8. Februar 2007
Reisebericht Singlereise Trois Vallee 19.-28.01.2007
Zum Frosch Reiseziel Sportclub Amandine, TroisVallées, Frankreich
Am ehesten hätte mich mich von einer Reise nach Trois Vallee die Tatsache abgeschreckt, dass die Busfahrt dorthin (von Frankfurt aus) über 10 Stunden dauert – okay von NRW und Berlin aus, sind es einige Stunden mehr, aber dafür kann ich wirklich nichts. Da es vor Weihnachten nicht unbedingt nach einem Wintereinbruch aussah und mich die Höhe von 3000m doch gelockt hat (Boarder-Paradies!!!), habe ich also gebucht und habe es letztlich nicht bereut.
Die Singlereise deshalb, weil man/frau hier auf Gleichgesinnte trifft. Bin nicht wirklich mit der Hoffnung schwanger gegangen, hier meine Traumfrau kennen zu lernen, auch wenn es bei anderen Frosch-Reisen die eine oder andere Begegnung der dritten Art gegeben hat… nein, man kommt einfach schneller ins Gespräch!
Für mich ist Bus fahren eine Qual, egal ob im Sitzen oder Liegen. Es ist einfach eine unbequeme Tortour. Auch wenn im Bus nach Trois Vallee alle in den Genuss eines Liegeplatzes kommen, ist es doch eng und es ruckelt andauernd, so dass ein Sensibelchen wie ich es bin, eben nicht wirklich zu seiner Nachtruhe kommt. Tipp für Leute mit Platzangst: Auf alle Fälle am Gang und wenn möglich unten, da ist die Luftfreiheit etwas besser. Von Frankfurt aus fährt man knapp 10 Stunden (Abfahrt 2 Uhr in Frankfurt, Ankunft 11 Uhr in Le Bettaix) nach Trois Vallee.

Die Lage des Sportclubs von nolimits (die Reise ist ein Gemeinschaftsprodukt mit Frosch) ist phänomenal: Die Entfernung zum Sessellift beträgt keine 30m. Vom Essensraum hat man einen super Blick in die Landschaft und kann morgens sehen, wann der Lift losgeht. Das Haus ist sehr schön, auch wenn die schwarze Inneneinrichtung vom Essensraum gewöhnungsbedürftig ist. Die erste Überraschung: Im Haus darf komplett nicht geraucht werden. Wäre auch sehr merkwürdig, wenn sechs Raucher 32 Mitreisende belästigen, oder? Möchte hiermit vorschlagen, das Frosch dieses Konzept für seine gesamten (Winter-) Häuser übernimmt. Getränke sind all-inclusive, die Auswahl ok (Bier vom Zapfhahn, Weiß- und Rotwein, Apfel- und Orangensaft sowie Mineralwasser (avec ou sans gaz). Des Weiteren fand ich das Mitmachen ganz witzig: Auf- und Abdecken, das Versorgen mit Getränken und das Abwischen der Tische fand nicht durch den Service statt, sondern durch uns selbst, klappte sehr gut! Wobei ich schon anmerken muss, dass der eine Mitreisende mehr und der andere Mitreisende weniger Servicearbeit geleistet hat, das wurde dann aber mit entsprechenden Frotzeleien quittiert.
Das Frühstück war ausgesprochen lecker (insbesondere die Käseplatte) und bot alles, was das Herz begehrt. Das typische französische Baguette wurde durch ein dunkleres Brot ergänzt. Das Abendessen war sehr gut, es hat jeden Abend geschmeckt und man(n) ist wirklich satt geworden. Ein Kompliment an die ausgebildete Köchin des Hauses sei an dieser Stelle nochmals ausgesprochen.
Mein Zimmer war ausreichend groß und „zweckmäßig“ eingerichtet (auch wenn wir im WC kein Fenster hatten, dafür aber im Bad), leider ohne Radio oder TV. Ein Hurra für die Brause, super in Schuss – normalerweise erlebt man ja sein blaues Wunder. Dass in der Sauna Teppichboden verlegt ist, wundert – hat aber viele nicht von einem Besuch abgehalten. Habe auch nur positives vernommen. Es gibt im Haus leider keinen Skikeller in dem die Skischuhe über Nacht trocknen können. Sie werden im Treppenhaus in einem Regal aufgestellt. Entsprechendes Gedränge morgens beim Anziehen ist angesagt, Gerüche müssen in der Nacht verflogen sein (allerdings unter Vorbehalt: Ab Mitte der Woche hatte mich ein Schnupfen erwischt).

Am Ankunftstag empfing uns strahlender Sonnenschein, auf der Terrasse liegen und die Busfahrt verdauen. Einige haben noch den halben Skitag genutzt. Da seit einigen Wochen kein Schnee mehr gefallen war, konnte man nicht von optimalen Schneebedingungen sprechen. Die beiden nächsten Tage waren dennoch gut zu fahren, wobei ganz oben der Schnee noch klasse gewesen ist. Dann brach der Winter ein, Montag Abend fing es an zu schneien, fast 24 Stunden lang. Das war auch bitter nötig (es war keine wirkliche Winterlandschaft, alles braun in braun), die restlichen Tage gab es Schnee satt und fast drei volle Sonnentage – perfekt!
Was mir wieder aufgefallen ist, dass doch wenige Skifahrer einen Helm tragen, erachte ich fast als fahrlässig. Insbesondere weil die Skilehrer mit gutem Vorbild voran gingen und eben einen trugen.
Die Leute sind an so einer Reise eigentlich das Interessanteste. Man wird für sieben Tage in einen Mikrokosmos hinein katapultiert und muss miteinander auskommen. Es gibt wie immer einige Originale: Den andauernden Spaßmacher (der diese Rolle vielleicht nur in diesen Tagen spielt und zu Hause ein Ruhiger ist), der Auffällige (der irgendwie immer aneckt und bei den Frauen absolut unbeliebt ist), der Super-Sportliche (der nur ans Skifahren denkt, und morgens bevor der Lift geht, dort schon steht), die Stille (die nur zum Essen gesehen wurde und abends schnell ins Zimmer verschwunden ist), die Raucher (die dadurch auffielen, dass sie bei minus 15 Grad Celsius auf der Terrasse standen), der Exot (der aus Südafrika zu Skifahren nach Europa kommt), die jungen Hüpfer (die im SFI-Club nicht nur das Tanzbein geschwungen haben), die zwei Schwestern (die doch sehr unzertrennlich waren) und die Pärchen (die auf einer Singlereise natürlich nicht fehlen dürfen).

Die Reiseleiter bzw. Skilehrer waren ausgesprochen witzig und gut drauf, habe selten so eine lustige Truppe erlebt. Die abendliche Performance („Ansage“ genannt) war ein wahrer Genuss, teilweise hat man vor Lachen fast auf dem Boden gelegen. Man muss eben doch ein wenig verrückt sein, wenn man sich diesen Sport in dieser Höhe antut. Dem einen oder anderen hat man das auch angemerkt… ;o))
Die Leute vom Service waren relativ zuvorkommend, schauten aber meistens griesgrämig. Erwarte zwar keine Animation, aber ein doch wenig mehr Freude in den Gesichtern.
Was immer wieder erstaunt oder aber auch nicht: Man findet immer mit den Leuten zusammen, die sich auf der gleiche Wellenlänge befinden. Das passiert auf ganz banalem Wege, in dem man z.B. am Ankunftstag mit einer unbekannten Mitreisenden vom Bus zum Haus läuft, ein Gespräch führt und sich daraus die gesamte Woche die Tischnachbarin ergibt. Oder das man einem anderen Mitreisenden mit ein wenig Französisch aushilft (es ging lediglich um die Bestellung eines Kamillentees…) und der sich dann später als Zimmergenosse herausstellt. Letztlich kann man nicht den Anspruch haben, auf so einer Reise jeden kennen zu lernen, sondern eben nur die, mit denen man eine Woche Spaß haben kann. Und das klappt eigentlich immer.

Mit meinem Zimmergenossen bin ich hervorragend ausgekommen, womöglich lag das daran, dass wir beide Boarder sind. Dennoch weise ich weiterhin vehement von mir, dass ich schnarche!
An einigen Abenden hat sich auch traditionsgemäß eine Doppelkopf-Runde ergeben. Das war entspannend, lustig, überraschend, irritierend und wie immer sehr lehrreich. Wir haben uns u.a. an dem Karaoke Abend zurückgezogen.
Es ging um den Karaoke-Wanderpokal im Wettstreit mit SFI – der Pokal blieb im Haus, so dass die konkurrierenden SFI’ler diesmal mit leeren Händen nach Hause gingen. Spaß hatten wir auch bei der Wahl zu Mister und Miss Wade (deutsch ausgesprochen: Unterschenkel). Von einigen unflätigen Kommentaren abgesehen (übrigens nur von Seiten weiblicher Juroren bei der Mister Wahl), ging es ganz zivilisiert zu. Und gewonnen hat bei den Männern natürlich eine anständige bayerische Wade.

Das Speed-Dating am zweiten Abend war witzig, aber auch sehr hitzig und laut. Mit nur noch heiserer Stimme konnte ich die beiden letzten Damen jeweils zwei Minuten beglücken. Es ist schon merkwürdig, wie mitteilsam die eine und so überhaupt nicht die andere war (gleiches habe ich von den Damen über die Männer gehört). Man merkt halt eben sofort, mit dem/der kann ich mich unterhalten oder aber nicht. An den anderen Abenden konnte man den Tanzkeller von SFI besuchen (keine 100m weit weg), was teilweise exzessiv genutzt wurde.
Die Woche in Trois Vallee war super, auch weil die letzten Tage sonnig waren und man wunderbar fahren konnte. Diese Reise kann ich ohne Wenn und Aber weiter empfehlen.
Antonio Rosa
