12. September 2013

„ … und dann weiter bis zur Erschöpfung!“

Reisebericht von Marisa Hiller (marisa.hiller at web.de)
FROSCH Reiseziel: Hotel Tyrol, Kitzbühel, Österreich, 13.07.-20.07.2013

Nach meinen diversen Froschreisen in Destinationen rund um das Mittelmeer war dies meine erste in den deutschsprachigen Raum. Die Anreise war entspannt, da ich mit dem eigenen Auto anreisen konnte und ich daher nicht unter Zeitdruck stand. Außerdem konnte ich beim Gepäck großzügiger sein und auch mein eigenes Fahrrad mitnehmen, obwohl klar war, dass ich dieses aufgrund der Ausstattung wohl eher nur rund um Kitzbühel, denn auf den eigentlichen Biketouren mit Frosch würde einsetzen können.

Das Hotel liegt toll zentral, 3 Gehminuten und man ist im Herzen von Kitzbühel. Der Ort selber ist im Sommer eher ein beschauliches Örtchen mit ganz „normalen“ Sommergästen und bleibt von der mondänen Gesellschaft, wie man es wohl aus den Tagen des Hahnenkamm-Rennens im Januar aus den Medien kennen mag, weitestgehend verschont. Lediglich bei manchen Schaufensterauslagen und den aushängenden Immobilienangeboten merkt man doch, dass Kitzbühel etwas besonderes ist.

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Bummeln in Kitzbühel

Die Zimmer sind nett eingerichtet, ich hatte Glück und ein „Halbes Doppelzimmer“ mit Balkon für mich alleine beziehen dürfen, wobei ich auch sagen muss, dass ich es zu zweit eigentlich nur für ein Pärchen als geeignet empfunden hätte, denn das Bett war nicht sonderlich breit und auch nicht in Einzelbetten umwandelbar.

Abends wurden wir wie immer nett von der Frosch-Mannschaft begrüßt, in die Abläufe im Sportclub eingewiesen (ich stellt fest, dass ich ja bisher immer in Sporthotels war und den Unterschied wie Handtücher selber wechseln, kein Zimmerservice, Geschirr zurück bringen, … bisher nicht kannte, aber ich mich auch so sehr wohl fühlte) und über die erste Tour – Wandern oder MTB Fahren – informiert. Abgerundet wurde die Vorstellung durch Köchin Kimberly, ein Unikat mit Spaß am Kochen und auch am Fliegen (und bietet auch Flugtouren an) und eine Person mit viel Wissensdurst und interessantem Lebensweg. So wurde denn auch genau über die Besonderheiten des jeweiligen Abendessens kurzweilig philosophiert – ich fand’s immer sehr unterhaltsam!

Am nächsten Tag stand für mich als Biker die Einsteiger-Drei-Seen-Tour auf dem Programm. Während z.B. in Dalyan, in Conil, auf Korfu oder Sardinien diese Runden eher ein zwangloses Radeln durch den Ort oder zum Strand sind, ging’s hier mit 500-600 Hm gleich richtig los.

Das ist sicher auch einer der Unterschiede zwischen einer der Mittelmeerdestinationen und einer Destination in den Alpen: Während bei ersterem mehr oder weniger ambitionierte Freizeitradler in der Mehrheit sind, findet man in Kitzbühel schon einige sehr erfahrene Mountainbiker, die hier auch gezielt die Herausforderung suchen.

So erfuhr ich auch das erste Mal, warum Sitzcreme so wichtig ist, was das Besondere an Federbeinöl ist und warum man manche Schotterrampen einfach nur mit ausreichendem „Kniegas“ nach oben kommt, ohne abzurutschen.

Die Touren steigerten sich erwartungsgemäß über die Woche, aber Timm und David machen das wirklich sehr gut und es gab eigentlich immer die Möglichkeit, die Herausforderung einfach anzunehmen, nur einen Teil der Tour mitzufahren und dann umzukehren, wandern zu gehen (der freie Tag der MTB-Guides kann so anderweitig genutzt werden) oder ganz etwas anderes zu machen (Baden, Bummeln oder nach Salzburg fahren, …).

Obwohl ich vom Stuttgarter Raum her schon Steigungen gewohnt bin, so muss ich doch denen, die (fast) alle Touren mitgemacht haben, großen Respekt zollen: Es war für mich schon anspruchsvoll, 7 km lang nur bergauf zu fahren, auf Schotterbelag mit z.T. ordentlicher Steilheit … und das Ganze auch heil und in vertretbarer „Langsamkeit“ wieder bergab zu rollen. Wer jetzt aber denkt, dass die Touren daher nur geübte „Bergziegen“ absolvieren konnten, der irrt: Man ist doch immer wieder überrascht, wer sich als so „bissig“ herausstellt und alle Berge hochfährt, obwohl er zuhause nur das flache Land um sich hat, welches er ab und an mit dem Trekkingrad erkundet.

Die Tour zum Hahnenkamm mit angekündigten Hm > 1000 und einem Trail lehnte ich trotz des bekannten Namens dankend ab und genoss anstatt dessen den Tag mit einer verhältnismäßig flachen Runde entlang der Radwege und Flüsschen im Tal bis nach Aschau und wieder Retour, um dann noch am nahe gelegenen Schwarzsee einen Badestopp einzulegen.

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Blick auf den Hahnenkamm

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Der nahgelegene Schwarzsee

Die Wanderung zum Gaisberg mit Wanderguide Anna am Bike-freien Tag war genau die richtige Abwechslung für mich: Knieschonend mit dem Sessellift einen Teil der Höhe nehmen und dann 550-600 Hm bei tollem Wetter die schönen Ausblicke genießen können.

Auch Anna ist hier sehr engagiert, denn sie sucht immer wieder nach neuen flexiblen Tourengestaltungen und bot auch sofort eine schöne Alternativtour an, als sich zur ausgeschriebenen Tour zu wenige Teilnehmer zusammen fanden.

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Ausblick vom Gaisberg auf den Wilden Kaiser

Am letzten Tag war ich wieder dabei, um die Biketour „Zur Bruggeralm und dann weiter bis zur Erschöpfung“ in Angriff zu nehmen. Die Bruggeralm hat mir (und 4-5 anderen Bikern) dann aber auch gereicht, denn die am Ende erreichten  1400 Hm wären definitiv zu viel für mich gewesen. Aber das tat der Tour keinen Abbruch, ich genoss den Ausblick, die Bergab- und Rückfahrt und hatte trotzdem am Ende des Tages ein gutes Gefühl, mich sportiv durch die schöne Natur bewegt zu haben.

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Rast auf der Bruggeralm

Nach den Touren traf sich die Gruppe dann immer auf kleinen Terrasse vor der Bar des Sportclubs, wo wir auch abends schön chillig unsere wohlverdienten Getränke und das ein oder andere Mal auch frischen Kuchen oder Waffeln genießen durften.

 

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Chillen auf der Terrasse

Einen kleinen Eindruck davon, dass Kitzbühel in der Welt einen besonderen Stellenwert hat als andere Tiroler Bergorte zeigte uns noch das dortige Harley Wochenende, welches an unserem Fairwell-Abend begann, auf dem normale und skurile Biker aus verschiedensten Generationen und aus sicher auch sehr unterschiedlichen Einkommensschichten und Bekanntheitsgrad sich und ihre abgefahrenen Bikes zur Schau stellten. Ein netter Abend mit Livemusik, an dem wir uns dann voneinander und von Kitzbühel verabschieden mussten.

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Harley Treffen in Kitzbühel

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Showprogramm beim Harleytreffen

Fazit: Kitzbühel ist sicher nicht nur etwas für Profi-Mountainbiker. Obwohl die Touren einem schon mehr abverlangen als die meisten Touren rund ums Mittelmeer, sind sie auch für Durchschnittsfahrer wie mich durchaus machbar gewesen. Auch gibt es hier neben leichteren oder abkürzbaren Touren auch noch interessante Wanderungen oder die Möglichkeit, den Tag auf eigene Faust mit einem kulturellen Ausflug zu bereichern. Das Essen ist sehr gut und reichlich, die Zimmer sind sehr schön hergerichtet und das Frosch-Team ist harmonisch, gut organisiert und engagiert, insofern ist Kitzbühel in jedem Falle auch eine schöne Sommerdestination und immer eine Reise wert!

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