11. Juli 2008

Sportclub Aphrodite auf Lesbos – ein Urlaubsmärchen

Reisebericht von Stephan Scholz [phscholli at gmx.de]
FROSCH Reiseziel Sportclub Hotel Aphrodite auf Lesbos, Griechenland

Es war einmal eine Tochter eines griechischen Hotelbesitzers. Sie hieß Aphrodite und wünschte sich nichts mehr, als einem wahren Frosch zu begegnen. Da der Vater seiner Tochter keinen Wunsch ausschlagen konnte, machte er sich auf die Suche nach einem Frosch. Eines Tages, Aphrodite traute ihren Augen kaum, kam nicht nur ein Frosch, um sie zu besuchen…

Es ist eigentlich schön hier auf Lesbos, denke ich, blicke kurz nach links und rechts. Doch dann höre ich wieder Michels Stimme: „Die Pedale waagerecht, den Hintern über den Satteln und dann einfach laufen lassen…“ Der Michel hat gut reden. Vor mir türmen sich gerade die Steine zu Bergen auf und ich soll es einfach nur laufen lassen. Wir biken auf dem Römerweg. Wie der Name es erahnen lässt, handelt es sich dabei nicht um eine gut ausgebaute Straße der Neuzeit.

Lesbos

Motive für schöne Fotos gibt es auf der griechischen Insel Lesbos an jeder Ecke – selbst im Rückspiegel einer Mofa.

„Das ist Mountainbiken“, zieht der langjährige Frosch-Teamer am Ende der steinigen Puckelpiste mit einem breiten Grinsen zufrieden Fazit. Doch damit noch nicht genug. Nach der holprigen Abfahrt wartet der nächste Berg auf uns. Wieder gibt es einen Tipp: „Es wird gleich verdammt steil. Nutzt die ebene Strecke zum Krafttanken.“ Danke für diesen Tipp, denn sehr steil war glatt untertrieben. 20 Prozent Steigung und mehr sind für einen Ostwestfalen halt nicht alltäglich. Doch dann, ich weiß nicht genau wann und wo, stellt sich dieses Glücksgefühl ein. Es lässt Schmerzen und Anstrengungen vergessen. Wie bei unserer Tour auf einen der höchsten Berge der Insel, Lepe…dingsbums – ich kann mir den Namen einfach nicht merken. Ist auch nicht so schlimm, der Michel kennt ja den Weg.
„Einfach immer nur treten“ hatte er mir mit auf den Weg gegeben.
Es geht erbahmungslos nur nach oben. Ich trete und trete, die Pedale gehen auf und ab. Dann spüre ich nicht mehr jede einzelne Bewegung, mein Körper muss wohl Adrenalin ausschütten. Es ist wie im Winter durch unberührten Tiefschnee zu fahren – einfach nur schön. Und dann, irgendwann haben wir uns alle auf den Gipfel gekämpft, kaputt, aber glücklich. Was für ein Gefühl!

Lesbos

Was so aussieht wie eine Fußgängerzone wird manchmal auch von Autos befahren. Das stört aber nicht. Die grüne Bedachung dieser Straße sorgt für angenehmen Schatten – so macht das Bummeln Spaß.

Das ist wirklich Mountainbiken – und viel mehr brauche ich nicht für mein Frosch-Urlaubsmärchen, denke ich, während ich nach dieser oder auch nach jeder anderen Tour erschöpft aber glücklich in der Hängematte vor unserem Strandhaus liege.
In meinen bisherigen Frosch-Urlauben gab es stets einen gut ausgefüllten Stundenplan mit Ausflügen, Abendprogramm, Fitness hier und Kultur dort.
Doch diesmal reichen mir die tollen Touren auf dem Mountain-Bike aus. Auch im Sportclub Aphrodite gibt es natürlich einen Stundenplan, auf dem neben den MTB-Touren auch Wanderungen stehen, Nordic-Walking-Steps und ein kleines Fitnessprogramm angeboten werden, die obligatorischen Welcome- und Farewell-Party Anfang und Ende des Urlaubs markieren. Außerdem macht Wassersportfrosch Denis fast jeden Abend unermüdlich Werbung für seine Angebote am Strand: surfen, Catsegeln, paddeln. Auch die Ausrüstung fürs Schnorcheln kann man sich bei ihm ausleihen. Doch ich bin hier zum Biken und Erholen – und genieße einfach: nach den Touren mit der Gruppe am Meer noch ein kühles Bier und den Tag mit einem Blick in den Sonnenuntergang beschließen.

Lesbos

Strandhaus mit Meerblick – einfach herrlich!

Ein großes Lob gebührt neben Michel und Denis natürlich auch Jeanette, die sich als Reiseleiterin um alles kümmert, schöne Fitness-Stunden am Meer anbietet und auch mit nur zwei Fröschen auf große Wanderung geht.

Sehr erholsam fand ich auch das Städtchen selbst, in dem der Sportclub liegt. Molivos ist ein kleines verschlafenes Nest, malerisch am Berg und unterhalb einer Burg gelegen. Nicht ganz so idyllisch ist vielleicht der Weg dorthin, wenn man nicht gerade den kostenlosen Hotelbus oder ein ganz günstiges Taxi nutzt. Denn in die Stadt (sowie bei allen Touren) geht es zunächst bergauf.

Lesbos

Im Pool des Sportclubs Aphrodite fühlen sich auch Frösche wohl, doch meistens sind die viel lieber im Meer.

Dass Lesbos die drittgrößte Insel sein soll, mag man schwer glauben. Fällt doch schon bei dem gut zweistündigen Transfer vom Flughafen zum Hotel auf, dass die Insel nicht dicht besiedelt ist. Vermutlich hat sich aber gerade dadurch Lesbos ihre Natürlichkeit und Schönheit bewahrt. Der Tourismus macht natürlich auch hier die Haupteinnahmequelle aus, doch allzu touristisch geht es hier nirgends zu.
Überall werden selbst wir außerirdisch anmutende Biker mit einem fröhlichen „Jassoú“ begrüßt. Und da mein Griechisch für kaum mehr reicht, geht es auf Englisch locker weiter. Vom Schuljungen bis zur alten Oma kann hier jeder erstaunlich gut Englisch.
Große Hotelanlagen gibt es nicht. Auch das Hotel Aphrodite, in dem Frosch bislang nur ein paar Plätze buchen konnte, schmiegt sich fast unbemerkt in die hügelige Landschaft ein.
Und den sonst so üblichen Touristennepp und -schnickschnack gibt es hier fast nicht. Ein Einkaufsbummel in den kleinen Geschäften lohnt sich auf jeden Fall!
Sehr schön waren auch die gemeinsamen abendlichen Ausflüge zum Essen in der Stadt. Zweimal pro Woche bleibt für die Frosch-Gäste die Hotelküche kalt. Das ist auch gut so, denn allzu gut ist es um die Kochkunst der Hotelköche nicht bestellt. Ganz anders schmeckt es in der hoteleigenen Strandtaverne.

Lesbos

Mountainbike-Teamer Michel (Mitte) ausnahmsweise auf einer Straße – er fühlt sich offroad aber viel wohler.

Für mich war nach zwei Wochen das Urlaubsmärchen leider viel zu schnell vorbei. Für Aphrodite geht es aber noch weiter. Und wenn sie nicht…, bleibt zu hoffen, dass die Frösche auch in der kommenden Saison hier Urlaub machen dürfen und dann vielleicht auch in endlich renovierten Zimmern.

Damit der Urlaub auf Lesbos auch für andere ein Urlaubsmärchen wird, hier noch ein paar Tipps:

  1. Es gibt kaum Sandstrände auf Lesbos, auch der am Hotel gelegene Strand ist kieselig. Der Weg ins Meer ist ohne Aquaschuhe eine Qual. Also ein Paar von diesen unheimlich kleidsamen aber nützlichen Schuhen einpacken.
  2. Auch wenn tagsüber die Sonne kräftig scheint – wir haben bei 40 Grad auf dem Rad geschwitzt – kann es am Strand und abends empfindlich frisch werden. Deshalb gehören auch lange Kleidungsstücke mit ins Gepäck.
  3. Auch auf Lesbos kann es Mücken geben. Deshalb ausreichend Mückenschutz einpacken. Sonnencreme ist auf der Insel sehr teuer. Lieber etwas mehr von Zuhause mitnehmen und den Rest dann den neuen Froschgästen vererben.

Lesbos

Gipfelstürmer: Der 968 Meter hohe Lepétymnos ist bezwungen, die Biker sind kaputt aber glücklich, auch wenn es nicht so aussieht.

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