Ort nicht unbedingt zu den Höhepunkten der Reise zählte. Unser Skipper steuerte uns zu einem wirklich hervorragenden Restaurant und beim ausgedehnten Abendessen ließen wir es uns richtig gut gehen.

Freitag/ Samstag

Unser letzter Segeltag führte uns zurück nach Agropoli. Noch mal verbrachten wir den Abend in der Trattoria, hoch über dem Hafen und verprassten die letzten Euros aus unserer Bordkasse.
Morgens verabschiedeten wir uns wehmütig mit einem letzten „Eijeijeijeijei“ von Skipper Dieter, eine geniale Woche ging damit leider zu Ende und vor uns lag eine weitere Ferienwoche im Sportclub Il Tempio…

Das Zusammenleben an Bord stellte sich als sehr harmonisch heraus. Obwohl alle Crewmitglieder (8 Matrosen + Skipper) ziemlich unterschiedlich schienen, gab es keinerlei Unstimmigkeiten und jeder packte mit an. Wir hatten jede Menge Spaß und empfanden Erholung pur.
Das Segelboot zeigte sich schon etwas „verwohnt“, die Ausstattung eher einfach. Unser Skipper musste im Salon schlafen, da alle Kojen belegt waren. Etwas zu wünschen übrig, ließen die sanitären Anlagen in den Häfen, bzw. es waren teilweise gar keine vorhanden. Geduscht wurde somit meistens am Steg.
Das Segelrevier stellte sich sehr abwechslungsreich dar und ist empfehlenswert. Den größten Teil unserer Strecke fuhren wir leider unter Motor, da es wenig Wind gab, für diese Jahreszeit aber wohl eher normal. Der Umstand kam unseren Mägen allerdings zugute, Reisekranke gab es an Bord keineswegs. Die Pontinischen Inseln erreichten wir nicht, da die Ausflüge an Land zeitlich in dieser Form sonst nicht möglich gewesen wären. Die Landgänge führten uns in die schönsten Orte entlang der Amalfiküste und des Golfes von Neapel. Sicherlich ist die Region nicht die preiswerteste, aber es lohnte sich in jedem Fall!

Ein weiterer Segeltörn mit neuem Ziel wird bestimmt folgen!

Ein Gedanke zu „Segeltörn Kampanien – Golf von Neapel

  1. Eugen Beyer

    Schön, dass ihr so viel Spass hattet, nur leider fehlen jegliche Revierinformationen über die sanitären Anlagen, Hafengebühren, Einkaufsmöglichkeiten, usw.
    Schade.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.