12. Februar 2009

Weihnachten im Schnee: Skifahren im Fassatal

Reisebericht von Jürgen Baur (jbaur at web.de)
FROSCH Reiseziel Sporthotel Maria Teresa, Dolomiten

Alle Jahre wieder: Weihnachten!

Es standen zur Auswahl:
Die klassische Variante unterm Weihnachtsbaum oder sollte es doch auf die üblicherweise leeren Pisten gehen?
Der Entscheidungsprozeß wurde dadurch vereinfacht, dass bereits Anfang Dezember in allen Skigebieten ausreichend Schnee fiel. Also stöberte ich mal online bei Frosch Sportreisen nach kurzfristig freien Plätzen. Doch, da fanden sich einige bekannte Gebiete: Unter anderen Arlberg, Saalbach, Zillertal, Trois Valley, Crans Montana und auch Davos, wo ich bereits vor ein paar Jahren ein „Weihnachtsfest“ verbrachte. Allerdings zeigte die Übersichtskarte auch ein Skigebiet in Italien: Fassatal!? Ganz ehrlich: Davon hatte ich noch nie gehört – oder falls doch, ganz schnell vergessen. Eben mal auf den Pistenbericht geklickt und siehe da: 147km von 147km befahrbar! Demnach alle Pisten geöffnet, doch besonders groß schien das Gebiet nicht zu sein!
Da es nur noch rund zwei Wochen bis zur geplanten Bus-Abreise am 19. Dezember 2008 waren, buchte ich umgehend online, ohne mich genau zu informieren, was mich denn da erwartet: Bislang gab’s bei Frosch jedoch noch keine wirkliche negative Überraschung!


Gebiet Alta Badia: Bis zum 2. Weihnachtsfeiertag sind die Pisten regelmäßig vollständig präpariert jedoch leer.

Anreise

Die Anreise erfolgte mit dem Bus ab Köln und war hingegen nicht gerade als top-organisiert zu bezeichnen: Es ist ziemlich unangenehm, bei leichtem Schneefall früh morgens im Dunkeln eine gute halbe Stunde am Rande einer Autobahn-Rastanlage mit dem Gepäck zu stehen, um auf den Buswechsel zu warten, dessen Toilette dann für die nächsten Stunden nicht zur Verfügung stand.
Dennoch kamen wir absolut planmäßig gegen 11 Uhr beim Sporthotel Maria Teresa an. Die Gäste für das Sporthotel Villa Rosella wurden zunächst zu deren Hotel gefahren, welches entgegen den Frosch-Angaben höchstens dann 7 Fußminuten entfernt liegt, wenn man die Stunde in 30 Minuten unterteilt und schnellen Schrittes unterwegs ist.

Die erste Begrüßung durch die beiden Teamer vor Ort, Martina und Susanne, war nicht nur herzlich sondern auch für den Magen gut. Dabei zeigte sich auch ein Unterschied zwischen Frosch Sportclub und Sporthotel: Das Haus wird nicht von Frosch geführt sondern wohl komplett gemietet. Dadurch muss man zwar einerseits auf Pistenbrote und einem üppigen Welcome-Frühstück verzichten, doch die reichhaltige und leckere italienische Küche von Claudia ist keinesfalls zu verachten!

Wenngleich wir die erste Reisegruppe in der Saison 2008/09 waren, hatten Martina und Susanne schon umfangreiche Recherchen durchgeführt, Materialien besorgt und sicher auch ein paar Pistenkilometer abgefahren, um uns mit allerlei Informationen einzudecken: Skigebiet, Liftzeiten, Skibusse (die wirklich sehr häufig verkehren!), das Haus, Carabinieri auf der Piste etc. – fast ein Informations-Over-Kill. Im Anschluss gingen wir auf die bezugsfertigen Zimmer, andere zum Skiverleih und einige auch sofort auf die Piste.

In diesen ersten Stunden viel mir auf, dass das Haus (erwartungsgemäß) nicht voll war, dass der Anteil an wiederkehrenden Gästen überraschend hoch ist, dass das Skigebiet viel größer ist, als ich erwartet hatte und vor Ort tatsächlich weitgehend nur italienisch gesprochen wird.


Panorama der Sella-Gruppe am Sellajoch

Das Sporthotel Maria Teresa

Das Sporthotel ist ein familiär geführten Haus: Claudia und ihre Familie kümmern sich um alle Belange ihrer Gäste und sie stellt auch sicher, das wirklich keiner hungrig den Speiseraum verlässt:

  • Zum Frühstück findet sich in Buffetform neben Brötchen, Brot auch leckere Vinschgauer (!), Müsli, Fruchtsalat, Käse, Wurst, Schinken, Joghurt, Marmelade, Honig, Nutella-Ersatz etc. Natürlich auch Kaffee, verschiedene Sorten Tee, Fruchtsäfte und Kakao-Pulver.
  • Zum Abendessen gibt’s zunächst ein wechselndes Salatbuffet mit (mindestens) einer warmen italienischen Vorspeise, anschließend wird Pasta, Hauptgericht und Nachspeise serviert.

Für die Hotelbar erhält man eine Strichliste, die man selbst führt und am Ende des Urlaubs – auch mit Kreditkarte – bezahlt. Das Angebot dürfte für die meisten absolut ausreichend und preislich nicht als teuer zu bezeichnen sein – insbesondere Kaffeespezialitäten, wie beispielsweise Espresso, sind ausgesprochen günstig!
In Italien herrscht übrigens Rauchverbot in Gebäuden. Für Nichtraucher paradiesische Zustände.

Die Zimmer sind geräumig, ordentlich und sauber und werden täglich gereinigt! Allerdings sind die Matratzen ziemlich schmal, so dass eine nächtliche Drehung auch unsanft enden könnte.
Für die kleine Sauna mit Dusche und Liegen im Keller, welche wohl für 3 Personen ausgelegt ist, kann man sich in eine Liste eintragen. Tatsächlich gab es jedoch keinen so hohen Andrang, dass man nicht auch spontan einen Platz im Warmen bekommen konnte.

Im beheizten Skikeller finden sich ausreichend Plätze für Ski, Skischuhe und Snowboards.
Neben dem Speiseraum, der Hausbar, der Rezeption findet sich im Erdgeschoss auch eine Sat-TV-Ecke, falls man ohne Fernsehen nicht leben kann. Für den Zeitvertreib finden sich darüberhinaus auch einige Spiele an der Bar.


Im Grödnertal: Von der Bergstation Seceda geht’s die 10,5km lange Talabfahrt nach St. Ulrich

Urlauber, die mit dem Auto anreisen, können ihr Fahrzeug direkt vor dem Hotel abstellen. Vom Hotel sind es nur ca 3 Gehminuten bis zur Skibushaltestelle, die tagsüber sehr häufig und kostenlos sowohl Richtung Canazei (Einstieg Sellaronda) als auch Penia (Ciampac-Skigebiet) verkehren. Nach Canazei mit weiteren Geschäften, Bars (Frosch-Apres „Speck-Bar“) sind es ungefähr 1.500m, die man demnach auf einem Gehweg auch zu Fuß zurücklegen kann.

Für den Abreisetag ist noch zu erwähnen, dass es – neben dem Saunaraum – auf den beiden Gästezimmer-Etagen jeweils eine separate Dusche mit WC gibt, so dass man auch am letzten Urlaubstag noch ohne Gedränge angenehm warm duschen kann.

Zum Abschluss dieses Teils noch ein nächtliches „Ereignis“:
Wenngleich die Holz-Fensterläden optisch nett aussehen, haben diese den Nachteil, dass sie bei kräftigerem Wind in den Halterungen klappern. Dieses Klappern ist dann in den Zimmern zu hören und sorgte während einer Nacht für manch schlaflose Stunde. Nachdem Martina am Folgetag um die abendliche Fixierung der Fensterläden bat und der Wind nachgelassen hatte, erledigte sich das Problem jedoch.

Das Skigebiet

Bereits bei der ersten Einführung durch Martina am Anreisetag wurde mir klar: Das Skigebiet ist deutlich größer als ich es erwartet hatte. Durch Querverbindungen – die jedoch bei starkem Wind auf den Bergen geschlossen werden – kann man neben den Gebieten des Fassatals auch die Gebiete Alta Badia, Arabba/Marmolada, Grödnertal und Seiser Alm erreichen: Insgesamt rund 200 Lifte und 500 Pistenkilometer. Der Skipass Dolomiti Superski gilt darüber hinaus auch in weiteren Skigebieten der Dolomiten, die jedoch nur mit dem Auto von Alba zu erreichen sind.

Wie bei Frosch-Reisen üblich gibt es in den folgenden Tagen auch Skigebiets-Einführungen: Ciampac, Sellaronga, Lagazuoi und ein „Sella-Pendel“ wurden angeboten.

Leider war es am ersten Skitag auf den Bergen recht windig, so dass unsere geführte Ciampca – Poza di Fassa Tour auf 2.400m gestoppt wurde, da die weiterführenden Pisten und Lifte aus Sicherheitsgründen geschlossen waren.

In den Folgetagen wurde das Wetter jedoch deutlich besser und bescherte neben ausgiebigen Sonnenschein auch einige Pistenkilometer:

Der Klassiker ist sicher die 40km lange SellaRonda: Einmal um das Massiv der Sella-Gruppe und dabei auch das Grödner- und Pustertal passieren. Diese Rundfahrt ist locker an einem Tag zu schaffen – je nach Geschwindigkeit auch zweimal!

Die beeindruckende Tour nach Lagazuoi, die häufig aufgrund der Pferdeschlitten erwähnt wird, gehört wohl zum Pflichtprogramm. Für Liebhaber von Fleischgerichten ist ein Stopp in der Hütte Scotoni wohl ein absolutes Muss: Stichwort Grillteller!

Die 10,5km lange schöne Talabfahrt nach St. Ulrich ist nicht nur angenehm zu fahren und für das Auge interessant sondern auch das leibliche Wohl kommt in der Annatal-Hütte nicht zu kurz. Über St. Ulrich gelangt man darüber hinaus in das Skigebiet der Seiser Alm und von dort mit dem Zubringerbus über St. Christina wieder in die Sellaronda – diese Tour-Erweiterung schaffte ich während meiner Urlaubswoche nicht.


Die Annatal-Hütte bei St. Ulrich direkt an der Talbfahrt gelegen

Ein Abstecher in das Gebiet von Arabba / Marmolada ist wohl auch deshalb so besonders, weil man von Malga Ciapela über drei Gondel-Seilbahnen auf 3.250m befördert wird und dadurch dem höchsten Berg der Dolomiten Mormolada (3.343m) mit Ski am nächsten kommt. Nach der rund 12km langen Abfahrt, die zunächst über den Gletscher verläuft, findet man sich 1.800 Höhenmeter niedriger wieder in Malga Ciapela.

Ein Ausflug in die nord-östlichsten Ecke des Skigebiets führt zum Heiligenkreuz-Hospiz auf 2.043m. Nach dem letzten Sessel nicht die Ski abstellen, sondern die letzten 200m mitnehmen, da man direkt abfahren kann! Bei einer Pause mit fantastischer Aussicht am Fuß der Kreuzkofel-Gruppe sollte man in der „Schutzhütte“ unbedingt den holzverkleideten Gastraum und die ausgetretenen Treppenstufen beachten.


Kirche und Heiligenkreuz-Hospiz am Westhang der Kreuzkofel-Gruppe

Die beiden Frosch-Teamer vor Ort sind bei jeder Frage zur Touren immer gerne behilflich! Martina, die auch italienisch spricht, ruft gegebenenfalls auch mal irgendwo im Skigebiet an, um sicherzustellen, dass man nicht plötzlich ohne Anschluss herumsteht!

Apres Ski & Abendprogramm

Wer nunmehr den Mooserwirt (St. Anton) im Fassatal sucht, wird sicher enttäuscht sein: Zwar handelt es sich um natürlich gewachsene Dörfer und keine französischen Betonburgen, doch hält sich das Apres Ski-Angebot in Grenzen. Zusammen mit den Fröschen ist’s jedoch kein Problem auch in der Speck-Bar in Canazei das Tanzbein zu schwingen oder eine Polonäse mit Dänen, Schweden und anderen Deutschen durch’s Lokal zu starten.

Daneben gab es – wie bei Frosch üblich – an manchen Tagen noch ein Abendprogramm

  • Bowling, im Nachbarhotel
  • Fackelwanderung (ein netter Spaziergang)
  • Snow Tubing
  • …

Zusammenfassend…

… wer die obigen Zeilen gelesen hat, bemerkte es sicher schon: Meine Erwartungen wurden deutlich übertroffen! Das große Skigebiet mit seinen vielfältigen Tourangeboten und dem Rahmenbedingungen dürfte nur von wenigen Gebieten zu toppen sein. Die elektronische Erfassung meines 7-Tage Skipasses nennt immerhin 139 genutzte Liftanlagen, die mich 45.016 Höhenmeter beförderten und ca 239km gefahrene Piste.

Ja, derweil verstehe ich auch die wiederkehrenden Frösche!


Rif des Alpes 2.395m

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