5. Dezember 2012

Vietnam Aktiv 10. – 25.11.2012

Reisebericht von Jörg Balczun
FROSCH Reiseziel Vietnam aktiv

Abends, man sitzt bei einem Glas Rotwein da und weiß, dass man im November für Sonne weiter weg muss – Indien, Südamerika oder Südostasien gehen mir seit ein paar Monaten im Kopf herum. Wenn möglich nicht ganz so bewegungsarm, wie es reine Busrundreisen befürchten lassen… dass es am Ende doch wieder die Frosch-Homepage ist, die mich buchen lässt, muss am „aktiv“ hinter dem „Vietnam“ liegen.

Die Erwartung, hier beim Reisepartner One World eine ähnlich aufgeschlossene Atmosphäre wie bei den Frosch-eigenen Reisen zu finden, verstärkt sich, als das Einladungsschreiben für den Visumsantrag kommt: 2 Paare und ein Dutzend Alleinreisende – alles gut.

Am Sonntag Abend geht es ab Frankfurt über Nacht nach Dubai, von dort dann weiter nach Ho Chi Minh-Stadt/Saigon, und nach einer halben Stunde Wartezeit auf das Visum am Einwanderungsschalter empfängt uns unsere Asien-kundige Reiseleitung Isabel, die mit uns nach 45minütiger Fahrt, auf der auch der lokale Guide Thai zusteigt, abends um 21:00 Uhr im Hotel in Saigon ankommt. Klar müde von der langen Anreise, finden wir uns nach kurzer Dusche trotzdem noch zusammen, um schnell noch etwas essen zu gehen.

Wer Bangkok kennt, fühlt sich erinnert und schnell wohl – bei mir erst und doch schon wieder 2 Jahre her – wer noch nicht in dieser Gegend war, ist vom sehr uneuropäischen Verkehrsfluß, dem ständigen Gehupe und dem relativ regelfrei notwendigen Überqueren der von Mopeds förmlich überfluteten Straßen zunächst etwas irritiert, bis verstanden ist, dass hier keiner keinem etwas tun will und das Ganze eher auf Rücksicht statt Recht basiert.

Das Gefühl, angekommen zu sein, breitet sich mit jedem Meter durch die nächtliche Stadt aus, Geräusche, Gerüche und Gesichter nehmen gefangen. Nach dem am ersten Abend in puncto Gastronomie nicht ganz so wagemutig gewählten Restaurant sind wir kurz vor Mitternacht endgültig im Schlaf.

Saigon lacht uns am Morgen mit 30° und Sonne entgegen: zu Fuß geht es durch die quirligen Straßen, wir sehen uns den Ben Thanh Markt, die aus französischer Kolonialzeit stammende Oper, Post und Notre Dame an, probieren mittags einheimische Küche, besuchen das uns einige nachdenkliche Momente bescherende Kriegsmuseum und lassen den Nachmittag mit dem eigentlich für gestern Abend geplanten Welcome Cocktail auf der Dachterrasse des Hotel Rex angehen – entspannter geht es kaum…anschließend lassen wir uns 2 Std per „Cyclo“ durch die Stadt Richtung Chinatown „Cholon“ fahren, gehen über den überdachten Markt mit seinen unglaublich engen Wegen und besichtigen einen daoistischen Tempel, bevor sich einige noch im Blindenprojekt „Seeing Hands“ massieren lassen. Der Abend gehört dann einem gemeinsamen Essen, man kommt untereinander weiter ins Gespräch und fängt an, sich miteinander wohl zu fühlen.


Tai-Chi… hätten wir dann morgens tatsächlich haben können, wenn wir denn um 6:00 Uhr im Stadtpark hätten sein wollen. Am Ende waren es nur 2, wir anderen ließen uns beim Frühstück berichten… 🙂 Auf dem vormittaglichen Weg zum Mekong-Delta fahren wir an der Vinh Trang-Pagode vorbei; selten habe ich einen derart riesigen Buddha derart mit sich zufrieden gesehen – im Gegensatz zu den Reishutverkäuferinnen vor dem Tor, die bei uns an dem Tag irgendwie kein Glück hatten. In Ben Tre am Mekong angekommen, schauen wir uns erst einmal an, wie hier aus Kokosnuss-Saft in einzelnen Schritten handwerklich Coconut-Candy hergestellt wird, um dann in Sampans, den vietnamesischen Ruderbooten, zurück zum Fluß gebracht zu werden und auf einer sehr schönen zweistöckigen Reisbarke einzuschiffen. Die Ruhe auf dem Mekong steht in fantastischem Kontrast zu Saigon City. Wir halten auf dem Weg an einer Insel für eine erste Radtour – noch auf Eingangrädern – an, die uns über schmale Wege durch bewohnte Bereiche in dichter Natur führt. Mittendrin auf einmal ein Bolzplatz, und innerhalb von wenigen Momenten hat unser lokaler Guide ein Match „Dorfjugend gegen Männer in Trekkingsandalen“ arrangiert – ein spontaner halbstündiger Spaß, der ausgeglichen endet.  Der Sundowner oben auf dem Sonnendeck der Barke unter Sternenhimmel auf den Liegen ist ein schöner Schlusspunkt des Tages, bevor es in die Kabinen geht.

Nach dem Frühstück an Bord kommen wir in Cai Be an, verlassen die Barke und lassen uns mit einem Transportboot langsam an den malerisch-morbiden Schwimmenden Märkten vorbei zum Ufer bringen. Dort lassen wir uns zeigen, wie handwerklich Pop-Rice, Pop-Noodles, aber auch der berüchtigte Schlangenwein hergestellt werden, und nehmen danach unsere „upgrade“-Räder mit 21 Gängen in Empfang – ab jetzt macht das Biken Spaß! Die ausgedehnte Tour auf engen Wegen durch (bewohnte) Natur pur führt uns an einer Ziegelbrennerei vorbei und nach heftigem Regen zwar gut durchnässt, aber gut gelaunt zum Ba Lình-Home Stay: eine Übernachtung direkt am Haus dort Wohnender, mit denen wir Frühlingsrollen in ihrer Küche selber machen, fritieren und anschließend beim Abendessen gleich serviert bekommen – gelungen! Ein paar Tiger Beer lassen den Abend in der Natur ausklingen.

Per Rad geht es morgens weiter, eine schöne ausgedehnte Tour endet mit einer Fährfahrt und dem Rücktransport nach Saigon per Bus. Spätnachmittags sind wir wieder in „unserem“ Hotel und finden uns abends zu einem Essen mit einem „Überraschungsgast“ zusammen: eine Bankangestellte, die sich zum Austausch und Dialog während des Essens zu uns gesellt. Die Idee an sich ist nicht schlecht, da ich allerdings zwei Wochen mal kein Business wollte, war mir der Platz am Tischende diesen Abend sehr Recht 😉

Auf nach Nam Cat Tien – von Saigon geht es an Kaffee-, Cashew- und Kautschukplantagen vorbei zum Nationalpark weiter nördlich. Morgens mit etwas Verzögerung losgekommen, schaffen wir es vor Dunkelheit gerade zum Einchecken unten am Hauptquartier und verschieben die 7km-Wanderung durch den Dschungel zum Krokodilsee auf den nächsten Morgen. Oben am See angekommen, finden wir nach einiger Zeit tatsächlich eines der ca. 200 Exemplare, was sich ausnahmsweise tagsüber heraus traut, während der Rest auf die Abendstunden wartet – und uns entgeht, da wir mittags wieder zurückwandern: Da Lat ruft. Mit dem Bus geht es weiter, wir sehen uns auf dem Weg noch eine familiäre Kaffeerösterei an, bevor wir abends in unserem Resort einchecken; ein starker Kontrast zur jugendherberglichen Übernachtung im Nationalpark!

Der Morgen gehört dem 700 Höhenmeter-Fußmarsch auf den LangBiang-Berg, der uns oben eine fantastische Rundumsicht um Da Lat gibt. Das Wetter ist mit uns; es regnet erst, nachdem wir oben sind, zum Glück gibt es ein Café und Jeeps für die Abfahrt. Unten angekommen stehen Sonne und unsere Räder bereit. Eine schöne lange Tour führt uns durch Da Lat, an zwei sehr schönen Pagoden vorbei zu einer Teeplantage und -Verarbeitung inkl. Verkostung und anschließender Rückfahrt mit dem Bus nach Da Lat, wo wir den Abend noch auf dem Night Market verbringen.

Blumengärtnerei und Kaffeeplantage passieren wir im Bus auf dem morgendlichen Weg hinauf zum Bidup Nui Ba-Pass auf 1500m Höhe, der uns im Nebel empfängt. Unsere Räder stehen bereit, und wir machen uns auf eine der schönsten Touren dieser Reise: 35km downhill auf kaum befahrenen Straßen, durch atemberaubende Landschaft – Wasserfälle, Schluchten, Regenwald, endlose Weite. Begeistert treffen wir uns nahe Nha Trang mittags zum Essen ein, bevor wir dann 1,5 Std in 2er Kajaks paddeln und uns alle offensichtlich näher kommen – die Wasserschlacht lässt niemanden auch nur ansatzweise trocken 🙂 Die anschließende Fahrt nach Nha Trang in die erste Stadt am Strand auf der Reise lässt uns nicht besser aussehen, die Rezeption des gehobenen Hotels schaut skeptisch beim Einchecken…wir grinsen. Der Abend ist launig, wir haben eine gute Zeit und genießen die Cocktails am Strand bis in die Morgenstunden.


Leicht verkatert laufen wir (kann jemand die Sonne abstellen, bitte?) vormittags zu den Cham-Türmen und lassen die schattige Kühle der wirklich beeindruckenden Anlage heilend auf uns wirken. Der Nachmittag gehört der Busfahrt zum nächsten Beach-Spot, einem absolut ruhig gelegenen Resort. Einchecken, Strandhandtuch, ab ans Meer… und den Fischern in ihren Rundbooten zusehen, wie sie vor Sonnenuntergang noch ihre Netze auslegen.


Wieder einmal mit strahlendem Sonnenschein geht es morgens auf eine überwiegend uphill verlaufende 30km-Tour durch Ortschaften und Landschaft, wir sehen Hummerzuchten und Reisernten, um am Ende der Tour per Boot zuerst zu einem Schnorchelspot, dann zu einer Insel für einen Badestopp und Mittagessen gebracht zu werden. Die Vinh Hy-Bucht ist tatsächlich sehr schön, wenn auch soviel nicht zu erschnorcheln und die „einsame“ Insel nicht wirklich unzivilisiert ist. 😉

Der Abend klingt noch einmal in Ninh Chu aus, bevor wir uns zu unserer letzten Destination, Mui Ne, aufmachen. Keine Tagestour ohne Lehrreiches: auf der Fahrt sind es heute eine nasenbetäubende Fischsoßen-Fabrik und eine Erdnussplantage, auf der wir selber ernten dürfen. Weiter zu den Weißen Sanddünen, die an Wüstengegenden erinnern, geht es anschließend ein letztes Mal auf die Räder: eine super Tour entlang der Küste, auf der sich einige mit mir noch einmal richtig auslassen und die anderen es entspannt angehen lassen, bevor es in der Abendsonne zusammen nach Mui Ne hineingeht. Wir entdecken einen ziemlich touristischen Ort, der sich gut in russischer Hand befindet und an unsere Einflüsse auf Gran Canaria und Mallorca erinnert… das Essen beim Inder ist sehr gut, das Resort ebenfalls, somit ist alles bestens. Die Nacht gehört dem Strand mit ein paar kühlen Getränken unter Sternen…


Der letzte volle Tag gehört spätem Frühstück und ausgiebigem Sonnen, abends sitzen wir zu einem opulenten Abschiedsabendessen zusammen und lassen die zwei Wochen noch einmal Revue passieren, bevor es ein letztes Mal zum Strand geht und bis in den Morgen hinein philosophiert, gelacht und im Mondschein noch ein Rundboot zu Wasser gelassen wird 😉

Resumée: eine unglaublich abwechslungsreiche Reise, was die Spots, die Unterkünfte, die Eindrücke betrifft; definitives Eintauchen in das wirkliche Vietnam; eine Reiseleitung, die gerade durch die Symbiose aus deutschsprachiger Führung und Unterstützung durch einen englischsprachigen, lokalen Guide sehr lebendig war und von einer absolut souveränen Biketruck-Mannschaft begleitet wurde, die jederzeit zur Stelle war, wenn es auf den Touren etwas zu tun gab. Über 600 Fotos sprechen eine klare Sprache… ein paar davon seht Ihr hier: wärmstens weiterzuempfehlen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.