28. August 2010

Unser täglich Risotto gib uns heute

Reisebericht von Ingo Ehring (hikingo at web.de)
FROSCH Reiseziel Hotel Kalura, Cefalu, Sizilien 29.5.-12.6.2010

Bei der Auswahl  meines Reisezieles spielten folgende Faktoren eine Rolle: ich wollte Wandern in einer mediterranen Umgebung, mich ungehemmt der italienischen Küche hingeben, einen aktiven Vulkan besuchen und ich erhoffte mir die Gesellschaft von netten Menschen. So buchte ich denn 2 Wochen Sizilien mit Frosch und Ende Mai ging es los.

Die Anreise erfolgte mit air berlin und bedingt durch den späten Flug habe ich sogar das eingeschweißte Brötchen-Käse Ensemble unbeschadet überstanden (zu Tageszeiten, die vor dem üblichen Aufstehen liegen, hätte das anders ausgesehen). Der Flug und der anschließende Transfer mit dem Taxi waren problemlos und ich erreichte das Hotel gegen 22:30 Uhr


Das Hotel Kalura ist ein mittelgroßes Hotel unter deutscher Führung. Die Unterbringung genügte meinen Ansprüchen, nicht mehr und nicht weniger. Ich  war in der Divers Lodge (Mandorlo) untergebracht. Diese war so gelegen, dass ich von meinem Zimmer aus direkten Zugang zu der großen Terrasse hatte, auf der auch gefrühstückt wurde. Das sind auch die eigentlichen Highlights des Hotels: die Terrasse mit dem herrlichen Blick aufs Mittelmeer und das Frühstücksbuffet, das eine besondere Erwähnung verdient, da es an Reichhaltigkeit und Vielfalt kaum zu überbieten war. Diverse Brotsorten, Croissants, Aufschnitt, Obst, Gemüse, sogar Kuchen gab es.

Diese eher deutsche Ausprägung des Frühstücks war mir durchaus willkommen, das Abendessen wurde meinen Erwartungen leider nicht gerecht. Diese sind  zugegebenermaßen recht hoch, da ich mich ja schließlich in Italien befand. In  meiner Bewertung kann ich mich der Katalogbeschreibung („erstklassiges 4-Gänge-Menü“) daher leider nicht anschließen. Das Essen war schmackhaft, aber durchschnittlich und zuweilen skurril. Die Menüauswahl war eher dem deutschen Publikum älteren Semesters  geschuldet, nur so lassen sich Speisen wie das panierte Schnitzel vom Grill und das totale Fehlen von Knoblauch erklären. Jedenfalls sättigte das tägliche Risotto zuverlässig und stellte die Konstante in diesem Urlaub da.

Die Getränke bei Tisch und an der Bar waren selbstverständlich nicht inbegriffen und das Preisniveau nicht unbedingt niedrig. Ein großes Bier oder ein Glas Wein lag bei 4 €, wobei ein viertel Liter Wein 5 € kostete und ein halber Liter 6 € – daraus kann sich jeder seine eigene Strategie ableiten.

Auch die Preise für Wasser und Softdrinks waren ähnlich angesiedelt, ein Kühlschrank auf dem Zimmer wäre wünschenswert.


Verlässt man das Hotel und begibt sich auf den Weg nach Cefalu, so liegt auf halber Strecke das „La Trinacria“. Dort kann man nicht nur „prodotti tipici“ erwerben, sondern auch ganz hervorragend speisen mit wundervollem Blick aufs Meer.

Mein persönlicher Tipp ist das Focaccina Trinacria, eine Art italienisches Sandwich, bestehend aus einem Focaccia-Brötchen, belegt mit Sardellen, Pecorino, getrockneten Tomaten und Kräutern. Dazu empfehle ich ein Birra Moretti, da das Ganze echt Durst macht. Nachdem ich das „La Trinacria“ einmal für mich entdeckt hatte, war ich regelmäßig dort zu Gast und meine kulinarische Seele war besänftigt. Außerdem konnte man an diesem Ort Zeuge von übelstem Massentourismus werden und sich beruhigt zurücklehnen, in der Gewissheit mit Frosch doch alles richtig gemacht zu haben. Kurz vor dem Trinacria hielten nämlich im 10 Minutentakt die Reisebusse mit Tagestouristen. Jeglicher Selbstständigkeit beraubt wurden diese armen Tröpfe durch Cefalu getrieben, angeführt von Hirten mit bunten Fähnchen oder Stoffsonnenblumen, um nach erfolgreicher Schnäppchenjagd vollgepackt wieder abtransportiert zu werden. Ich sah verbrannte Briten, mit Aufklebern versehene Asiaten (ich schätze zur Sortierung) und arme Menschen, die kein Hemd besaßen.

Dem Himmel sei Dank, dass Cefalu groß und charmant genug ist diesen Ansturm zu verkraften, so dass man Flair und Atmosphäre dieser Stadt trotzdem wärmstens empfehlen kann.


Die Landschaft um Cefalu kann man nicht unbedingt als glattgebügelt bezeichnen und so erfuhr ich mal wieder eine Lektion in der Disziplin nicht horizontalen Radfahrens.

Nachdem ich mich 1 Stunde als Schlusslicht bergauf quälte und nur deshalb nicht von Fußgängern überholt wurde, weil es keine gab, beschloss ich, die Kombination aus Steigung, Sonne und Zweirad fortan zu meiden.


Beim Wandern kam ich jedoch voll auf meine Kosten. Die Touren durch die Madonie von Bergdorf zu Bergdorf konnte ich nicht nur bewältigen, sondern auch genießen. So gesehen empfinde ich es als sträflich, eine Fortbewegungsart zu wählen, die es mir nicht ermöglicht eine herrliche Landschaft mit all ihren wundervollen Details wahrzunehmen.


Die Madonie selbst ist recht nett. Sie ist geprägt von blühendem Ginster, Riesendisteln (mit Respekt zu begegnen), einer Vielzahl unterschiedlichster Falter und Insekten von teilweise recht erstaunlicher Größe. Einer Wildschweinfamilie sind wir auch begegnet.

Das Wandergebiet ist ein schöner Flecken auf dieser Welt, die inflationäre Verwendung von Superlativen möchte ich allerdings vermeiden.


Zum Ätna kam ich leider nicht, da es nicht genügend Interessenten für ein Zustandekommen gab. Stattdessen nahm ich an der Tour „Stromboli by night“ teil.

Der Stromboli ist ein ständig aktiver Vulkan. In unregelmäßigen Abständen (wenige Minuten bis stündlich) kommt es aus mehreren Krateröffnungen zu größeren und kleineren Eruptionen. Das ausgeworfene Material fällt meist in den Krater zurück oder es rollt teilweise über die Sciara del Fuoco (Feuerrutsche) ins Meer.


Das hörte sich für mich recht faszinierend an. Leider jedoch nicht nur für mich, sondern auch für eine Vielzahl der bereits oben beschriebenen Spezies. So wurden wir in einem Reisebus (wie oben erwähnt) zum nächsten Hafen verbracht, um dort in ein Motorschnellboot umzusteigen. Es gab eine dreisprachige Reiseleitung, die ausführliche Erläuterungen mittels der zahlreichen Lautsprecher an Bord über uns ergoss. Diese Beschallung übertönten lediglich die Dieselmotoren im Heckbereich, wo man gleichzeitig auch die Verbrennungsrückstände des Erdölproduktes genießen konnte. Das Boot erreichte eine beachtliche Geschwindigkeit, so dass wir zügig die Insel Panarea erreichten.

Panarea ist sehr charmant mit einer hinreißenden maurisch geprägten Architektur und angeblich sollen hier Größen wie Jack Nicholson Urlaub machen. Ich bin ihm jedoch nicht begegnet.

Weiter ging es nach Stromboli. Der Aufenthalt auf der Insel  ist nicht weiter erwähnenswert. Bei Sonnenuntergang fuhren wir per Boot dann auf die Rückseite der Insel, um die Eruptionen an der Feuerrutsche zu erleben. Wir haben auch drei Ausbrüche gesehen, leider ist man auf dem Wasser doch arg weit ab vom Geschehen. Jedenfalls kann ich jetzt ein Häkchen machen bei „Vulkanausbruch mit eigenen Augen gesehen“. Meiner Meinung nach steht die Fahrzeit per Bus und Boot in einem ungünstigen Verhältnis zum Ereignis.


Jetzt ein paar Worte zu den Teamern. Ich bin noch nicht oft genug mit Frosch verreist, um ein allgemein gültiges Urteil zu fällen, aber Teamer wie Tanja und Thomas sind das eigentliche Potenzial von Frosch Sportreisen und ich möchte mich auf diesem Wege noch einmal recht herzlich bei ihnen bedanken (bei Tanja auch dafür, dass sie mich zum Titel des Kickerkönigs geführt hat – Grazie).

Ciao Sicilia, es war schön.


8 Gedanken zu „Unser täglich Risotto gib uns heute

  1. Tina

    Hallo Ingo,

    schöne Fotos, die Du in Deinem Bericht veröffentlicht hast – Kompliment 🙂 .

    Ich war vor einigen Jahren auch in dem Hotel. Das Hotel fand ich vom Service, Ambiente u. Freundlichkeit auch nicht so umwerfend und in den Appartements am Meer unten (ich glaube, die hat Frosch mittlerweile aus dem Programm genommen) wurde damals eingebrochen, während die Frösche dort schliefen…. von daher war mir persönlich die Location etwas suspekt.

    Aber der Blick von der Terrasse war natürlich wunderschön…

    Und das Programm war auch recht abwechslungsreich (bei uns fand die Ätna-Besteigung genügend Anhänger…).

    Aber noch einmal würde ich dort nicht hinfahren, dafür hat Frosch einfach viel schönere Ziele.

    Viele Grüße, TIna

  2. Steffen

    ….hier nochmal meine Frage mit der korrekten E-Mail-Addy….
    würde mich über eine Antwort, gerne auch von anderen Fröschen, freuen…

  3. Ingo

    Hy Steffen.
    Deine eMail- Adresse wird hier nicht veröffentlicht.
    Zu den Hotelzimmern kann ich nichts sagen, die Lodge war o.k.
    Du solltest Deine Frage eher im Chatboard stellen.

    Gruß, Ingo

  4. Martina

    Ich war bisher dreimal in C. und finde dort die vielfältigen Möglichkeiten, ob nun kulturell oder sportlich, spitze !Davon konnte ich Bronze-Frosch dieses Jahr auf Sardinien nur träumen…Ich empfehle die Villa Aldo, wo man etwas abseits vom Hotel wie in einer WG haust, mit eigener Treppe zum Meer :))

  5. José Smug

    Hallo Ingo
    Vielen Dank für Deinen erheiternden Bericht! Du bist ein Mann mit großem Tumor!
    Habe echt schmunzeln müssen.. v.a. über die armen Leute, die sich kein Hemd leisten können!
    Überlege auch, dorthin zu reisen! Kenne bisher mit Frosch: Dalyan, Lesbos und La Gomera! Hast du nochmal was anderes aus dem Katalog angetestet?
    Ich finde, man sitzt da schon herrlich und der Ort scheint auch recht putzierlich zu sein.. aber radeln in der glühenden Sonne ist auch nicht so mein Ding! Stand da in der Türkei schonmal fast vor einem Break Down… ziemlich uncool!

    Lieber Gruß aus Düsseldorf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.