20. Mai 2009

Sizilien im Frühjahr – Das Land, wo die Zitronen reifen

Aktiv- und Wanderreise Noto vom 4. April 2009 bis zum 11. April 2009
Reisebricht von Marie-Luise Hasler
(hasler at u-form.de)

Möglichst warm und sonnig, das waren unsere Vorgaben als wir an die Planung unserer Osterferienwoche gingen. Als erfahrene „Frösche“ wollten wir auch diesmal wieder gerne mit Frosch reisen und so kam als Sonnenziel für eine Woche Osterferien eigentlich nur Sizilien in Frage. Wir entschieden uns für die Aktiv- und Wanderreise ins Landhaus La Corte del Sole in Noto. Nach dem Start im frühlingshaften Düsseldorf gab es aus dem Flugzeug heraus meist klare Sicht und damit Sonnenschein noch bis an die Nordküste von Sizilien. Erst beim Anflug auf Catania wurde das Wetter grau und regnerisch. Wir stiegen dennoch aus und beim Einstieg in den bereits wartenden Minibus gab es das übliche Beschnuppern der übrigen Mitreisenden (Wie die Woche mit denen wohl wird?). Nachdem der Bus im strömenden Regen längere Zeit an Industriegebieten und einer Raffinerie vorbei fuhr, kamen doch Zweifel auf: „Was wir da wohl gebucht haben?“ Kurz vor Noto riss der Himmel dann aber endlich auf, Industrie war auch nicht mehr zu sehen und damit stieg unsere Stimmung wieder. Am Hotel wartete schon Thomas unser Guide für die nächste Woche zur Zimmerverteilung und Kurzeinweisung. Wir ließen uns dann gleich den Weg zum nächsten „Supermarkt“ erklären, um noch Wasser oder Kekse für die am kommenden Tag (Sonntag) anstehende erste Wanderung zu kaufen. Ein Fußweg von ca. 20 Minuten zum Mini-Markt in Lido di Noto kam uns nach dem langen Sitzen im Flugzeug auch gerade recht. Auf dem Rückweg wollten wir noch einen kleinen Abstecher am Meer entlang machen, der uns dann allerdings erst auf einigen Irrwegen und nach dem Überwinden zweier geschlossener Tore zurück zum Hotel führte. Das Abendessen war, wie auch alle folgenden, typisch italienisch und lecker. Nach einem abwechslungsreichen Anti-Pasti Büffet, gab es noch Primi Piatti (also Nudeln oder Risotto), dann beim Hauptgericht die Auswahl zwischen Fisch und Fleisch und zum guten Abschluss noch ein leckeres Dessert. Danach konnte man eigentlich nur noch satt ins Bett fallen.


Am nächsten Morgen eine freudige Überraschung, trotz schlechter Wettervorhersage schien die Sonne vom strahlend blauen Himmel, so dass wir draußen frühstücken konnten. Das Frühstück war zum Glück nicht nur typisch italienisch und so gab es neben süßen Hörnchen und Kuchen auch Wurst, Käse, Marmelade, Nutella, Brötchen und sogar Müsli mit Milch. Nach dem Frühstück gab es einen kurzen Vortrag von Thomas über unser Programm in der folgenden Woche. Inzwischen waren auch die Spätankommer aus Stuttgart und Frankfurt da, so dass wir mit 13 Reisenden komplett waren. Wie nett und lustig unsere Gruppe war, sollten wir in den Tagen und Abenden noch erleben, womit alle Zweifel vom Anfang ausgeräumt waren.
Unser erster „Spaziergang“ führte uns nach kurzem Transfer mit dem Hotelbus durch das Naturschutzgebiet Vendicari. Neben Flamingos und allerhand interessanten Pflanzen gab es dort eine verfallende Thunfischfabrik zu besichtigen und von Thomas gleich die erste Lehrstunde in sizilianischer Politik und Geschichte. Da er ganzjährig in Noto lebt und sich offensichtlich mit der sizilianischen Geschichte beschäftigt hatte, wusste er an vielen Stellen interessant zu erzählen. Einem Laien wie mir, hätte man die Fabrikruine jedenfalls auch mühelos als die Überreste eines Tempels o.ä. verkaufen können. Zur Mittagszeit gab es ein Picknick mit den vom Hotel bereitgestellten Broten. Danach ging es noch überraschend lange weiter am Meer entlang und danach vorbei an Mandel-, Zitronen und Orangenbäumen, wobei insbesondere letztere von uns geplündert wurden. Zum guten Schluss ging es dann noch über eine verfallene Bahnbrücke zurück zum Hotel. Dort hatten wir 2 Stunden Zeit zum ausruhen und duschen, bevor es dann am Spätnachmittag wieder mit dem Hotelbus nach Noto ging. Leider fing es genau in dem Moment an zu regnen als wir in Noto ankamen. Trotzdem zeigte sich Noto als hübsche Barockstadt mit italienischem Flair. Von der Dachterrasse eines der zahlreichen Klöster hatte man einen guten Überblick über die Stadt und ihren gewaltigen alles überragenden Dom. Den Abschluss der interessant gestalteten Stadtführung bildete ein Besuch im Cafe Sicilia, angeblich eines der besten Cafes in Italien. Mit Blick auf das kurz bevorstehende Abendessen wollten wir aber die zahlreichen Kuchen und Torten lieber nicht testen und haben uns mit Kaffee und einem kleinen Eis begnügt.


Am nächsten Tag war dann eine Radtour geplant. Aber zunächst gab es eine Lektion in sizilianischer Gelassenheit, denn der für die Fahrräder zuständige Hotelmitarbeiter, Luca, holte jedes Rad einzeln aus dem Fahrradschuppen, um dann in aller Ruhe Luftdruck, Bremsen und Schaltung zu überprüfen ehe er das Fahrrad einem von uns zuwies. Auf diese Weise verging fast eine Stunde ehe wir uns dann mit den Rädern auf den Weg machen konnten. Zunächst ging es wieder nach Noto, wo der erste Cappuccino eingenommen wurde. Anschließend ging die Runde weiter über ein kleines kaum befahrenes Sträßchen Richtung Avola. Kurz vor Erreichen der Stadtgrenze gab Thomas uns noch die Gelegenheit den dortigen Friedhof zu besichtigen. Was erst mal etwas merkwürdig klang, war dann aber doch sehr interessant, da viele sizilianische Familien auch heute noch kleine Mausoleen für die ganze Familie bauen. Anschließend wandten wir uns aber wieder ganz den weltlichen Bedürfnissen zu und fuhren durch Avola Richtung Meer, um dort in einer Bar unsere Mittagpause zu machen. Leider hatte die erste angepeilte Bar überraschenderweise geschlossen, so dass wir noch 3 km weiter fahren mussten zu Georgios Bar/Restaurant. Das sah zwar geschlossen aus, aber Thomas Beziehungen machten ein leckeres Mittagessen für alle möglich. Nach eingelegten getrockneten Tomaten, gab es noch selbst gemachte Ravioli oder gefüllte Teigtaschen. Satt und zufrieden fuhren die meisten zurück ins Hotel. Wir versuchten noch ein wenig länger am Meer entlang Rad zu fahren, kamen aber leider sehr schnell auf eine stark befahrende Hauptstraße, so dass uns ohne Landkarte kaum etwas anderes übrig blieb als auch ins Hotel zurück zu kehren und dort die Sonne auf den Liegen am Pool zu genießen.

Dienstag gab es dann die große Wanderung in Pantalica einer Schlucht mit ca. 5000 Höhlengräbern. Leider machte ein Steinrutsch, der in der Nacht stattgefunden hatte, den Einstieg an der ursprünglich geplanten Stelle unmöglich, so dass wir noch etwas weiter mit dem Bus fahren mussten, um zu einem oberhalb liegenden Eingang zu gelangen. Von dort stiegen wir dann auf alten ausgetreten Steinstufen ab bis zum Fuß der Schlucht und auf der anderen Seite wieder herauf. Dabei gab es neben den Höhlengräbern und spektakulärer Landschaft noch die kärglichen Überreste einer antiken Stadt und eine byzantinische Höhlenkirche zu besichtigen. Nachdem wir alle verschwitzt und ermattet wieder am wartenden Bus angekommen waren, ging es weiter nach Syrakus, einer weiteren interessanten Barockstadt im Süden Siziliens. Leider hatten wir hier nur noch eine gute Stunde Zeit uns einen Eindruck zu verschaffen, wenn wir rechtzeitig zu Abendessen wieder im Hotel sein wollten. Und das wollten wir natürlich.


Der Mittwoch war programmfreier Tag, d.h. jeder machte sein Programm selber. Wir hatten uns für die angebotene Ätna Tour entschieden, was zu Stress bezüglich der Bekleidung führte, da auf dem Ätna noch Schnee lag und wir deshalb ausreichend warme Bekleidung brauchten. Aber wie kommt man auf Sizilien an lange Unterhosen? (Besser ist man bringt sie mit, wenn man im Frühjahr auf den Ätna möchte.) Leider kam es dann nicht zum Einsatz der unterschiedlichsten Bekleidungszwiebelschichten, da die Tour wegen der schlechten Wetterprognose schon am Vorabend abgesagt wurde. Wir mieteten wir uns daraufhin noch einmal die Räder vom Hotel und fuhren ins antike Noto. Da wir dummerweise nicht in die Wegbeschreibung geschaut hatten, sondern dachten wir finden es auch nur mit Karte, sind wir leider über eine relativ stark befahrende Straße bergauf nach Noto Antica gefahren. Dort war es dann aber ruhig und idyllisch, so dass wir eine gemütliche Mittagsrast halten konnten, ehe wir nach einem kurzen weiteren Anstieg eine Super Abfahrt (17 km ausschließlich bergab) nach Noto genossen. Eine andere Gruppe hatte den angebotenen Segeltörn zur Südspitze Siziliens mitgemacht und einige waren noch einmal mit dem Zug nach Syrakus gefahren, um sich dort intensiver umzuschauen. Abends trafen sich alle zum Abendessen wieder und berichteten lebhaft von der unterschiedlichen Ereignissen des Tages.

Donnerstag ging es dann wieder wandern. Diesmal zu einem verlassenen Landgut. Dass der vor dem Landgut verrottende Schrottwagen zahlreiche Einschusslöcher aufwies, beflügelte die allgemeine Phantasie. Außer zahlreichen harmlosen Kühen begegnete uns aber niemand dort. Nach der Wanderung war noch Zeit genug sich ein wenig in der Sonne am Pool zu erholen und einen kleinen Spaziergang zum Strand zu unternehmen. Dem Weg zum Strand eilte der Ruf voraus, dass einem dort wild kläffende Hunde auflauerten. In unserem Fall hatten die Hunde aber mehr Angst vor uns als wir vor Ihnen, so dass wir unbehelligt hin und zurück marschieren konnten. Auch wenn das Meer noch eindeutig zu kalt zum Baden war, konnte man sich mühelos vorstellen, dass man an diesem schönen ruhigen Strand erholsame Stunden verbringen kann. Abends gab es das Abendessen ausnahmsweise nicht im Hotel sondern auf einem sizilianischen Bauernhof. Dort konnten wir zuerst bestaunen wie die Bäuerin auf einer archaisch wirkenden Herdstelle im Riesentopf Ricotta kochte. Das anschließende Essen mit reichlich Ricotta, selbstgemachten Ravioli, Teigtaschen usw. usw. war derart üppig, dass den Meisten am Ende etwas mulmig vom vielen Essen (und Trinken?) war. Trotzdem haben fast alle die anschließende Busfahrt über kurvige Sträßchen gut überstanden.

Freitag war schon unser letzter Tag und da ließ uns das Wetter etwas im Stich. War bisher die Wettervorhersage stets mäßig bis schlecht, das Wetter aber gut gewesen, war es jetzt umgekehrt. Trotz bester Wettervorhersage war es bewölkt und es wehte ein kalter Wind. Einige Unerschrockene ließen es sich trotzdem nicht nehmen unter Thomas Leitung den Monte Finocchito zu besteigen. Wie immer kauften wir die Panini für unser Mittagspicknick bei Corrado, einem der besten Paninibeleger auf Sizilien (laut Thomas). Trotz der wenig malerischen Verkaufsbude an einer Tankstelle konnte es aber keinen Zweifel geben, dass diese Panini wirklich perfekt belegt waren und zwar so, dass sie auch noch nach Stunden im Rucksack richtig gut schmeckten. Mit Panini und zur Feier des Tages jeweils einer Mini Rotweinflasche im Rucksack ging es dann wieder einmal vorbei an Zitronen-, Mandel- und Olivenbäumen bis hoch auf den Berg. Die dort gelegene zerfallende Verteidigungsanlage aus dem 2. Weltkrieg, von der wir uns Wetterschutz für das Picknick erhofft hatten, war so hermetisch abgeriegelt, dass man meinen könnte dort würde heute noch Italien verteidigt. Wir mussten also weiter, fanden dann aber unter einem Johannisbrotbaum eine schönere Picknickstelle. Nach dem Abstieg ging es zurück zum Hotel, wo wir leider schon unsere Koffer packen mussten. Noch einmal Abendessen, noch einen (oder zwei?) Drink an der Bar und dann war dieser schöne Urlaub für uns beendet, denn wir wurden am nächsten Morgen bereits um 6.00 Uhr für den Rückflug abgeholt.

Wir haben die Woche auf Sizilien sehr genossen. Das Hotel war wirklich schön, das Essen sehr gut und abwechslungsreich. Super klasse war Guide Thomas der auf fast alle Fragen eine Antwort wusste und interessant berichten konnte. Auch wenn es kein offizielles Abendprogramm gab, hatten wir mit unserer netten Gruppe immer unseren Spaß, sowohl beim Abendessen als auch hinterher noch in der Bar. Für den klassischen Partygänger ist Noto aber sicherlich kein geeignet Ziel. Schade war eigentlich nur, dass die Räder nicht Frosch, sondern dem Hotel gehören, so dass man sich nicht „mal eben“ ein Rad leihen und z.B. nach Noto fahren kann. Sowohl das Leihen der Räder als auch der Minibusshuttle nach Noto waren kostenpflichtig und nicht immer spontan zu realisieren.

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