7. März 2009

Vielseitiger Winterurlaub in Schweden – Aktivcamp Idre 14. – 23. März 2008

Reisebericht von Jürgen Baur [jbaur at web.de]
FROSCH Reiseziel Aktivcamp Idre, Schweden

Ja, ich gebe zu, dass ich von Skandinavien angetan bin: Wer einmal die Weiten und die skandinavische Lebensweise kennengelernt hat, wird dort auch (mindestens einmal) Winterurlaub machen wollen. Dies nicht nur in Anbetracht der großartigen Natur sondern auch hinsichtlich der Möglichkeiten: Anders als in den Alpen geht es nicht nur mit dem Lift den Berg rauf und auf Ski/Snowboard herunter – aber dazu später!

Es freute mich also, als ich bei Frosch Sportreisen auf das Wintercamp Idre stieß. Nachdem ich noch ein paar Fragen zum Aufenthalt geklärt hatte, stand auch schon die Buchung. Veranstalter der Reise ist Rucksack Reisen, der das Camp auch selbst betreibt.

Anreise
Anders als bei den meisten Frosch Skireisen, startete der Bus von Vogt Bustouristik um 17 Uhr am Zentral-Omnibus-Bahnhof in Hamburg, der rund 200m vom Hauptbahnhof entfernt ist. Nachdem das Gepäck verstaut war, startete die rund 1.250km lange Busreise nach Idre. Anders als ich es erwartet hatte, war die rund 16 Stunden lange Busreise bei weitem nicht so unangenehm, wie ich erwartet hatte: Dies liegt insbesondere daran, dass die Fahrt durch zwei Fährüberfahrten unterbrochen wird, während denen man aus Sicherheitsgründen den Bus verlassen muss. Dadurch hat man einerseits Schlafphasen andererseits jedoch auch ein wenig Bewegung. Wer im Camp auch mal Lust auf Wein oder Bier hat, kann in den Fähren noch zu „günstigeren“ Preisen als in Skandinavien einkaufen (Verzehr mitgebrachter Sachen ist in Camp kein Problem!).
Je weiter es gen Norden ging, umso winterlicher und unbewohnter wurde die Landschaft. Der Sonnenaufgang verzauberte das Bild und kurz vor 9 Uhr rollte der Bus auf das Camp-Gelände.

Zunächst wurden wir von den Teamern im Haupthaus bei einem Frühstück begrüßt und erhielten die ersten Informationen auch über das Programmangebot des ersten Tages. Anschließend fand die Zuweisung der Ferienhäuser statt, die wir auch umgehend beziehen konnten.

Aktivcamp Idre mit Haupthaus und einigen Ferienhäusern

Das Wintercamp Idre
Das Camp besteht aus einem Haupthaus, in welchem sich Aufenthalts-/Speiseraum, Küche und zwei Duschräume (für den Abreisetag) befinden. Ferner 10 Ferienhäusern jedes mit sechs Schlafplätzen, Badezimmer, voll ausgerüsteter Pantry-Küche, Sitzecke, Wärmeschrank und außen ein eigener Skiraum. Die Ferienhäuser werden mit vier Personen belegt, wenngleich diese für sechs Personen ausgelegt sind. Die Schlafplätze finden sich in jeweils zwei Stockbetten in Alkoven und darüber zwei nebeneinander liegenden Matratzen im oberen Teil des Hauses.
Am Ende des Aufenthaltes obliegt einem auch die Reinigung des Ferienhauses für die nächsten Gäste.

Die holzbefeuerte Sauna befindet sich in einem separaten Holz-Gebäude. Unmittelbar daneben auch ein Badezuber, der während meines Aufenthaltes leider nie angefeuert wurde. Letztendlich ist noch ein Tipi und eine Feuerstelle zu erwähnen.

Frühstück und Abendessen werden im Haupthaus eingenommen. Die Speisen werden meist in Buffetform angerichtet, so dass man sich beliebig bedienen kann.
Zum Frühstück findet sich neben dem typisch schwedischen Angebot an Milchprodukten auch verschiedenes Brot, Käse, Wurst, Marmelade etc. Selbstverständlich auch Kaffee, Tee, Schokoladenpulver. Wie auch in Frosch Sportclubs üblich, kann man sich morgens noch ein Lunchpaket zum Mitnehmen zusammenstellen.
Zum Abendessen gibt es nach Suppe und Salat ein warmes Hauptgericht und Nachtisch. Vegetarier erhalten – soweit nötig – angepasste Mahlzeiten. Typisch schwedisch wird Wasser und Kaffee kostenfrei angeboten. Sonstige Getränke kann man sich selbst nehmen und trägt den eigenen Konsum in eine Liste ein, die man am Ende der Woche begleicht.
An eine Tag in der Woche hat das Koch-Duo frei und man wird abends in eine örtliche Pizzeria eingeladen.

Aussicht beim Abstieg vom Städjan mit Schneeschuhen

Das Wintercamp liegt nahe der Reichsstrasse 70 rund 1 km südlich von Idre (http://www.idre.se/). Überquert man vom Camp aus die Reichsstrasse 70 steht man am rund 7 km langen – im Winter normalerweise komplett zugefrorenen – See. Folgt man der Straße erreicht man Idre mit seinen rund 1.000 Einwohner in der schwedischen Provinz Dalarna (Mittelschweden). Der Ort bietet neben ein paar Geschäften für den täglichen Bedarf auch eine Bank, Tankstelle, Skiverleih etc.

Im Camp stehen zwei Kleinbusse mit Spikes-Bereifung von Rucksack Reisen, die die Camp-Bewohner (kostenfrei) aufs Idre Fjäll und zu den sonstigen Ausgangspunkte für Unternehmungen bringen – toller Service! Vom Fjäll kann man die 9km auch auf Langlaufski (fast) bis ins Camp abfahren.

Insgesamt sollte man sich jedoch bewusst sein, dass ein Camp nicht die Annehmlichkeiten und den Standard bietet, wie es beispielsweise ein Sportclub gestattet.

Das Programmangebot
Bereits am Ankunftstag konnte man sich in Idre Langlauf- und/oder Skiausrüstung ausleihen. Die dort verliehenen Langlaufski sind etwas breiter als hierzulande übliche und verfügen über eine Stahlkante. Sie eigenen sich daher auch besser für das Skiwandern. Schneeschuhe kann man direkt im Camp gegen Gebühr leihen.

Am Nachmittag starte dann die erste Runde auf der Hausloipe, deren Einstieg sich rund 500m vom Camp entfernt befindet. Teamer vermittelten auch Neulingen die ersten klassischen Langlauf-Schritte und Sportbegeisterte verlängerten diese Tour erheblich.

Wintereindrücke an der Hausloipe am Ankunftstag

Am ersten Abend wurde das weitere Wochenprogramm vom Campleiter Thomas erläutert. Da die Kleinbusse nur eine begrenzte Kapazität haben, werden verschiedene Aktivitäten mehrmals angeboten. Dies hat auch den Vorteil, dass man regelmäßig eher in kleinen Gruppen unterwegs ist. Für verschiedene Programmpunkte hat man sich in aushängenden Listen einzutragen, die allerdings recht schnell voll waren. So hatte man zunächst den Eindruck, dass man wohl dass eine oder andere Angebot missen würde. Tatsächlich wurden das Angebot im Laufe der Woche noch erweitert oder es trugen sich doch Teilnehmer aus oder um.

Im Laufe der Woche kann man unternehmen:

Langlauf & Abfahrtsski auf dem Idre Fjäll
Bereits am folgenden Tag ging es aufs Idre Fjäll (http://www.idrefjall.se) zur klassischen „Waffelrunde“ – eigentlich eine 15km Runde zum See Burusjön. Die Waffelrunde ist ein Rundkurs bei dem man an zwei Waffelhütten vorbei kommt. Die besondere dürfte die zweite Hütte sein, da die dicken Waffeln dort in gusseisernen Waffeleisen im offenen Feuer zubereitet werden. Dazu wird Sahne, Blaubeer-, Himbeer- oder Erdbeer-Soße gereicht.

Waffelrunde: Waffelzubereitung im offenen Feuer

Auf dem Idre Fjäll befindet sich auch das Skigebiet der Region mit rund 40km präparierter Skipiste und 56km Langlaufloipe (meist klassisch; Skating nur sehr begrenzt). Ski-/Snowboardfahrer finden relativ leere jedoch eher leichte Pisten und einen Boarderpark vor.

Schneeschuhwanderungen
Schneeschuhwanderung auf den Städjan.
Wenngleich der Berg mit rund 1.130m im Vergleich zu den Alpen eher niedrig ist, überschreitet man bereits bei rund 800m die Baumgrenze und läuft anschließend über große Schneefelder auf den Gipfel. Von dort hat man eine fantastische Aussicht über die Umgebung und das Skigebiet auf dem Idre Fjäll.

Blick vom Städjan auf das Idre Fjäll mit Skipisten

Schneeschuhwanderung zum Njupeskär.
Der Njupeskär ist der mit 93m höchste Wasserfall Schwedens im Nationalpark Fulufjället. Er gefriert im Winter vollständig ein und lockt Eiskletterer geradezu magisch an. Mit Schneeschuhen gelangt man bis zum Wasserfall und nach einer Pause in einer Schutzhütte auch auf die darüber gelegene Hochebene und nahe an die Wasserfallkante. Bizarre Eisformationen findet man auch an aus dem Schnee ragenden Sträuchern und Bäumen. Im Besucherzentrum am Ende des Parks kann man bei einem heißen Kaffee noch etwas über Flora und Fauna lernen.

Hundeschlitten-Touren
Die Touren mit Huskys werden es in einer Tages- und Halbtagesvariante angeboten. Ausgangspunkt ist eine Huskyfarm bei Drevdagen. Fast als Einstimmung auf die kommende Tour passierten wir auf den Anfahrtsweg eine Rentierherde, die sich auch durch den Kleinbus nur wenig gestört fühlte. Damit uns nicht kalt werden sollte, wurden wir auf der Farm mit dickeren Schuhen und Handschuhen ausgestattet. Anschließend legten wir beim Anspannen der Gespanne selbst Hand an. Es ist schon ziemlich verrückt zu sehen, wie sich die Hunde auf das Laufen freuen. Die anschließende Tour mit den Vierbeinern über zugefrorene Seen und unberührter Landschaft ist einfach traumhaft und wohl alleine die Reise wert!
Kehrt man auf die Farm zurück und sieht die erschöpften Hunde hat man fast ein schlechtes Gewissen, dass die Kleinen sich für einen so sehr ins Zeug legten.

Mit einem Vierer-Gespann über einen zugefrorenen See

Motor-Schlitten-Tour
Scooter kann man sowohl in Idre als auch in einer Scooter-Station südlich des Camps mit einem Auto-Führerschein leihen. Angeboten wird jedoch auch eine geführte Halbtages-Tour. Zum ersten Kennenlernen des Gefährts ging es auf den zugefrorenen Idre-See, auf welchem Fahrbahnen markiert sind – ja, es gibt sogar Wegweiser auf dem See! Für die Motorscooter gibt es auch Geschwindigkeitsbegrenzungen, die angeblich auch mit Radarpistolen überwacht werden. Auf dem zugefrorenen See kann man – ungeachtet der Erlaubnis – locker 100km/h erreichen. Im Gelände sind die Scooter Kletterkünstler und es macht einen unwahrscheinlichen Spaß, mit diesen zu fahren. Die Tour mit vier Scootern führte über verschiedene Wege aufs Idre Fjäll. In einer Hütte entzündete unser Führer ein Feuer und bereitete Pfannkuchen zu. Daneben gab es mitgebrachten Tee und Kaffee. Nach der weiteren Fahrt mit heftigen Anstiegen gelangten wir auf die Hochebene und konnten eine tollen Sonnenuntergang erleben, bevor wir die Rückfahrt antraten.

Abendstimmung auf dem Motorscooter

Eisangeln auf dem Idre-See
Ausgerüstet mit Eispickel und Eisbohrer geht es auf den zugefrorenen See: Es ist gar nicht so einfach, ein Angelloch durch das Eis zu schlagen bzw. zu bohren. Während man dann so auf das Anbeißen von Fischen wartet, ziehen Anwohner mit Kinderwagen über das Eis: Merkwürdige An- und Aussichten! Letztendlich kehrten wir erfolglos zum Camp zurück, wo wir mit Waffeln und warmen Getränken an der Feuerstelle des Camps schon erwartet wurden.

Skiwanderung/Langlauf in Grövelsjön
Damit uns wirklich nicht langweilig wurde, wurde von Rucksack Reisen ein Bus angemietet, der uns in das Gebiet Grövelsjön brachte. In der Nacht zuvor und am Vormittag schneite es noch, so dass eine Schicht Pulverschnee zu neuen Fahrerlebnissen führten. Dabei zeigte sich, dass die Stahlkante der schwedischen Langlaufski durchaus vorteilhaft sein kann. Überdies lernten wir gleich ein weiteres phantastisches Wintersportgebiet und dessen Hütten mit leckerem Essen kennen.

Apres Ski & Abendprogramm
Wie wohl nicht anders zu erwarten, gibt es kein Apres Ski, wenngleich es auf dem Fjäll durchaus interessante Hütten gibt. Im Camp finden sich jedoch immer Gesprächspartner oder auch mal ein Abend im Tipi mit Glühwein und Punsch.

Wem das angebotene Tagesprogramm noch nicht ausreicht, findet bei lokalen Veranstaltern beispielsweise Pferdetouren.

Skibetrieb auf dem Idre Fjäll mit Kinder-Park

Zusammenfassend…
Natur pur! Wer den Winter wirklich einmal erleben will, ist hier richtig: Mehr Abwechslung wird man in den Alpen nicht erhalten. Dabei stehen das Natur-Erlebnis und die sportliche Bewegung klar im Vordergrund. Die Hundschlitten-Tour dürfte sicher ein unvergessliches Highlight sein.

Es wäre wünschenswert, dass es noch weitere Frosch Ziele in Skandinavien gäbe, da es insbesondere für Norddeutsche oftmals einfacher zu erreichen ist. An winterlichen Höhepunkten fehlt es in Skandinavien nicht: Wo sonst kann man beispielsweise in einer Saunagondel seine Runden drehen (Ylläs, Finnland).

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