16. März 2010

Skiathos: 18. September – 2. Oktober 2009

Reisebericht von Petra Dockweiler [Dockweiler at gmx.de]
FROSCH Reiseziel Sportclub Agnadi in Skiathos, Griechenland

Skiathos als neues Reiseziel war mir schon bei Erscheinen des neuen Sommerkataloges ins Auge gestochen. Beim Durchlesen der Beschreibung gewann ich allerdings den Eindruck, dass die „Griechische Karibik“, wie sie dort genannt wird, mit ihren 66 Stränden, 16 km Küstenstraße, sanft hügeligem Inselinneren und der höchsten Erhebung von gerade einmal 433 Metern wohl eher für einen Badeurlaub  geeignet ist. Deshalb entschied ich mich, noch einmal nach Samos zu fliegen, die Insel hatte mir das Jahr zuvor super gut gefallen und ist damit die erste Froschdestination, die ich ein zweites Mal besuchte.

Dann gab es die ersten Reiseberichte über Skiathos. Was ich da las, ließ mich meine Vorstellungen revidieren:  von Ouzo-Rampen war da die Rede, anspruchsvollen MTB-Touren, viel Schweiß, der geflossen ist und dann dieser Satz von den Skiathleten, die keine Serpentinen kennen…. Wie man sich doch scheinbar täuschen kann! Doch nun wollte ich es genau wissen. Gesagt – gebucht, Mitte September ging es los.

Dass die Anreise nach Skiathos sehr lange ist, hatte ich gelesen, doch dass sie in meinem Fall sooo lange dauern wird, wurde mir erst nach der Buchung klar. Von Haustür zu Hoteltür war ich sage und schreibe 24 Stunden unterwegs (musste wegen des frühen Fluges eine Zwischenübernachtung in München einlegen). Am Flughafen Nürnberg die erste Überraschung: treffe auf Petra, die ich bereits von zwei Froschreisen kenne. Tja, der Lebensraum der Frösche ist doch überschaubar!

Voller Vorfreude auf griechische Spätsommerwärme verließen wir Stunden später den Flieger. Der Flughafen von Volos besteht aus einem Gebäude, einer winzigen „Ankunftshalle“, in der es ein Gepäckband von ca. 6 m (!) Länge gibt (bei ungefähr 200 Gepäckstücken!) Es dauerte fast eine Stunde, bis jeder in diesem Chaos sein Gepäck hatte. Mit dem Bus ging es dann ca. 40 Minuten bis zum Hafen, wo unser Boot schon auf uns wartete. Spätestens hier begann nun wirklich der Urlaub, bei Sonnenschein und traumhaften Ausblicken genossen wir die Überfahrt. Allerdings wurde es im Fahrtwind dann doch sehr kühl, ein warmer Pulli war nun unverzichtbar. Nach knapp 3 Stunden Ankunft in Skiathos –Stadt. Von dort mit dem Bus in wenigen Minuten zur Haltestelle 9 und einige ziemlich steile Meter hinauf zum Hotel. Vor der Zimmerverteilung gab es erst einmal ein Willkommensgetränk am Pool und die nächsten bekannten Gesichter unter den Altfröschen.

Nachts gab es ein heftiges Gewitter, dann war es erst einmal vorbei mit dem schönen Wetter. Die Schnupperwanderung in den Ort fand im Regen statt, die Einführungsbiketour fiel komplett ins Wasser. Die ganze erste Woche war etwas durchwachsen, angenehm warm in der direkten Sonne, die aber häufig hinter Wolken verschwand, vornehmlich dann, wenn wir nach einer Tour am späten Nachmittag noch an den Strand wollten. Auch das Draußensitzen am Abend war nur mit dickem Pulli oder Jacke möglich. Direkte Alternative dazu war das Warmtanzen vor der Bar. In der zweiten Woche wurde es dann jeden Tag etwas wärmer.

Blick auf Skiathos-Stadt, am Horizont die Nachbarinsel Skopelos

Wandern oder Radfahren?

Diese schwierige Frage stelle ich mir in jedem Froschurlaub. Ich mache beides gerne, doch da die Touren meist zeitgleich angeboten werden, gilt es sich zu entscheiden. Eine Entscheidungshilfe gab es durch Mike, unseren MTB-Guide: auf Skiathos gibt es keine wirklich leichten Touren! Die einfachste, aber auch sehr kurze Tour, ist die Runde um die Kanapitsa-Halbinsel mit einigen wenigen Steigungen. Diese wählte Mike am nächsten Tag dann auch als verspätete Schnuppertour aus und da sie ja ach so kurz war, lotste er uns „hintenherum“ zurück. Mit durchdrehenden und seitlich wegrutschenden Reifen quälten wir uns steile Schlammpisten hoch (Gewitter in der Nacht zuvor!). „Die Skiathleten kennen keine Serpentinen“ : dieser Satz schoss mir wie so oft in den nächsten Tagen durch den Kopf. Aber oben angekommen war ich mächtig stolz auf mich und genoss die rasante Abfahrt zum Hotel.

Alternativ kann man auf der Küstenstraße bis zum westlichen Ende der Insel fahren, doch auch die schlängelt sich im auf und ab dahin, so dass sich die Höhenmeter addieren. Ansonsten gibt es nur das Inselinnere und da geht es gleich voll zur Sache. Da das Agnadi am Hang liegt, beginnt jede Tour, ob mit Bike oder zu Fuß, mit dem Hausberg (bis zu 20% Steigung!). Hoch oder runter, am Ende des Tages dann meistens umgekehrt zurück.

Eine weitere leichte Tour führt um die Kanapitsa-Halbinsel, dann wieder die Küstenstraße entlang zur Bushaltestelle 22, von dort dann stetig, aber noch gemäßigt bergauf ins Landesinnere. Durch blühende Erikabüsche ging es dann fast eben dahin, mit tollen Ausblicken aufs Meer. Einen Abstecher zum Mandraki-Beach ließen wir uns nicht nehmen, auch wenn die Abfahrt dort hinunter logischerweise wieder einige Höhenmeter zurück bedeutete. Bei allen Touren bot es sich an, immer Badesachen dabei zu haben, da man bei der geringen Inselgröße eigentlich immer an einen der zahlreichen Strände kam. Nach einem Imbiss an der Strandtaverne ging‘s weiter zum Banana-Beach. Wer wollte blieb hier, es waren schon andere „Busfrösche“ da, und fuhr später auf eigene Faust heim.

Eines der seltenen ebenen Wegstücke!

Bis auf die Küsten- und Panoramastraße gibt es kaum Teer- bzw. Betonpisten. Skiathos ist also ein Paradies für alle Offroadfahrer, die gerne im anspruchsvollen  Gelände unterwegs sind. Wer’s kann und mag, findet auch einige interessante Singletrails.

Aus oben genannten Gründen habe ich mich diesen Urlaub eher aufs Wandern verlegt. Auch bei dieser Bewegungsart sind die Berge sehr steil, aber immerhin kann ich das Tempo bis auf ein Minimum reduzieren, ohne Angst zu haben, dass ich umfalle. Und ich kann jederzeit stehenbleiben; beim Biken einmal an einem Steilstück abgestiegen, bedeutete eigentlich immer schieben, bis es flacher wird. Bei mir zumindest.

Schon zu Hause hatte ich im Reiseführer über die Tour zur mittelalterlichen Inselfestung Kastro gelesen. Fasziniert von den Fotos stand für mich fest, diese Wanderung auf jeden Fall machen zu wollen. Dafür ließ ich dann auch die erste leichte Biketour sausen.  Die Wanderung begann bei der Bushaltestelle 2, wo wir von Ortwin, unserem schwäbischen Wanderführer schon erwartet wurden. Er lebt seit vielen Jahren auf Skiathos und ihm ist es zu verdanken, das es mittlerweile ein gut ausgebautes und beschildertes Wegenetz gibt. Im Frühjahr ist er mehrere Wochen damit beschäftigt, die Wege abzugehen und freizuschneiden. Meines Wissens gibt es über 150 km Wanderwege und im Winter führt er sogar einheimische Griechen durch die Wälder und Berge!

Kaum hatten wir die letzten Häuser von Skiathos-Stadt hinter uns gelassen, ging es schon, wie konnte es auch anders sein, steil den Berg hinauf (wie war das mit den Serpentinen?). Ortwin legte ein zackiges Tempo vor und mancher kam ganz schön außer Puste. Nach einer guten Stunde erreichten wir das Kloster Evangelistrias, Ortwin wusste einiges zu erzählen und es blieb noch Zeit, sich etwas umzusehen. Nun wurde der Weg immer einsamer, karger und felsiger, bis wir wieder vor einem Kloster standen: Ag. Charalambos. Lange hielten wir uns hier nicht auf, da es mittlerweile nieselte und sehr kühl geworden war. Eigentlich war geplant, nach der Besichtigung des Kastro-Felsens mit dem Boot zurück zu fahren. Doch nach Ortwins telefonischer Erkundigung fuhren wegen des Seegangs heute keine Schiffe. Da wir also zu Fuß zurück mussten, ersparten wir uns zu meinem Leidwesen den Abstieg zum Kastro. Sollte der ganze Weg umsonst gewesen sein? J  Als Entschädigung kehrten wir auf dem Rückweg ins „Panorama“-Restaurant ein, das seinem Namen alle Ehre machte. Denn mittlerweile schien die Sonne wieder, so dass wir die griechischen Spezialitäten auf der Aussichtsterrasse genießen konnten.

Tolle Ausblicke hatten wir auch bei der Wanderung zum höchsten Punkt der Insel, dem 433 m hohen Karafiltzanaka. Bei der Badewanderung einige Tage später (genau genommen ist fast jede Wanderung eine Badewanderung!) besuchten wir nicht weniger als drei der Strände, die oft wie die Perlen einer Kette an der Küste aufgereiht sind.

Ligharies-Strand

Kechria-Strand

Nun möchte ich noch etwas zum Bussystem der Insel erzählen. Wie schon gesagt, spielt sich fast der komplette Verkehr auf der 16 km langen Küstenstrasse ab. Sie beginnt in Skiathos-Stadt mit den Bushaltestellen 1-4, unser Hotel steht oberhalb der 9 und so geht es weiter bis zum Ende der Straße im Südwesten mit der Haltestelle Nr. 26. Es gibt also nur eine Linie, alle paar hundert Meter eine Haltestelle, man muss sich keine komplizierten Namen merken, einzig allein die richtige Straßenseite an der man auf den Bus wartet, sollte man wissen! Es gibt nur zwei Tarife, die besonders auf längere Strecken sehr günstig sind. Oft ist es aber noch billiger, wenn man eines der zahlreichen Taxen nimmt, die vorbei kommen, während man auf den Bus wartet.

In der Nachsaison waren die meisten Strände schon recht leer, mit Ausnahme des Banana-Beaches vielleicht. Doch wer es generell ruhiger mag, wählt einen der Strände an der Westküste. Sie sind von den Haltestellen 23-25 erreichbar, allerdings geht man noch 15 bis 25 Minuten zu Fuß. Weitere Strände an der Westküste sind nur nach längeren Märschen oder aber mit Leihwagen erreichbar.  Oder mit dem Rad!

Nur für Frösche!

Ein unbedingtes Muss sind meiner Meinung nach die beiden Bootsausflüge. Mit einem großen Ausflugsschiff geht es zu den Nachbarinseln Alonissos und Skopelos. Auf Alonissos legt das Schiff am Hafen von Patitiri an. Hier gibt es die Möglichkeit zu baden, durch den Ort zu schlendern, sich an die Hafenpromenade zu setzen oder aber sich mit dem Bus, der schon auf dem Schiff organisiert wird, zur Chora hochfahren zulassen. Doch die wahrhaft Sportlichen unter uns ließen sich von Kerstin zu Fuß die ca. 200 Höhenmeter und 3-4km in den ehemaligen Hauptort der Insel führen. Dieser wurde nach einem Erdbeben 1965 zerstört und erst in den letzten Jahren, größtenteils von Ausländern, wieder aufgebaut. Der Ort wirkte leer und verlassen und hatte  trotz oder gerade wegen der melancholischen Stimmung, die er ausstrahlte, ein gewisses Flair. Es gab viele kleine Künstlerläden, doch leider hatten wir zur Besichtigung nur ca. 20 Minuten Zeit. Trotzdem lohnt sich der Besuch auf jeden Fall, denn schon der Fußweg hinauf bot viele wunderschöne Ausblicke auf die Insel. Zurück ging es in zwei Taxen, die Kerstin für uns ergattert hatte. Es gab auf der ganzen Insel nämlich nur vier und das Schiff hätte nicht auf uns gewartet.

In der Chora von Alonissos

Auf dem Rückweg legten wir in Skopelos-Stadt an. Schon beim Einlaufen in den Hafen bot sich uns ein grandioser Blick auf die Inselhauptstadt, deren weißverputzen Häuser mit buntbemalten Fenstern und Türen und den sage und schreibe über 100 Kirchen!  Kerstin gab uns eine interessante Führung durch das Gassengewirr und das hochgelegene Kastro-Viertel. Danach hatten wir auch noch genügend Zeit für Erkundigungen auf eigene Faust und eine gemütliche Einkehr.

Der zweite Bootsausflug ist exklusiv für uns Frösche und führte uns einmal um Skiathos herum. Erster Badestopp war am Lalaria-Strand mit seinem berühmten Felsenfenster. Wer hier zusammen durchschwimmt, den verbindet die ewige Liebe. Zurück sollte man dann allerdings außen herum schwimmen, wer weiß, was sonst passiert… J

Der Lalaria-Strand

Nächster Halt war am Kastro-Strand. Hier gab es nun für mich endlich die Möglichkeit den Kastro-Felsen zu besteigen und die Überreste der Siedlung zu besichtigen. Ganz gut erhalten sind drei kleine Kirchen, ansonsten sind nur noch einige Grundmauern zu sehen. Wirklich erstaunlich, dass hier in der Blütezeit über 400 Häuser standen. Von hier oben hat man eine wunderbare Rundumsicht auf die Kastro-Bucht, das Inselinnere und die Ostküste des Pilion.

Blick vom Kastro-Felsen

Weiter ging es über die nur 5km breite Meerenge zum Festland, wo wir in einer direkt am Strand gelegenen Taverne zu Mittag aßen. Nach einem Badestopp auf dem Meer beendeten wir die Umrundung wieder am Hafen von Skiathos-Stadt. Ein rundum gelungener Tag!

Ich könnte noch vieles berichten, doch ich denke, den Schilderungen kann man jetzt schon entnehmen, dass es kein Problem ist, auch auf einer kleinen Insel wie Skiathos ein Zweiwochenprogramm auf die Beine zu stellen. Wer es ruhiger angehen will, hat ja immerhin die Wahl zwischen 66 Stränden!

Einen Tipp noch zu Schluss. An einem Tag in der Woche bleibt die Küche kalt. Statt auswärts essen zu gehen, haben wir uns in einer kleinen Gruppe viele leckere Sachen besorgt (Tomaten, Oliven, Käse, Brot, Rotwein, etc.) und haben ein Sonnenuntergangspicknick am Banana-Beach gemacht.

Am Banana-Beach

Zum Schluss möchte ich dem engagierten Team noch ein großes Lob  und Dankeschön aussprechen: Kerstin und Mike, die für alle und alles immer ein offenes Ohr hatten, die auch am Ende der Saison Professionalität und Spaß an der Arbeit ausstrahlten, die uns die schönsten Ecken der Insel gezeigt haben. Philip, der uns die griechische Küche ohne Konservierungsstoffe und so fettarm wie möglich näher bringen wollte. (Letzteres bezweifle ich, so gut wie sein Essen geschmeckt hat…!) Nicht zu vergessen das fleißige Küchenteam um ihn herum, das das Wunder vollbrachte, in einer winzigen Küche auf einem Herd all diese Köstlichkeiten zu zaubern! Und zum Schluss Mario, der halbe Nächte hinter der Bar verbrachte, damit kein Frosch auf dem Trockenen sitzen musste.

Team Skiathos 2009

3 Gedanken zu „Skiathos: 18. September – 2. Oktober 2009

  1. Eva

    Hallo Petra,
    vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht und die Tipps, die du in deinen Reisebericht „eingearbeitet“ hast. Auch wenn das Wetter bei euch in der ersten Woche nicht so dolle war, scheint diese Reise für dich doch alles in allem eine runde Sache gewesen zu sein. Ich fliege im Mai hin und freue mich schon… 🙂
    LG, Eva

  2. Petra

    Hallo Eva,
    ja es war ein runde Sache!!! Und im Mai blüht wahrscheinlich die ganze Insel, stell‘ ich mir traumhaft vor.
    Wünsche dir für deinen Urlaub viel Spaß und richtig gutes Wetter! 🙂
    LG, Petra

  3. Martin Schmidle

    Ich bin auch begeisterter Radfahrer und dieser Bericht ist sehr interessant.
    Wäre es Möglich irgendwo auf euere Seite die Touren genau zu beschreiben, damit man diese evtl. so fahren kann?
    Danke

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