30. Juni 2009

Skiathleten kennen keine Serpentinen – 22. Mai – 5. Juni 2009

Reisebericht von Ulf Bongers (ulf.bongers at web.de)
FROSCH Reiseziel Sportclub Hotel Agnadi auf Skiathos, Griechenland

Prolog

Griechische Inseln hab ich inzwischen schon einige besucht. Hab gerade keine Lust durchzuzählen, aber das Dutzend dürfte wohl voll sein. Darunter waren natürlich die üblichen Verdächtigen der Kykladen nebst ein paar Exoten, die Mainstreamer Korfu und Kreta, des weiteren Samos, Ikaria, Lesbos und unzählige Lokalitäten namens Akropolis. Von einer Insel mit dem Namen ‚Skiathos‘ und den ‚nördlichen Sporaden‘ hatte ich bis vor ein paar Monaten allerdings noch nichts gehört – bis mich der aktuelle Katalog der Frösche heimsuchte. Als der neue Sportclub zum ersten Mal meine Aufmerksamkeit erregte, war ich zunächst skeptisch. Welcher halbwegs weltoffene Hypochonder denkt denn beim Klang von ‚Skiathos’ nicht direkt an irreparablen Knorpelschaden? Und lässt einen die bloße Erwähnung des Wortes ‚Sporaden’ nicht reflexartig zum Antifungizid greifen, seien wir doch mal ehrlich? Dennoch. Die nähere Katalogbeschreibung relativierte einiges. Die ‚griechische Karibik’ stand dort geschrieben. Eine ungewöhnliche Verschmelzung zweier auf den ersten Blick unvereinbarer Kulturen. Wer wird da nicht neugierig? Sokratische Philosophenzirkel mit Rastalocken und kreisender Zigarette, sirtakischer Schulterschluss zu Calypso-Rythmen. Klingt doch harmonisch und entspannt. Wer konnte denn damit rechnen, dass diese kulturelle Kernschmelze – in die Form eines Begrüßungscocktails gegossen – bereits am Welcome-Abend gereicht werden sollte. Ich sag nur: ‚Ouzo meets the Grenadines’. Oder: ‚Schierlingsbecher unterm Cocktail-Schirmchen’, um bei Sokrates zu bleiben. Na ja, ganz so schlimm war es auch nicht. Bin immer noch im Besitz der grundlegendsten Vitalfunktionen und hab beim Welcome-Abend der zweiten Woche in fatalistischer Grundstimmung sogar einen weiteren davon verköstigt. Nehmt das als Entschuldigung für alles Weitere.

Agnadi – Der weite Blick aufs Meer

Abflug 6Uhr30 von Düsseldorf, in Nürnberg umsteigen und noch mal zweieinhalb Stunden bis Volos. Dann ca. eine Stunde im Bus zum Anleger, aufs Bötchen und etwa drei Stunden bis Skiathos-Hafen, schließlich noch zehn Minuten mit dem Bus zur Bushaltestelle vorm Hotel und wer glaubt, er hätte es dann geschafft, hat etliche Höhenmeter zu kurz gedacht. Puh, ganz schön happige Anreise, werden manche denken, da kommt man ja schon mit Druckstellen an. Vergeben und vergessen, sag ich nur. Vergeben und vergessen in dem Augenblick, in dem Ihr zum ersten Mal auf der kleinen Terrasse neben der Poolbar steht und den Blick übers Meer schweifen lasst.

Gourmet-Meerblick bei Tage

Nichts gegen einen einfachen Meerblick, einfacher Meerblick ist toll. Schon allein wegen des einfachen Meerblicks freu ich mich wie Bolle auf den Sommerurlaub. Damit ist es jetzt vorbei, denn einfacher Meerblick, das kann jeder. OK, Nordrheinwestfalen hat ein kleines Problem damit – na, mal sehen, was die Klimaerwärmung bringt. Jedenfalls ist das da von der Hotelterrasse des Agnadi aus nicht nur einfacher Meerblick, das ist auch kein doppelter Meerblick, das ist ein absoluter Hammer-Gourmet-Meerblick. Mit Pinie im Vordergrund, gewundener Steilküste im Hintergrund, kleinen vorgelagerten Inselchen im Dazwischengrund und Lichtern, die sich von der gegenüberliegenden Bucht im Wasser spiegeln. Das allerdings nur wenn es dunkel ist – alles andere wäre zu viel verlangt. Oh, jetzt hab ich Eure Erwartungshaltung wohl grotesk gesteigert, das ist auch nicht gut. Dann krieg ich mich besser mal wieder ein. Ich bin ganz cool. Also, der Ausblick da, der ist echt ganz nett. Da gibt es Schlimmeres.

Dann mach ich mal nüchtern weiter und sag was zum Rest des Hotels. Die 27 Zimmer der zweistöckigen Apartment-Anlage sind komplett renoviert und neu möbliert. Ob das daran liegt, dass der Besitzer in den Vorjahren zunächst an Engländer und dann an Russen vermietet hatte, das lass ich mal dahin gestellt. Und alle haben Meerblick. Jetzt muss aber auch mal gut sein damit. Das einzige, was in einigen Zimmern noch fehlte, war der Duschvorhang. Wäre aber auch weiter nicht aufgefallen, hätte der Mike, seines Zeichens Hausleiter und MTB-Guide, das nicht zu Anfang so betont. Ich bewohnte ein Doppel- als Einzelzimmer im Erdgeschoss und das hatte alles, was ein ausgewachsenes Zimmer so braucht. Inklusive Kühlschrank und kleiner Küchenzeile mit zwei Herdplatten. Wer diese zum Essen kochen nutzte, war allerdings selber Schuld, denn Christines Kochkünste waren über jeden Zweifel erhaben. Zur Küche später mehr. Zu den anderen Zimmerkategorien kann ich nicht aus erster Hand berichten. Bei den Maisonette-Wohnungen soll der Stauraum ab 3 Personen ein wenig knapp bemessen sein, so dass kreatives Chaos vorprogrammiert ist.

Das Hotel Agnadi

Zurück zum gastronomischen Aspekt. Gefrühstückt wurde an kleinen Bistro-Tischen auf der traumhaften Terrasse, das Buffet war im überdachten Poolbarbereich installiert. Das Frühstück war zwar nicht gerade ein Feuerwerk an Abwechslungsreichtum, aber ich denke es war für jeden was dabei. Was ich gerade an Lob beim Frühstück eingespart hab, schütte ich mit Vergnügen über dem Abendessen wieder aus, denn was die Christine da allabendlich zauberte, hatte wirklich Klasse. Dabei war sie doch nur eingesprungen für den ursprünglichen Koch und hatte nach eigenen Angaben noch nie für so viele Leute gekocht. Jedenfalls war sie mit viel Esprit und Einfallsreichtum bei der Sache, wir erwischten uns häufiger dabei herumzurätseln, was sie denn da wieder Leckeres an die Möhrchen gezaubert hatte. Den zukünftigen Gästen kann man eigentlich nur wünschen, dass sie dort noch ein bisschen weiter wirkt.

Mountain-Mike und die Rampensäue

Nein, das ist nicht der Titel des neuen Animationsstreifens aus dem Hause Pixar und falls doch soll sich Tokio Hotel doch bitte gefälligst aus der deutschen Synchronisation raushalten. Als Rampe wird beim Biken gemeinhin ein besonders steiler, knackiger Anstieg bezeichnet, wir sind also beim ersten Eckpfeiler des Frosch-Basisprogramms angelangt. Als einsamer Abbrecher der anspruchsvollen Tour gegen Ende des Urlaubs müsste ich zum Thema Biken eigentlich schön die Füße still halten, so wie an dem besagten Tag etwa nach der Hälfte der Strecke praktiziert. Aber nutzt ja nix, die inneren Dämonen werden nicht besiegt, indem man sie in den Schrank sperrt, also frei weg von der Seele. Wo war ich stehen geblieben? Genau, bei der Rampe, ha, ha. Diese Unpässlichkeit am letzten Urlaubstage führe ich übrigens auf den wiederholten Genuss des eingangs erwähnten griechisch-karibischen Begrüßungscocktails zurück – ein leicht retardierter Effekt, dadurch umso heimtückischer. Gut, dass mir das noch eingefallen ist.

Hidden Beach

Aber zurück zu den Rampen. Eine allseits bewährte Methode, um Rampen zu umgehen, sind Serpentinen. Wer erfand eigentlich die Serpentine? Geht man vom lateinischen Wortstamm aus (serpens = Schlange) sind wohl mal wieder die Römer dafür verantwortlich. Die Römer, die verfolgen mich, aber da bin ich wohl nicht der Einzige. Serpentinen haben Vor- und Nachteile, wie so ziemlich alles im Leben. Manche Nachteile ignoriert man leichtfertig, mir passiert das besonders häufig beim Eis essen. Den entscheidenden Nachteil von Serpentinen – die längere Wegstrecke – nehme ich beim Biken hingegen gerne in Kauf, denn der Vorteil überwiegt: es ist nicht so steil. Denn je steiler die Rampe, desto höher die Hangabtriebskraft, die es zu überwinden gilt. Jene wiederum hängt nicht nur von der Neigung der Ebene ab, sondern auch von der Gewichtskraft und da kommt wieder der Speiseeis-Konsum ins Spiel. Was wollte ich noch mal sagen, irgendwie hab ich mich wieder verzettelt? Ach so, ja. Böse Menschen haben keine Lieder, Skiathleten haben keine Serpentinen. Da geht es immer schön auf dem kürzesten Weg schnurstracks den Hang hoch. Insofern relativiert sich also die Bemerkung in der Katalogbeschreibung, dass die Größe von Skiathos für Biker und Wanderer vielleicht nicht ausreichend sei. Die Steigungen langen locker für ein bis zwei Wochen dicke Beine.

Doch ich will das Biken auf Skiathos nicht auf den Aspekt der Steilheit reduzieren, das würde der Sache nicht gerecht. Pro Woche wurden während meiner Besuchszeit neben der Schnuppertour eine leichte und zwei anspruchsvollere Touren angeboten. Die leichtere Strandtour war zwar keine Butterfahrt, aber mit normaler Fitness gut zu machen. Die anspruchsvolleren Touren erforderten da schon einiges mehr. Da gab es neben den Rampen, Schotterpisten und anspruchsvollen Passagen durchs Gelände so ziemlich alles, was das Bikerherz erfreut. Mit Ausnahme von Singletrails durchs Gebüsch vielleicht. Also alles in allem ein abwechslungsreiches Terrain und als Pausenziel lockten abgelegene Strände, malerische Klöster oder lauschige Tavernen im Grünen. Das einzige was fehlte, waren die im Katalog angedeuteten Touren auf der schönen Nachbarinsel Skopelos, aber es war ja noch früh in der Saison, vielleicht wird da noch nachgebessert.

Wandern leicht gemacht – unterwegs mit Zauberstab und Rosenschere

Und wieder muss ich Euch enttäuschen. Leider nein, das wird weder der ARD-Ratgeber Natur noch die neuesten Abenteuer von Gandalf und dem kleinen Hobbit. Aber ganz nahe dran, denn es geht ums Wandern in freier Natur, den zweiten Stützpfeiler des Frosch-Basisprogramms. Dieser stellte sich wiederum zweigeteilt dar. Die Schnupperwanderung und zwei leichtere Wanderungen pro Woche wurden von Kerstin geführt, Wander-Guide, Reiseleitung, Serviceleitung und inzwischen auch Fitness-Guide in Personalunion. Einmal pro Woche wurde eine anspruchsvollere Wanderung ‚outgesourced’, dann hieß es Wandern mit Ortwin, einem rüstigen deutschen Senioren, der seit 17 Jahren auf der Insel lebt und dort inzwischen ein kleines Wanderwegenetz installiert hat. Und zwar wortwörtlich.

Der alte Hafen und die Halbinsel Bourtzi

Auf der Schnupperwanderung lernten wir nicht nur den Weg zum nächsten Geldautomaten kennen, sondern direkt einmal die erste von vielen sehr schönen und gepflegten Kirchen und Klöstern auf der Insel, danach ging es nach Skiathos-Stadt, der einzigen größeren Ansammlung von Gebäuden auf Skiathos. Hier leben ca. 90% der Inselbevölkerung, entsprechend wuselig und rührig stellt sie sich dar. Wenn man ein bisschen tiefer in die Altstadtgässchen eindringt, findet man zwar auch ein paar beschaulichere Ecken, trotzdem, so ganz warm werden wollte ich mit dem Hafenstädtchen nicht. Den relaxten Charme von Kokkari auf Samos zum Beispiel oder die malerische Schönheit von Mólyvos auf Lesbos lässt Skiathos-Stadt vermissen. Dafür ist man in punkto Nightlife mit Skiathos zumal in der Hauptsaison vermutlich besser bedient, später mehr dazu.

Ein Strand südlich von Borkum

Aber wenn wir schon bei Vergleichen sind. Die vielgestaltigen und zweifellos bildschönen Strände und Buchten irgendwo zwischen Borkum und Kuba mögen zu Recht das Aushängeschild der Insel sein, aber auch die Üppigkeit der Vegetation betreffend, bleibt Skiathos nicht allzu weit hinter Samos oder Korfu zurück. Kombiniert man beide Aspekte landet man zwangsläufig bei den von Kerstin angebotenen Strandwanderungen. Die perfekte Gelegenheit, lichte Pinienwälder zu durchstreifen und dabei seinen persönlichen Favoriten für den nächsten Strandtag zu sichten. Legt man Wert auf etwas intensivere und ausgedehnte Naturbegehungen, sollte man sich in Ortwins fürsorgliche Hände begeben. Und sich auf ein paar Schrulligkeiten freuen, denn der Ortwin weiß durch das ein oder andere modische sowie funktionelle Accessoire zu überraschen. Ein Hut, ein Stock – nein, kein Regenschirm. Dafür diverse andere Werkzeuge. Denn wie bereits kurz erwähnt hat Ortwin in den letzten Jahren ein Netz von 24 Wanderungen auf der Insel ausgetüftelt und war während der Wanderung emsig damit beschäftigt, den Wanderweg – wo noch nicht geschehen – mit kleinen nummerierten Schildern zu kennzeichnen. Dazu machte er sich ab und zu Notizen in ein Manuskript, aus dem schon sehr bald der erste offizielle Wanderführer von Skiathos entstehen soll.

Und damit nicht genug. Mit spürbarer Begeisterung zauberte Ortwin ein ums andere Mal ein weiteres Arbeitsgerät hervor und verwandelte sich im Handumdrehen zum ‚Rächer mit der Rosenschere’. Das geschah allerdings keinesfalls in der Absicht, Material für die abendliche Tischdekoration zu hamstern, nein, er schnetzelte und kappte scheinbar wahllos, was ihm vor die Flinte kam: Dornengewächse, Olivenzweige, Stacheldraht. Die Reinheit des Wanderwegs schien seine höchste Maxime, die Bändigung der Natur seine heilige Mission. Selbst Edward mit den Scherenhänden hätte Schwierigkeiten gehabt, in gleicher Geschwindigkeit eine ähnlich eindrucksvolle Schneise in die Botanik zu pflügen.

Versteckspielen auf dem Kastro-Felsen – die Piraten sind dran mit suchen

Oh, da ist es wohl mal wieder mit mir durchgegangen. Sorry, hab natürlich hemmungslos übertrieben. Die Wanderung war im Übrigen sehr schön. Für die Statistiker: ca. 15km und 680 Höhenmeter. Ziel der Wanderung war das Kastro im Inselnorden mit seinen traumhaften Ausblicken. Ortwin wusste vieles zur Geschichte des Ortes zu erzählen, wie auch die ein oder andere Anekdote an anderer Stelle. Trotzdem, ob er nun der heimischen Flora mit der Rosenschere zu Leibe rückt oder stolz mit einem Totenkopf aus dem Grab der Geköpften auf der Spitze seines Wanderstabs posiert, Meister des Minimalinvasiven ist der Ortwin nicht. Bin schon gespannt auf seinen Wanderführer, werde also in nächster Zeit die Spiegel-Bestsellerlisten im Auge behalten. Und zwar sowohl den Bereich Sachbuch, als auch die Belletristik – sicher ist sicher. Wer weiß, ob nicht ein botanischer Splatter-Roman dabei heraus kommt.

Die Kastro-Bucht

Kissenschlacht am alten Hafen

Einmal pro Urlaub, da fängt man sich nen Nepp. Da helfen kein Zaudern und kein Zögern, man kommt ja doch nicht drum herum. Warum sollte man ihm dann also nicht mit weit geöffneten Armen und Taschen entgegentreten? Das Ganze hat schließlich auch einen gesundheitlichen Aspekt, denn das Schröpfen war schon im klassischen Altertum als heilsam bekannt. Auf Skiathos muss man sich dazu bloß in die sogenannte Kissengasse am alten Hafen begeben und in eine der eng gepackten Lümmelecken fläzen, die der Gasse ihren Namen geben. Welche ist eigentlich egal, man hört eh die Musik aus allen benachbarten Etablissements. Quasi Hits on 45, nur nicht nacheinander, sondern gleichzeitig. Die Optik ist tadellos, sowohl die der Bedienung, als auch die der einheimischen Statisten, welche dem eintrudelnden Neppwilligen offenbar das Ambiente eines hippen Szenelokals vermitteln sollen. Ein Blick in die Karte macht klar, hier ist man zu diesem Zweck goldrichtig, das Bier 4 Euro, der Cocktail um die 12.

Dem, der Bier bestellt wird allerdings sofort unmissverständlich signalisiert, dass Biertrinken langweilig und doof sei und allein die Verköstigung eines Cocktails die segenbringende Wirkung des Nepp-Schröpfens garantiert. Nicht wundern, wenn das erwählte Gesöff nach Zitronensirup schmeckt statt nach Mangosaft und auch alkoholische Bestandteile darf man nur in homöopathischen Dosen erwarten. Aber all das gehört zwingend zum Wellness-Programm, sonst wäre das Ziel verfehlt und das hieße Sparen am falschen Ende. Wer will denn schon die Therapie nachts mit dem Gefühl beenden, nicht richtig geneppt worden zu sein, das ist doch wie Zahnarzt ohne Zahnsteinentfernung, wie Rampenfahren ohne Schwitzen, wie Tsatsiki ohne Knoblauch. Es fehlt einfach was.

Abendstimmung am neuen Hafen

Woran es auf Skiathos nicht fehlt, sind Restaurants, Tavernen, Bars und Zappelschuppen. Mai/Juni ist noch Vorsaison und so waren gerade letztere noch eifrig damit beschäftigt, sich schön zu machen. Was da jedoch in der Club-Meile am Ostflügel des neuen Hafens in der Entstehung war, ließ auf ein reges Nachtleben in der Hauptsaison schließen. Wir konnten in den zwei Wochen fast die komplette Metamorphose vom Rohbau zum cool durchgestylten Tanzpalast beobachten. Der Aussage, dass Skiathos dieser Tage auch für die Griechen als Party-Insel ziemlich angesagt sei, konnte man also bedenkenlos Glauben schenken.

Die Frösche haben verständlicherweise Interesse daran, dass sich abends auch ein paar Leutchen an der Poolbar einfinden, dort Spaß haben und das ein oder andere Getränk zu sich nehmen, so dass auf dem Wochenplan nicht weniger als drei Partys anberaumt waren. Die wurden von uns auch ganz manierlich angenommen, es kam sogar vor, dass zusätzlich dazu der griechische Abend entartete. Auch wenn der Lasso-Song nicht jeden gleichermaßen mit Glück erfüllte, so füllte er dennoch die Tanzfläche und ließ uns Zeugen einer scheinbar erfolglosen Tanztherapie für Erwachsene werden, denn sie musste bei der nächsten Sitzung leider wiederholt werden. Man muss aber sagen, dass der Mario an der Bar mehr als bereit war, Musikwünsche anzunehmen, was freilich auch regelmäßig zu etwas abrupten Übergängen führte. Die Häufigkeit und auch die Lautstärke dieser Freiluft-Veranstaltungen rief allerdings auch solche auf den Plan, die zu dieser Stunde lieber schlafen, so zum Beispiel wiederholt den Besitzer eines benachbarten Hotels, dessen Gäste offensichtlich mit dem Lasso-Song auch nichts anfangen konnten. Hier darf man ebenso gespannt sein, wie sich das im Laufe der Saison weiterentwickelt.

Epilog

Neulich kam im Chat die Frage auf, wie jemand genannt wird, der schon deutlich häufiger als zehn Mal mit Frosch unterwegs war. Was ist die Steigerung zu ‚Gold-Frosch’? Platin-Frosch? Patina-Frosch? Oder gar Schimmel-Frosch? Ist ja auch egal, jedenfalls fängt man nach jeder Reise unwillkürlich an, zu vergleichen. Vergleiche zwischen unterschiedlichen Reisen sind zwar immer schwierig, aber der vergangene Urlaub auf Skiathos hat mit Sicherheit Einzug erhalten in die Top Five meiner Frosch-Sommer-Urlaube. Die genaue Rangfolge fällt mir schwer festzulegen. Muss ich ja auch nicht, solange keiner fragt. Die Gründe für die gute Einstufung hab ich gerade mit zweifelhaftem Erfolg versucht mitzuteilen, etwas zu kurz gekommen ist dabei das Frosch-Team. Sodann: das gesamte Service-Team und die Teamer machten einen stets motivierten und sympathischen Eindruck und auch wenn am Anfang der Saison vielleicht noch nicht alles komplett eingespielt war, so spürte man doch immer das Bestreben, nachzubessern, wo es nötig war. Klingt so nüchtern und hölzern wie ein Arbeitszeugnis, ist aber nicht so gemeint. Macht einfach weiter so.

Ein letzter Blick zurück

Irgendwie beschleicht mich gerade das Gefühl, ich hätte den Informationsgehalt der letzten x Seiten mit weitaus weniger Worten übermitteln können. Also mach ich jetzt mal lieber Feierabend. Zuletzt aber noch ein paar wichtige Hinweise, die es nicht mehr vor Redaktionsschluss in den Bericht geschafft haben:

  • Der Jack Sparrow von Skiathos hieß Barbarossa und war Türke, nicht tuckig.
  • „We serve children’s portions“ ist kein Ausdruck selbstzerstörerischer gastronomischer Ehrlichkeit, sondern dokumentiert die Bereitschaft, Pinocchio-Teller zu servieren.
  • Papadiamantis ist nicht der Vater aller Edelsteine.
  • Nehmt Euch Zeit für Skopelos.

Was das alles bedeutet? Findet es selbst heraus. Und wer mir sagt, wie die Bewohner von Skiathos wirklich genannt werden, darf sich was wünschen. Viel Spaß dabei!

16 Gedanken zu „Skiathleten kennen keine Serpentinen – 22. Mai – 5. Juni 2009

  1. Jutta Bahry

    Hallo Ulf,
    vielen Dank für Deinen Bericht, der trotz seiner Länge kurzweilig hier ankam. Normalerweise lese ich keine Urlaubberichte, weil man zu leicht auf Nörgler stößt, die im Süden Europas ihr Vollwertbrot vom Biobäcker Töller vermissen, denen es im Juli in der Toscana zu heiß ist oder seitenlang von ihren Mückenstichen berichten. Aber meine Freundin hat mir Deinen Bericht empfohlen. Deshalb habe ich mich darauf eingelassen. Und jetzt freue ich mich über meinen Mut.
    Ich hoffe, noch häufiger von Dir lesen zu können und freue mich auf den 10. Juli, weil ich mich dann auf den Weg nach Skiathos machen werde.
    Gruß
    Schimmel-Frosch-Jutta

  2. Elke

    Hallo Ulf,
    auch ich finde Deinen Bericht toll und freue mich jetzt noch mehr auf Skiathos, denn ich fliege am 17.07. und werde danach mal berichten, wie sich das Nachtleben in der Hauptsaison entwickelt hat und ob der Koch, der jetzt wahrscheinlich nicht mehr von Christine vertreten wird, auch tolles Essen zaubert. Jutta, die vor mir einen Kommentar geschrieben hat werde ich sicherlich noch kennenlernen, wenn sie 2 Wochen bleibt (schon mal viele Grüße, falls sie es
    ließt :-))
    Liebe Grüße
    Elke

  3. Ulf Bongers

    Lieben Dank für das nette Feedback! Übrigens, inoffiziellen Informationen zufolge kommt Ihr auch noch in den Genuss von Christines Kochkünsten, denn sie hat (bis August?) verlängert.

    Wünsche Euch einen ereignisreichen und erholsamen Urlaub,

    Ulf

  4. Heike

    Hallo Ulf,

    wer reine Information sucht, der muss bei dir etwas länger lesen 😉 😉 😉

    Wir sind also gespannt, ob es Anfang September immer noch so lecker schmeckt,
    das Nachtleben schon wieder abgebaut wird und sich nicht doch noch die eine oder andere Serpentine für moderarte MTB-Touren findet (wobei die MTB-Teamer am Ende der Saison erst recht fit sind, setze auf einen verständnisvollen Mike) und freuen uns auf den grandiosen Ausblick.

    Hat Spaß gemacht zu lesen.

    silverfroggy Grüße
    Heike

  5. Claudia Simon

    Hallo Ulf…..

    dein Bericht ist total klasse :-))), besonders dein Schreibstil hat es mir angetan.

    Obwohl ich für dieses Jahr schon Samos gebucht habe, ist ein weiteres Ziel auf meiner Liste aufgenommen worden !!! Wer so schwärmt, der kann sich nicht irren.

    Liebe Grüsse aus Düsseldorf
    Claudia

  6. Ulf

    Hi Claudia,

    dank Dir fürs Löbchen! Von Samos könnte ich Dir auch was vorschwärmen, war schon drei Mal dort, einmal davon mit Frosch. Ist demnach sowohl in meinen Top3 der griechischen Inseln, als auch in den Top3 meiner Wanderurlaube zu finden. Wünsche Dir also viel Spaß in Kokkari!

    Lieben Gruß,

    Ulf

  7. Floh

    Lieber Ulf,

    nach Deinem Bericht habe ich gleich gebucht. Ich war noch nie mit Frosch unterwegs und bin schon sehr gespannt auf Skiathos. Hast Du noch Tips die essential sind :-). Bin für alles dankbar..

    Viele Grüße

    Floh

  8. Susanne

    Hallo Ulf,

    lustig, dass ich erneut vor meiner Anreise einen Reisebericht von dir lesen konnte. Wir fliegen morgen und jetzt freue ich mich noch ein bisschen mehr. Mal sehen, ob das Biken so anstrengend wird wie ich jetzt befürchte 🙂
    Superschöner, humorvoller Bericht, danke dafür!

  9. Petra

    Hallo Ulf,
    danke für den amüsanten Bericht! Der steigert meine Vorfreude auf Mitte September noch mehr!
    Viele Grüße
    Petra

  10. Elke

    Hallo Ulf,
    bin am Freitag zurückgekehrt und kann Deine Lobhymne nur bestätigen. Christine hat weiterhin toll gekocht, es war überhaupt ein supernettes Team. Die Anlage sowie die Insel mit ihren wunderschönen Sandstränden besuche ich sicherlich noch einmal. Über das Nachtleben in der Hochsaison kann ich nicht viel schreiben, da ich nur einmal in der „Kissengasse“ war und die Discomeile nicht mehr geschafft habe. Es war aber schon dort supervoll und wird wohl auch so in den Discos ausgesehen haben (trotzdem sehr beeindruckend).
    Viele Grüße
    Elke

  11. Ulf

    Huch! So viele Hallo’s *freu*

    @ Floh: Na hoffentlich bin ich nicht der Buhmann, wenn’s Dir gar nicht gefällt. Aber nein, mach Dir mal keine Sorgen, das wird schon. Schwuppdiwupp bist Du angefixt, kurz darauf Bronzefrosch, giltst fortan für andere Reiseveranstalter als ‚schwer vermittelbar’ und fragst Dich irgendwann als Schimmelfrosch wie zum Henker es soweit kommen konnte. Also, sei unbesorgt, aber wachsam. Hm. Ich hab nur noch nen total unwichtigen Tipp parat, die wichtigen sind aus: falls Du mal keine Lust hast, in den ollen Bus zum Hafen zu steigen, kannst Du auch das olle Bötchen vom Steg des Hausstrands (Vasilias) nehmen. Kostet nur wenig mehr (2,5 €) und Du wirst direkt auf der Hafenmole in Skiathos abgesetzt. Knapp daneben wäre auch unverantwortlich und schlecht für die Frisur.

    @ Susanne: Das nächste neue Frosch-Ziel testest Du dann aber an, ok?

    @ Elke: Na da bin ich ja froh, dass noch andere meine Begeisterung teilen. Hatte schon befürchtet, mit der knallbunten Frühlingsbrille alles ein bisschen verklärt gesehen zu haben. Oder wegen der Begrüßungscocktails …

    @ Petra und alle: wünsche einen schönen Urlaub (gehabt zu haben)!

    LG Ulf

  12. Marianne

    Hi Ulf,

    aufgrund Deines von Schreibfreude geprägten „No Schreib, no fun-Berichtes“ weiss ich jetzt wenigstens, wo ich mich in der Froschhierarchie einzuordnen habe.
    18 offiziel anerkannte und nochmal ca. 8 Reisen vor froschscher Zeitrechnung,
    darüber altert man schon automatisch, allerdings dank froschscher Atmosphäre
    nur auf dem Papier 😉 .
    Schimmelfrosch find ich echt „goldisch“, aber hat man bei soviel Frosch Sporturlaub überhaupt Zeit zum Schimmeln? Ich entscheide mich dann
    doch eher für die „Edelschimmelvariante“, Patina.

    Ja, hab gerade gebucht und dann erst Deinen Bericht gelesen. Zum Glück,
    denn Deine Bikeempfindungen treiben einem ja schon jetzt den Angstschweiss auf die Stirn. Na ja, ich kenne Mike schon vom Biken auf Lesbos, hab ja dank Frosch schon einige Hügel geschafft, lass mich wie immer überraschen, gibt ja immer Alternativen.

    Aber was ich Dich eigentlich fragen wollte, wann bringst Du Dein erstes Buch
    raus, wollte mir schon mal ein Exemplar sichern. Hab einige Male herzhaft
    gelacht und bin gespannt ob sich unsre Wege bei Frosch mal kreuzen,
    um zu testen ob Du live auch so unterhaltend bist oder …………
    Falls Dich übrigens mein Lieblingsskiparadies von Frosch mit absolutem dreamteam interessiert, Chalet Onu, in allem nicht zu überbieten.
    Was kannst Du mir noch empfehlen??

    LG. Marianne
    nur leicht angeschimmelter Platinfrosch

  13. Eva

    Hallo Ulf,
    habe deinen Bericht mit großem Vergnügen gelesen und bin nun voller Vorfreude auf meine erste Froschreise im Mai nach Skiathos.
    Bin gespannt, wie viele Leute sich so „früh im Jahr“ auf Skiathos einfinden und ob ich die „Berge“ zu Fuß oder per Mountainbike bewältigen werde. 😉

    Liebe Grüße,
    „Neufrosch“ Eva

  14. Tanja

    Hallo Ulf,
    fast genau ein Jahr nach Antritt deiner Reise nach Skiathos werde ich nun ebenfalls diese Insel besuchen. Bei mir war es allerdings eine absolute Spontan-Buchung und ich wusste nicht -bis eben gerade-, was mich dort alles erwarten wird. Aber nun freue ich mich sehr darauf!! …auch wenn mir -wie bereits einer „Vorschreiberin“- die Beschreibung der Mountainbike-Touren schon jetzt den Schweiß auf die Stirn treibt… in Hannover hat´s halt keine Berge zum Üben… da macht man nur „Strecke“.

    Was mich noch interessieren würde – wie war denn das Wetter Ende Mai letzten Jahres? Mit Schrecken habe ich von Gewittern in der Hochsaison gelesen und auch durch deine Bilder ziehen diverse Wolken… Ist denn (Sonnen)Baden schon möglich??

    Viele Grüße von einem noch „Bronze“-Frosch, der hoffentlich -trotz weiterer Reisen- keinen Schimmel ansetzen wird! 🙂

    Tanja

  15. Ulf

    Hallo Tanja,

    hab gerade in salbungsvoller Stimmung mal an alter Stelle vorbei geschaut. Nachdem Kreta nicht geklappt hat, hab ich letztlich Fourka gebucht und bin gerade nach der Lektüre einer kleineren Chatboard-Schlammschlacht nicht mehr so sicher, ob das eine gute Entscheidung war. Trotzdem hoffe ich, dass sich dort auch genug nette, offene und humorvolle Menschen einfinden. Amen.

    Thema Wetter. Zugegeben, dabei mach ich immer gerne ein wenig auf Klugscheißer. Wenn ich Dir schildere, wie das Wetter letztes Jahr war, dann hat das erschreckend wenig Einfluss darauf, wie es dort dieses Jahr zur gleichen Zeit aussehen mag. Aber das Klima auf Skiathos bietet eine ziemlich hohe Wahrscheinlichkeit, dass Du dort Ende Mai ein paar sehr warme und sonnige Tage verleben kannst. Bei der ein oder anderen Rampe hätte ich mir durchaus mehr Schatten gewünscht und sogar als passionierter Warmduscher hab ich nicht allzu viele Anläufe gebraucht, mal ins Meer zu hüpfen. Insgesamt hatten wir ein oder zwei bedeckte Tage und sogar mal ein paar Tropfen Regen, aber das war‘s dann auch. Also, Grund genug, in ungetrübter Vorfreude zu schwelgen, ohne den Fleece-Pulli oder die leichte Regenjacke vom Kofferzettel zu verbannen.

    Wünsche Dir einen sehr schönen Urlaub und beneide Dich ein wenig um den Meerblick. Vielleicht ist es aber auch ganz gut, diesbezüglich mal ein Jahr auszusetzen, um dann neu ansetzen zu können ;o)

    Viele Grüße,

    Ulf

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