28. Januar 2010

Frosch Sportclub im Palace des Grafen de Renesse (08. – 16.01.2010)

Reisebericht von Juergen Baur (mailbox at jbaur.de)
FROSCH Reiseziel Sportclub Maloja Palace in St. Moritz, Schweiz

„Neuer Sportclub in St. Moritz“ steht da in großen Lettern auf der Startseite von Frosch Sportreisen; im Hintergrund ist ein mächtiges Gebäude mit viel Schnee zu erkennen. Tatsächlich konnte ich neben den Informationen von der Frosch- und Hotel-Website (http://www.malojapalace.com) sogar einen Wikipedia-Eintrag zu dem Anwesen finden (http://de.wikipedia.org/wiki/Maloja_Palace). Die Geschichte und die Fotos waren doch vielversprechend und da zu diesem Zeitpunkt auch die Schneelage in der Schweiz besser schien als in Österreich, buchte ich kurzfristig für Mitte Januar 2010 eine Woche in einer Standard-Suite.

Anreise

Bereits um 21 Uhr startete in Köln der komfortable „Starliner II“ Bus von Bröskamp ins Engadin. Nachdem in Frankfurt noch die letzten Gäste zugestiegen waren, ging es direkt zum Maloja Palace. Ungeachtet mancher Horror-Vorhersagen in der Boulevard-Presse bzgl. eines Blizzards (Schneesturm), der für dieses Wochenende vorhergesagt war, erreichten wir gegen 09:15Uhr des Folgetages den Maloja Palace am Silser See.  Erwähnen will ich jedoch die morgendliche Anfahrt über die teilweise recht schmale Passstraße ins Engadin, vorbei an St. Moritz (der Sportclub liegt gut 15km außerhalb) und den völlig zugefrorenen und verschneiten Seen: Toll!

Nachdem wir unser Gepäck ins Haus brachten, konnten wir uns am Frühstücksbuffet bedienen und erhielten die ersten Informationen. Leider kündigte man an, dass die Zimmer erst gegen 17 Uhr zu beziehen seien, was sich glücklicherweise jedoch nicht gar so hart zeigte.

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Maloja Palace Rückseite im Sonnenuntergang


Der Sportclub im Maloja Palace

Der Maloja Palace befindet sich am Rande des Silser Sees etwa 500m unterhalb des Dorfes Maloja. In dem kleinen Ort finden sich neben ein paar Hotels auch ein kleiner Supermarkt, Geldautomat, örtlicher Skiverleih und –schule.

Informationen zur Geschichte des Hauses findet man vielfältig im Internet. Das Gebäude ist teilweise renoviert. So ist beispielsweise der rechte Flügel oder die dritte Etage noch unbearbeitet. Diese Bereiche werden jedoch von Frosch und einem Partner-Reiseunternehmen auch nicht benutzt. Im Rahmen einer Führung, die auf Nachfrage angeboten wurde, konnten wir jedoch auch Einblicke in diese Räumlichkeiten erhalten.

Die von Frosch benutzen Räume haben meist etwas gemein: IKEA Mobiliar. Im Übrigen weichen jedoch die Stilrichtungen erheblich ab: Von verzierten Heizkörper über ausladende stilvolle  Waschbecken zu modernen Heizkörpern und Glas-Waschbecken.  Selbst die Räumlichkeiten der gleichen Suite-Kategorie  weisen Unterschiede auf. Abhängig von der gewählten Kategorie gibt es ein oder mehrere geräumige  Zimmer und ein Badezimmer (Vollbad). Manche Suiten können auch miteinander verbunden werden. Zu den Suiten gehört auch eine „Kochnische“, die zwar ausgestattet, doch das dort befindliche Induktionsfeld konnte bei mir gar nicht benutzt werden: Unpassender Netzstecker. Die Steckdosen-Varianten sind selbst innerhalb eines Zimmers sehr vielfältig, haben jedoch eines gemein: Euro Stecker passen, Schuko-Stecker nicht! Man sollte also ggf. einen Adapter für Haartrockner (war entgegen der Zimmerbeschreibung nicht vorhanden und musste gegen Pfand geliehen werden) etc. dabei haben. Note-/Netbook-Besitzer sollten ein kurzes Netzwerkkabel einpacken, da sich nur Netzwerk-Dosen auf den Zimmern befinden – ohne Anschlussleitung. WLAN funktioniert nur in der Lobby.

Im Erdgeschoss (Hochparterre) befinden sich in erster Linie die Gemeinschaftsräume:

  • Eingangsbereich/Lobby mit großem Treppenhaus. Die Rezeption (Teamer-Büro) ist jedoch nur an wenigen Stunden besetzt. Manches muss man daher bereits am Vortag planen (beispielsweise gibt es Saunatücher nur gegen Entgelt und nur zu diesen Zeiten). Dort finden sich auch weitere Informationen zu den Skigebieten, Busverbindungen, Wochenprogramm etc.
    In den vorgebauten Wintergarten fiel leider fast nie die Sonne, so dass es dort recht „schattig“ war.
  • Speisesaal (Saal ist hier wörtlich gemeint) in dem Frühstück und Abendessen – weitgehend in Büffetform –  angeboten wird. Anders als in den meisten mir bekannten Frosch Sportclubs gab es jedoch beispielsweise kein Salatbuffet.
  • Ballsaal/Theater, hier ist ggw. die Bar untergebracht. Neben umfangreichen Sitzgelegenheiten findet sich dort auch ein Kicker (Tischfußballspiel).
  • Im linken Teil des Erdgeschosses finden sich überdies noch Aufenthaltsräume mit teilweise „historischer“ Ausstattung.

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Speisesaal, bereits fürs Abendessen gedeckt

Im Untergeschoss finden sich neben dem Skikeller auch der Wellness-Bereich mit Sauna, verschiedenen Duschen, Ruhe- und Massageraum. Aufgrund der Größe des Gebäudes kann man sich in den ersten Tagen fast verlaufen und in einer Woche kommen sicher ein paar Kilometer zusammen. Überdies lassen sich manch Säle wohl schwerer beheizen.

Insgesamt kann man jedoch festhalten: Sehr großzügig und vor allem in Top-Zustand!

Skigebiet

Das Engadin ist neben dem Alpin-Skilauf auch für Langlauf bekannt. Demnach muss man wohl differenzieren.

Ski-Langlauf

Zum ersten Einstieg zu dem angeblich rund 180km langen Loipennetz des Engadins, gelang man bereits nach rund 30m vom Haus. Dort startet auch der Engadin Skimarathon (http://www.engadin-skimarathon.ch). Neben der klassischen Loipe befinden sich auch häufig für Skating präparierte Strecken.  Die Strecken verlaufen teilweise auch über die zugefrorenen Seen. Maloja bildet dabei das Ende des Tals, dh ein echter Rundkurs ist nicht möglich. Für die Experten startet in Maloja jedoch auch schwere Loipe.

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Lopien bei St. Moritz Bad

Die Nutzung der Loipen ist nicht kostenfrei. Vielmehr gibt es kleine Loipenwärterhäuschen an Schnittpunkten, an denen eine Tages-Gebühr zu entrichten ist.

Langlauf-Ski (Schuppenski) und Schuhe können im Sportclub gegen Entgelt geliehen werden. Allerdings sollte man sich am Vortrag darum kümmern: Am Anreisetag konnte ich nicht einfach „mal eben“ in die Loipe.

Alpin-Skilauf

Vom Sportclub aus gelangt man von der rund 5 Gehminuten entfernten Haltestelle mit öffentlichen Bussen, die tagsüber alle 30min verkehren, in die beiden großen Skigebiete von St. Moritz:  Corvatsch und Corviglia. Zum Panorama Skigebiet Diavolezza/Lagalb gibt es stündlich einen Direktbus, der allerdings gut eine Stunde unterwegs ist. Die Nutzung der öffentliche Busse ist im Skipass enthalten.

  • Das Corvatsch Gebiet ist – soweit man von einem Schlepper oberhalb von Maloja absieht – das nächstgelegene Skigebiet (120 Pistenkilometer). Da es ein paar Kilometer von St. Moritz entfernt ist und nicht auf der Sonnenseite liegt, ist es weniger frequentiert.
    Vom Sportclub aus ist die Furtschellas Bahn der nächste Einstiegspunkt. Hier startet auch die Snowsafari des Engadins (http://www.snowsafari.ch). Von der 3.303m hohen Corvatsch Bergstation hat man nicht nur traumhaften Panorama-Blick, man kann sich auch auf die autobahnähnliche Skiabfahrt über den Gletscher freuen.
  • In das Corviglia-Gebiet kann man über die Signal-Bahn einsteigen. Aufgrund der Entfernung muss man allerdings ab dem Club 45-60min rechnen, bis man auf dem  Berg steht. Dafür hat man die Sonnenseite und kann hier und da Einflüsse des Jetsets beobachten. Corviglia ist das ausgedehntere Gebiet und bietet neben Boarder-Park auch Chillout Rinding Piste etc.
  • Diavolezza / Lagalb ist eher die Panorama-Tour. Je Berg gibt es nur zwei präparierte Pisten. Allerdings geht von der Diavolezza Bergstation die 10km lange (unpräparierte) Talabfahrt nach Morteratsch, die während meiner Anwesenheit jedoch gesperrt war. Weitere Highlights:

Am Berghaus Diavolezza (2.978m) gibt es den angeblich höchsten Jacuzzi Europas.
Am Fuss der Lagalb Station kann man auch mal eine kleine Runde auf einem Hundeschlitten mitfahren.
Zwischen St. Moritz und Lagalb kann man auch die Rhätische Bahn benutzen, die sich durch eine Reihe von Kehren im Tal windet.

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Blick vom Piz Nair auf St. Moritz

Für Snowboard-Fahrer sei noch angemerkt, dass sich im Corvatsch-Gebiet mehrere Schlepplifte befinden. Startet man die Snowsafari von Furtschellas kann man jedoch alle umgehen und gelangt über die angeblich schwarze Hahnensee-Abfahrt zum Kempinski Hotel in St. Moritz Bad. Nach rund 400m gelangt man dann zur Signal-Bahn ins Corviglia-Gebiet nehmen.

Skiausrüstung kann – wie üblich bei Frosch – im Sportclub auch geliehen werden.

Das Programmangebot

Das prinzipielle Wochenprogramm hängt an einer Tafel in der Lobby aus:

  • Fast schon als Standard können die Skigebietseinführen bezeichnet werden:
    Es wurden an drei (!) Tagen Touren angeboten, die die beiden großen Gebiete Corvatsch und Corviglia abdeckten.
  • An zwei Nachmittagen wurden Langlauf-Einführungskurse a 2 Stunden angeboten.
  • Zwei Schneeschuh-Spaziergänge, wobei ich hierzu auch den abendlichen Fackel-Spaziergang mit „wärmenden“ kleinem Stärkungstrunk zähle. Schneeschuhe sind im Club verfügbar.
  • An zwei Spätnachmittagen war die Schneebar zum Apres-Ski mit Glühwein geöffnet
  • Ein nachmittaglicher Kaffee-Klatsch in der Bar
  • Nächtlicher Club-Besuch in St. Moritz
  • Welcome-, Motto-, Fare Well Party und Kicker-Tournier etc.

Selbstverständlich kann man auch in Eigenregie das Angebot erweitern: Beispielsweise Winterwandern oder Rodeln in Sils oder Punt Muragl.

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Blick vom Piz Nair Richtung Corvatsch

Zusammenfassend …

Ein tolles Haus und super Räumlichkeiten! Leider liegt es etwas abseits und man muss längere Wege in Kauf nehmen. Dies hat jedoch auch den Vorteil, dass man von der Schickeria – und deren Preise – wenig bemerkt. Einige organisatorische Ausrutscher seien damit entschuldigt, dass wir erst die dritte Woche nach Ersteröffnung waren.  Für mich demnach insgesamt eine tolle erholsame Woche in der Schweiz.

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Schweizer Flagge an der Glüna Hütte mit Bergpanorama

3 Gedanken zu „Frosch Sportclub im Palace des Grafen de Renesse (08. – 16.01.2010)

  1. Gabi

    Kann Dein Fazit nur bestätigen. Ein tolles Haus, grandiose Landschaft, ein Super-Skigebiet, ganz besonders wenn man Alpin und Langlauf kombinieren will.
    Ich war in der dritten Märzwoche da und habe das Ganze bei strahlendem Sonnenschein erlebt. Kann daher nachvollziehen, warum sich die Schickeria einst St. Moritz ausgesucht hat (das Wetter soll hier laut Statistik tatsächlich überdurchschnittlich gut sein).

    Wäre klasse, wenn Frosch das Haus im nächsten Winter wieder anbieten würde!!

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