3. September 2007

Wanderwoche in Crans Montana

Reisebericht von Peter Zangl [Peter.Zangl at t-online.de]
FROSCH Reiseziel Sportclub Carlton im Kanton Wallis, Schweiz

Crans Montana

Schon viel ist auf diesen Seiten geschrieben worden über Crans-Montana im Schweizer Kanton Wallis, das 1923 erbaute Hotel Frosch-Carlton, dessen angenehme Atmosphäre, das gute Essen sowie das allgemeine Mountainbike-, Fitness-, Kletter- und Golfprogramm. Deshalb möchte ich in diesem Bericht meine Erfahrungen der Wanderwoche, die von Frosch-Sportreisen als Option angeboten wird, aufzeichnen.

Die Woche beginnt mit einem bei der Arbeitsteilung in einem Frosch-Sportclub nie ganz auszuschließenden Arbeitsunfall: Der Bergführer hat sich beim Betten machen verletzt und musste in orthopädische Behandlung. Doch das Frosch-Team hat Reserven und so trifft sich der harte Kern von vier Frauen und vier Männern sowie ein paar Profis, die ihre Wanderwoche auf zwei Wochen verteilen und die eine oder andere Tour mitlaufen werden, nach dem Abendessen im Salon unter dem von Charlie Chaplins Nichte gestifteten Hirschgeweih zur Vorbesprechung mit Wanderguidin Gunhilde (Gunni für ihre Freunde): Blond, langbeinig, zwei Meter groß (incl. Hochsteckfrisur), Schuhgröße 42, durchtrainiert, geographisch und fitnesstechnsich gebildet, stellt sie sich der schwierigen Aufgabe, uns diese Woche bergzuführen. Auf dem Programm stehen fünf alpine Touren Ă  mindestens 800 Höhenmeter, bei denen es neben der wunderbaren Bergwelt auch einiges über Land, Leute, Pflanzen und Tiere zu erfahren gebe. Ein Tag sei als Ruhetag vorgesehen. Zu den besonderen Regeln für die Woche zählen, immer genug Schokolade oder andere leckere Dinge im Proviant mitzuführen sowie gut aufzupassen, da die Woche mit einem Test abgeschlossen werde.

Geographie und Geologie (Lektion 1)
Für die erste Tour fahren wir mit dem Bus ans Ende von Crans-Montana, nach Aminona. Von dort hat man einen schönen Blick ins RhĂ´netal und auf das Hochplateau, über das sich die verschiedenen Ortsteile von Crans-Montana erstrecken. Gunni erklärt uns so detailliert, als ob sie seinerzeit selbst dabei gewesen wäre, wie der RhĂ´negletscher vor zehntausend Jahren diese Landschaft geschaffen hat. Von den Viertausendern der Walliser Alpen sehen wir so gut wie nichts, da erste Wolken aufziehen und uns das Panorama vernebeln. Das schützt uns wenigstens davor, zu viel zu schwitzen, während wir an einer alten aber immer noch genutzten Wasserleitung, der „Bisse du Tsittoret“ zu einem Wasserfall aufsteigen. Das Tempo ist so, dass man sich stets gut unterhalten kann, so dass die Gruppe sich schnell kennen lernt. Durch eine beeindruckende Felslandschaft, Geröllfelder und Almen wandern wir dann quer durch das im Sommer recht menschenleere Skigebiet zurück zum Hausberg Cry d’Eyr. Für die letzen Meter zum Hotel nehmen wir die Seilbahn.
Rating:
Wetter :-|, Landschaft :-), Hintergrundinfos :-), Höhenmeter: 800 m , Dauer: 6 Stunden

Botanik und Zoologie
Crans MontanaAuch die zweite Tour hat mit einer Wasserleitung zu tun. Von denen gibt es in der Gegend recht viele, da seit dem Mittelalter die Felder und Weinberge im recht trockenen Wallis bewässert worden sind. Die spektakulärste Wasserleitung der Gegend ist die „Bisse du Ro“, die gleich hinter dem Carlton beginnt und teils aus steilen, überhängenden Felswänden heraus gehauen, teils auf Stelzen und Trägern in offenen Gerinnen knapp an der Wand entlang geführt ist. Da das Wasser seit einigen Jahren überwiegend durch eine Pipeline fließt, wurde die alte Trasse zu einem Wanderweg ausgebaut und führt nur noch streckenweise Wasser.

Die Wolken waren über Nacht eher dicker als dünner geworden und die Viertausender verbargen sich noch immer dahinter. Deshalb beschäftigten wir uns heute mit den Fichten, Tannen und Arven, die an der Bisse du Ro gedeihen. Gunni nimmt ein paar Fichtenzapfen als Deko für den Carlton-Salon mit. Zur Pause probieren wir das frische Bergwasser aus der Wasserleitung. Das scheint übrigens Gunnis Lieblingsgetränk zu sein. Anschließend geht’s durch ein abgelegenes Hochtal zwischen seltenen Alpenpflanzen zum 2500 m hoch gelegenen Col de Pouchet. Wir beobachten Murmeltiere, die sich nicht vor uns fürchten, uns auf wenige Meter herankommen lassen und erst in ihrem Schlupfloch verschwinden, als ein Steinadler aus einem der Wolkenlöcher herabstößt. Mit ersten Symptomen von Reizüberflutung angesichts dieser Naturschönheiten erreichen wir bei gefühlten 0°C über einen Klettersteig mit Eisenleiter, die gerade eine erste Reifschicht ansetzt, den Gipfel des Bella Lui. Einer aus der Gruppe hat zur Stärkung statt Schokolade eine Flasche Riesling dabei, die uns während der Gondelfahrt ins Tal wieder auftaut.
Rating:
Wetter :-(, Landschaft :-), Hintergrundinfos :-), Höhenmeter: 1100m , Dauer: 6 Stunden

Oenologie
Wir weigern uns zu glauben, dass das Wallis eine der trockensten Regionen der Alpen sein soll. Dazu regnet es heute eindeutig zu viel. Da ist Flexibilität gefragt: Wir nehmen deshalb die Zahnradbahn nach Sierre und wandern im strömenden Regen (Nein, es gibt kein schlechtes Wetter!) an der RhĂ´ne entlang durch Weinberge, an des Dichters Rilke Altersruhesitz vorbei und über die französisch-deutsche Sprachgrenze ins Weindorf Salgesch. Dort hat Gunni uns bei einem Kellermeister zur Degustation angemeldet. Trocknend lernen wir bei einer gemütlichen Weinprobe alles über den Weinanbau im Wallis, was wir noch nicht anhand der Infotafeln entlang der Weinberge erfahren haben. Nach zwei Stunden treten wir den Heimweg an. Da wir zwar sämtliche Walliser Weinsorten, aber unsere Soll-Höhenmeter noch nicht intus haben, nutzen wir den nachlassenden Regen und erwandern uns die restlichen 900 Höhenmeter für heute auf dem Rückweg vom RhĂ´netal auf das Hochplateau von Crans-Montana. Nach der Weinprobe ist das ganz schön anstrengend, so dass wir uns einstimmig auf den nächsten Tag als Ruhetag einigen.
Rating:
Wetter :-(, Landschaft :-), Hintergrundinfos :-), Höhenmeter: 1000m , Dauer: 8 Stunden

Geographie und Geologie (Lektion 2)
Endlich! Die Niederschläge haben aufgehört und allen Staub aus der Atmosphäre gewaschen. Dementsprechend präsentiert sich der Morgen mit einem ungetrübten Blick auf die frisch verschneiten Viertausender und Gunni kann uns endlich die spektakulären Gipfel der Walliser Alpen präsentieren:

Crans Montana

Der Tag ist ideal, die längste Wanderung der Woche über die Varneralp nach Leukerbad in Angriff zu nehmen. Zuerst geht es wieder mit dem Bus nach Aminona, von dort auf die höchstgelegene Alm der Schweiz in 2300 m Höhe. Ein frischer Wind sorgt dafür, dass uns kaum mehr Wolken das Panorama aufs RhĂ´netal und die Berge versperren, wofür wir die gefühlten 5°C zähneklappernd in Kauf nehmen. Bei einer Sennerin gibt es dann eine warme Ovomaltine, die uns wieder auftaut. Weiter geht es mit einem nicht weniger spektakulären Panorama in das von Felswänden und Gletschern idyllisch eingerahmte Leukerbad. Mit Bus, Zug und Zahnradbahn fahren wir zurück zum Hotel.
Rating:
Wetter :-), Landschaft :-), Hintergrundinfos :-), Höhenmeter: 800m (Aufstieg) & 1000m (Abstieg), Dauer: 9 Stunden, 7 Stunden reine Wanderzeit

Glaziologie
Crans Montana Wir haben beschlossen, die Lektion in Glaziologie (Gletscherkunde) vom kleinen Hausgletscher Crans-Montanas zum Grossen Aletschgletscher zu verlegen, da dieser viel größer, schöner und eindrucksvoller sein soll. Nach einem kurzen Frühstück fahren wir mit zwei Autos und einem Cabrio im Konvoi ins 75 km RhĂ´neaufwärts gelegene Fiesch. Unsere Soll-Höhenmeter nimmt uns heute die Gondel zur Fiescheralp ab. Von dort wandern wir Matterhorn & Cie. vor Augen zu einem Pass hinter dem sich der größte Gletscher der Alpen erstreckt. Muss man gesehen haben. Kann man nicht beschreiben.
Wir wandern zwei Stunden lang an Moränen, Spalten und Gletschezungen entlang. Dabei genießen wir die Natur und Gunnis Erläuterungen. Unterwegs treffen wir eine Gruppe aus dem Piemont, die sich nach den schönsten Bergtouren in Crans-Montana und Umgebung erkundigt. Sollen doch einfach die Wanderwoche bei Frosch-Sportreisen buchen.

Durch ein Seitental mit Teichen und eigentümlicher Vegetation und einen Tunnel geht’s zurück zur Gondel. Auch heute gibt es, außer für die Autofahrer, einen Riesling, um den Tag ausklingen zu lassen. Ziemlich erschöpft fahren wir zum Carlton zurück und schaffen es grade noch zum Abendessen.
Rating:
Wetter :-), Landschaft :-), Hintergrundinfos :-), Höhenmeter: 300m , Dauer: 9 Stunden, 5 Stunden reine Wanderzeit

Die Woche war zwar anstrengend und auch wenn das Wetter recht durchwachsen war, war die Reise insgesamt so reich an Bergerfahrung und netter Gesellschaft, dass man sie gleich noch einmal buchen möchte, vor allem wenn man die Testfragen schon kennt. Nach dem Abendessen fand nämlich tatsächlich ein Test statt. Für jede richtige Antwort gab es Schokolade sowie eine historische Carlton-Karte, um die Woche ja nicht zu vergessen.

Hier die Fragen, die sich alle aus diesem Reisebericht beantworten lassen:

  • Von welchem Baum sind die Zapfen im Carlton Salon?
  • Nenne drei Viertausender, die man von Crans-Montana aus sehen kann?
  • Wer stiftete das Hirschgeweih im Carlton-Salon?
  • Welche Weinsorte brachte uns Stärkung nach den Wanderungen?
  • Wann wurde das Carlton erbaut?
  • Welche Schuhgröße hat Euer Wanderguide?
  • Was ist das Lieblingsgetränk Eures Wanderguides?
  • Woher kamen die Italiener, die uns am Gletscher begegnet sind?

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